Sender müssen Plattform werden – und neun weitere Thesen zur Zukunft von ARD und ZDF

https://blog.wdr.de/digitalistan/sender-muessen-plattform-werden-und-neun-weitere-thesen-zur-zukunft-von-ard-und-zdf/

Sender müssen Plattform werden – und neun weitere Thesen zur Zukunft von ARD und ZDF

Kommentare zum Artikel: 13

Die Diskussion um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks läuft gerade heiß. Grund dafür ist, dass nach der Bundestagswahl eine weitere Novelle des Rundfunkstaatsvertrags ansteht. Wie sieht ein zeitgemäßer Auftrag von ARD und ZDF im Netz aus? Dazu hatte ich im vergangenen Monat schon ein paar Vorschläge hier in Digitalistan gemacht.

Ergänzend dazu: Am Wochenende hat eine Gruppe von Wissenschaftlern und Personen aus der Gesellschaft zehn Thesen für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks veröffentlicht. Dazu gehört, dass der Online-Auftrag weiter gefasst werden müsse; dass Erfolg mehr als Quote sei; dass die Sender Plattform werden müssten; aber auch – und auch das ist wichtig – dass klassische Angebote überprüft werden müssten.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

13 Kommentare

  1. meine ganz persönliche Meinung ist, dass das bestehende System der öffentlich-rechtlichen Programme in TV und Radio für mich weitgehend alles bietet. Bin jetzt auch kein Sportfan, Fussball könnte man komplett streichen, aber ich kann auch umschalten. Die interssanten Sendungen überwiegen in meinen Augen und deshalb zahle ich die Gebühren ohne murren. Manch ein Spielfilm ist auch gut gemacht.
    Ich schaue TV über DVB-T2 und seit der Umstellung immer weniger die Privaten, deren Programm unterirdisch geworden ist. Darüber hinaus habe ich mich entschlossen für werbefinanzierte Sender kein zusätzliches Geld zu zahlen.
    Die Mediatheken sind für mich eine sehr gute Einrichtung, sowie auch alle anderen online Angebote der Öffentlich-Rechtlichen.

  2. Ich empfehle dazu die Lektüre des folgenden Artikels(*):
    faz.net/aktuell/feuilleton/rundfunkbeitrag-alle-fuer-alles-ist-dumm-15168540.html
    ______
    (*)…, dem ich in allen Punkten uneingeschränkt zustimme!

    • Dennis Horn am

      @Florian: Da kann man in der Tat über einzelne Punkte diskutieren, zum Beispiel, was die Zusammensetzung der Rundfunkräte angeht. Auf der anderen Seite weiß ich bei Texten von Jürgen Kaube und allgemein der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in denen es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht, manchmal gar nicht, wo ich anfangen soll.

      Nur ein paar Punkte:

      – Kaube schreibt, das Wort „Zwangsgebühren“ seit in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung „ein einziges Mal gebraucht“ worden – was leider gelogen ist, siehe: https://twitter.com/SimonHurtz/status/901339327334158336.

      – Eine Abgabe ist keine Steuer, da kann Kaube den Begriff noch tausendfach wiederholen. Und irgendwer muss Abgaben nun einmal festlegen; das kann in dieser Form nur der Staat.

      – Ich finde, man kann die Auseinandersetzung über die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und die Aussage, der Rundfunkbeitrag sei eine „Demokratieabgabe“, führen, ohne persönlich zu werden und Jörg Schönenborn auf „einen Moderator, der vor allem durch das Vorlesen von Wählerumfragen hervorgetreten ist“ zu reduzieren. Das ist nun wirklich kein Niveau, das einem Medium wie der F.A.Z. würdig ist.

      – Es ist ein beliebtes rhetorisches Mittel, „Fußball, Musikanten und Nordseekrimis“ abzutun – aber der Programmauftrag umfasst Information, Bildung und Unterhaltung, und zwar gleichermaßen. Das kann man ändern. Aber Adressat sind dann nicht ARD und ZDF, sondern die Länder, die für den Rundfunkstaatsvertrag zuständig sind.

      • Die/meine Hoffnung auf Abschaffung/Reformation des Rundfunkbeitrags bleibt auch weiterhin bestehen:
        „… Mit besonderer Spannung wird das Urteil der Karlsruher Richter deswegen erwartet, weil die deutsche Rundfunkverfassung weitgehend auf deren Rechtsprechung und nicht auf konkrete Vorgaben im Grundgesetz zurückgeht….“
        (Quelle: rsw.beck.de/cms/?toc=njw.root&docid=395070 ).
        Werden die Karlsruher Richter also bald eine Änderung des Grundgesetzes empfehlen/anstreben?
        Interessant auch, dass selbst der angesehene C.H. Beck-Verlag im o. g. Text den Begriff „Zwangsbeitrag“ verwendet.
        Begrüßenswert wäre aus meiner Sicht ein Kompromiss: ein einziger Kanal (z. B. „Tagesschau24“) ist frei empfangbar und damit zur Absicherung der sog. „Grundversorgung“ auch völlig ausreichend und mit maximal EUR 2,–/Monat von JEDEM Bürger(haushalt) zu finanzieren.
        Das restliche Angebot soll über Pay-TV/Freenet-Modul etc. individuell (zu)buchbar sein – technisch leicht möglich und zudem einer längst überfälligen Marktbereinigung förderlich: braucht z. B. der Großteil der Bevölkerung wirklich einen Sender wie „ARD-alpha“?
        Warten wir’s ab …

        • @Florian: Dass der C.H.BECK Verlag den Begriff nutzt, verwundert mich eher, was den Verlag selbst angeht, als dass es den Begriff für mich adelt. Aber gut.

          Wir sind da unterschiedlicher Ansicht. Grundsätzlich kann man natürlich den Auftrag so ändern, dass es nicht nur keinen Unterhaltungsauftrag mehr gibt, sondern auch keinen Bildungsauftrag mehr. Diesen Bildungsauftrag erfüllt zum Beispiel ARD-alpha, ihn erfüllen aber auch Programme für Kinder wie die „Sesamstraße“ oder die „Sendung mit der Maus“ – und, nein, ein Großteil der Bevölkerung benötigt all das nicht. Es ist aber auch nicht für jedes Programm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks die Voraussetzung, dass ein Großteil der Bevölkerung es zwingend benötigt. Das schwingt ja gerade auch in Ihrem Argument der Absicherung der Grundversorgung mit, wenn es um den Informationsauftrag geht.

          Stutzt man nun alles auf nur einen einzigen Kanal mit Informationsauftrag zurecht, muss man auch in Kauf nehmen, welche Zahl an Arbeitsplätzen nicht nur bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten damit wegfallen, sondern wie viele Unternehmen in der Produktionslandschaft man damit auch in die Insolvenz treibt. Ich glaube, auch das ist den Teilnehmern der Debatte manchmal nicht bewusst.

          Was ich aber für völlig unsinnig halte, ist der Vorschlag, für den Rest des Angebots je nach Nutzung zahlen zu müssen. Zubuchbarkeit ist nicht der Grundgedanke des solidarisch gedachten Rundfunkbeitrags. Es handelt sich dabei dann auch nicht mehr um öffentlich-rechtliches Programm, sondern um privates Pay-TV.

          • Wir wollen doch angeblich alle ein einheitliches Europa? Warum zahlt der Spanier z. B. gar keine Rundfunkgebühr und der Tscheche maximal ~EUR 5/Monat?
            Als Zeitungsleser würde ich z. B. die „Augsburger Allgemeine“ oder die „Sächsische Zeitung“ nur dann bezahlen wollen, sofern ich ich sie tatsächlich auch lesen möchte. Warum soll ich also einen BR oder einen MDR mitfinanzieren, obwohl ich deren Programm gar nicht konsumieren möchte?
            Deshalb bin ich ein Befürworter des „you get what you pay for“ aka Pay-TV! Und wer seine Kinder vor der Glotze „parken“ möchte, der bezahlt auch gerne für „Sesamstraße“ oder „Die Sendung mit der Maus“ ein paar Euro Parkgebühr.
            Und das Argument „Stellenabbau/Unternehmensinsolvenz“ zieht im Zeitalter der globalisierten, (zwangs)digitalisierten Welt kaum noch; siehe dazu z. B.
            Siemens (minus 1700 Stellen), ThyssenKrupp (minus 2500), Air Berlin (minus 1200), Boehringer (minus 900), Bosch (minus 760), Commerzbank (minus 9600), Deutsche Bahn Cargo (minus 3000), Deutsche Bank (minus 4000), General Electric (minus 1700), Linde (minus 4000), MAN (minus 1000), RWE (minus 1600), Schaeffler (minus 770), VW (minus 23000!).
            Dies waren nur einige Großkonzerne; bitte nicht vergessen, wieviele Jobs z. B. allein durch das „autonome Fahren“ (Taxifahrer, Lkw-Fahrer) und die Elektromobilität perspektivisch wegfallen – die Liste wird immer länger und jeder weiß, dass diese (Massen-)Arbeitslosen so schnell kaum bzw. gar nicht auf „irgendetwas im Digitalbereich“ umgeschult werden können! Experten sprechen von über 10 Millionen Jobverlusten.
            Na ja, Hauptsache, wir leben alle in einer schnieken, globalisierten Welt – wird häufig gerne nachgeplappert, solange man nicht selbst irgendwann vom Jobabbau betroffen ist, gell?
            Und wer wirklich gutes/brauchbares/zielgruppengerechtes Pay-TV macht bzw. tatsächlich auch machen kann, der braucht wohl auch kaum um seinen Job zu bangen, oder?
            Wie oben schon geschrieben: Warten wir’s einfach ab! ;)

          • @Florian: Wenn wir ein einheitliches Europa auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk möchten, bräuchten wir erst einmal ein einheitliches Verständnis dafür, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk überhaupt leisten soll. Bei dem, was zurzeit zum Beispiel in Polen oder Ungarn geschieht, bin ich mir nicht sicher, ob man da auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Der Spanier übrigens zahlt für die RTVE durchaus – und zwar vor allem über die Steuern. :)

            Und noch einmal: Es ist eben nicht der Gedanke eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dass nur die ihn bezahlen, die ihn auch nutzen – so wie bei auch vielen anderen Dingen in diesem Land, von der Verkehrsinfrastruktur bis zur Kultur.

            Man kann als Gesellschaft darüber diskutieren, ob man eine solche solidarisch finanzierte Einrichtung grundsätzlich möchte oder nicht. Das Argument aber, man solle sie nur zahlen, wenn man sie auch nutzt, sticht hier nicht, weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk ja schon in seinen Grundzügen anders angelegt ist, als die Augsburger Allgemeine oder die Sächsische Zeitung.

            Und man kann wie gesagt auch darüber diskutieren, Dinge einfach völlig einzustellen. Man muss die genannten Auswirkungen dann eben nur in Kauf nehmen, mehr sage ich nicht. Die Schultern gezuckt und die Geschichte der globalisierten Welt „nachgeplappert“, weil das nun einmal so ist und die Leute dann eben schauen müssen, wo sie bleiben, habe ich zumindest noch nie – auch dann nicht, wenn ich selbst nicht betroffen war.

  3. Was mir in diesen zehn Thesen viel zu kurz kommt, ist die konsequente Beschränkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die Kerngebiete Bildung und Gesellschaft. Dieser Gedanke ist so grundlegend, dass sich bei dessen Umsetzung vieles Weitere ganz automatisch ergäbe.

    Angesichts des aktuellen Standes der Technik, ist es in keinster Weise mehr nachvollziehbar oder vermittelbar, dass sich Zuschauergruppen mit völlig unterschiedlichen Interessen gegenseitig und in großem Umfang quersubventionieren sollen. Warum beispielsweise jemand, der sich ausschließlich für Politik und Kultur interessiert, in großem Umfang endlose Krimiproduktionen, Rosamunde Pilcher und Traumschiff oder kostspielige Sport-Liveübertragungen mitfinanzieren soll, erschließt sich mir in keinster Weise. Absolut alles, was nicht ganz klar einer „journalistisch-redaktionellen Selbstbeobachtung der Gesellschaft im öffentlichen Interesse“ dient, gehört ausnahmlos in kostenpflichtige Spartenkanäle ausgelagert, die dann gerne von jedem individuell gebucht werden können. Was sich dann rechnet, wird dicht gemacht – wie anderso auch. Jenseits des absoluten Kernauftrags der Öffentlich-rechtlichen kann und darf es keine „Solidargemeinschaft“ geben, der man die Finanzierung derartiger Partikularinteressen zwangsaufbürdet!

    Im Übrigen kann es auch nicht sein, dass der Gebührenzahler beim ÖRR exakt 100% finanziert und exakt 0% Mitbestimmungsrecht über die Programmgestaltung hat. Auch dieser Aspekt kommt mir in besagten zehn Thesen viel zu kurz.

    • Dennis Horn am

      @C.D.: Auch bei einer Beschränkung des öffentlich-rechtlichen Auftrags (im Moment lautet er: „Information, Bildung und Unterhaltung gleichermaßen“) würden Zuschauergruppen, die nicht an den von Ihnen genannten Punkten Bildung und Gesellschaft (ein weites Feld) interessiert sind, andere quersubventionieren. Ich halte das für ein Totschlagargument – konsequenterweise könnte man sich damit bis zur Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durchargumentieren. Es ist ja gerade das Solidarprinzip, das Abgaben wie den Rundfunkbeitrag ausmacht.

      Zum fehlenden Mitbestimmungsrecht über die Programmgestaltung: d’accord!

      • Anno 2017 sollten nun wirklich für jeden genug Möglichkeiten zur individuellen Unterhaltung bestehen als dass man sich dabei auf den Staat und das Solidarprinzip berufen müsste. Geboren ist das Ganze aus dem simplen Umstand, dass es damals einfach nur Fernseher und Antennen gab, wobei nicht erfasst werden konnte, was von wem gesehen wird. Damit konnte man insbesondere auch nicht für jeden nur das abrechnen, was er tatsächlich schaut, sondern musste alle für alles bezahlen lassen. Von daher war dieses „Solidarprinzip“ von jeher eine Notwendigkeit, die Sachzwängen geschuldet war, die es heute einfach nicht mehr gibt. Im Gegensatz zu Bildung und politischer Teilhabe sehe ich Unterhaltung als reine Privatsache und damit als nichts, das im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Auftrags erledigt werden sollte oder müsste. Würde man zumindest diesen Unterhaltungsanteil unter Mitsprache der Gebührenzahler gestalten, könnte man ja durchaus darüber reden, aber tatsächlich ist ja das genaue Gegenteil der Fall.

        • Dennis Horn am

          @C.D.: Ohne über konkrete Sendungen zu sprechen: Unterhaltung ist ja nicht gleich Unterhaltung. Es gibt auch nicht-massenkompatible Unterhaltung, die für eine Gesellschaft auch von Wert sein könnte.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top