re:publica 2018: Sascha Lobo und der Kampf gegen rechts

https://blog.wdr.de/digitalistan/republica-2018-sascha-lobo-und-der-kampf-gegen-rechts/

re:publica 2018: Sascha Lobo und der Kampf gegen rechts

Kommentare zum Artikel: 0

Wenn es einen Beleg braucht, dass die re:publica schon lange keine reine “Digitalkonferenz” mehr ist, sondern eine Gesellschaftskonferenz, dann dürfte der traditionelle Abschluss des ersten Tages dafür herhalten: die Rede von Sascha Lobo. Sie setzte auf dem “Selbstexperiment am rechten Rand” auf, für das er das Gespräch mit Rechten, Rechtsextremen und Rechtsoffenen gesucht hatte – und im vergangenen Jahr dazu aufrief: “Worte haben Wirkungen und Debatten haben Macht. Diskutiert!”

Die Rede in diesem Jahr war wohl Lobos politischste. Keine großen Ausflüge mehr ins Digitale. Keine gespielten Verwirrtheiten. Nur ein paar kurze Lacher in aber gleichzeitig absolut ernsthaften Momenten: “Ich kämpfe für eine Gesellschaft, in der eine jüdische, arbeitslose, lesbische She-Male im Bikini betrunken knutschend an jedem Ort mit einer stillenden schwarzen behinderten Ex-Muslima mit Kopftuch auf der Straße tanzen kann – ohne Angst um ihre Existenz haben zu müssen”, rief Lobo – und fügte ein kurzes “… und mit WLAN!” an, um wenigstens einigermaßen seiner Rolle gerecht zu werden.

Lobo hat sich zuletzt immer stärker dem Kampf gegen rechts verschrieben, gegen rechte Argumentationsmuster auch im digitalen Raum und gegen die Diskursverschiebung. Darauf ging Lobo auch gleich zu Beginn ein: “Das Gegenteil von rechtsextrem ist nicht linksextrem. Das Gegenteil von rechtsextrem ist nicht-rechtsextrem.” Das Problem dieses nicht-rechtsextremen Teils der Gesellschaft laut Lobo: “Für gesellschaftlichen Fortschritt braucht man ein Ziel, nicht nur ein Nicht-Ziel. Die Rechten bieten Lösungen an, und wir, die nicht-rechte Zivilgesellschaft, sind einfach nur dagegen.”

Sascha Lobo

Sascha Lobo warf der antipopulistischen Bewegung auf der re:publica eine Inhaltsleere vor – und stellte deshalb sein Konzept des “offensiven Sozialliberalismus” vor.

Um sich “dieses Schlachtfeld nicht aufbrummen zu lassen”, machte Lobo mit seiner Rede ein Gegenangebot, und zwar eine “alte, neue politische Vision”: die des “offensiven Sozialliberalismus”. Drei Punkte führte er dafür vor allem an. Erstens: Redlichkeit als politisches Kriterium. Nachvollziehbare, überprüfbare Daten und Fakten ins Zentrum des Handelns zu stellen – und nicht Aberglauben und Bauchgefühl. Dabei gelte es auch, Zusammenhänge und Daten zuzulassen, die einem nicht in den Kram passen.

Zweitens: Leitwerte statt Leitkultur. Wer von Kultur rede, meine eigentlich Tradition, und Tradition sei nichts anderes, als Gewohnheit, gepaart mit Selbstvergewisserung. Multikulti sei nicht das Problem, so Lobo, wenn es mit der klaren und offensiven Vermittlung von Grundwerten einhergehe: “Lasst doch die Leute in Ruhe und tun, was sie wollen – so lange es im Rahmen der liberalen Demokratie bleibt.”

Und drittens: Investieren für ein soziales Europa. Hier machte Lobo dann doch einen kurzen Ausflug in die digitale Welt: “Die Digitalisierung droht, die Ungleichheit noch zu verstärken.” Also brauche es mehr Investitionen, zum Beispiel in Bildung und Infrastruktur.

Tina Pickhardt twitterte zu Lobos Rede eine Frage, die sich tatsächlich aufdrängt: “Ist das noch re:publica oder schon Bundestag?” Nein, es ist noch re:publica. Und es zeigt vor allem eins: dass die gesellschaftliche Debatte vom Digitalen einfach nicht mehr zu trennen ist. Oder wie Sascha Lobo es zu Beginn seiner Rede sagte: “Gesellschaft bekommt man in Mitteleuropa fast nur noch in der Geschmacksrichtung digital.”

(Videos von den einzelnen Sessions der re:publica werden nach und nach veröffentlicht. Sobald das Video von Sascha Lobos Session da ist, werde ich es hier im Artikel nachreichen.)

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top