Sicher Dateien verschicken mit Firefox

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Sicher Dateien verschicken mit Firefox

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Ihr kennt Firefox als Browser. Aber die dahinter stehende Mozilla Foundation denkt sich gerne auch schon mal andere Dinge aus, die praktisch sein können. Jetzt ist ein Service an den Start gegangen, der immer mal wieder eine durchaus nützliche Sache sein kann. Unter send.firefox.com könnt Ihr mit Eurem Browser jetzt Dateien verschicken, die bis zu 1 GB groß sind. Einfach die Webseite aufrufen, eine Datei ins Browser-Fenster ziehen – (fast) fertig. Auf dem Bildschirm erscheint ein Link, der sich ruckzuck in die Zwischenablage kopieren lässt. Unter dieser Adresse kann die Datei wieder geladen werden.

Mit der neuen Send-Funktion von Firefox lassen sich große Dateien austauschen; Rechte: WDR

Mit der neuen Send-Funktion von Firefox lassen sich große Dateien austauschen

Download mit Verfallsdatum

Das ist schon mal grundsätzlich praktisch, denn per E-Mail lassen sich meist nur Dateien bis maximal 50 MB Größe verschicken. Mehr geht nicht. Für größere Dateien braucht man sowieso eine andere Lösung. Deshalb gibt es Tools wie WeTransfer und viele andere – und das auch schon recht lange. Die neue Send-Funktion von Firefox hat aber noch einige Besonderheiten, die sie besonders interessant machen. Die erste: Die Daten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert. Der Link enthält den Schlüssel – und nur wer diesen Link samt Schlüssel hat, kann die Datei wieder entschlüsseln. Das ist nicht Fort Knox, aber auf jeden Fall schon mal sehr gut. Selbst Mozilla selbst kann nicht in die Inhalte schauen, ohne den Schlüssel (der nach Angaben von Mozilla nicht gespeichert wird).

Zweite Besonderheit, die auch für technisch nicht so versierte Menschen leichter zu verstehen ist: Die hochgeladenen Daten haben ein Verfallsdatum. Sie bleiben nur 24h gespeichert. Wird eine bei send.firefox.com hochgeladene Datei nicht nach spätestens 24h wieder geladen, löscht das System sie wieder vom Server. Dasselbe passiert nach erfolgreichem Download: Auch in diesem Fall verschwindet die Datei wieder vom Server. Sofort. Ein zweiter Download ist nicht möglich. Also eine Art Snapchat für Upload-Dateien, könnte man sagen. Das verhindert auch, dass send.firefox.com zum neuen Download-Portal für Raubkopierer und Co. wird.

Download mit Verfallsdatum

Ihr benötigt für die Nutzung der Funktion kein AddOn für Firefox, nicht mal Firefox ist erforderlich. Der Service ist komplette kostenlos und steht jedem frei zur Verfügung. Wichtig zu wissen ist, dass jeder, der in den Besitz des Download-Links kommt, die hochgeladenen Dateien wieder laden und entschlüsseln kann, da der Link den öffentlichen Schlüssel zum Entschlüsseln enthält. Bei der Weitergabe des Links solltet Ihr also vorsichtig und umsichtig vorgehen. Auch handelt es sich nicht um einen komplett anonymen Dienst. Die IP-Adressen beim Upload und Download werden protokolliert, so weit das im Rahmen der rechtlichen Vorschriften erforderlich ist.

Und ja: Natürlich ist es eine Frage des Vertrauens, ob die Verschlüsselung tatsächlich derart gestaltet ist, dass die Betreiber nicht in die Dateien schauen können. Aber für viele Alltagsaufgaben ist die neue Send-Funktion von Firefox vollkommen ausreichend und vor allem eins: Praktisch.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Klaus Lohmann am

    Mit den ganzen „Tipps“ kann ich mir die Nutzung auch sparen, solange es nur im Buggy-Testlab läuft. Überdies sind 600KB/s (Telekom) nicht wirklich prickelnd für einen schnellen Upload-mal-eben-zwischendurch, der sich nicht per Mail oder halt den üblichen Clouds erledigen lässt. Evt. sollte man solche Spielereien erst dann vorstellen, wenn sie aus dem Beta raus sind und offiziell laufen.

  2. Also ich habe den Artikel jetzt zweimal gelesen und irgendwie fehlt in meinen Augen ein Hinweis wo die Daten gespeichert werden (Cloud-Dienst? Wenn ja, wo wird er gehostet? USA, Europa etc.) denn wenn die Daten einmal geklaut werden nützt es recht wenig wenn sie nach 24h auf dem Server von Mozilla wieder gelöscht werden, während die Hacker mit den kopierten Daten alle Zeit der Welt haben sie zu entschlüsseln. Zugegeben das wird vermutlich nicht passieren, da es deutlich lohnenswertere Ziele gibt und kaum jemand die Urlaubsbilder die ich dann per Firefox verschicke umbedingt sehen möchte, aber darauf hinweisen sollte man vielleicht trotzdem….

    Darüber hinaus habe ich ehrlich gesagt immer noch nicht verstanden wie das genau mit dem Ver- bzw. Entschlüsseln funktionieren soll. Nach meinem Verständnis werden die Daten auf einen Server (wo auch immer dieser stehen mag) hochgeladen und dann bekomme ich als Antwort einen Link der den Schlüssel enthält mit dem ich die Daten wieder entschlüsseln kann. Was für mich bedeutet das jeder Mensch der nun eine Man-in-the-Middle Attack startet an die Daten heran kommt oder habe ich den Ansatz irgendwie falsch verstanden?

  3. Gescheiter Ansatz von Mozillla!
    Vielleicht auch wichtig zu erwähnen, dass sich „Send“ (noch) in der Testphase (worauf Mozilla auch oben links hinweist) befindet und daher der ein oder andere Bug auftaucht bzw. behoben werden muss, wie man unter
    github.com/mozilla/send/issues
    gut dokumentiert nachvollziehen kann.
    Daher würde ich empfehlen
    1. (zunächst) nicht unbedingt die sensibelsten Dateien dort hochzuladen
    und
    2. sicherheitshalber die entsprechende Datei (z. B. mit 7zip) VOR dem Upload lokal zu packen und mit AES256 und einem „starken“ Passwort zusätzlich zu verschlüsseln.
    Doppelt gemoppelt hält hier nicht nur besser, sondern ist auch sicherer. ;)

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