Schau mir ins Gesicht, Facebook!

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Schau mir ins Gesicht, Facebook!

Kommentare zum Artikel: 3

Am 25. Mai tritt in Deutschland die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in Kraft, an die sich sogar Konzerne wie Facebook zu halten haben. Eigentlich sollen dadurch weniger Daten erhoben werden, also mehr Privatsphäre für uns alle. Da wundert es schon, dass Facebook ausgerechnet jetzt die Gesichtserkennung in Europa wieder einführen will. Der Cambridge-Analytica-Skandal scheint wohl schon wieder vergessen zu sein. Gesichtserkennung bedeutet schließlich MEHR Daten.

Gesichtserkennung: Software erkennt zuverlässig jedes Gesicht in Fotos; Rechte: Facebook

Gesichtserkennung: Software erkennt zuverlässig jedes Gesicht in Fotos

Wieder eingeführt: Facebook erkennt Gesichter

Gesichtserkennung . da war doch was? Richtig: Facebook hatte diese Funktion schon mal – doch sie wurde in 2012 aus Gründen des Datenschutzes wieder eingestellt. Und jetzt, wo die Regeln strenger werden, führt Facebook sie wieder ein? Das erstaunt. Das Argument von Facebook: Die Funktion sei praktisch – und man habe die Funktion nun mit Opt-In im Angebot. Bedeutet: Nur wer die Funktion ausdrücklich aktiviert, nutzt sie auch.

Dazu muss man wissen, wie die Gesichtserkennung funktioniert. Spezielle Algorithmen sind in der Lage, jedes Gesicht blitzschnell zu vermessen, ob in Fotos oder Videos. Facebook wendet diese Technik aber erst mal nur in Foos an. Der Vorteil der Funktion in Facebook: Taucht das eigene Gesicht auf einem Foto von anderen auf, bekommt man eine Benachrichtigung. Man wird also informiert, wenn andere etwas hochladen. Das passiert sonst nur, wenn man auf einem Bild markiert wurde. Theoretisch bedeutet die Gesichtserkennung also einen Vorteil.

Am 25. Mai tritt in der EU die DSGVO in Kraft

Sammelklage gegen Gesichtserkennung in den USA

In der Praxis ist das alles aber vor allem eins: Spooky. Selbst in den USA hat ein Gericht aus San Francisco nun eine Sammelklage gegen Facebook zugelassen. Viele Amerikaner stören sich daran und fühlen sich in ihrer Privatsphäre verletzt. Dazu muss man allerdings wissen, dass in den USA die Gesichtserkennung seit Jahren zum Standardrepertoire von Facebook gehört – und dort standardmäßig aktiviert ist.

Den Weg, den Facebook nun in Europa gehen will, ist zweifellos der bessere. Wer es unbedingt ausprobieren möchte, der kann es auch. Aber wie beängstigend ist es, wenn ein Netzwerk die Gesichter von zwei Milliarden Menschen kennen kann – und blitzschnell und einigermaßen zuverlässig alle eingereichten Fotos nach diesen Gesichtern durchforsten kann? Es gibt Staaten, die freuen sich, das zu hören.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Vanessa Maier am

    Meine Eltern haben mich auch schon davor gewarnt,es ist sehr traurig was wir Menschen heute zu Tage machen!

  2. “Es gibt Staaten, die freuen sich, das zu hören.”
    Richtig – und Deutschland ist sogar ganz vorne mit dabei!
    Nennt sich “Polizeiaufgabengesetz” und soll (als Prototyp) zunächst in Bayern laufen, später auch in Restdeutschland.
    (*) “…Dabei dürfen laut Gesetzentwurf „Systeme zur automatischen Erkennung und Auswertung von Mustern, bezogen auf Gegenstände und das Verhalten von Personen“ eingesetzt werden. Auch die Identifizierung von Personen, beispielsweise mit Gesichtserkennung, soll unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt sein. …”
    (*) Quelle:
    netzpolitik.org/2018/csu-will-polizei-in-bayern-zum-geheimdienst-aufruesten

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