Spielemesse E3: 4K statt VR

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Spielemesse E3: 4K statt VR

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Seit mehreren Jahren präsentiert uns Microsoft immer wieder seine Hololens-Brille. Die ist zwar noch nicht auf dem Markt, soll aber bald kommen. Dann soll die halbdurchsichtige Brille die perfekte Verschmelzung von echter und virtueller Realität ermöglichen. Augmented Reality genannt. Ideal geeignet für Games – sollte man meinen. Doch jetzt hat Microsoft auf der Spielemesse E3 in Los Angeles die neue Ausgabe seiner Spielekonsole präsentiert, die allerdings ohne auch nur den geringen Ansatz von VR oder AR auskommt.

Xbox One X mit True 4K Spielen; Rechte: Microsoft

Xbox One X mit True 4K Spielen

Microsoft macht einen Bogen um VR und AR

Mich hat das sehr überrascht. Ich hätte erwartet, dass Microsoft mit seiner Xbox One X auch Hololens-Spiele ankündigt. Das wäre ein wunderbares Verkaufsargument für die Konsole, da ein Unterscheidungskriterium – und auch für die Brille, die in diesem Jahr auf den Markt kommen soll. Die Xbox One X soll übrigens erst im November zu haben sein. Dass sich Microsoft dagegen entschieden hat, die eigene Hololens-Brille zu unterstützen, kann nur bedeuten, dass es entweder technisch noch zu schwierig ist oder man keinen Markt sieht. Leistungsfähig genug ist die Xbox One X jedenfalls, um VR oder AR anbieten zu können.

Stattdessen setzt Microsoft auf 4K. Wichtigstes Schlagwort bei der Xbox One X ist True 4K. Alle wichtigen Spiele werden fit gemacht für die zweifellos beeindruckende Auflösung. Wer Games in True 4K anschaut, bekommt gestochen scharfe Bilder präsentiert. Bessere Bilder als am Fernseher. Denn Fernsehprogramme liefern heute lediglich Full-HD. Wer Filme in 4K sehen will, muss zur Bluray greifen oder abonniert Netflix, zahlt zwei Euro mehr im Monat und wählt Sendungen aus, die in 4K angeboten werden – kurzum: Im Wohnzimmer ist 4K noch eine Rarität.

Die PS4 ist die einzige Spielekonsole, die VR kann; Rechte: Sony

Die PS4 ist die einzige Spielekonsole, die VR kann

Nur Sony kann VR

Auch Sonys Playstation 4 setzt auf 4K. Allerdings kann man mit der PS4 auch VR-Games daddeln. Damit ist die PS4 derzeit die einzige Spielekonsole am Markt, mit der das geht. Wer sich aber mal die ausführlichen Anleitungsvideos angeschaut hat, was alles zu erledigen ist, um das eigene Wohnzimmer VR-ready zu machen, ahnt: Vielleicht ist es eine gute Idee, um VR erst mal einen weiten Bogen zu machen. Wie heißt es doch so schön am Ende des zweiten Sony-Anleitungsvideos: „Admire your work.“ Wir sollen uns also selbst auf die Schulter klopfen dafür, dass wir alle Stecker in die richtigen Dosen gestöpselt haben.

4K ist technisch einfacher umsetzbar. Die Spielekonsole muss nur schnell genug sein – und der Monitor/Fernseher 4K-tauglich. Gut, das sind zwar nur die wenigsten Fernseher in deutschen Wohnzimmern, doch die neuere Generation beherrscht durchaus 4K bzw. Ultra-HD und sind bereits ab 500 Euro zu haben. Mehr muss man nicht investieren, um in den Genuss von 4K zu kommen, während VR-Spiele verlangen, dass man auch VR-Brillen oder Hololens-Brillen besitzt, was zusätzlich kostet. Möglicherweise sind das Gründe, wieso VR-Spiele auf der E3 keine Rolle gespielt haben – und in unseren Wohnzimmern auch in den nächsten Monaten keine Rolle spielen werden.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Ich selber kann den VR Trend auch nicht ganz nachvollziehen. Aktuell gibt es meiner Meinung nach noch keine Einsatzzwecke die über ein kurzes „Ausprobieren“ hinausgehen.

  2. Nicht dass Xbox mit der Entscheidung den Anschluss an Virtual Reality verpasst und somit Xbox-Gamer zum Konkurrenten PlayStation wechseln. Virtual Reality wird kommen. Denke, dass Sony den richtigen Weg eingeschlagen hat – sowohl 4k als auch VR. Ach und einen besseren Namen hätte sich Microsoft auch einfallen lassen können.

  3. Grundsätzlich hat mich die Entscheidung auch überrascht. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es nur mit der aktuellen Situation zu tun hat. Wahrscheinlich ist es wie immer mit diesen Nischenprodukten. In absehbarer Zukunft wird es einen Boom geben und die Nachfrage wird extrem steigen. Und genau das ist der Zeitpunkt, den die meisten Hersteller verschlafen. Jeder der diese Technik schon einmal getestet hat kann bestätigen, welchen Effekt es auf einen hat. Daher würde ich ganz klar sagen, dass es für diese Produkte einen Markt gibt und dieser eher früher als später kommt.

  4. Ich sehe es im Prinzip genauso. VR Gaming ist eine schöne Spielerei aber es bleibt wohl auch in naher Zukunft ein Nischenprodukt. Die Technologie ist umständlich und nur Wenige wollen sich im Wohnzimmer eine nach wie vor sehr klobige Brille auf den Kopf setzen, um dann wild in der Gegend herumzufuchteln.

    4K Gaming hingegen ist das klassische Massenprodukt, welches sich in den nächsten Jahren prima vermarkten lässt. Zocken in 4096*2160 Pixeln mit butterweichen Animationen … die aktuelle Hardware macht es mit und das Gaming Erlebnis ist wesentlich hochwertiger als das HD gedaddel, was die meisten von uns seit vielen Jahren als Gewohnheit empfinden. Wird uns für einige Zeit zufriedenstellen …

    VR wird kommen, keine Frage. PS VR oder Occulus Rift sind hierbei jedoch eher Wegbereiter als das massenfähige Endprodukt.

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