re:publica 2018: Das sind die Highlights der Konferenz

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re:publica 2018: Das sind die Highlights der Konferenz

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Es gab diese eine Entscheidung, die der re:publica sehr gut getan hat: der Konferenz extrem positive Mottos zu verpassen. Mitten zwischen der Präsidentschaftswahl in den USA und der Bundestagswahl im vergangenen Jahr, unter der schweren Last von Fakenews, Hasskommentaren und Cyberkriegen, setzte das Team der re:publica auf das Motto “Love out Loud!”. Das hat sich am Ende auch inhaltlich bemerkbar gemacht: Ich habe selten eine so handfeste und konstruktive re:publica erlebt wie 2017.

Dieses Jahr kommen die bis zu 10.000 erwarteten Besucherinnen und Besucher unter einem ähnlich positiven Motto in der Berliner STATION am Gleisdreieck zusammen: “Power of People”, abgekürzt “POP” – das Geräusch, mit dem die Macher der Konferenz gleichzeitig Filterblasen platzen lassen möchten. Schließlich war die re:publica lange auch ein Ort, an dem es sich die Netzgemeinde gemütlich machen konnte – und gleichzeitig ihren mangelnden Einfluss auf die politische Debatte beklagt hat.

Zum Programm gehören in diesem Jahr Dauerthemen wie Netzneutralität und Datenschutz, thematische Hypes wie Blockchain und Künstliche Intelligenz, aber auch Themen tief aus der Netzkultur. Neben klassischen Highlights wie den Auftritten von Sascha Lobo und den immer hervorragenden Sessions von Felix Schwenzel dürfte vor allem das Gespräch mit Chelsea Manning zu den Highlights gehören. Sie wird ein Jahr nach ihrer Freilassung über die Militärhaft in den USA sprechen – über “zivilen Ungehorsam, radikale Politik und die Folgen von unkontrollierter Staatsmacht”.

Chelsea Manning

Die Whistleblowerin Chelsea Manning war Angehörige der US-Streitkräfte und IT-Spezialistin. Sie wurde 2010 verhaftet, nachdem sie der Enthüllungsplattform WikiLeaks vertrauliche Dokumente zugespielt hatte.

Auch weitere Sessions, die spannend werden dürften, beschäftigen sich mit Politik und Gesellschaft. Der Digitalberater Thomas Knüwer und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen zum Beispiel sprechen über Polarisierung in der digitalen Welt – und die Frage, wie wir sie zurückdrehen können. Lena Frischlich, Linus Neumann, Judith Simon und Konrad Lischka diskutieren über die Wechselwirkung zwischen Netz und Öffentlichkeit. Und die Journalistin Ingrid Brodnig geht der Frage auf den Grund, warum “die Rechten so hip im Netz” sind und dort schaffen, was anderen nicht gelingt.

Neben den großen gesellschaftlichen Themen ist die re:publica aber auch immer dann stark, wenn sie tief in die Nischen von Technik und Kultur abtaucht. Serienjournalistin Ulrike Klode und ZEIT-Feuilletonist Lars Weisbrod fordern auf der MEDIA CONVENTION, die auch in diesem Jahr im Rahmen der re:publica stattfindet, zum Beispiel eine neue Serienkritik. Moritz Metz präsentiert die Highlights und Fails seiner Bastelprojekte. Kathrin Passig, Tanja Braun, Undine Löhfelm und Volker König spielen “Tabu” mit Geräten und Techthemen. Und Christoph Boecken taucht tief hinein ins “Internet of shitty Things”, das ich hier in Digitalistan auch schon präsentiert habe.

Außerdem bekommt die re:publica in diesem Jahr einen “vierten Tag” verpasst: Das Team der Konferenz veranstaltet am 5. Mai das “Netzfest”, ein Volksfest im Park am Gleisdreieck, in dem es ein breites Publikum mit den Themen der digitalen Welt bekanntmachen möchte. POP – platzen lassen – das gilt mit über 600 Sessions und bis zu 10.000 Besucherinnen und Besuchern nun auch für die re:publica selbst.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

1 Comment

  1. „Power of People“? Really?
    Zum 25-jährigen Bestehen des WorldWideWeb – in Deutschland “das Internet” genannt – vermisse ich die Zeiten, als es noch ein reines Informationsmedium mit gewissem “Exotenstatus” war – vor allem: es war unreguliert und die sog. “Politik” interessierte sich nicht dafür. Ich fühlte mich dort so frei, wie man sich heutzutage vielleicht nur noch im sog. “Darknet“ frei fühlen kann!
    Heute teilen sich Amazon, Apple, Facebook, Google, Microsoft, die großen Telekommunikationskonzerne sowie einige Endgerätehersteller den schier unerschöpflichen, monetären Wert des Internetkuchens auf, bestimmen die generelle Marschrichtung und wissen stets auf’s Neue, wie sie auch die letzten Daten der Nutzer/innen gewinnbringend für sich vereinnahmen und (weiter)verkaufen können. Sogar ohne große Anstrengung: der Großteil dieser Nutzer/innen ist willig und lässt sich widerstandslos als Datenspender missbrauchen! “Power of People”?
    Dies weckt(e) auch perfide, politische Begehrlichkeiten, die -z. B. ohne die Snowden-Enthüllungen- vermutlich heute noch als („rechte“?) Verschwörungstheorie abgetan würden. Das eigentlich Beängstigende: trotzdem fand bzw. findet kein spürbares Umdenken/Andershandeln statt, wie man z. B. am letzten Facebook”skandal” (Frage: ob der Skandal auch bei einem Wahlsieg Clintons diese Empörung ausgelöst hätte?) eindrucksvoll sieht. Facebook boomt! “Power of People”?
    “Das Internet” hat sich inzwischen -vergleichbar mit einer Tsunamiwelle- unkontrollierbar und unaufhaltbar verselbständigt: wenige Konzerne und die Politik profitieren, Nutzer/innen (der originäre “Lebensmotor” des Internets) haben das Nachsehen. “Power of People”?
    Auch politische Regulierungsbestrebungen des unendlichen Nachrichtendschungels (z. B. NetzDG) oder bürokratieaufwendige Datenschutzmaßnahmen (z. B. DSVGO) werden diese Tsunamiwelle wohl nicht mehr aufhalten können. Wer könnte sie also noch bremsen? “Power of People”?
    Und, mal Hand auf’s Herz und ein wenig offtopic: in Zeiten, in denen die (politische) “Wahrheit” scheinbar durch Mehrheitsbeschlüsse (vgl. z. B. den Fall Skripal oder das, inzwischen als völkerrechtswidrig! eingestufte, Bombardement auf syrische Chemieanlagen – wo blieben Mays und Macrons “vorliegende Beweise”?) definiert, nicht mehr durch Belege gesichert (= “Filterblase”!) und selbst von sog. Qualitätsmedien überwiegend kritiklos respektiert wird („Staatsfunk“?), wie glaubwürdig können da überhaupt noch politisch inspirierte Regulierungsbestrebungen des Internets sein? Glaubt man wirklich, fremde Filterblasen durch eigene Filterblasen bekämpfen zu können – Propaganda vs. Propaganda? Ich erwarte keine Antwort auf diese Frage.
    Aber schön zu lesen, dass auch auf dieser re:publica wieder ganz viel geredet wird und eine ganze Menge („rechter“?) populistischer Filterblasen zum Platzen (pop) gebracht werden sollen. Und was wird sich danach ändern – “POP” oder Flop? Die breite Masse (= “Power of People”?) dürfte es eh nicht interessieren!

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