Samsung Galaxy S9 – die einzige Frau auf der Bühne spricht über Emojis

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Samsung Galaxy S9 – die einzige Frau auf der Bühne spricht über Emojis

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Über die neuen Smartphone-Flaggschiffe von Samsung wurde schon viel geschrieben. Am Abend vor dem Start des Mobile World Congress hat der Hersteller in Barcelona zur Keynote gerufen – vor vielen Hundert geladenen Gästen und Pressevertretern. Gezeigt wurde mit Galaxy S9 und Galaxy S9+ eine konsequente Weiterentwicklung: Die Geräte sehen fast so aus und fühlen sich fast so an wie ihre Vorgänger; beim ersten Hands-on im Anschluss an die Präsentation hielten sich Aha-Effekte bei mir in Grenzen.

Den Fokus legt Samsung bei Galaxy S9 und Galaxy S9+ vor allem auf die eingebaute Kamera, die bessere Fotos bei Dunkelheit verspricht. Mit “Intelligent Scan” bringen die Geräte eine Sicherheitsfunktion, die Gesichts- und Iriserkennung zusammenfasst – hier bin ich auf erste Tests gespannt. Und der Fingerabdruckscanner findet sich jetzt unter und nicht mehr neben der Kamera. Für mich im ersten Moment sehr angenehm: Ich habe mit meinen fetten Fingern nicht mehr versehentlich auf die Linse gepatscht.

Was in den Berichten über die Präsentation auf der imposanten 360-Grad-Bühne aber unterging: ein Blick auf Redner und Inhalte. Unter den sechs Personen, die Samsung auf die Bühne geschickt hat, befand sich mit Erin Willis genau eine Frau. Nachdem deren Kollegen die technischen Aspekte der neuen Smartphones erläutern durften, waren dies die Themen für die einzige Frau auf der Bühne: neue Kamerafilter, die wie “virtuelles Make-up” funktionieren sollen; eine App, die angeblich ausrechnen kann, wie viele Kalorien das Essen hat, das man mit der Kamera fotografiert; und die neuen Augmented-Reality-Emojis, für die man Frisur, Klamotten, Brille etc. frei wählen kann. Und die Präsentation der neuen Emoji-Funktionen war offenbar auch nicht möglich, ohne dafür nach einer Minute noch einmal einen Mann unterstützend auf die Bühne zu holen.

Erin Williams (Mitte) stellt mit Hilfe von Jonathan Wong (links) die neuen animierten “AR-Emojis” vor.

Mich hat das ein wenig ratlos zurückgelassen. Das Geschlechterverhältnis in der Techbranche ist seit Jahren ein Thema. Es wird auch im Silicon Valley erhitzt diskutiert; Frauen beklagen sich dort über Machokultur und Sexismus. Die bekanntesten Fälle dürften die Hunderten internen Beschwerden über systematische Diskriminierung und Belästigung beim Fahrdienstleister Uber sowie das sexistische Pamphlet über die “ideologische Echokammer” bei Google sein. Und nicht nur im Silicon Valley ist die Techbranche auch im Jahr 2018 vor allem eins: weiß und männlich.

Vor diesem Hintergrund empfinde ich das, was zur Samsung-Präsentation auf der Bühne in Barcelona passiert ist, als mindestens unsensibel. Das reine Geschlechterverhältnis ist das eine. Daran muss sich etwas ändern. Doch das braucht in großen Unternehmen Zeit, und wenn fast nur Männer auf der Bühne stehen, kann man das zumindest als Erinnerung daran sehen, wie viel sich noch tun muss. Das andere aber ist, dass die einzige Frau auf der Bühne dann auch noch zu Themen spricht, die einem Standardwerk für Rollenklischees entnommen sein könnten. Warum fällt das bei Samsung niemandem auf?

Es gibt nur ein Emoji, auf das Erin Willis hätte eingehen sollen: “🤮 – dieses Emoji können Sie in der Techbranche ganz wunderbar nutzen, wenn sie als einzige Frau auf einer Produktpräsentation etwas vortragen sollen. Zum Beispiel über Emojis.”

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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