Hört auf mit dem „Wir“ und „Die“!

https://blog.wdr.de/digitalistan/sascha-lobo-facebook-hass-kommentare/

Hört auf mit dem „Wir“ und „Die“!

Kommentare zum Artikel: 39

Bin ich hier eigentlich der Einzige, der den aktuellen Sascha Lobo zur „Dummheit in sozialen Netzwerken“ für seine bisher schlechteste Kolumne hält? In der er schreibt, es sei oft gar nicht Hass, sondern Dummheit, die sich Bahn breche – und die Gebildeten dazu aufruft, uns im „Deppenmagneten“ Facebook zu unterstützen, damit wir nicht mehr so allein sind im „digitalen Stalingrad der Vollidiotie“. „Recht hat er“, lese ich in meiner Timeline. „Ich unterschreibe jedes Wort.“ „Lobo trifft wieder mal den Punkt.“

Nein, das tut er nicht. Absatzweise die eigene Wut über den Umgangston im Netz und die viel zu lauten Hetzer, Pöbler und Verschwörungstheoretiker rauszukübeln, dabei Millionen Menschen pauschal als dumm zu beleidigen und das komplette Pamphlet dann wie zum Alibi im letzten Absatz noch schnell mit einem dünnen Beleg zu versehen – das mag in einer Kolumne vielleicht erlaubt sein, ist mir aber deutlich zu primitiv.

Der dünne Beleg ist eine Studie der OECD – zugegeben: mit Sprengkraft. Sie belegt sehr eindrücklich, wie digitalfeindlich wir sind: Nur 42 Prozent aller Deutschen mit höherer Schulbildung nutzen soziale Medien – die deutliche Mehrheit von 58 Prozent verzichtet. Bei den weniger Gebildeten kommen die Social-Media-Nutzer dagegen auf 51 Prozent. „Je dümmer, desto Social Media“, schreibt Lobo. In fast allen anderen Ländern dominieren gebildete Menschen.

Was Lobo an Zahlenwerk aber ignoriert, lässt sich bei den Statistikern von Eurostat nachlesen: 10 Prozent der Deutschen mit niedriger Bildung veröffentlichen in sozialen Medien Beiträge mit politischer oder gesellschaftlicher Relevanz. Mit mittlerer Bildung aber sind es 11 Prozent und mit hoher Bildung ganze 16 Prozent. Dass „die Dummen“ die politische Diskussion im Netz bestimmen, ist also schlicht falsch.

Abgesehen von der Frage, wie legitim es ist, Menschen pauschal als dumm zu diffamieren, nur weil sie keinen oder einen niedrigeren Schulabschlusses haben – denn genau so funktioniert die Einteilung der Statistiker. „Eine der simpelsten gedanklichen Verknüpfungen, die Kausalität, misslingt regelmäßig“, schreibt Lobo – und macht genau diesen Fehler selbst: Er leitet aus dem Bildungsgrad eine Kausalität ab, was die politische Einstellung und die Wahrscheinlichkeit angeht, Hasskommentare bei Facebook abzusondern.

Was mich aber am meisten verstört, ist dieses „Wir“ gegen „Die“, das sich aus Lobos Kolumne ergibt. „Wir“, die Hochgebildeten, die Netzelite, die Menschen, die verstanden haben, was gut ist, gegen „Die“, die Ungebildeten, den Netzpöbel, der aus Millionen Menschen besteht, die dumm sind und deshalb Facebook mit ihrem Hass fluten.

Sascha Lobo

„Bitte, mindestens durchschnittlich Begabte, kommt zu uns ins Netz“, fordert Sascha Lobo in seiner Kolumne bei SPIEGEL ONLINE.

Ich stelle diese Denkweise auch in meiner Timeline fest: Wenn die politische Einstellung nicht mehr passt und Facebook-Freunde in die Lager der Pegidisten, AfD-Anhänger oder Verschwörungstheoretiker wechseln, wird der Ton rauer oder direkt die Freundschaft gelöscht. Miteinander zu sprechen, sachlich und mit Argumenten, ist eine gefühlte Seltenheit. Menschen, die sich sowieso schon unverstanden, diskriminiert und isoliert fühlen, werden noch ein Stück mehr abgekanzelt – und fühlen sich dadurch erst recht bestätigt.

Erik Flügge findet dazu in seinem Text „Lüge & Demokratie“ ein paar sehr gute Worte: „Erinnert ihr euch noch daran, wie ihr eure Facebook-Freunde überprüft habt, um herauszufinden, wem Pegida gefällt. Erinnert ihr euch noch daran, wie ihr all diese Menschen als Freunde gelöscht habt. Damals habt ihr einen großen Beitrag dazu geleistet, dass diesen Menschen noch weniger Gegenmeinung begegnet. Ihr habt sie noch mehr in der verengten Weltsicht isoliert. Nun sind sie abgeschnitten von allen Quellen einer Gegenmeinung. Nun können sie ganz und gar agitiert werden.“

Wer ein „Wir“ und „Die“ propagiert, macht die Dinge nur noch schlimmer. Wer Menschen pauschal als dumm bezeichnet und noch nicht einmal differenziert zwischen denen, die wirklich Hass säen, und denen, die sich von Emotionen statt Fakten lenken lassen, gibt ihnen erst recht Bestätigung. Wer Freundschaften bei Facebook löscht, statt die Gegenrede zu starten, so mühselig das auch sein mag, lässt dem Algorithmus freien Lauf, der die Menschen Stück für Stück weiter in ihrer Filterblase isoliert.

Richard Allen

Kritiker sehen auch Europas Politikdirektor Richard Allen in der Pflicht, einen besseren Umgang mit Hasskommentaren zu finden.

Wer Hasskommentare ins Netz stellt, muss dafür Konsequenzen spüren. Mit allen anderen müssen wir um unsere Gesellschaft kämpfen – und das geht nur, wenn wir Zeit und Mühe in die Diskussion stecken und uns vom „Wir“ und „Die“ verabschieden. Das aber scheint Sascha Lobo ganz offenbar nicht zu liegen – in den vielen Kommentaren zu seinen Kolumnen meldet er selbst sich so gut wie nie zu Wort. Aber warum sollte er auch – wo Kommentarspalten doch vor allem von dummen Menschen gefüllt werden.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

39 Kommentare

  1. Ich finde den Artikel sehr gut und richtig, habe allerdings eine kleine Korrektur: Richard Allen ist nicht Europas Facebook-Chef, sondern Facebooks Politikdirektor für Europa.

  2. Vielleicht sollte man über andere Dinge ebenso sprechen?

    „Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass das Bild, das ich von mir selbst habe, zum größten Teil ein künstliches Produkt ist und dass die meisten Menschen – ich schließe mich nicht aus – lügen, ohne es zu wissen? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass ‚Verteidigung‘ Krieg bedeutet, ‚Pflicht‘ Unterwerfung, ‚Tugend‘ Gehorsam und ‚Sünde‘ Ungehorsam? Was weiß ich, solange ich nicht weiß, dass die Vorstellung, dass Eltern ihre Kinder instinktiv lieben, ein Mythos ist? Dass Ruhm nur selten auf bewundernswerte menschliche Qualitäten und häufig nicht auf echte Leistungen gründet? Dass die Geschichtsschreibung verzerrt ist, weil sie von den Siegern geschrieben wird? Dass betonte Bescheidenheit nicht unbedingt ein Beweis für fehlende Eitelkeit ist? Dass Liebe das Gegenteil von heftiger Sehnsucht und Gier ist? Was weiß ich schon von mir, wenn ich nicht weiß, dass jeder versucht, schlechte Absichten und Handlungen zu rationalisieren, um sie edel und wohltätig erscheinen zu lassen? Dass das Streben nach Macht bedeutet, Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe mit Füßen zu treten? Dass die heutige Industrie-Gesellschaft vom Prinzip der Selbstsucht, des Habens und des Konsumierens bestimmt ist und nicht von den Prinzipien der Liebe und Achtung vor dem Leben, die sie predigt? Wenn ich nicht fähig bin, die unbewussten Aspekte der Gesellschaft, in der ich lebe, zu analysieren, kann ich nicht wissen, wer ich bin, weil ich nicht weiß, in welcher Hinsicht ich nicht ich bin.“
    Erich Fromm

    Entnommen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=30286

  3. Wir haben in Deutschland momentan 13 % Menschen mit gar keinem oder mit einem niedrigen Bildungsabschluss. Wenn aus diesem Bevölkerungsanteil die Hälfte der Menschen (51 %) in sozialen Netzwerken aktiv waren, dann sind das 6,6 % der Deutschen.

    Wir haben in Deutschland momentan 38 % Menschen mit einem hohen oder sehr hohen Bildungsabschluss. Wenn aus diesem Segment 42 % in sozialen Netzwerken aktiv waren, sind das 16 % der Deutschen.

    Es sind also gegenüber den (formal) Ungebildeten weit mehr als doppelt so viele (formal) Hochgebildete in sozialen Netzwerken unterwegs. Damit ist Sascha Lobo statistisch widerlegt.

    Quellen (Destatis, OECD) und Erläuterungen zur Befragung in meinem Blog:
    https://stefanolix.wordpress.com/2016/01/22/erregungsstatistik/

    Grundsätzlich wurde bei der zugrundeliegenden Umfrage der EU nur gefragt, ob die Befragten in den letzten 3 Monaten mindestens einmal in einem sozialen Netzwerk aktiv waren. In der Umfrage ging es um den Zugang zum Markt der Kommunikation im Internet und um eine Nennung der genutzten Dienste.

    Eine Aussage über die Art des Netzwerks oder gar über die Art der Aktivität wurde gar nicht abgefragt. Es war ein »Häkchen« unter vielen. Auch das spricht gegen irgendwelche Schlussfolgerungen in sozialer Hinsicht oder in Bezug auf die Kommunikation in sozialen Netzwerken.

  4. Ich glaube eher, dass man sich davon lösen muss, soziale Netzwerke als ‚Kampfplattform für Meinungen‘ zu begreifen. Demzufolge teile ich Lobos Schlussfolgerung nicht.
    Wer hat schon Zeit und Geduld, fremden Leuten im Internet immer und immer wieder zu erklären, dass ihre Argumentation tatsächlich gar keine ist, etc. Da habe ich tatsächlich besseres zu tun. BTW ich finde es sehr löblich, wie sehr Sie selbst hier versuchen, sich mit Kommentatoren auseinanderzusetzen, auch wenn es teilweise vollkommen sinnlos ist.
    Außerdem ist der ‚Wir‘ gegen ‚Die‘ -Vorschlag im Endeffekt eher eine Aufforderung, die ‚Meinungshoheit‘ durch Quantität zu gewinnen, nicht durch Argumentation. Denn Letzteres funktioniert nicht mit Leuten, die nicht zugänglich sind für sachliche Argumentationen.

    Ich finde es aber gut, dass Lobo explizit auf die logischen Fehler hinweist, denen man ständig begegnet. Tatsächlich nicht nur im Pegida-Umfeld, sondern unabhängig vom politischen Lager und auch oft von ‚intelligenten‘ Menschen. Kaum jemand scheint diese Fehler zu bemerken. Man sollte m.E. in der Schule gezielt üben, solche Fehler aufzudecken.
    Genauso sollte man lernen, dass nicht alles im Internet, was nach Mehrheit aussieht, auch eine Mehrheit ist (das gilt auch für Likes).
    Dann kann man den Ergüssen in den sozialen Netzwerken etwas entspannter gegenübertreten und schließt nicht sofort falsche Schlüsse.

    • Dennis Horn am

      @Tina: Mir geht es gar nicht um fremde Menschen in sozialen Netzwerken, sondern um die mir bekannten – und vielleicht noch im erweiterten Kreis die Menschen, die sich in den Kommentaren in meinem Profil zu Wort melden. Sich mit denen auseinanderzusetzen halte ich für wichtig – egal ob offline oder online.

  5. Verwendet er „dumm“ hier nicht im weiteren Sinn? Wer vor Hass sprüht und seinen Zorn in Beschimpfungen und Menschenfeindlichkeit äußert, der lässt nicht sonderlich viel von seiner Intelligenz durchblicken. Selbst wenn ich eigentlich ganz intelligent sein mag, kann ich doch hin und wieder Dummes tun. Hasskommentare gehören definitiv dazu, dafür fällt mir keine Rechtfertigung ein.

    • Dennis Horn am

      @Stefan Fries: Er differenziert aus meiner Sicht nicht einmal zwischen Hasskommentaren (keine Rechtfertigung, nicht tragbar, stimme ich dir zu) und dem, was da sonst noch so rumwabert – vor allem um Letzteres geht es mir. Wäre ich ein Urheber solcher Kommentare: Was passiert, wenn ich für Argumente zugänglich wäre, stattdessen aber lesen muss, ich sei einfach dumm? Umso schlimmer ist es aus meiner Sicht, wenn Lobo „dumm“ hier in einem weiteren Sinne verwendet.

      • …wenn er sich überhaupt die Mühe macht, mit den Leuten in den Foren zu diskutieren. Auf dem Umweg über seine Kolumne klappt das sicher nicht. Ich glaube (möglicherweise im Gegensatz zu Lobo) auch nicht, dass das in irgendeiner Weise repräsentativ ist für die Bevölkerung. Immer wieder nachfragen, was gemeint ist, nach „Warum?“ und Belegen fragen ist gut, offenbart aber doch noch viel zu oft, dass den Leuten daran nicht gelegen ist. Schade. Ich finde, wer seine Meinung öffentlich macht, sollte auch mit Argumenten darüber diskutieren (http://stefan-fries.com/2016/01/21/meinungsfreiheit-in-deutschland-warum-man-nicht-sagen-darf-was-man-sagen-will/). Das ist leider in den meisten Fällen extrem schwierig.

  6. Rumpelstiel am

    Tatsächlich. Dicht!
    War ja zu erwarten.

    Dann nehme ich das „nicht naiv“ zurück und gelobe Besserung und künftige Abstinenz von dieser ihren Seite.
    Die Realität wird sie ganz gewiss auch ohne meine Hilfe einholen.

  7. Rumpelstiel am

    Ja, mich und die anderen drei Viertel des Volkes.

    Hören sie doch auf damit.
    Die Umfragen zu Einwanderung und Flüchtlingshilfen vor einigen Jahren zeigten klar, daß etwa drei Viertel der Deutschen keine weiteren Asylanten wollten.
    Zwei Drittel wollten überhaupt keine neuen Ausländer, aus welchem Grund und welcher Nation auch immer.
    Da gibts doch reihenweise Erhebungen, die gerade sie doch leicht finden sollten.
    Nötigenfalls in den Archiven der Institute, die einmal „Qualitätsmedien“ hießen.
    Das waren auch keine Nazis, sondern Menschen, denen Land und Leute so gefallen haben wie sie waren und die genug Handlungsbedarf innerhalb unserer Grenzen gesehen haben.

    Erzählen sie mir nicht, das sie sich vorstellen können, das sich diese Zahlen nach den Vorkommnissen der letzten beiden Jahre zugunsten einer völlig unbefristeten Einwanderung bei gleichzeitig vollen Leistungen für die Gekommenen geändert haben sollen.
    Ich halte sie ja nicht für naiv.
    Sonst würde ich hier nicht meine Zeit mit sinnlosen Postings vertrödeln, die höchstwahrscheinlich eh im digitalen Orcus landen.

    Aber im Gegensatz zu ihnen kenne ich noch kontroverse Diskurse im Bundestag und Politiker, die eine Meinung hatten und vertraten.
    Das, was wir jetzt erleben, einschließlich der pausenlosen Indoktrination durch Mainstream-Dauerbeschuß, der auch sie geblendet hat, hat mit der Demokratie von vor 30 Jahren, in der ich begonnen habe, mich für mein Land und meine Mitbürger einzusetzen, nichts, absolut nichts mehr zu tun.

    Aber da waren ja auch die Rente und die Bahnhöfe noch sicher.

    Wenn sie ein Kerl sind, blicken sie mal über den Rand.
    Sie werden sich wundern, was es da für interessante Leute und gut begründete Meinungen gibt, die so anders als die sind, die sie täglich um sich haben.

    Aber wenn sie außerhalb ihres Meinungsbiotops nur nach Springerstiefeln suchen, werden sie die auch sicher finden.
    Der Verlust liegt aber dabei bei ihnen.

    • Dennis Horn am

      @Rumpelstiel: Ich fände es schön, wenn wir Argumente austauschen könnten, ohne ständig tief in die Ideologiekiste greifen zu müssen. Noch einmal meine Frage: Wo ist der Beleg für die „drei Viertel des Volkes“, die keine weiteren Asylanten und die „zwei Drittel“, die keine Ausländer möchten? Wir können ohne Belege nicht diskutieren, ich zweifele diese Zahlen an – und Sie möchten mich doch überzeugen.

  8. R. Fleischer am

    Lobo wird m. E. überbewertet. Ich sehe in ihm nur einen „Trittbrettfahrer“, also jemanden, der publikumswirksam auf gerade angesagte Mainstream-Themen aufspringt und seinen Senf dazu gibt, wie z. B. bei Edward Snowden/NSA und jetzt halt auch bei der (ebenfalls überbewerteten) Hass-und Hetze-Manie. Denn: Wer unbedingt ein Flüchtlingsheim abfackeln will, wird dies auch tun, ohne es mit einem Hass-Posting im Web angekündigt zu haben und sich vorher noch ein paar Likes als Bestätigung zu holen! Was also soll der Quatsch? Die (Netz-)Gesellschaft ist ohnehin schon gespalten in (je nach Betrachtungsweise) Gut-, Schlecht- und MirDochEgal-Menschen. Und die Kluft zwischen den beiden Erstgenannten wird zunehmend größer – da hilft auch kein Lobo-Kitt mehr!

    • @R. Fleischer: Möglicherweise gibt es aber auch einfach mehrere Gruppen von Menschen: die, die ihren Hass in sozialen Netzwerken säen, und die anderen, die sich durch diesen Bodensatz motiviert fühlen, Flüchtlingsheime anzuzünden. Vor dem Hintergrund dessen, dass das seit vielen Monaten täglich passiert, halte ich ihre Frage, was der Quatsch solle, für eine unerträgliche Relativierung.

      • R. Fleischer am

        @ Dennis Horn vom 22.01.2016 18:23
        1. Sie schreiben „Möglicherweise“, heißt also „eventuell“ oder „vielleicht“ oder „nicht bewiesen“ oder „man weiß es nicht“ oder „vermutlich“ oder was meinen Sie jetzt genau?
        2. „Vor dem Hintergrund dessen, dass das seit vielen Monaten täglich passiert…“. Eigentor, mein lieber Herr Horn! Sie gehen andere Poster an, Ihnen gefälligst genaue, diskussionswürdige Fakten zu schildern. Dann bitte ich Sie auch mal, um eine sorgfältig aufbereitete Statistik der seit Monaten TÄGLICH(?) brennenden Flüchtlingsheime; aber bitte vergessen Sie nicht (journalistisch-sauber getrennt) nach interner und externer Brandverursachung sowie nach rechtsextrem-motivierten, aber bitte auch nach linksextrem-motivierten „False-Flag“-Anschlägen, zu unterscheiden. Darauf bin ich wirklich gespannt!
        3. Zu meinem „Was also soll der Quatsch?“ stehe ich! Denn hier wird in blindem Aktionismus die Meinungsfreiheit geopfert, statt die konkreten Ursachen zu bekämpfen! Und diese Ursachen kann man eben nicht online, sondern für Sie vielleicht undenkbar(?), nur face-to-face, in vielen persönlichen Gesprächen und vor Ort bekämpfen!
        4. Vor dem Hintergrund der jüngsten Äußerungen Ihrer Kollegin Claudia Zimmermann, tun Sie mir allerdings auch ein wenig leid, Herr Horn. Allerdings vermisse ich Ihre Unterschrift auf http://wdr-dschungelbuch.de/wp/offener-brief-freie-mitarbeiterinnen .
        5. Trotzdem, schönes Wochenende und nicht vergessen: „Streiten schärft den Blick für’s Ganze!“.

        • Dennis Horn am

          @R. Fleischer: Erstens: „Möglicherweise“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eben nicht zwingend die Menschen, die Flüchtlingsheime anzünden auch darüber posten – es sind aus meiner Sicht auch ganz andere Kausalitäten möglich.

          Zweitens: Können wir uns darauf einigen, dass es sich grundsätzlich völlig egal ist, wer Flüchtlingsheime anzündet? In allen Fällen handelt es sich um Straftaten, die indiskutabel sind. Stimmen Sie mir da zu? Auch Linksextreme mögen den sich durch den von mir erwähnten Bodensatz an Hass in sozialen Netzwerken motiviert fühlen – so es denn überhaupt die von Ihnen vermuteten „False-flag-Anschläge“ gegeben hat. Was Ihre Frage nach einer Statistik angeht: Sie kennen sicher die Recherche der ZEIT zu Angriffen auf Flüchtlingsheime im vergangenen Jahr.

          Drittens: Ihre Aussage fußt auf einem falschen Verständnis des Begriffs „Meinungsfreiheit“. Die Meinungsfreiheit wird nicht geopfert, wenn Kommentare in sozialen Netzwerken gelöscht werden – hier üben Netzwerke und Seitenbetreiber schlicht ihr Hausrecht aus. Die Meinungsfreiheit ist außerdem schon durch das Grundgesetz eingeschränkt, wenn es sich um strafbare Äußerungen handelt. Abgesehen davon: Selbstverständlich gehören die Ursachen für Hasskommentare bekämpft.

          Viertens: Was Sie hier betreiben, ist klassisches Derailing – das hat nichts mit dem Thema zu tun.

          Fünftens: Immer gern. Für die Diskussion bin ich hier.

          • Frederic am

            Ihnen ist aber schon klar, daß sie in diesem Posting wirklich alle Resentiments gegen die Lügenpresse bestätigen.

            Herunterreden, ausweichen, relativieren, infragestellen und gaaaaaanz viele Nebenbaustellen aufmachen, um vom unangenehmen Thema abzubiegen, wenn plötzlich Argumente auftauchen, die sie (für uns andere selbstverständlich) NICHT kontern können .
            Oder merken sie das wirklich nicht?
            Ist das in ihren Kreisen schon so Usus geworden, daß sie sich mit dieser Randmeinung allesamt für die politische Mitte und sogar objektiv halten?

            Glauben sie wirklich, Deutschland WILL mehrheitlich FLÜCHTLINGE?
            Unbegrenzt? Eine Million? Zehn Millionen? Hundert Millionen? Oder noch mehr?
            Auf unser aller Deutschen Kosten, die schon jetzt unter Steuer und ständig abnehmenden Sozialleistungen und verwahrlosendem Bildungswesen leiden? Mit schwindender Aussicht auf Rente, obwohl man dafür hart gearbeitet und eingezahlt hat.
            Unter Verlust unserer Identität, Kultur und unseres inneren Friedens und Sicherheit?

            Das glauben sie?

          • Dennis Horn am

            @Frederic: Dass Sie den Eindruck haben, ich relativiere, mag den Grund haben, dass Sie über ein Thema sprechen möchten, um das es hier gar nicht geht. Der Blogartikel beschäftigt sich mit der Frage nach dem Umgang mit Hasskommentaren – und nicht mit der Flüchtlingsdebatte an sich. Sollte letzteres Thema Ihr Anliegen sein, werden Sie an anderer Stelle im Onlineangebot des WDR fündig.

            „In meinen Kreisen“ ist es abgesehen davon Usus, dass Diskussionen mit belastbaren Argumenten geführt werden. Die kann ich leider auch Ihrem Kommentar nicht entnehmen. Aber vielleicht überraschen Sie mich ja und liefern solche noch, im Gegensatz zu den anderen Kommentatoren, die die Diskussion stattdessen lieber schlagartig verlassen haben.

          • Frederic am

            „Dass Sie den Eindruck haben, ich relativiere, mag den Grund haben, dass Sie über ein Thema sprechen möchten, um das es hier gar nicht geht. Der Blogartikel beschäftigt sich mit der Frage nach dem Umgang mit Hasskommentaren – und nicht mit der Flüchtlingsdebatte an sich.“

            Sie sind also der Meinung, daß z.B. eine vermehrte Zahl von Brandmeldungen nichts mit der Tatsache zu tun haben, daß vermehrt Brände ausgebrochen sind?
            Interessant.

            „Sollte letzteres Thema Ihr Anliegen sein, werden Sie an anderer Stelle im Onlineangebot des WDR fündig.“

            Selten so gelacht.
            Der WDR überschlägt sich gerade mit Haßberichten über die SPD-Demo in Essen und zieht hanebüchene Kommentatoren mit voraussehbarer Meinung dazu aus dem Hut.
            Irre ich mich, oder wird da niemand von der AFD zitiert?
            Ist doch genau deren Spezialgebiet.
            Versuchen sie mal probehalber, da was Kritisches unterzubringen.

            „„In meinen Kreisen“ ist es abgesehen davon Usus, dass Diskussionen mit belastbaren Argumenten geführt werden. Die kann ich leider auch Ihrem Kommentar nicht entnehmen.“

            Wir aber auch nicht bei Ihnen.
            Vorlagen von den Vorpostern gabs doch genug.

            „Aber vielleicht überraschen Sie mich ja und liefern solche noch, im Gegensatz zu den anderen Kommentatoren, die die Diskussion stattdessen lieber schlagartig verlassen haben.“

            Wer hat denn hier schlagartig verlassen?
            Poster „Rumpelstilz“ etwa?
            Der scheint, nach der Uhrzeit seiner Postings zu urteilen, hier wohl gegangen zu sein, nachdem seine Konter nicht mehr veröffentlicht wurden.
            Was Konstruktives war vorher von Ihrer Seite ja auch nicht dabei.

            Auf meine Fragen sind sie auch nicht eingegangen.
            Wieviele Millionen oder Milliarden Flüchtlinge sind noch ok?

            Allerdings bestärken mich ihre Äußerungen, politisch die Menschen zu wählen, die sich für eine gründliche Zäsur in den Medien mit entsprechenden Änderungen der Köpfe einsetzen.
            Das Versagen der Mainstreammedien ist ja offensichtlich und zweifelsfrei die Ursache für den extrem abgefallenen Umgangston.

            Wenn den Leuten keiner zuhört, fangen sie irgendwann das Schreien an.

            Eine Steigerung gibts dann aber noch.

          • Dennis Horn am

            @Frederic: Noch einmal: Ich werde mich zur Flüchtlingsdebatte hier nicht äußern, weil sie nicht das Thema ist. Sie befinden sich in einem Blog zur digitalen Welt. Thema ist hier der Umgang mit Hasskommentaren – nichts anderes. Beim Thema zu bleiben, ist eine der Grundregeln der Netiquette, nicht nur im WDR. Sie haben an anderen Stellen die Möglichkeit, an der Flüchtlingsdebatte teilzunehmen. Wenn Sie den Eindruck haben, der WDR hat Aspekte bisher nicht beachtet, steht Ihnen der Kontakt zu vielen Redaktionen aus unserem Haus frei. Schreiben Sie mir auch gern persönlich.

            Zu Ihren anderen Punkten:

            – Bitte nennen Sie mir die konkreten Stellen in den Kommentaren, an denen Ihnen belastbare Argumente fehlen; dann liefere ich sie gerne nach, sofern es ums Thema geht.

            – Schlagartig verlassen hat die Diskussion der Nutzer Rumpelstiel, ja. Ihr Vorwurf, seine Konter seien nicht zeitig veröffentlicht worden, trifft nicht zu. Es gibt hier im Blog keine Moderation vor Veröffentlichung; alle Kommentare waren direkt nach dem Verfassen sichtbar.

            – Den Vorwurf, „den Leuten“ höre keiner zu, lasse ich nicht gelten. Ich lese alle Kommentare unter meinen Veröffentlichungen und reagiere darauf. Sonst käme unsere Diskussion ja auch gar nicht zustande. Ich gebe Ihnen allerdings insofern recht, als dass die Aufgabe, auch nach der Veröffentlichung der eigenen Beiträge einen Dialog mit dem Publikum zu führen, aus meiner Sicht insgesamt zu wenige Journalisten wahrnehmen.

  9. Krischan Piepengruen am

    Hallo Hr. Horn,

    daß Sie den Herrn mit dem albernen Irokesenfrisürchen mit seiner linken Pampe, die er regelmäßig auf SPONline über alle auskübelt, die nicht seiner Meinung sind, ein wenig dekonstruieren, ist durchaus verdienstvoll. Widerspruch ist Lobo (wie heißt der Vogel eigentlich richtig?) kaum gewöhnt, keine Will, Illner oder Maischberger, die ihn, den mehrfachen Studienabbrecher, nicht sofort als allwissenden „Netzexperten“ ankündigt. „Offenbar gibt es aber“, meint weiter oben eine Mitdiskutantin völlig zu recht, „einen Reflex, erst mal alles gut zu finden, was Sascha Lobo schreibt.“

    Lobo steht, wie andere linke Hetzer, mittlerweile vor den Trümmern seiner spärlichen geistigen Existenz. Die ganze mediale Hetze gegen PEGIDA und AfD hat nicht nur nichts von dem gebracht, was sich die Mainstreammedien erhofften, sondern genau das Gegenteil, in allen Umfragen liegt der Gottseibeiuns, die vermaledeite Partei deutlich vor den medial hofierten Linken und Grünen und das ist vermutlich erst der Anfang.

    Lobo ahnt vielleicht, daß sich die Transformation vom WIR zum DIE schon recht bald gegen IHN und seinesgleichen richten wird: ein Männchen auf verlorenem Posten…

    • @Krischan Piepengruen: Ich fände es ja gut, verbal ein bisschen abzurüsten. All die harschen Begrifflichkeiten, Vorwürfe und Ideologie fördern in mir auch oft die Unlust, in Kommentaren noch auf die Suche nach Argumenten zu gehen. Und an dieser Stelle muss ich Ihnen auch leider sagen, dass ich zwar diese eine Kolumne von Sascha Lobo für fehlerhaft und schädlich halte – seine anderen dagegen für das Gegenteil.

    • Genau solche Kommentare sind es, die Diskussionen über Sachthemen so anstrengend machen. Es wird beleidigt („albern“, „linke Pampe“, „auskübelt“, „Vogel“) anstatt sachliche Argumente zu benutzen. Schade, dass Sie Dennis Horns Aufruf mit Ihrem Kommentar konterkarieren.

  10. Rumpelstiel am

    „……in die Lager der Pegidisten, AfD-Anhänger oder Verschwörungstheoretiker wechseln….“

    Merkste jetzt selbst, ne?

      • Rumpelstiel am

        In der Tonne fehlen noch so Sachen wie „Pädophile“, „Tierquäler“ oder „Müll-nicht Trenner“.

        Gesocks halt allesamt.

          • Krischan Piepengruen am

            Na, Herr Horn, vermutlich meint Ihr Leser Rumpelstiel, daß Sie mit Ihrer Aufzählung „Pegidisten, AfD-Anhänger oder Verschwörungstheoretiker “ genau das tun, was Sie unserem Irokesenherrn vorwerfen, Sie wirzen und diezen…

          • @Krischan Piepengruen: Nein, das tue ich nicht. Ich kritisiere in meinem Artikel nicht, dass Menschen Dinge zugeschrieben werden. Wie auch? Es gibt nun einmal Pegidisten, AfD-Anhänger und Verschwörungstheoretiker. Was ich kritisiere: dass (aus meiner Sicht zu viele) Menschen nicht miteinander reden und sich stattdessen zum Beispiel gegenseitig beleidigen. Das halte ich anders.

  11. Vielen Dank für diesen Beitrag. Nein, Sie sind zum Glück nicht der Einzige, ich habe schon weitere, wenn auch nur einzelne kritische Stimmen dazu gelesen. Offenbar gibt es aber einen Reflex, erst mal alles gut zu finden, was Sascha Lobo schreibt. Eine weitere kritische Diskussion der Kolumne von Lobo findet sich hier. Empfehle vor allem, die Kommentare zu lesen (gilt nicht für alle) https://t.co/xfU5zl8Ssc

  12. Herr Horn, sie schreiben: „Er (Lobo) leitet aus dem Bildungsgrad eine Kausalität ab, was die politische Einstellung und die Wahrscheinlichkeit angeht, Hasskommentare bei Facebook abzusondern.“ Zunächst, Lobo gibt, genau wie sie und jetzt ich, nur seine persönliche Meinung ab, die man nicht teilen muss aber kann. Und genau das tue ich. Schauen sie sich z.B. die Statements vieler Pegida – Sympathisanten in diversen Interviews ihrer reportenden Kollegen des Fernsehens an. O.k., sicher nicht repräsentativ, jedoch erübrigt sich nach diesen Interviews schlicht jeder Kommentar; die Aussagen stehen für ihre Verursacher. Und genau die sind, es, die sich nach ihrem „Montagsspaziergang“ an den heimischen Rechner setzten und ihrem hässlichen Geschwurbel auf Facebook, etc. freien Lauf lassen und sodann auch noch glauben, SIE seien das Volk.
    Gefährlicher, und da gebe ich ihnen recht, sind in der Tat die Bildungsbürger, die auch bei Pegida & Co. mitmarschieren, sich jedoch nicht interviewen lassen. Gehen sie ein paar Jahrzehnte in der Geschichte zurück, DAS hatten wir in D alles schon mal.

    • @Böller: Dass es seine Meinung (und mit Sicherheit sein Erfahrungswert) ist, möchte ich gar nicht in Abrede stellen. Aber auch Kommentare sind umso stärker, je besser sie mit Fakten untermauert sind. Das fehlt mir hier erstens, weil Lobo schlicht nicht differenziert. Zweitens geht es mir weniger und Meinung und Erfahrungswerte (die man teilen kann oder nicht – kein Widerspruch), als viel mehr um das, was aus dieser geäußerten Meinung als Konsequenz erwächst – und das halte ich für gefährlich.

    • Rumpelstiel am

      Wer drei Viertel des Volkes bei diesem derzeit ablaufenden Wahnsinn (auch „Willkommenskultur“ genannt) übergeht und ihren berechtigten und nachvollziehbaren Einspruch mit Vorwürfen der „rechtsnationalen Gesinnung“ (wahlweise „dumm“, „dumpf“, „-Hasser“, „-Feinde“ ) beleidigen will, wird anschließend von den selbst geschaffenen Rechtsnationalen umgeben sein.

      Und ja, diese Leute sind die Mehrheit.
      Egal, was in linksgrünen Journalistenzirkeln und peinlichen „Promis“ skandiert wird.
      Denn die Meinungsdiktatur und die neuen Nazis kommen von links.

      Daß der Ton so geworden ist, wie er ist, daß es AFD und Pegida überhaupt gibt und das da mittlerweile Zehntausende mitmarschieren (übrigens mit einem überdurchschnittlichen IQ, wie der ÖR in einer Umfrage selbst feststellen mußte) liegt allein an Leuten wie ihnen und Herrn Horn.
      Beharrlich und unbelehrbar.

      Lassen sie sich mal von einem Soziologen die Parallelen zwischen „Juden raus“ und „Refugees are welcome“ erklären.
      Ihnen würden die Haare zu Berge stehen…wenn sie das denn überhaupt verinnerlichen.
      Und genau da liegt das Problem.

      • @Rumpelstiel: Fangen wir doch einmal bei dem an, was Sie als Fakten nennen: die angeblichen „drei Viertel des Volkes“. Haben Sie dafür einen Beleg?

        Die Umfrage, die Sie ansprechen, wurde außerdem nicht vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchgeführt, sondern von der TU Dresden. Sie hatte auch nicht zum Ergebnis, dass Pegida-Teilnehmer (zu diesem Zeitpunkt, nicht zwingend auch heute) einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten hatten, sondern ein gutes Bildungsniveau. An den Umfrageergebnissen sind außerdem Zweifel angebracht: Die Umfrage war nicht repräsentativ.

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