So vermarktet eine PR-Agentur die Corona Warn App

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So vermarktet eine PR-Agentur die Corona Warn App

Kommentare zum Artikel: 8

Das Logo der geplanten Corona Warn App der Bundesregierung erinnert ein wenig an die Farben der USA-Flagge: Ein in dunkles Blau und Rot getauchtes “C” (mit kleinen Einkerbungen, die aussehen wie das Gegenstück der  Spikes am Virus). Auch demokratische und republikanische Partei in den USA verwenden diese Farben.

Besonders glücklich scheint mir dieser Kunstgriff bei der Gestaltung des Logos für die Corona Warn App daher nicht. Denn wer möchte in Corona-Zeiten schon eine App installieren, die den Eindruck macht, als käme sie aus USA-Laboren. “NSA inside.”

Erste Dokumentation der Corona App als OpenSource verfügbar; Rechte: WDR/Schieb

Erste Dokumentation der Corona App als OpenSource verfügbar

Kommt nicht aus den USA – sieht nur so aus

Aber genau so sieht das Logo für die Corona-Tracing-App aus, die jetzt “Corona Warn App” heißen soll. Die Bundesregierung hat eine Agentur mit der “Vermarktung” der App beauftragt. Dazu gehören natürlich Logos, aber auch Claims, also Werbeaussagen. Einige sind bereits durchgesickert:

Unsere App-traktion des Jahres

Oder:

Kleine App, große Wirkung

Oder:

Diese App kann nichts, außer Leben retten!

Es steht jetzt schon fest, dass diese Claims der Agentur “Zum Goldenen Hirschen” garantiert für allerlei Memes und Satire im Netz werden herhalten müssen. Es ist ja schön, dass sich die Agentur um Lockerheit bemüht. Aber die leider immer noch bestehenden Probleme sind ernsthaft. Darüber kann auch kein Werbespruch hinweg täuschen.

Zustimmung und Bereitschaft zur Installation  sinkt

Beispiel: Waren am Anfang der Corona-Pandemie noch über 60% der Deutschen bereit, sich eine solche Warn-App zu installieren, sind es nach jüngsten Studien der Uni Erfurt derzeit nur noch 44 Prozent. Die Zustimmung sinkt dramatisch. Zweifellos eine Folge des Missmanagements, der verunglückten Kommunikation und vor allem der miserablen Vorbereitung.

Eine PR-Aktion allein wird das Ruder aber nicht rumreißen. Und das hätte dramatische Folgen: Denn nur, wenn möglichst viele – idealerweise über 50% der Bevölkerung – die App installieren, benutzen und auch die Hinweise auf mögliche Infektionskontakte ernst nehmen, könnte die App ihre Wirkung entfalten. Dabei wäre so eine App, breit installiert, wirklich eine Hilfe.

Doch es ziehen weitere Wolken auf. Einige Arbeitgeber erwägen wohl, die Installation der App quasi anzuordnen – um für Sicherheit am Arbeitsplatz zu sorgen. Juristen halten das für eher problematisch. Einige Arbeitgeber erwägen, eine Corona-Warn-App nur für den internen Gebrauch einzusetzen.

Konstantin von Notz im Interview: Warum es so wichtig ist, die Corona App als OpenSource zu entwickeln

Weitere App soll Gesundheitsämter entlasten

Und nun ist – nach der RKI-Datenspende und der Corona Warn App – eine dritte Corona-App im Gespräch, wie das Handelsblatt berichtet: Eine spezielle App für Menschen, die sich in Quarantäne begeben müssen. Die App soll Gesundheitsämter entlasten: Normalerweise rufen Beamte der Ämter einmal am Tag jeden in Quarantäne befindlichen Bürger an. Etwa, um den Gesundheitszustand abzufragen – und um zu überprüfen, ob der Person sich an die Quarantäne hält. Ergo: Ob sie zu Hause bleibt.

Das kann auch eine App erledigen. Der Bürger macht Angaben über sein Wohlbefinden – und die App überprüft, ob die Quarantäne auch wirklich eingehalten wird. Da das Verlassen der Wohnung unter Quarantäne eine Straftat ist, also strikt verboten, dürfte das im Grunde nicht als Tracking verstanden werden. Doch diese Funktion wird zweifellos ausreichend Kritiker finden.

Die Corona-Apps: Sie werden uns noch länger beschäftigen..

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CosmoTech Podcast: Alles, was ihr über Corona-Apps wissen müsst

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

  1. Dolly Toll am

    @: Eine spezielle App für Menschen, die sich in Quarantäne begeben müssen.
    …. jau, aber vorher hat dann in der Backstube der nette Containment Scout vom kommunalen Gesundheitsamt angerufen mit der frohen Botschaft, dass eine Verfügung vom Ordnungsamt zur Quarantäne unterwegs ist …. !
    Hat was von elektronischer Fußfessel ….
    Huhu, und die Daten werden per Fax dem RKI übermittelt ….

    • DollyToll am

      Nachtrag: @ Da das Verlassen der Wohnung unter Quarantäne eine Straftat ist, also strikt verboten, dürfte das im Grunde nicht als Tracking verstanden werden.
      Dies wäre wohl Tracing … meint ein Nicht-GBler.

    • Skeptiker am

      Ob die “Ausgangssperre” bekommen?

      Wenn es nach dem EU-Politiker Voss geht, so hätte diese Gruppe wenigstens Benachteiligungen zu befürchten.

  2. The German government has asked SAP and Deutsche Telekom to build up the Corona-Warn-App for Germany as open source programming. Deutsche Telekom is giving the system and versatile innovation and will work and run the backend for the application in a protected, adaptable and stable way.

  3. Ich werde diesen Quark auf keinen Fall installieren. Reicht doch schon das man überall gegängelt wird mit Zugangsbeschränkungen, Desinfektionen und Preiserhöhungen allerorts. Meine Daten bekommt ihr nicht.

    • Neue Ansätze wie diese App hätten das Potential genau das was Du bemängelst abzumildern.
      Am Ende schadest Du Dir somit selbst.

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