Smartphones? Damit wollen wir doch nur spielen!

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Smartphones? Damit wollen wir doch nur spielen!

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Der Mobile World Congress zeigt, mit welchen Gadgets wir in Zukunft ins Netz gehen und kommunizieren werden. Ganz vorne in den Trends: Geräte mit falt- und klappbaren Displays. Was wir mit diesen Geräten aber vor allem machen werden, zeigt schon jetzt ein Blick in den Bericht “The State of Mobile 2019”: spielen.

75 Milliarden Dollar für Spiele-Apps

Denn Spiele-Apps sind Gelddruckmaschinen. Ein paar Zahlen: Voriges Jahr haben die User weltweit 101 Milliarden Dollar in den App-Stores von iOS und Android ausgegeben. Für 75 Milliarden Dollar davon haben sich die User Handy-Games gekauft. Oder eher: Sie haben sich Zusatzinhalte, Vorteile oder sonstige Spielereien gekauft. Denn alle Spitzenspiele in den Stores sind Free-to-Play, kurz: F2P. Also erstmal sind sie kostenlos spielbar.

In den Top Drei der Games mit den höchsten Umsätzen in Deutschland sind uralte Bekannte: “Gardenscapes” ist so eine Art Puzzlespiel und schon seit 2012 auf iOS, dahinter folgen das unvermeidliche und allen Unkenrufen zum Trotz höchst lebendige “Pokémon Go” und das mehr als 100 Millionen Mal runtergeladene “Clash Royale”. Nichts Neues also im Game-App-Geschäft.

Dabei sind originelle Spielideen durchaus auch auf mobilen Endgeräten möglich. Arnold Rauers aus Berlin entwickelt seit 2012 Spiele-Apps. Seine Kartenspiele “Card Crawl” oder “Card Thief” sind Premium-Apps, kosten um die 2 bis 5 Euro. Und Rauers hat voriges Jahr damit mehr als 150.000 Dollar eingenommen, erklärt er auf seiner Homepage. Das ist sehr ordentlich, aber trotz der qualitativ hochwertigen Spiele weit abgeschlagen von den Spitzenreitern.

Eine Szene aus dem Mobile-Game "Idle Miner Tycoon". (Bild: Kolibri Games | Idle Miner Tycoon)
Thomas Ruscher über das Prinzip der F2P-Spiele.

In einer anderen Liga spielen Rauers Berliner Nachbarn von Kolibri Games. Die haben 2016 mit einem Mini-Team angefangen, in kürzester Zeit “Idle Miner Tycoon” auf die Smartphones geschmissen – und machen nun einen Jahresumsatz von mehr als 40 Millionen Dollar. Ihre Spiele reihen sich ganz bewusst ein in die Riege simpler Free-to-Play-Spiele – manche Spieler bezahlen dafür mehrere Tausend Euro, so Tim Reiter von Kolibri Games.

Das zeigt, dass es keine Rolle spielen wird, ob wir unsere Smartphones in Zukunft falten oder klappen werden. Wir werden uns F2P-Spiele runterladen, mit ihnen herumspielen und immer wieder für ein paar Euro Vorteile kaufen. Dass wir damit Games unterstützen, die sich seit Jahren kaum geändert haben und die im Prinzip auf einem Uralt-Handy laufen könnten, wird die meisten User nicht stören.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

2 Kommentare

  1. Off-Leiner am

    Ich finde es skandalös und unverantwortlich, daß und wie in einem öffentlich-rechtlichen Sender unverhohlen Suchtmittel angepriesen werden – und das gleich zweifach:
    Suchtmittel “Spiel” und Suchtmittel “Smartphone”:
    Weiß der Autor wirklich nicht oder will er nur nicht wissen, daß beides gleichermaßen gefährliche Suchtmittel sind, die immer mehr insbesondere Jugendliche und sogar Kinder in die Abhängigkeit treiben?
    (Lies statt aller: Bert te Wildt, Digital Junkies, Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder UND Alexander Markowetz, Digitaler Burnout – beide sind nachgerade augenöffnend!)
    Bedenklich auch die Aussage, daß “digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen” haben. Das ist ja noch ein gar nicht einmal versteckter Hinweis auf die Existenz einer Abhängigkeit – und für eine solche darf er allen Ernstes hier noch öffentlich werben?
    Wie gesagt: SKANDALÖS!

    • Thomas Ruscher am

      Eigentlich möchte ich an dieser Stelle gar nicht die Werbetrommel rühren für Smartphones oder bestimmte Spiele. Ich möchte vielmehr aufzeigen, welche Art von Handyspielen besonders beliebt und erfolgreich sind. Nämlich die Games mit Free-to-Play-Mechaniken, die ich teilweise durchaus als problematisch empfinde. Lieben Dank aber für den Hinweis auf “Spiele als Suchtmittel”, die ich an dieser Stelle durchaus und gerne bei passender Gelegenheit thematisieren kann.

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