Sport: Vertraut eurem Körper mehr als dem Tracking!

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Sport: Vertraut eurem Körper mehr als dem Tracking!

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Mein Herzfrequenz-Mess-Band kneift ein bisschen, während die Computer-Dame die letzten Sekunden der Übung ansagt. Gemeinsam mit acht anderen Trainierenden starre ich auf den Bildschirm, der auf einem Lastenrad im Park aufgebaut ist. Verdammt, alle sind schon im rosa Bereich über 81 Prozent der maximalen Herzfrequenzrate, nur ich dümpele noch bei 70 Prozent herum. Verstohlener Blick zur Seite. Die anderen sehen alle noch ganz fit aus. Strenge ich mich nicht genug an? Oder bin ich doch unfitter als gedacht?

Charts und Belohnungspunkte

Die maximale Herzfrequenz gibt an, wie schnell unser Herz bei größtmöglicher körperlicher Anstrengung schlägt. Ziel des Trainings: mehr als 81 Prozent der maximalen Herzfrequenzrate erreichen. Damit sollen Kalorien verbrannt, die Ausdauer verbessert und die Bandbreite der Leistung vergrößert werden. Die Anbieter versprechen außerdem eine bessere Herzgesundheit. Bei mehr als 91 Prozent gibt es Punkte zur Belohnung. Nach dem Training bekommen wir Diagramme geschickt mit der Herzfrequenzkurve, verbrannten Kalorien – und den erreichten Punkten. Informativ ist das nicht nur für uns, sondern auch für das Unternehmen, das das Training organisiert, auswertet und so sehr viele wertvolle persönliche Daten sammelt.

https://www.youtube.com/watch?v=m_TTogGVmk0

Auch Leistungssportler setzen nach wie vor bei Trainings die Frequenzmesser-Gurte ein. Smart Watches bieten Herzfrequenzmessungen an, die Apple Watch zum Beispiel sogar ein Ein-Kanal-EKG, das von Kardiologen gelobt wird, weil so auch Herzrhythmusstörungen getrackt werden können. Doch wie gut ist die extremes Tracking beim Sport wirklich für uns?

Daten vertrauenswürdiger?

Der Trainer weist uns darauf hin, dass wir immer möglichst ganzheitlich trainieren sollten. Und: Man solle trotz Tracking auf seinen Körper hören. Er spricht damit einen wichtigen Punkt an. Denn, und das kenne ich auch von mir selbst: Wir vertrauen objektiv anmutenden Daten oft mehr, als unserem subjektiven Empfinden. Wenn der Herzfrequenzmesser sagt, dass ich noch mehr Leistung bringen kann, dann geht das auch noch.

Die Gefahr ist, dass wir unseren Körper überlasten – weil wir zu sehr auf Formeln vertrauen. Diese müssen auf eine größere Gruppe von Personen zutreffen. Abgefragt werden im Vorhinein Alter, Geschlecht, Gewicht, Größe und eine ungefähre Einschätzung der eigenen Fitness. Das grenzt schon viel ein. Aber: Unser Körper ist komplexer. Absolut hyper-personalisiert ist das Training also nicht, für manche Personen passt die Formel unter Umständen einfach nicht. Daran liegt es auch sicherlich, dass ich phänomenal wenig Belohnungspunkte gesammelt habe. Zumindest rede ich mir das auf dem Nachhauseweg ein.

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Physiotherapeutin Alexandra Ulke gibt praktische Tipps fürs tägliche Training.

Über den Autor

Ildiko Holderer ist freie Journalistin beim WDR, Digital Native (Jahrgang 1993) und generell für mehr Transparenz im Journalismus. Sie beschäftigt sich vor allem mit Plattformen und Wissenschaftsthemen. Seit ihrem Volontariat beim WDR 2013/14 lebt sie in Köln. Ihre Recherchen veröffentlicht sie bei WDR.de, in Form von (Insta-)Stories, Social Videos – und im Radio.

1 Kommentar

  1. Off_Leiner am

    Ich habe auch eine Zeitlang mit Herzfrequenzsensor trainiert – bis mich ein kompetenter Arzt exakt vor den Dingen warnte, die in dem Artikel thematisiert werden.
    Daraufhin und seitdem habe ich das weggelassen – und festgestellt, daß ich “ohne” ein viel verläßlicheres Gefühl für meinen eigenen Körper entwickelt habe als “mit”.
    Irgendwann habe ich dann sogar angefangen, nicht mehr nach Kilometern zu laufen, sondern nach Zeit – ausgerichtet am körperlichen Zustand.
    Ergebnis: Der Fitneßgrad und -zustand hat sich erheblich verbessert.
    (Anmerkung: Freilich habe ich auch vor der ärztlichen Warnung nie einen dieser “Fitnesstracker” verwendet – ein Smart-, besser: Sucht- phone habe ich eh’ nicht – denn ich möchte nicht, daß meine Gesundheits- oder überhaupt persönlichen Daten irgendwo im Internet herumgesendet werden!)

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