re:publica 19: Gegen die Verflachung

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re:publica 19: Gegen die Verflachung

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Es reicht ein Blick auf den ersten Programmpunkt nach der Eröffnung, um die Frage zu beantworten, ob die re:publica es überhaupt schafft, über die Netzgemeinde hinaus zu wirken. “Rede des Bundespräsidenten”, steht dort. Frank-Walter Steinmeier nimmt sich 20 Minuten Zeit für ein Grußwort an die Besucherinnen und Besucher. Mit Netzfest und pre:publica beginnt an diesem Wochenende die mittlerweile 13. Ausgabe der Konferenz.

Bundes- und Europapolitiker sind auf ihr schon seit vielen Jahren zu Gast, um sich der Diskussion zu stellen. Doch in diesem Jahr fällt noch einmal mehr auf, wie sehr Bundes- und Europapolitikerinnen und -politiker die Bühnen der re:publica für sich entdeckt haben.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) spricht darüber, wie er Silicon-Valley-Konzerne besteuern will; EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager beantwortet Fragen zur Regulierung der Techwelt; das Bundesarbeitsministerium bekommt als Partner der re:publica Platz eingeräumt, damit Minister Hubertus Heil (SPD) erläutern kann, welche Gefahren er in KI, Blockchain oder 3D-Druck für die Arbeitswelt sieht; und der CDU-Europaabgeordnete Axel Voss stellt sich der Diskussion über die Urheberrechtsrichtlinie – erst, nachdem sie bereits verabschiedet wurde, aber immerhin.

Virtual-Reality-Aufnahme im Bergwerk

Mit dem Virtual-Reality-Projekt “Glück auf” zum Ausprobieren wird auch der WDR auf der re:publica in Berlin zu Gast sein.

“tl;dr” lautet das Motto der re:publica in diesem Jahr. Ein Graus für jede Berichterstatterin und jeden Berichterstatter: Wer diese kryptische Abkürzung auch nur einmal in den Mund nimmt, muss auch direkt im Anschluss erklären, wofür sie überhaupt steht. “tl;dr” ist die in Foren oder Blogs gängige Abkürzung für “too long; didn’t read”.

“Wir widmen die re:publica 19 dem Kleingedruckten”, heißt es zum Motto. “Den Fußnoten. Der Kraft der Recherche, dem Wissen und der Kontroverse. Der Notwendigkeit und Dringlichkeit, die Themen kritisch zu hinterfragen, die polarisieren, uns spalten – oder auch vereinen.” Vielleicht ist dieses Motto deshalb auch ein gutes: Wer gezwungen ist, “tl;dr” zu erklären, beschäftigt sich schnell auch damit, warum es dieses Motto überhaupt braucht.

Für alle unter euch, die in Berlin selbst oder per Livestream dabei sein werden, habe ich bei Twitter eine Reihe von Sessiontipps zusammengetragen – auch über die großen Sessions hinaus. Und wenn euch das zu viel sein sollte: Am 14. Mai veröffentlichen Jörg Schieb und ich die neue Ausgabe unseres Podcasts COSMO TECH. Darin werden wir, komprimiert in einer Stunde, einen Rückblick auf die re:publica und ihre Höhepunkte werfen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

1 Kommentar

  1. Es gibt auch die öffentlich rechtliche Oberflächlichkeit:
    Die Gästebücher von Presseclub und Hart aber Fair schneiden nach ca. 150 Zeichen die Beiträge ab, wer mehr lesen will muss jeden einzelnen Kommentar aufklappen. Damit ist Oberflächlichkeit vorprogrammiert. Ich kann jetzt Querlesen aber selbst wer das nicht kann, dem springen bestimmte Begriffe sofort ins Auge und so gehen interessante Argumente unter, wenn man die Schlüsselbegriffe nicht in den ersten Satz unterbringen kann. Dann hat man sich wohl geeinigt, die wenigen Foren mit 1500 Zeichen auf 1000 Zeichen zu reduzieren. Wieder ein Schritt in Richtung Oberflächlichkeit, aber damit kann man auch schlechter differenzieren; die Folge sind mehr Pauschalisierung und Zuspitzungen bekommen größeres Gewicht. Sequenzielles Blättern und fehlende Absätze zur Trennung von Gedanken sind weitere Probleme bei den oben genannten Gästebüchern, da ist das Forum von Anne Will besser.

    Ein Trick: mit der Suchmaschine MetaGer kann man „anonym öffnen“ und alles ist aufgeklappt; früher konnte man so auch schreiben und abschicken, heute geht das nicht mehr. Neben der besseren Lesbarkeit sind auch noch Cookies, Tracker und Scripte blockiert. Es sollte aber mehr funktionieren ohne öffentlich rechtliche „Cookies, Tracker und Scripte“.

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