Finanzminister Scholz will Steuerschlupflöcher beim Onlinehandel schließen

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Finanzminister Scholz will Steuerschlupflöcher beim Onlinehandel schließen

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Waren online einkaufen? Das heißt in vielen Fällen wohl: bei Amazon oder eBay bestellen. Nicht zur reinen Freude des Fiskus, denn viele Händler führen bei Bestellungen über diese Portale keine Umsatzsteuer ab. Das Problem ist: Amazon ist längst nicht mehr nur Händler, sondern immer mehr Plattform. Praktisch jeder kann unter dem Amazon-Dach Waren anbieten oder verkaufen. Bei eBay sowieso. Ein zunehmendes Problem, gegen das Bundesfinanzminister Olaf Scholz etwas unternehmen will.

Amazon und eBay sorgen nicht ausreichend dafür, dass Umsatzsteuer abgeführt wird

Wer liefert hier eigentlich?

Wer bei Amazon Waren sucht und bestellt, achtet nicht immer darauf, wer denn da eigentlich liefert. Sieht alles nahezu identisch aus. Das ist von Amazon durchaus so gewollt. Nur wer es wirklich drauf anlegt und sich die Details anschaut, kann erfahren, ob eigentlich Amazon liefert oder jemand anders.  Man kann also, aber kaum einer macht es. Denn herauszufinden, ob das Unternehmen in Deutschland, Frankreich oder Singapur sitzt, bedeutet Rechercheaufwand.

Doch einfach so zu vertrauen und zu klicken kann folgenreich sein: Bei eBay und Amazon gibt es (viel zu) viele Unternehmen, die Rechnungen aus China verschicken – ohne ausgewiesene Mehrwertsteuer, und oft auch erst, wenn man sie ausdrücklich auffordert, eine Rechnung zu stellen. Ich habe das selbst schon x-fach erlebt. Trotzdem kommt die Ware schon ein, zwei Tage später an. Bedeutet: Sie wird aus Europa verschickt. Dann wäre aber auch Umsatzsteuer abzuführen (und auszuweisen).


Einnkaufen bei Amazon: Steuerlich oft problematisch

Scholz will Schlupfloch für Betrug stopfen

Eine riesige Betrugsmasche, von der eBay und Amazon Kenntnis haben. Doch sie profitieren davon: Wird mehr gekauft, lassen sich Gebühren einsacken. Die explodieren gerade bei Amazon. Ich habe Amazon sogar auf diesen Missstand hingewiesen. Amazon verweist darauf, dass die Marketplace-Partner sich verpflichten, die gesetzlichen Regelungen einzuhalten. Das war’s.

Wie gut das funktioniert, sehen wir ja. eBay und Amazon wollen ihrer Verantwortung lieber nicht gerecht werden. Deswegen ist es begrüßenswert, dass Bundesfinanzminister Scholz den Sumpf nun trockenlegen will. Scholz will, dass Plattformen wie Amazon und eBay in punkto Umsatzsteuer für ihre Partner – von denen sie schließlich Gebühren kassieren – haften. Im Zweifel sollen also Amazon und eBay die Umsatzsteuer zahlen. Mit dem Risiko wird dann sicher strenger kontrolliert werden. 2019 soll es losgehen.

Senr gute Idee. Das sorgt für angemessene Steuereinnahmen, das beseitigt steuerliche Ungerechtigkeit (und Wettbewerbsnachteile für ehrliche Partner) und stopft endlich lästige Schlupflöcher.

Natürlich wird sich Amazon über den Aufwand beschweren. Aber das kann uns egal sein.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Dort gibt es – noch – nicht so viele „Trolls“, also Verrückte, die mit ihren verdrehten Kommentaren alles aufmischen, so wie bei Twitter, Facebook oder Reddit längst üblich. Außerdem werden Jugendliche in vielen Foren nicht ernst genommen!!!

  2. Der Wunsch, dass Verkaufsplattformen sich an der Komtrolle der Steuerpflichten eines Verkäufers beteiligen, ist meiner Überzeugung nach praktisch nicht umsetzbar! Ich vergleiche mal mit einer Tageszeitung. Wer dort inseriert und Angebote einstellt, etwa Edeka oder Aldi, wird doch auch nicht vom Verlag überprüft. Ähnlich, wie etwa ein Zeitungshaus diesen Job weder machen kann noch will, ist es bei eBay, Amazon & Co.

    Ausnahmen bestätigen die Regel. So weist Amazon (de) seine Marketplace-Verkäufer seit kurzem auf mögliche Steuer- und Sozialversicherungspflichten hin, wenn man als Verkäufer Geschäfte mit Kunden in Frankreich macht und/oder dort einen Firmensitz hat.

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