#rpDUB: Die Highlights der re:publica in Dublin

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#rpDUB: Die Highlights der re:publica in Dublin

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Leere Sessel? So würde es auf der re:publica in Berlin nie aussehen. Doch auch die zweite Ausgabe der Konferenz in Dublin ist eine völlig andere Hausnummer als die Mutterkonferenz. Oder wie re:publica-Chef Andreas Gebhard es zur Closing Session in Dublin formuliert hat: „Menschen erzählen mir, dass sie an dieser Veranstaltung schätzen, dass es privater ist, dass es kleiner ist. Das stimmt. Es ist eben ein leicht anderes Format.“

Die digitale Gesellschaftskonferenz geht seit dem vergangenen Jahr auf „Klassenfahrt“ – was auch deshalb ein guter Begriff ist, weil mehr Besucher aus Deutschland mitkommen, als dass Einheimische vor Ort dazustoßen. Bei der ersten Ausgabe ging es dabei nur nach Irland. In diesem Jahr hat Dublin in den vergangenen beiden Tagen den Auftakt gemacht. Nächste Woche kommt dann noch ein weiterer Stopp in Thessaloniki dazu.

Schon im vergangenen Jahr hatte ich in dieser kleinen Runde den Eindruck, dass die Themen einen größeren Raum einnehmen, als es in Berlin möglich ist, wenn einmal im Jahr die komplette Netzgemeinde zusammenkommt. Und auch diesmal hatte die Dubliner re:publica, die im Light House Cinema im Westen des Stadtzentrums stattfand, ein paar Highlights. Was sich davon auch jetzt noch abrufen lässt, fasse ich euch hier zusammen.

Walter Palmetshofer: „Taxation, a European Issue“

Besteuerung von Techkonzernen. Trockener und langweiliger Stoff – und trotzdem gehen Menschen bei diesem Thema regelmäßig an die Decke. Das liegt zum Beispiel daran, dass die großen Techkonzerne es perfektioniert haben, ihre Steuerlast auf ein Minimum zu drücken. Der Forscher Walter Palmetshofer erklärt in seiner Session die Steuersysteme, die solche Steuersparmodelle von Weltkonzernen überhaupt möglich macht.

Von Unternehmen, die statt 18,6 Prozent plötzlich nur noch rund 2 Prozent Steuern zahlen; von Staaten, die in Steuerwettstreits miteinander treten; von Bürgern, die am Ende die Rechnung zahlen – ich fand Palmetshofers Vortrag erschreckend und gebe ihn Euch als erste Empfehlung, weil sich die Dinge nur dann ändern, wenn wir alle auch wissen, worum es geht.

Wohnungskrise in Dublin. Wobei sich das, was hier besprochen wurde, auch auf viele andere Großstädte auch in Deutschland übertragen ließe. Zu wenige Wohnungen, zu hohe Mieten – in Dublin wird die Schuld auch den vielen Niederlassungen aus der Techszene zugeschrieben, außerdem Wohnungseigentümern, die lieber Gäste per Airbnb als klassische Mieter in ihre Wohnung lassen. Die re:publica hat deshalb Aktivisten, Hausbesetzer und Vertreter der Techkonzerne zur Diskussion geladen – eine spannende Stunde für alle, die sich für die Entwicklung unserer Städte interessieren.

Jillian C. York: „Loving Out Loud in a Time of Hate“

Umgang mit Hasskommentaren. Jillian C. York arbeitet für die digitalen Bürgerrechtler der Electronic Frontier Foundation und setzt sich dort unter anderem für freie Meinungsäußerung im Informationszeitalter ein – und damit auch gegen Gesetze wie das Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das im kommenden Monat in Deutschland in Kraft treten wird.

Ihre Liste an Vorschlägen gegen Hasskommentare fand ich zwar etwas schwach und idealistisch. Spannend an ihrem Vortrag aber: die Liste an Argumenten gegen Löschvorhaben für Kommentare. York zeigt in ihrem Vortrag unter anderem, wie Löschregeln, die eigentlich geschaffen werden, um Nutzer zu schützen, auch dazu eingesetzt werden können, Leute mundtot zu machen, deren Absicht die Gegenrede ist.

Mit der Session von Jillian C. York endeten zwei Tage re:publica in Dublin. Weiter geht es ab Montag in Thessaloniki. Und die Macher der Konferenz scheinen aus dieser Europareise ein regelmäßiges Format machen zu wollen – vielleicht auch in anderen Städten, um so über die digitale Welt auch aus pan-europäischer Perspektive zu diskutieren. Das halte ich für extrem interessant, denn auch in Deutschland sehen wir ja regelmäßig, wie wenig man vorankommt, wenn Netzpolitik nur auf Bundes- oder Länderebene stattfindet – dasselbe gilt für die gesellschaftliche Debatte.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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