#sid2018: Planlos in Berlin

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#sid2018: Planlos in Berlin

Kommentare zum Artikel: 3

Heute (06.02.2018) ist es mal wieder soweit – es ist Safer Internet Day. Ein Tag, an dem viele sagen, wie es eigentlich sein müsste. Etwa Niedersachsens Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel. Sie betont, wie wichtig es ist, dass wir alle uns bewusst darüber werden, dass wir beim Onlineshopping oder in den Sozialen Netzwerken jede Menge Daten über uns preisgeben. Als ob wir das nicht wüssten… Immerhin warnen mittlerweile Ex-Mitarbeiter von Facebook, Google und Co. vor den Suchtgefahren der Social Media.

Internet of Things: Alle Geräte mit der Cloud verbunden; Rechte: Pixabay

Safer Internet: Wie soll das gehen – alles absichern?

Medienkopmpetenz ist wichtig – für alle

Das reicht nicht. Es reicht auch nicht, nochmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass Kinder und Jugendliche besonders arglos im Umgang mit den neuen Medien sind – und es dringend ein Fach Medienkompetenz in den Schulen braucht. Das stimmt, das fordere ich seit Jahren. Dabei sollte es nicht darum gehen, kleine Roboter zu bauen und zu programmieren (Stichwort: Coding), sondern die Mechanismen von Netzwerken, Werbung, Filtern, Bubbles und Kommerz ganz allgemein zu verstehen. Das sollte beim Verständnis des Prinzips von Kommerzfernsehen anfangen – und darf bei Fake-News, Echokammern und Datenschutz nicht aufhören.

Es ist schön, das in der Schule zu unterrichten. Oder besser: Es wäre schön. Aber wer bringt es dann den Erwachsenen bei? Auch hier herrscht weitgehende Ahnungslosigkeit. Und wer ein Fach Medienkompetenz in den Schulen fordert, der sollte es danach erst Recht als Pflichtfach im Bundestag verlangen. Denn die Ahnungslosigkeit in Berlin ist erschreckend. Zwar führen nun alle das Modewort “Digitalisierung” im Mund, ohne aber auch nur einen Funken Verstand.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=14&v=vATAdBHM3ZI

Medienkompetenz by Klicksafe: Die Symptome lindern

In Berlin kein Verständnis für die Komplexität

Digitalisierung wird offensichtlich ausschließlich als Chance begriffen. Besser: Als Pflicht. Wer sich nicht öffnet, der geht unter. Kann sogar sein – wirtschaftlich betrachtet. Aber welche ungeheuren gesellschaftlichen Veränderungen damit einhergehen, welche Leitplanken man aufstellen möchte, um diese Entwicklung zumindest in gewisse Bahnen zu lenken, ist nicht zu erkennen. Denn es gibt keine. Da wird vom schnellen Internet bis 2025 für alle gesprochen (ROFL) und von Tablets in Schulen. Als wäre das die Lösung.

Der Safer Internet Day ist also ein guter Anlass, diese unfassbaren Missstände zu beklagen. Es ist nicht damit getan, zum Installieren von Virenfiltern aufzurufen oder sich Vorschriften für Drohnenflüge zu überlegen. Die Digitalisierung ist überall. Das Silicon Valley hat uns den Krieg erklärt. Das Ziel: Disruption. So schnell wie möglich, so oft wie möglich. Alles soll zerstört werden. Ganz zu schweigen von den gesellschaftlichen Veränderungen durch Soziale Medien. Welchen Plan haben wir? Wo soll es hingehen?

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Lieber Herr Schieb:
    “Ohne” steht immer mit dem Akkusativ (= “ohne wen oder was”).
    Folglich muß es heißen “Ohne einen Funken Verstand”
    Nicht, daß es irgendwann heißt: “Ohne einen Funken Deutschkenntnisse”… ;-)
    INHALTLICH stimme ich Ihnen freilich überwiegend zu, würde es aber im Gegensatz zu Ihnen begrüßen, wenn unser politisches und pädagogisches Personal auch und gerade in Bezug auf die von Ihnen zu Recht gefährdet gesehenen Kinder und Jugendlichen mehr von dem begreifen, beherzigen und umsetzen würde, was der auch in Digitalistan-Blogger-Kreisen vormals als “unseriös” (Dennis Horn) geschmähte, hoffentlich nunmehr aber, wenn auch auf traurige Weise, von den beiden Ex-Mitarbeitern asozialer Netzwerke “rehabilitierte” und leider bestätigte Prof. Manfred Spitzer seit Jahren predigt: Nicht mehr, sondern weniger Internet, Smartphone und asoziale Netzwerke für Jugendliche – und bis zum 16. Lebensjahr GAR KEINS!
    In Wahrheit dürfte nicht “Safer Internet” das Thema sein, sondern es müßte “Safer Humen Being”, “Safer Brain”, “Safer Psyche”, “Safer Democracy” und “Safer Grundgesetz” das Thema sein!

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