Selfie-Rambos: Wenn Influencern die Natur egal ist

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Selfie-Rambos: Wenn Influencern die Natur egal ist

Kommentare zum Artikel: 5

Es liegt quasi in der Natur der meisten Influencerinnen und Influencer, sich unentwegt selbst zu fotografieren. Aber immer nur vorm eigenen Kleiderschrank oder im Lieblings-Café ist natürlich auch ein bisschen öde.

Deswegen müssen auch schon mal andere Kulissen her. Es geht dabei natürlich nur in zweiter Linie um die Umgebung – oder Natur. Die Message ist: Seht her, wo ich bin.

Viele Aufnahmen sind riskant

Wir wollen nicht ungerecht sein. Viele Influencerinnen und Influencer haben ein Gespür für eine gute Aufnahme. Sie suchen deshalb nach möglichst ausgefallenen und wenn’s geht sogar spektakulären Locations. Jetzt, in der Ferienzeit, auch gerne in der Natur. Solche Aufnahmen gehen besonders gut – wenn die Umgebung einen „Wow“-Effekt hat.

Viele Influencerinnen und Influencer treiben es da gerne auf die Spitze. Sie setzen sich auf Bergvorhänge, stellen sich an Stellen auf, die gefährlich sind – oder betreten Bereiche, die sogar gesperrt sind. Alles nur, um eine gute Aufnahme zu bekommen. Die Kollegen von Zapp haben dazu eine sehr gute Reportage gemacht.

Räkeln im Infinity-Pool - auch wenn es der Natur schadet; Rechte: Instagram/Pferrer/Schieb

Rekeln im Infinity-Pool – auch wenn es der Natur schadet

Rücksichtslos: Hauptsache, ich habe eine Aufnahme

Sie zeigt auch, wie rücksichtslos manche Influencerinnen und Influencer sind. Zum Beispiel: Yvonne Pferrer. Auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlicht sie ständig Aufnahmen in der Natur. Im Juni 2020 macht sie eine Aufnahme, in der sie sich in einer Art Infinity-Pool rekelt. Nur, dass es kein Pool ist, sondern ein natürlicher Bergvorsprung, der sich mit Wasser gefüllt hat.

Die Folge: Fans stehen im Nationalpark Berchtesgaden regelrecht Schlange, um an derselben Stellen eine Aufnahme zu machen. Ranger haben bis zu 350 Personen pro Tag gezählt. Heute ist der Bereich gesperrt – zum Schutz der Natur, die sich erholen muss vom rücksichtlosen Selfie-Tourismus.

Der Nationalpark hat Pferrer gebeten, das Foto aus dem Netz zu nehmen, um den Besucherstrom zu brechen – doch sie weigert sich. Das Foto ist nach wie vor online. Lediglich einen Hinweis hat sie unter das Bild gepostet.

Was belegt, dass ihr die Folgen ihres Handelns wurscht sind.

So können Naturaufnahmen doch auch aussehen: Ohne Influencer im Bild, Rechte: WDR/Schieb

So können Naturaufnahmen doch auch aussehen: Ohne Influencer im Bild

Mehr Verantwortungsgefühl, bitte!

Das ist nur ein trauriges Beispiel von vielen. Ranger berichten von zurückgelassenem Müll in der Natur, weil immer mehr Menschen kommen, die unbedingt Selfies machen müssen – auf den Spuren ihrer „Idole“.  Und nicht wenige gehen dabei zudem erhebliche Risiken ein. Die Folge: Sie rutschen ab. Verletzen sich. Müssen gerettet werden. Auch solche Fälle und Unfälle nehmen zu.

Wer Aufnahmen macht, sollte die Natur respektieren – und erst recht Absperrungen. Die haben einen Sinn. Drohnen sind in den meisten Naturschutzgebieten verboten. Werden von den Selfie-Rambos aber trotzdem eingesetzt. Und natürlich haben Influencerinnen und Influencer eine besondere Verantwortung, wenn sie mehrere Hunderttausend Follower haben. Sie sollten dieser Verantwortung auch nachkommen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. @Martin, @Nadja,
    bitte etwas mehr auf Bodenhaftung achten.

    Für die Übertragung von Seuchen auf den Menschen muss man eher die Art der Nutztierhaltung kritisieren, auch wenn wahrscheinlich schon die Wortwahl nicht gefällt. Beim Waldspaziergang mit Fotoapparat egal ob erlaubt oder nicht infiziert man sich nicht, Tiere halten auch ohne Appell der Bundeskanzlerin genug Abstand.

    Nach Bußgeldkatalog reicht die Spanne für das Betreten verbotener Flächen im Naturschutzgebiet tatsächlich von 25 Euro bis zu 500 Euro aber das ist und bleibt eine Ordnungswidrigkeit; wenn die Gerichte die Verhältnismäßigkeit prüfen werden übertriebene Strafen wieder zurechtgestutzt. Und wenn Yvonne Pferrer, die ich nicht kenne, den natürlichen Bergvorsprung betreten darf, was ich nicht weiß, dann darf sie auch in die „Art Infinity-Pool“.

    Da ich grundsätzlich Abstand halte infiziere ich mich weder mit Influencer noch mit Influenza. Den Krempel sehe ich mir nicht an und kenne das nur aus zweiter Hand. Das meiste scheint einfach nur Banane zu sein, einiges vielleicht auch zu Recht als bedenklich kritisiert. Aber gleich „hunderttausende Tote“ zu beschwören oder den Weltuntergang durch „Klimakrise“ erscheint mir doch tendenziell in Richtung Überreaktion zu gehen.

  2. Früher wurde Narzissmus behandelt, heute folgen tausende diesen Geisteskranken im Internet. Leute, geht mal vor die Türe. Macht einen Angelschein, einen Motorradführerschein, geht zu einem Kletterpark, macht nen Sportbootführerschein, geht Surfen, Inlinern oder einfach nur Bergwandern. Aber legt das bescheuerte Handy weg.

  3. Wenn Natur nur Kulisse ist, brauchen wir uns nicht zu wundern, das die Klimakrise unterschätzt wird und Zoonosen weltweit hunderttausende Tote fordern.

    • Natur ist und bleibt Kulisse für menschliches Leben, das diese nutzlosen Einflussnehmer ihre Monetarisierung als allererstes im Blick haben sollte doch jedem klar sein, der seine Zeit auf solchen Seiten verschwendet!

  4. Nadja von Ulmen am

    Man sollte leute, die solche Aufnahmen ins Internet stellen, eine Rechnung zukommen lassen. Ab 1.000 Euro halte ich für Infleuencer gerechtfertigt.

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