Starlink: Wenn das Internet aus dem All kommt – und die Erde gefährdet

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Starlink: Wenn das Internet aus dem All kommt – und die Erde gefährdet

Kommentare zum Artikel: 9

Man hört und liest viel von Elon Musks Plänen, mit seinem Unternehmen SpaceX das All zu erobern. Ein Projekt, das sich ganz konkret daraus ableitet, ist Starlink. Ein Unternehmen, das Zugang zum Internet anbietet – über eigene Satelliten.

Die Idee ist zweifellos reizvoll: Überall dort, wo es weder DSL, noch Mobilfunk mit ausreichend Bandbreite gibt (geschweige Glasfaser), kann Starlink Zugang zum Netz bieten.

Elon Musk twitter gerne; Rechte: WDR/Schieb

Elon Musk – der Chef von Starlink und SpaceX – will das All erobern

Ein freier Himmel reicht – schon online

Der Vorteil von Internet per Satellit – was technisch absolut nichts Neues ist -, liegt in der extremen Flexibilität. Ein freier Blick zum Himmel reicht – schon können Kunden online gehen. Sie stellen dazu eine vergleichsweise kleine Satellitenschüssel auf – etwa auf dem Balkon, auf dem Dach oder im Garten -, die sich selbständig optimal ausrichtet. Schon nach wenigen Minuten steht die Verbindung – und es können Daten fließen.

Allerdings ist Surfen per Satellit kein günstiges Vergnügen. Die Satellitenschüssel kostet 500 Euro – und der Onlinedienst 99 Euro im Monat. Dafür gibt es ein Datentempo, das durchaus bei 300 MBit/Sekunde im Downstream und bis zu 30 MBit/Sekunde im Upstream liegen kann. Das zumindest haben Fachredakteure bei Teltarif jüngst gemessen. Ein Tempo, das so mancher DSL-Anbieter nicht hinbekommt. Schon gar nicht auf dem flachen Land.

Connected to Starlink: Per App zu steuern; Rechte: WDR/Schieb

Connected to Starlink: Per App zu steuern

Attraktive Alternative für Menschen ohne DSL und 5G

Auf dem Mobile World Congress (MWC), der aktuell fast unbeachtet in Barcelona stattfindet, hat Elon Musk sich beklagt: Fünf bis zehn Milliarden Dollar Investitionen seien nötig, um Starlink ans Laufen zu bringen. Langfristig erhofft sich Musk aber einen ständigen Einnahmestrom, der für seine weiteren ambitionierten Pläne nötig ist (etwa, den Mars zu erobern).

Für Menschen, die weder eine schnelle DSL-Leitung bekommen, noch in einem 5G-Ausbaugebiet wohnen, können Lösungen wie Starlink durchaus interessant sein. Doch es gibt auch lautstarke Kritik an den Ausbauplänen. Elon Musk will bis 2027 an die 12.000 Satelliten um die Erde schicken, um sein Starlink-Netzwerk aufzubauen. Zum Vergleich: Aktuell kreisen 5.000 Satelliten um die Erde.

Forscher warnen: Enges Satelliten-Netzwerk bedroht die Erde

Das engmaschige Satellitennetz stört schon jetzt Astronomen. Auch macht es die Raumfahrt nicht einfacher. Vor allem aber drohen auch Konsequenzen für die Erdatmosphäre: Forscher warnen gerade davor, dass auf die Erde niedergehender Elektroschrott, der vor allem aus Aluminium besteht, die Erdatmosphäre gefährde. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein Alarmsignal höchster Priorität.

Wir müssen uns also nicht nur vermehrt Gedanken darüber machen, wie wir mit Altlasten auf der Erde umgehen, sondern auch mit Elektroschrott in unserer Umlaufbahn. Und das möglichst sofort, denn Elon Musk lässt sich durch solche Bedenken nun ganz sicher nicht aufhalten.

Da Starlink sehr viele Satelliten ins All schickt, stört das die Astronomie

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. “… hat Elon Musk sich b e k l a g t: Fünf bis zehn Milliarden Dollar Investitionen seien nötig, um Starlink ans Laufen zu bringen.”
    lol: knappe 190 Milliarden US-$ Privatvermögen und jammert über lumpige 5-10 Milliarden; die arme Kirchenmaus. Möge er mit seinen Kolonisten alsbald zum Klimaparadies Mars entfleuchen und dort den Frieden finden.

    • Durchwinker am

      Wahr ist es. Was sich dieser Multi-Milliardär mit seinem Größenwahn alles leistet… das gefällt dem kritischen Auge gar nicht so gut.

  2. Elon Musk. Ich weiß nicht, ob ihn ihn lieben oder hassen soll.
    Im Prinzip ist das nur ein Nerd mit (zu) viel Geld, der das Geld für Nerdthemen wieder ausgibt. Viele dieser Themen unterstütze ich prinzipiell auch. Wären da nicht die ganzen negativen Begleiterscheinungen…

    • Ich halte Musk eher für einen verrückten Querdenker. Das ist gar nicht so negativ gemeint, es war zum Beispiel auch eine verrückte Idee einem Weltraumteleskop eine Brille zu verpassen. Allerdings sollten beim Wiedereintritt in die Realität die Verrücktheiten ausgeräumt sein und da bleibt schon mal was übrig.
      Flächendeckend Internet per Satelit klingt nicht gut.

  3. 12.000 Satelliten? Wow. Gibt es da nicht auch Gesetze, wer wieviel ins All schiessen darf? Eine Weltraumbehörde oder so. Weltraumschrott ist ja schon länger ein bekanntes Problem.

    • Durchwinker am

      Dort wird wahrscheinlich auch sehr eng mit der NASA gearbeitet, Musk hat ja anderweitig auch mit denen zu tun. Von daher fließt da wahrscheinlich auch Geld für die Unternehmung.
      Und, wie wir alle wissen, gehört den Vereinigten Staaten ja das Weltall. Hoffentlich kommen da noch mehr auf die Idee, dass es langsam mal reicht ohne richtige Weltraumkontrolle.

    • Ja, so eine Organisation gibt es.
      Musk hat dort natürlich auch für seine Sats eine Genehmigung eingeholt. Darin ist festgelegt, wieviele Sats in welchen Umlaufbahnen fliegen und welche Funkfrequenzen verwendet werden dürfen.
      Auch, was mit defekten Sats passieren muss (beschläunigter Absturz).

      Es gibt übrigens noch andere Unternehmen, die solche Sat-Schwärme aufbauen: z. B. OneWeb hat auch schon eine ganze Anzahl oben.

      Das Problem ist also keineswegs neu oder auf Musk beschränkt order irgendwas illegales.

      • Inglaterra am

        Das Problem ist, dass immer wenn einer eine Idee hat, es andere nachmachen muessen. Siehe GPS – anstatt sich auf ein System zu einigen, muss natuerlich Russland GLONASS machen, und Europa GALILEO … prompt multipliziert sich die ohnehin schon grosse Anzahl an Raumflugkoerpern. So aehnlich, aber mit noch groesseren Anzahlen, passiert es nun mit diesen Netzwerken aus Kleinsatelliten. Abgesehen von erheblichen Problemen fuer die Astronomie (Stoerung von Weitfeldsurveys, Radiofrequenzkontamination, und aesthetische Gesichtspunkte bei der Beobachtung des Himmels) besteht auch eine groessere Gefahr von Kollisionen ausgedienten Weltraumschrotts mit intakten Flugkoerpern. Im Extremfall kann das zu einer Lawine an Kollisionsereignissen fuehren, die unter “Kessler-Syndrom” bekannt ist.

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