re:publica: Wie Markus Beckedahl Monopole aufbrechen will

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re:publica: Wie Markus Beckedahl Monopole aufbrechen will

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Markus Beckedahl kann durch die Besuchermengen der re:publica huschen, ohne dass er groß auffällt. Sascha Lobo erkennen alle am knallroten Haupthaar. Markus Beckedahl begnügt sich mit roten Turnschuhen. Dabei gäbe es die re:publica ohne ihn nicht. Als Kopf von netzpolitik.org hat er das Digitale Klassentreffen gemeinsam mit Johnny Häusler (vom Blog spreeblick) 2007 aus der Taufe gehoben. Heute ist die re:publica die mit Abstand wichtigste Plattform, um über die Digitale Gesellschaft zu diskutieren, 10.000 Besucher in diesem Jahr. Ich habe den engagierten Netzaktivisten auf der re:publica getroffen – und mit ihm gesprochen.

re:publica: Chelsea Manning auf der Bühne; Rechte: WDR/Schieb

re:publica: Whistleblowerin Chelsea Manning auf der Bühne

Von Netzneutralität bis Datenskandal

Natürlich hat Beckedahl das Dauerbrennerthema Netzneutralität angesprochen. Ein ewiger Zankapfel: Lobbyisten wollen die Netzneutralität gerne immer weiter einschränken, während Netzaktivisten sie bewahren wollen. In Deutschland werde die Netzneutralität längst unterwandert, beschwert sich Beckedahl: “Es gibt Schlupflöcher, Mobilfunkdienste können Extradienste anbieten, die nicht aufs Datenvolumen angerechnet werden – das bevorzugt ausgewählte Anbieter und benachteiligt dadurch kleinere Onlinedienste enorm”. Ein altbekanntes Problem, das die Politik aber nicht weiter juckt.

Allerdings scheint das derzeit nicht unser größtes Problem zu sein – denke zumindest ich, und spreche Markus Beckedahl auf den aktuellen Datenskandal Cambridge Analytica an, der auf der re:publica zumindest so konkret keine Rolle zu spielen scheint. Ein Unding, meint der netzpolitik.org-Chef, dass Facebook ungestört derart viele Daten sammeln darf, ohne auch nur einen Hauch von Rechtfertigung oder Offenlegung.

https://vimeo.com/267897311

Jörg Schieb im Gespräch mit re:publica-Gründer Markus Beckedahl

Beckedahl klagt über Politik und befürwortet Digitalministerium

Besonders stört ihn WhatsApp: Der zum Facebook-Konzern gehörende Messenger ist ein Quasi-Standard. “WhatsApp hat eine monopolistische Stellung in Deutschland”, stellt Beckedahl fest. WhatsApp müsste “interoperabel!” werden. Es müssten endlich Schnittstellen her, die es erlauben, dass man mit jedem Messenger Kontakt zu WhatsApp aufnehmen kann. Mit WhatsApp-Usern kommunizieren, ohne sich selbst in die Hände von Facebook zu begeben. “Viele denken, wir seien gegen Regulierung. Dabei ist das falsch: Wir sind für gezielte Regulierung”, erklärt Beckedahl.

Viele Aufgaben – aber wer soll’s richten? Von den meisten Politikern ist Beckedahl nicht sonderlich angetan. “Die twittern ein bisschen, verstehen das Internet aber nicht”, brummt er. “Wir haben in Deutschland eine sehr vitale digitale Zivilgesellschaft. Aber die lebt parallel zur Politik, weil die Politik derzeit lieber Lobbyisten zuhört als den eigenen Bürgern.” Deswegen bräuchte es dringend kompetente Köpfe in Berlin und der EU – am besten mit eigenem Digitalministerium, in dem alle relevanten Fäden zusammenlaufen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. “WhatsApp müsste „interoperabel!“ werden. Es müssten endlich Schnittstellen her, die es erlauben, dass man mit jedem Messenger Kontakt zu WhatsApp aufnehmen kann. Mit WhatsApp-Usern kommunizieren, ohne sich selbst in die Hände von Facebook zu begeben.”
    Diese Aussage Beckedahls verwirrt mich in zweierlei Hinsicht:
    1. Wenn jeder Messenger mit WA kommunizieren könnte, dann würde die Monopolstellung doch nur noch größer, weil WA dann, zwangsläufig, auch noch die Daten (Mobilfunknummer, Geo-Daten, usw.) jener Nutzer erhalten würde, die sich durch Fremdmessengernutzung eigentlich der parasitären Datensammelwut von WA/FB konsequent entziehen wollen. Eine Öffnung für andere Messenger, wäre für WA/FB somit ein Segen mit garantierter Gewinnmaximierung!
    2. Vielleicht war Herrn Beckedahl zum Zeitpunkt des Interviews auch noch nicht bekannt, dass wohl auch WA schon bald zur Reklameschleuder wird?
    Siehe:
    https://www.cnbc.com/2018/05/01/facebook-messaging-boss-david-marcus-whatsapp-more-open-to-ads.html
    Auch unter diesem Aspekt, dürfte WA die Kommunikationsoption mit allen anderen Messengern mehr als nur herzlich willkommen sein.
    Die von Herrn Beckedahl geforderten Maßnahmen, würden WAs “monopolistische Stellung in Deutschland” somit nicht etwa einbremsen, sondern nur noch verstärken und sowohl die Marktpostion alternativer Messengerdienste als auch die Privatsphäre der dort angebundenen Nutzer schwächen, oder nicht!?

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