Schluss mit „Wir dürfen alles“ bei Facebook und Co.

https://blog.wdr.de/digitalistan/schluss-mit-wir-duerfen-alles-bei-facebook-und-co/

Schluss mit „Wir dürfen alles“ bei Facebook und Co.

Kommentare zum Artikel: 3

US-Senatorin Dianne Feinstein verdient Respekt, denn sie ist die erste, die mit klaren Worten formuliert, was eigentlich auf der Hand liegt – und schon längst hätte gesagt werden müssen. Bei der Anhörung im US-Senat wegen der Einmischung russischer Quellen in den Wahlkampf 2016 sagte sie in Richtung Facebook, Google und Twitter: „Sie haben diese Plattformen gebaut, jetzt werden sie missbraucht. Und Sie müssen etwas dagegen unternehmen – oder wir werden es tun“. Ein Satz wie eine Ohrfeige, aber gleichzeitig so präzise wie ein Skalpell, weil die Senatorin an der genau richtigen Stelle ansetzt.

Senatorin Dianne Feinstein knöpft sich die Unternehmen aus dem Silicon Valley vor

Senatorin Dianne Feinstein knöpft sich die Unternehmen aus dem Silicon Valley vor

Die Spielregeln ändern sich

Recht hat sie, die Senatorin. Eine Demokratin übrigens. Denn was bilden sich die Onlinedienste eigentlich ein, dass sie meinen, ihre eigenen Spiegelregeln wären wichtiger als gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen? Das Internet macht es ihnen in der Tat leicht, ihr eigenes Ding zu fahren. Es müssen keine Produkte hergestellt, in Schachteln verpackt und verkauft werden. Die Server können sonst wo stehen – der Rest ist virtuell. Das macht Kontrolle schwer – und Sanktionen erst Recht. Deshalb macht es ihnen auch nichts, wenn russische Akteure Anzeigen kaufen, die in den US-Wahlkampf eingreifen.

Bislang sind die Konzerne mit ihrem Schlendrian durchgekommen. Doch die Zeiten ändern sich. Wenn US-Senatoren die Geduld verlieren und sich gegen Facebook, Google und Co. wenden, dann hat das zweifellos eine andere Kraft und Wirkung als wenn ein deutscher Justizminister etwas zu bewegen versucht. Lange haben die US-Konzerne nur geschmunzelt, wenn in Europa Datenschutzprobleme oder Verbraucherschutz zur Sprache kamen. In den Anhörungen des US-Senats ist den Verantwortlichen das Lachen vergangen. Die Manager spüren den Stimmungsumschwung.

Facebook bereitet entscheidende Veränderungen vor; Rechte: dpa/Picture Alliance

Facebook muss sich am meisten Kritik gefallen lassen

Mehr Einschränkungen bringen mehr Freiheit

Natürlich ist es ein Skandal, dass es überhaupt möglich ist, dass ausländische Auftraggeber massenhaft politische Werbung mit diffamierenden Botschaften buchen können. Doch ist das nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist vielmehr, dass sich die Konzerne gerne ihrer Verantwortung entziehen – erst recht, wenn es um Verantwortung im Ausland geht. Sie gehen davon aus, dass überall auf der Welt dasselbe Verständnis für Richtig und Falsch, für Erlaubt und Verboten herrscht wie in den USA. Ein Trugschluss.

Bislang hat ihnen geholfen, dass das Internet als „frei“ gilt – jede Einschränkung gleich als Zensur verschrien ist. Doch von dieser Vorstellung muss man sich lösen. Ein zugemülltes Internet, in dem keine Regeln existieren und keine Konsequenzen möglich sind, ist ein furchtbarer Ort. Nirgendwo darf alles erlaubt sein – auch im Netz nicht. Und erst recht sollten es keine Unternehmen sein, egal wo sie sitzen, die diese Regeln vorgeben. Sie sollen sie befolgen, aber ganz sicher nicht bestimmen.

Es werden künftig Staaten und Länder sein, die die Spielregeln für Facebook und Co. vorgeben.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Muscolino Giovanni am

    Sie sind ein Betriebsleiter, ein privater Investor oder besser eine Person, die schnelles Finanzierung in Anbetracht einer Lage benötigen. Sie, die auf der Suche nach Gelddarlehen sind. Hier eine Gelegenheit, online Geld in 48 zu leihen Stunde biete ich Ihnen ein darlehen 10.000€ zu 500.000€ bis zu 20.000.000,00€ mit einem Satz von 3% an. Hier meine E-mail: muscolinogiovanni61@gmail.com

  2. @Holger, das ist merkwürdig, denn ich dachte, genau dafür wären Journalisten da: Um Missstände in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft aufzuzeigen. Genau das machen wir hier in Digitalistan – mitunter. Ich finde nicht, dass wir Journalisten Nordkorea sind.

  3. Holger Blumenwald am

    Ich denke nicht, dass Reporter, Journalisten oder irgendwelche anderen Medienvertreter in der Position sind, soziale Netzwerke und deren Rolle bzw. Verantwortung bei Wahlkämpfen zu kritisieren. Das ist ungefähr so, als würde Nordkorea die Schweiz aufgrund von Menschenrechtsverletzungen verklagen.

    Aber zum Thema: Klar, man kann auch das Internet (bzw. Alles) immer weiter reglementieren, statt das eigentliche Problem zu lösen. Das eigentliche Problem sind Menschen, die nicht (mehr) in der Lage sind, für sich selbst zu denken und dadurch mehr und mehr bevormundet werden müssen.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top