Sender müssen Plattform werden – und neun weitere Thesen zur Zukunft von ARD und ZDF

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Sender müssen Plattform werden – und neun weitere Thesen zur Zukunft von ARD und ZDF

Kommentare zum Artikel: 7

Die Diskussion um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks läuft gerade heiß. Grund dafür ist, dass nach der Bundestagswahl eine weitere Novelle des Rundfunkstaatsvertrags ansteht. Wie sieht ein zeitgemäßer Auftrag von ARD und ZDF im Netz aus? Dazu hatte ich im vergangenen Monat schon ein paar Vorschläge hier in Digitalistan gemacht.

Ergänzend dazu: Am Wochenende hat eine Gruppe von Wissenschaftlern und Personen aus der Gesellschaft zehn Thesen für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks veröffentlicht. Dazu gehört, dass der Online-Auftrag weiter gefasst werden müsse; dass Erfolg mehr als Quote sei; dass die Sender Plattform werden müssten; aber auch – und auch das ist wichtig – dass klassische Angebote überprüft werden müssten.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

7 Kommentare

  1. Ich empfehle dazu die Lektüre des folgenden Artikels(*):
    faz.net/aktuell/feuilleton/rundfunkbeitrag-alle-fuer-alles-ist-dumm-15168540.html
    ______
    (*)…, dem ich in allen Punkten uneingeschränkt zustimme!

    • Dennis Horn am

      @Florian: Da kann man in der Tat über einzelne Punkte diskutieren, zum Beispiel, was die Zusammensetzung der Rundfunkräte angeht. Auf der anderen Seite weiß ich bei Texten von Jürgen Kaube und allgemein der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in denen es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht, manchmal gar nicht, wo ich anfangen soll.

      Nur ein paar Punkte:

      – Kaube schreibt, das Wort „Zwangsgebühren“ seit in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „ein einziges Mal gebraucht“ worden – was leider gelogen ist, siehe: https://twitter.com/SimonHurtz/status/901339327334158336.

      – Eine Abgabe ist keine Steuer, da kann Kaube den Begriff noch tausendfach wiederholen. Und irgendwer muss Abgaben nun einmal festlegen; das kann in dieser Form nur der Staat.

      – Ich finde, man kann die Auseinandersetzung über die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Aussage, der Rundfunkbeitrag sei eine „Demokratieabgabe“, führen, ohne persönlich zu werden und Jörg Schönenborn auf „einen Moderator, der vor allem durch das Vorlesen von Wählerumfragen hervorgetreten ist“ zu reduzieren. Das ist nun wirklich kein Niveau, das einem Medium wie der F.A.Z. würdig ist.

      – Es ist ein beliebtes rhetorisches Mittel, „Fußball, Musikanten und Nordseekrimis“ abzutun – aber der Programmauftrag umfasst Information, Bildung und Unterhaltung, und zwar gleichermaßen. Das kann man ändern. Aber Adressat sind dann nicht ARD und ZDF, sondern die Länder, die für den Rundfunkstaatsvertrag zuständig sind.

  2. Was mir in diesen zehn Thesen viel zu kurz kommt, ist die konsequente Beschränkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die Kerngebiete Bildung und Gesellschaft. Dieser Gedanke ist so grundlegend, dass sich bei dessen Umsetzung vieles Weitere ganz automatisch ergäbe.

    Angesichts des aktuellen Standes der Technik, ist es in keinster Weise mehr nachvollziehbar oder vermittelbar, dass sich Zuschauergruppen mit völlig unterschiedlichen Interessen gegenseitig und in großem Umfang quersubventionieren sollen. Warum beispielsweise jemand, der sich ausschließlich für Politik und Kultur interessiert, in großem Umfang endlose Krimiproduktionen, Rosamunde Pilcher und Traumschiff oder kostspielige Sport-Liveübertragungen mitfinanzieren soll, erschließt sich mir in keinster Weise. Absolut alles, was nicht ganz klar einer „journalistisch-redaktionellen Selbstbeobachtung der Gesellschaft im öffentlichen Interesse“ dient, gehört ausnahmlos in kostenpflichtige Spartenkanäle ausgelagert, die dann gerne von jedem individuell gebucht werden können. Was sich dann rechnet, wird dicht gemacht – wie anderso auch. Jenseits des absoluten Kernauftrags der Öffentlich-rechtlichen kann und darf es keine „Solidargemeinschaft“ geben, der man die Finanzierung derartiger Partikularinteressen zwangsaufbürdet!

    Im Übrigen kann es auch nicht sein, dass der Gebührenzahler beim ÖRR exakt 100% finanziert und exakt 0% Mitbestimmungsrecht über die Programmgestaltung hat. Auch dieser Aspekt kommt mir in besagten zehn Thesen viel zu kurz.

    • Dennis Horn am

      @C.D.: Auch bei einer Beschränkung des öffentlich-rechtlichen Auftrags (im Moment lautet er: „Information, Bildung und Unterhaltung gleichermaßen“) würden Zuschauergruppen, die nicht an den von Ihnen genannten Punkten Bildung und Gesellschaft (ein weites Feld) interessiert sind, andere quersubventionieren. Ich halte das für ein Totschlagargument – konsequenterweise könnte man sich damit bis zur Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durchargumentieren. Es ist ja gerade das Solidarprinzip, das Abgaben wie den Rundfunkbeitrag ausmacht.

      Zum fehlenden Mitbestimmungsrecht über die Programmgestaltung: d’accord!

      • Anno 2017 sollten nun wirklich für jeden genug Möglichkeiten zur individuellen Unterhaltung bestehen als dass man sich dabei auf den Staat und das Solidarprinzip berufen müsste. Geboren ist das Ganze aus dem simplen Umstand, dass es damals einfach nur Fernseher und Antennen gab, wobei nicht erfasst werden konnte, was von wem gesehen wird. Damit konnte man insbesondere auch nicht für jeden nur das abrechnen, was er tatsächlich schaut, sondern musste alle für alles bezahlen lassen. Von daher war dieses „Solidarprinzip“ von jeher eine Notwendigkeit, die Sachzwängen geschuldet war, die es heute einfach nicht mehr gibt. Im Gegensatz zu Bildung und politischer Teilhabe sehe ich Unterhaltung als reine Privatsache und damit als nichts, das im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Auftrags erledigt werden sollte oder müsste. Würde man zumindest diesen Unterhaltungsanteil unter Mitsprache der Gebührenzahler gestalten, könnte man ja durchaus darüber reden, aber tatsächlich ist ja das genaue Gegenteil der Fall.

        • Dennis Horn am

          @C.D.: Ohne über konkrete Sendungen zu sprechen: Unterhaltung ist ja nicht gleich Unterhaltung. Es gibt auch nicht-massenkompatible Unterhaltung, die für eine Gesellschaft auch von Wert sein könnte.

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