Social Bots verpesten das Netz

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Social Bots verpesten das Netz

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Oft sind es die unsichtbaren Dinge, die nerven – oder einem sogar gefährlich werden können. Kohlenstoffmonoxid zum Beispiel. Unsichtbar. Geruchlos. Aber giftig. Oder Social Bots: Bermerkt man nicht – und sind im besten Fall nervig, im schlimmsten Falle äußerst schädlich.

Sorry für den steilen Einstieg, aber Social Bots entwickeln sich allmählich zu einem riesigen Problem. Überall im Netz entstehen im ganz großen Stil Fake-Accounts. Gemeint sind Profile in Social-Media-Diensten wie Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr und Co., hinter denen keine realen Personen, sondern Bots stecken. Miniprogramme, die Profile anlegen und mitunter sogar mit den anderen Usern interagieren.

Social Robots sind wie Roboter, die im Netz agieren

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Über 100 Millionen Fake-Accounts weltweit

Allein bei Facebook sollen es mindestens 15 Millionen Fake-Accounts sein, bei Twitter sind zwischen fünf und zehn Prozent aller Accounts von Maschinen gesteuert. Weltweit rechnen die Experten mit 100 Millionen Fake-Accounts. Für das ungeübte Auge sind die Bots meist nicht zu erkennen. Das soll auch so sein, denn die Programmierer dieser Bots wollen in der Regel unentdeckt bleiben. Denn sie verfolgen einen Zweck: Sie wollen, dass wir uns auf Facebook mit ihnen befreunden, damit sie mehr Daten von uns einsehen können. Sie manipulieren Bewertungsportale und schreiben Rezensionen. Sie wollen uns im Gespräche verwickeln und auf Plattformen halten, damit wir Geld für Extradienste bezahlen. Sie wollen Diskussionsforen mit Meinungen fluten. Es gibt viele Aufgaben für Bots.

Social Bots werden programmiert – und die Progammierer werden immer besser. Spezielle Fake Name Generatoren wie randomuser erzeugen auf Knopfdruck virtuelle Identitäten mit Name, Vorname, Geburtsdatum, Beruf, Foto und sogar Blutgruppe. Es gibt bereits Wettbewerbe unter den Codern: Wer schreibt den besten Bot, welcher bleibt möglichst lange unentdeckt?

Manche Bots sind sogar in der Lage, mit uns zu sprechen. Sie stellen Fragen – und antworten auf unsere. Wundern darf man sich darüber nicht in Zeiten von Siri, Cortana und Co. Schließlich sind auch diese digitale Agenten eine Form von Künstlicher Intelligent (KI): noch nicht sonderlich weit entwickelt, aber ein Anfang ist gemacht. Nicht auszudenken, wozu Social Bots schon in einigen Jahren in der Lage sein werden.

Bot or Not?; Rechte: WDR/Truthy

Betrug mit Social Bots ist ein riesiges Geschäft

Social Bots sind ein riesiges Geschäft, denn Freundschaften und Likes auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. sind viel Geld wert. Es gibt Agenturen, die verkaufen die virtuellen Freundschaften in Hunderterpaketen. Für viele ist das attraktiv, dann haben sie eine fette Zahl an Likes und/oder Followern. Andere sind vielleicht durch den hohen Grad an Interaktion beeindruckt und folgen dann ebenfalls. Dass einem letztlich ein Heer von Robotern folgt, sehen die anderen ja nicht. Nicht wenige zahlen dafür Gebühren.

Die Betreiber der großen Netzwerke sind zwar alarmiert, unternehmen aber bislang nicht sonderlich viel gegen diese Pest des 21. Jahrhunderts. Noch ist der Schaden für sie nicht groß genug. Nicht zuletzt auch deshalb, weil zu wenige User von diesen Bots wissen und sich deshalb auch (noch) nicht betrogen fühlen. Aber wir werden betrogen: durch manipulierte Abstimmungen, Propagandaflut in der Timeline, vorgetäuschte Freundschaften und verfälschte Statistiken über Follower und Likes.

Es ist allerhöchste Zeit, dass die Betreiber mehr dagegen unternehmen. Es gibt Wege: Beim Truthy-Projekt Bot or Not? zum Beispiel kann man feststellen, ob ein Twitter-Account von einem Menschen oder von einer Maschine betrieben wird. Es ist zwar schwierig, Social Bots zu enttarnen – aber es ist nicht unmöglich. Deswegen sollten wir User keine Ausreden gelten lassen.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Comments

  1. Ich vermute auch ganz stark auf Youtube ganz viele Bots, die Hasskommentare posten oder aber auch gegen linke Wirtschaftspolitik mit angsterzeugenden Vorurteilen vorgehen – im Sinne Pro-Kapitalismus versteht sich. Dabei fällt auch auf, dass diese „Bots“ bspw. erst einen Hasskommentar posten, woraufhin ich versuche dagegen zu argumentieren und plötzlich kommt zum Vorschein, dass dieser ebenfalls sehr starke, unsoziale, neoliberale Ansichten liefert.

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