Recht auf (irgendwann vielleicht mal) schnelles Internet

https://blog.wdr.de/digitalistan/recht-auf-irgendwann-vielleicht-mal-schnelles-internet/

Recht auf (irgendwann vielleicht mal) schnelles Internet

Kommentare zum Artikel: 21

Noch die große Koalition hatte ein „Recht auf schnelles Internet“ beschlossen. Denn wie allgemein bekannt, ist Deutschland beim Breitbandausbau und beim Mobilfunk nicht Weltspitze, sondern Bummelletzter.

Da ist ein politisches Versprechen wie ein „Recht auf schnelles Internet“ zwar ohnehin schon fast lustig. Doch wie die Bundesnetzagentur dieses Recht jetzt interpretiert, macht einen dann nur noch fassungslos.

Hohes Datentempo: Nur für Städter oder im Ausland

10 MBit/Sekunde im Download müssen reichen

Die Bundesnetzagentur sollte der Politik Vorgaben machen, wie viel Bandbreite eine Internetverbindung bieten soll, um als „schnell“ zu gelten. Die Beamten der Agentur haben die Anfrage offenbar falsch verstanden und beantworten sie, als wären sie gefragt worden, was sie für ausreichend und machbar halten.

Denn das soll für uns Deutsche dann doch erst mal reichen: 10 MBit/Sekunde im Download (Herunterladen), 1,3 MBit/Sekunde im Upload (Hochladen) und eine sogenannte „Latenz“ von maximal 150 Millisekunden. Die Latenz gibt an, wie schnell eine Onlineverbindung reagiert.

Angeblich reiche das aus, um den Zugang“ zu allen relevanten Online-Diensten zu gewährleisten“. Und es sei auch nur eine „erste Wegmarke“, so die Behörde.

Das Ausland lacht uns aus

Ganz ehrlich: Wenn das die gesteckten Ziele der Bundesregierung sind, dann brauchen wir sie nicht. Ich kann praktisch das Gelächter hören – wegen der schlechten Datenverbindung bei offenem Fenster –, das im Ausland angesichts solcher „Ziele“ ertönt. Das wäre so, als ob der Bundestrainer seine Mannschaft motiviert, indem er vorschlägt, diesmal nicht so hoch zu verlieren wie sonst.

Denn solche Werte sind schon heute für einen durchschnittlichen Haushalt unzureichend (speziell im Lockdown). Morgen und übermorgen aber nur noch eine Zumutung. Die Bundesnetzagentur argumentiert dann auch so: Wenn wir uns höhere Ziele stecken, dann wird womöglich der Glasfaser-Ausbau ausgebremst, weil erst mal überall die Lücken gestopft werden müssen.

Gut möglich. Aber seit wann fragt man sich erst, welche Probleme aus dem Weg zu räumen sind, bevor man den tatsächlichen Bedarf definiert? Für jeden Freiberufler oder Unternehmen sind solche Bandbreiten ein schlechter Witz. Für die meisten Haushalte ebenso. Und für alle Gamer sowieso.

Glasfaserausbau in Deutschland; Rechte: WDR/Schieb

Glasfaserausbau in Deutschland wurde nicht verschlafen, sondern verhindert

Es fehlen Siegeswille und Entschlossenheit

Vorher waren 30 MBit/Sekunde im Download im Gespräch. Auch das ist schon nicht besonders viel. Aber die Bundesnetzagentur gibt sich jetzt mit einem Drittel zufrieden.

Mal sehen, ob sich jemand auf der Ampel-Koalition aus der Deckung wagt und Tacheles redet. Ein „Unzumutbar!“ wäre die einzig akzeptable Reaktion. Doch ich fürchte, dass sich die Politik hinter diesen Zielchen versteckt. Ist schön bequem.

Phoenix: Wie digital ist Deutschland tatsächlich?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

21 Kommentare

  1. Wir führen bei unseren Besuchern regelmäßig Umfragen zum Thema Internetgeschwindigkeit durch. Für die deutschen Haushalte haben mehr als 70% der Nutzer für mindestens 100 MBit/s gestimmt. Das heißt, dass nur 30 % der Befragten mit einem Internetanschluss zufrieden sind, der 50 oder 16 Mbit/s im Download schnell ist.

  2. Mittlerweile werden selbst im ländlichen Bereich immer mehr kommunale Glasfaserprojekte durchgeführt, da sind die 10 MBit im Vergleich natürlich ein Witz. Aber braucht es solche Vorgaben im Festnetz-Bereich überhaupt? Viel wichtiger wäre ein flächendeckendes schnelles Mobilnetz, gerade hier gibt es auf dem Land sehr viele Lücken und in Grenzregionen zur Schweiz ist das extrem. Daher sollte man mit Vorgaben auch hier mal nachsteuern und statt diesen Bereich auzusparen.

  3. Sowohl privat als auch mit meinem Büro bin ich lediglich 6 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Zuhause erhalte ich täglich die SMS „Willkommen in Frankreich“. Allerdings sind sowohl das deutsche als auch das französische Netz zu schwach um telefonieren zu können.

    Als SEO-Freelancer benötige ich zügiges Internet, aber auch hier ist es in der Gegend nur (zumindest) über Kabel möglich an eine schnelle Leitung zu bekommen.

    Der Ausbau der digitalen Infrastruktur funktioniert hat bei unseren europäischen Nachbarn eine andere Priorität. Hier wurde einfach zu lange geschlafen…

  4. FairBert am

    Ich möchte jetzt nicht behaupten, „früher war alles besser“, aber die Telefonanschlüsse wurden früher mit (Ab-)Wasser-/Gas- und Stromleitungen innerhalb der Strukturmaßnahmen der Kommunen sofort mitverlegt.

    Seit der Privatisierung der Telekom eben nicht mehr.
    Diese Art der Privatisierung ging – so kann man heute sagen- mal wieder „nach hinten los“.

    Jetzt muss deutlich nachgelegt oder wieder in staatlicher Hand gegeben werden:
    Die Infrastruktur des Mobilfunks und der Internetversorgung über Glasfaser.

    Im zweiten Schritt können dann auch einfacher Vorgaben für die Netzgeschwindigkeiten gegeben werden.

    Aber offensichtlich ist der Staat nicht dazu in der Lage (oder verhindert es so), die privaten Unternehmer in die Pflicht zu nehmen (oder kann/darf er das ?):
    Schließlich gibt es bei einer schlechten Infrastruktur nur Telefon- oder Mobilnetzwerke, möglicherweise beides nicht.

    Seit 10 Jahre gibt es Glasfaser für Internet.

    Es könnte natürlich auch sein, dass genügend Kapazitäten/Reserven für höhere Geschwindigkeiten frei bleiben sollen, damit die privaten Betreiber genügend Spielraum haben, teure Leitungen anbieten zu können.
    Und außerdem soll bis noch bis 2025 das „Recht auf Internet“ für jeden realisiert werden. Da könnte mit der Geschwindigkeit doch erst einmal gebremst werden. Das „WIE“ steht schließlich nicht im Vertrag …

    So viel zur „privaten“ Internetversorgung.

    • JustaRandomguy am

      Oh bitte alles außer den Ausbau in staatliche Hände geben! Der staatliche Tatendrang, den Sie noch so schön romantisiert in Erinnerung haben, verschwand vermutlich in dem Jahr, in dem darüber nachgedacht wurde Aufgabenbereiche zu privatisieren. Wer mindestens innerhalb der letzten 20 Jahre mal mit Behörden zu egal welcher Art zu tun hatte, weiß wie langsam und fehlerhaft dort die Mühlen mahlen – Tendenz: verschlechternd. Unteranderem sind dort verwalteten Straßen für die Netzausbaubetriebe ein Problem. Man kann nicht einfach ohne Genehmigung ne Straße aufreißen. Und So eine Genehmigung dauert länger als die Arbeit mim Bagger. ABER! Auch die privaten sind natürlich Füchse, hier bietet man von sich aus erstmal gar nichts an, sondern wartet auf fette Subventionen.

  5. Finde es super, der Aufbau von Deutschland muss endlich besser werden.
    Andere Länder sind uns weit voraus…
    Fast jeder ist bei Vodafone und das Netz bricht in der Corona Zeit immer wieder zusammen.

  6. Und was nützt das beste Glasfaserkabel, was eine private Firma verlegt, wenn das letzte Stück zum Haus – im Eigentum von Magenta – dann Kupferkabel ist.

    • DasHeimnetzwerkde am

      Es nützt, dass man mit schnelleren Technologien die letzte Kupfermeile brücken kann.
      Je kürzer die Distanz über das Kupferkabel umso höher kann die Geschwindigkeit sein.
      Das kann mit G.fast durchaus an die 1000Mbit/s reichen.
      Ob Telekom & Co das anbieten ist aber eine andere Frage.
      Wenn die Distanz bis zur Umsetzung auf Glasfaser aber 400m oder höher ist dann muss man aber schon nicht mehr über VDSL-Supervectoring nachdenken, geschweige den G.fast

  7. Letztens auf der Eigentümerversammlung. Der Kabeltarif müsste neu abgeschlossen werden, als Alternative bietet sich ein lokales Unternehmen an das Haus per Glasfaser anzuschließen und zu versorgen.

    Das Feedback, „es funktioniert doch alles, kein Bedarf an Änderung und Glasfaser“.

    Das war nicht die Politik, das waren nicht die Unternehmen, nein das sind wir, wir ganz normalen Bürger, welche noch zu oft bei neuen Technologien erst einmal in Deckung gehen und es irgendwie dann doch nicht so wichtig ist.

  8. Reinhold am

    Tja, da schieben sich viele die Verantwortung zu! VDSL mit 100 MBit auf einer Telefonleitung, die in den 1930er Jahren verbuddelt wurde? Geht doch! Warum dann Glasfaser verlegen? Kostet doch nur Geld. Aber die 49,90 EUR im Monat dafür nehmen wir gerne von ihnen entgegen… Das große T „schenkt“ allen Kunden im Dezember 100 Gigabyte Datenvolumen. Wie generös – für 9,95 im Monat (Prepaid) bekommt man sonst 2 GB (die mir allerdings reichen).

    Mit dem Breitbandkabel begann die Misere, die die CDU (damals Helmut Kohl) verschuldet hat. Frau Merkel hat es in 16 Jahren nicht geschafft, das zu ändern. Statt die Mobilfunkfrequenzen für teures Geld zu versteigern (was die Kunden bezahlen müssen) hätte man die Frequenzen vergeben müssen und den Telcos knallharte Vorgaben machen müssen, bis wann was wie ausgebaut sein muss. Und wenn eine Straße saniert wird, gehört da Glasfaser rein. Die Anlieger müssen ja eh fast die Hälfte der Baukosten bezahlen (in NRW).

    Wenn die Videokonferenz der Vorstandssitzung des Kaninchenzüchtervereins ruckelt mag das ja noch angehen, aber Homeoffice mit 10 Mbit und gleichzeitig Homescooling für drei Kinder kann nicht funktionieren!

    Ich kann ja mit fast 65 Jahren noch von FTTH träumen – würde sogar die anderen Eigentümer im Haus überzeugen, die Leitungen zu erneuern. Bin mittlerweile so frustriert, dass ich sogar den Spruch von Herrn Lindner gut finde: „Digital first – Bedenken später!“. Bin geimpft und habe beim boostern die neueste Version des 5G-Chips bekommen, da freut man sich über schnelles Internet noch mehr!

  9. Deutschland 2021. Regional kein DAB+ Empfang in der Eifel. Internet: Glückssache. Mobilfunk: An jedem Abschnitt unseres Urlaubsstrands in Zeeland, fernab von größeren Orten, ist der LTE Empfang mindestens doppelt so gut. 5G? Lohnt sich auf dem Land eh nicht. Viel Spaß mit dem autonomen Fahren. Immer schön auf der BAB bleiben, dann kann man sich beim fahren auch schöneren Dingen widmen…

    • Spacyalia am

      Man kann in D nur noch den Kopf schütteln, ob solcher rückwärts gerichteten Denkweise. Ohne unseren regionalen Anbieter würden wir immer noch Telekom-mäßig mit 14 Mbit durch’s Inet kriechen. Und wir leben noch nicht Mal in der Eifel ;-) so haben wir nun Glasfaser, selbst bezahlt. D.h. aber auch, wer das Geld nicht hat, muss darauf verzichten.

    • Carsten Mohr am

      Ich glaube, auf den BAB ist der allegmeine Empfang nicht besser. Stichwort „Altmeier“, der keine wichtigen Gespräche via Mobiltelefon führt, fahre er über Autobahnen…also das finde ich deutlich. Und rufe ich meine Mutter an, fährt sie im Zug, eine blanke Katastrophe was Verbindungsqualität schon ab Rufaufbau betrifft.

  10. Zum Thema „wer soll das denn bauen“ kann ich nur anmerken: Seit gut 4 Monaten wartet unsere Firma darauf, dass ein altes, defektes Kabel von der Magenta-Fraktion getauscht wird – und wir reden von etwas über 30 Meter….

  11. Carsten Mohr am

    Deutschland ist, soviel ist unbestritten sicher, ein großes Land und mit sehr vielen kleinen Wohneinheiten. Definiert man, bis wohin (Häusergruppen) unbedingt was liegen muß und wo nicht, hätte man natürlich viele weiße Flecken auf der Hochgeschwindigkeitsinternetkarte. Aber wer soll das alles bauen? Wo kommen die Straßenarbeiter her? Wer soll die Infrastruktur dahinter aufbauen, warten?
    Das vieles, was vernünftig klingt und dem einzelnen unverständlich erscheint, so wie das Beispiel von Anja, dann liegen die Gründe doch oft woanders. Genehmigungen einholen, Bauarbeiter einplanen, Budget planen, das Weiterverfolgen eines Anschlußbaus von der Planung bis zum ersten Bit, das aus der Leitung tröpfelt.
    Richtfunk wollen viele nicht, wegen der „Strahlen“. In Frankreich oder Italien wird über den Telefonmast in der Straße einfach ein Glasfaserkabel mit draufgelegt und dann kommen dicke Kästen mit den Abzweigen dran und fertig. Geht hier in Deutschland nicht. VDI,VDE, ISO etc. Normen, Vorgaben, Bestimmungen, denkt euch was aus was noch alles.
    In den Städten ist es in der Regel besser. Je ländlicher, desto schlechter eben. Die Backbones sind da ewig weit weg und die Latenzen entstehen in den Routern der Vermittlungsstellen. Das Webseitendesign, ich sage es immer wieder, mit den Baukastensystemen wie WordPress oder diese Dinger alle laden zum Teil 70 bis 100 Dateien runter, mitunter aus verschiedenen Quellen, um die Seite aufbauen zu können. Wer denkt sich so einen Quatsch aus? Macht die Webseiten leichter, UHD muß ich nicht am Fernseher haben, wenn ich 8,- im Monat für Netflix bezahle (ist auch nicht drin, glaube ich). Und, spielt mal öfters mit euren Kindern oder bei einem Glas Wein mit Freunden.

  12. Herr Schieb, da haben Sie leider sehr Recht. Man kann nur den Kopf schütteln. Wir haben das direkte Beispiel bei uns im Dorf. Unsere Hauptstraße (an der ich wohne) wurde 2016/2017 komplett neu gemacht, alles aufgerissen, neue Kanalisation etc. Was NICHT gemacht wurde: Glasfaser verlegen. Im unteren Teil des Dorfes wurde es in der vorigen Baumaßnahme wohl verlegt – vermutlich, weil dort eine größere Firma mit Einfluß ansässig ist. Aber bei uns herrscht immer noch digitales Mittelalter. Angeblich ist Deutschland ja in allem Möglichen führend. Was die Versorgung mit schnellen Datenleitungen angeht allerdings im Vergleich mit beispielsweise den baltischen Staaten ein echtes Entwicklungsland. Peinlich.

    • Ach, das geht doch noch besser. Neubaugebiet Anfang der 2010er, es wird Kupfer verlegt, man fragt bei KabelBW (damals) an ob die nicht auch gleich Fernsehkabel verlegen wollen weil das doch ein bisschen mehr bringt als das in diesem Gebiet ohnehin nur auf Sparflamme laufende ADLS… tja, da die sich gerade umstruktiert hatten, wollten sie nicht.
      Bis zu VDSL (und selbst das gab es nur, weil man irgendwie durchmogeln konnte, dass die Glasfasern von dem komplett DSL-freien und damit förderfähigen Ortsteil noch ein bisschen verlängert wurde! Und dann 2 Jahre lang nur mit max. 50 MBit/s, weil 100 nicht förderfähig gewesen wäre!) gab’s hier also weder Web noch TV auf neuzeitlichem Niveau, wenn man sich nicht mit Funk und Sat behalf. Für ein Gebiet, wo doch hauptsächlich junge Familien angesiedelt wurden. Glückwunsch!
      Leerrohre gab’s da oben natürlich auch nicht. Immerhin hat die Gemeinde wenigstens beim Sanieren der Ortsdurchgangsstraße (vom Kreis finanziert, 2017-2019) mitgedacht und selber investiert und welche verlegen lassen, weil man weiß ja nie (man hat ja durch die Kombination mit Kanalsanierung etc. etwas Geld gespart – wow!).
      (Aber: Noch SIND die auch leer… weil wir haben ja jetzt VDSL und vielerorts Kabel…)

    • Finde ich eine Frechheit und nach mehreren Jahren im Ausland bin ich nun bei jedem Besuch in Deutschland überrascht, dass sich immer noch nicht viel getan hat. Aber wie mein Vorkommentator schon sagt… irgendwie scheint es nicht nur an der Politik zu scheitern.

Antworten auf /span> Kommentieren abbrechen

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Bitte lösen Sie die Rechenaufgabe : *
20 × 16 =


Top