Tablets und Handys: Verschenkst Du auch “seltene Erden” zum Fest?

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Tablets und Handys: Verschenkst Du auch “seltene Erden” zum Fest?

Kommentare zum Artikel: 12

Machen wir uns nichts vor: Trotz Klimawandel machen sich nur die wenigsten ernsthafte Gedanken darum, wie energieaufwändig die Herstellung von Smartphones, Tablets und anderen Gadgets so ist. Ich will mich da gar nicht ausschließen. Doch seitdem ich mich damit beschäftige, was so alles in einem Smartphone verbaut ist und wie viel Energie es kostet, so ein Gerät herzustellen, komme ich doch mächtig ins Grübeln.

Der CO2-Ausstoß bei der Produktion moderner Digitalgreäte ist enorm; Rechte: WDR/Schieb

Der CO2-Ausstoß bei der Produktion moderner Digitalgreäte ist enorm

Hightech bedeutet energieaufwändige Produktion

Denn es erzeugt durchschnittlich 54 Kilogramm CO2-Äquivalent, ein Smartphone herzustellen. Ein Tablet sogar 141 Kilogramm CO2. Glaubt man gar nicht.

Grund sind auch und vor allem die Materialien, die in so einem Gerät verbaut sind. Der Techniksoziologe Felix Sühlmann-Faul, der auf Nachhaltigkeit in der Digitalisierung spezialisiert ist, zählt mindestens 70 bis 75 Materialien auf, die “nur schwer zu fördern sind”.

Darunter “seltene Erden”. Die nicht so heißen, weil sie insgesamt rar wären. Sondern, weil man immer nur Spurenelemente im Boden oder Gestein findet. Es braucht also enorme Mengen, die in Minen mit viel Aufwand abgebaut und dann mit wahnsinnig viel Wasser bearbeitet und gewaschen werden müssen, um an dieses Material zu kommen.

Tipp: Komplett überholte (refurbished) Geräte kaufen - das schont die Umwelt; Rechte: WDR/Schieb

Tipp: Komplett überholte (refurbished) Geräte kaufen – das schont die Umwelt

Rohstoff-Abbau unter widrigen Umständen

Kobalt zum Beispiel wird im afrikanischen Kongo abgebaut. Das Material wird für Lithium-Ionen-Akkus benötigt. Doch wie Amnesty International berichtet, erfolgt der Abbau unter menschenverachtenden Zuständen. Kinderarbeit inklusive.

Das ist bei den 70 weiteren Metallen und Materialien nicht anders. Auch in Chile werden enorme Mengen solcher Materialien abgebaut – und die Umwelt zerstört.

Tipp: generalüberholte Geräte holen!

Es lohnt sich, sich damit mal zu beschäftigen. Diese ARTE-Dokumentation gibt interessante und erschreckende Einblicke.

Dann überspringt manch einer vielleicht mal die ein oder andere Handygeneration. Und: Es muss ja nicht immer das neueste Modell sein. Wer Refurbished-Geräte kauft (mehr darüber in meinem Angeklickt dazu) – also generalüberholte Geräte, die nahezu neuwertig sind – erspart Klima und Umwelt eine große Belastung und verlängert die Laufzeit eines Geräts enorm.

Von wegen Recycling

Was ich auch nicht wusste und mir vom Profi Sühlmann-Faul verraten wurde: Die allermeisten edlen Materialen und seltenen Erden in einem Smartphone oder Tablet lassen sich nicht recyceln. Selbst wenn die Geräte nicht auf einer illegalen Müllkippe in Afrika landen, sondern zum Beispiel bei Apple professionell entsorgt werden. Eine Wiederverwendung ist nicht möglich.

Ich finde wichtig, all das zu wissen!

Fachmann Felix Sühlmann-Faul erklärt, welche Ressourcen benötigt werden

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

12 Kommentare

  1. Ich verschenke gar nix, bin also aus der Gewissens-Eingangsfrage raus… ;)
     
    Was die Balance aus Neukauf und Gebrauchterwerb betrifft, sowie die Frage, wann eine Neuanschaffung notwendig wird – da meine ich, dank schwäbischem Geiz ohnehin schon eine vernünftige Einstellung zu haben: Technik wird so lange benutzt, wie sie gut funktioniert. Und wenn es dann sein muss, wird so umgestiegen, dass die Leistungsreserven wieder ein paar Jahre Betrieb versprechen (nicht übertrieben natürlich).
     
    Da zähle ich seit 1999: 4 PCs/Laptops (Win 95, XP, 7, 10), 3 Bildschirme (15″/19″/21″), 3 Fernseher (51cm Röhre, 27″ LCD, 50″ LED). Lediglich das XP-Laptop war ein gebrauchtes mit 3 Jahren und nach weiteren 3 Jahren zu lahm. Die Neuteile machten 6+ Jahre.
    Auch bei den Kameras (5; davon 1 gebraucht) und Telefonen (11; 6 gebraucht) hielten die Neuen jeweils merklich länger durch. Zugegeben, nur 3 – die Nokias 6310, 6300 und das jetzige Blackberry – machten länger als 2 Jahre (waren auch die teuersten und neu). Dazwischen waren schon wirklich gruselige Displays, Menüs, Touchscreens etc. dabei, wo ich froh war loszuwerden.
     
    Was will ich damit sagen: Refurbished schön und gut, aber man bindet sich da auf einen älteren Stand und muss u.U. öfter wechseln, weil das Gerät früher schlappmacht. Kann man schon machen, spart auch Geld (2 Gebrauchte sind oft billiger als 1 neues, besonders wenn’s eine weniger beliebte Marke sein darf), kostet halt Aufwand.
    Ich mache lieber größere Schritte (-> längere Laufzeiten), zumindest bei den Arbeitstieren, die laufen müssen/sollen; und da sind Neugeräte erste Wahl. Zweitgeräte oder Sonderlocken (Hobbyprojekte wie ein Dartcounter-PC mit Touchscreen, Handy als Wetterstation, Sofa-Tablet, Weckerlaptop) dürfen dafür auch gebraucht und 3. Wahl sein.
    Ausnahme: bei Festplatten kann ich refurbished-Exemplaren aus Erfahrung eine wesentlich längere Haltbarkeit unterstellen (bei mir 0% Ausfall!), da die nach Garantiereparatur eine wesentlich bessere Qualitätskontrolle durchlaufen als frisch vom Band. Die eignen sich dann auch im Server.

  2. Germaine Soho am

    Das Dilemma von CO2 / Rohstoffabwägung fängt schon bei der Frage an, ob ich meinen 10 Jahre alten 125W Phenom II X6 weiter 150W aus der Steckdose saugen lasse oder ihn samt Lüfter, Mainboard, Ram gegen einen Ryzen tausche, der eine um 100W geringere TDP
    ausweist. Tue ich es nicht, zahle ich drauf, durch den hohen Strom”verbrauch”.

  3. Germaine Soho am

    Die Kautschukplantagen werden auch seltenst genannt, im Zusammenhang mit verursachten Umweltschäden (auch E-Autos haben Reifen) und die dabei ausgebeuteten/(ihres Landes beraubten) Menschen.

  4. Die Argumentation aus dem Artikel sollte man übrigens auf alle Elektrogeräte beziehen.

    Muss es das smarte-Licht sein ? Muss man sich die elektrische Zahnbürste mit integriertem Mikrokontroller kaufen ? Muss es jetzt der 70 Zoll 8K Smarte-Fernseher sein ? Der neue TV-Stick ? Die Smartwatch ? Das Smarte-Fitnessarmband ? …

    Man könnte die Liste endlos fortsetzen. Alles Geräte welche bei der Herstellung Ressourcen und Energie benötigen, für den Betrieb wieder Energie und dann irgendwann Schrott sind.

    Schlimmer noch, all das kostet uns mit das wichtigste was wir haben “unsere Zeit”. Wir müssen die Bedienung lernen, die Geräte pflegen und warten, uns mit den Fehlern plagen und die Geräte irgendwann entsorgen. Es ist ein echter Gewinn sich solche Geräte nicht zu kaufen.

  5. Alles richtig, was Sie schreiben: Refurbished statt neu, Produktlebenszyklen verlängern etc..
    Nur, was man im digitalen Gerätebereich dadurch einspart bzw. einsparen könnte, wird durch die Forcierung der Elektromobilität recht schnell wieder zur Makulatur, was z.B. die o.g. ARTE-Reportage auch erwähnte:
    “… Doch für die Herstellung von Elektroautos werden große Mengen an Metallen und selteneren mineralischen Rohstoffen wie Graphit, Kobalt oder Lithium benötigt. […] Die Förderländer zahlen einen hohen Preis dafür, dass die Energiewende in Europa gelingt – denn der Abbau der begehrten Rohstoffe hat dramatische Folgen für Mensch und Umwelt. So PARADOX es klingt: Weil für klimaneutrale Technologien immer mehr Kohle benötigt wird, gehen die CO2-Emissionen weltweit nicht zurück. […] Zudem enthüllt die Reportage, dass westliche Regierungen und Unternehmen zahlreiche Expertenberichte über die tatsächlichen Umweltkosten grüner Technologien einfach IGNORIEREN. Denn hinter der sauberen Energie stecken handfeste politische und wirtschaftliche INTERESSEN. So steuert die Welt sehenden Auges auf die nächste UMWELTKATASTROPHE zu. Und der Westen wird immer abhängiger von China als wichtigstem Produzenten mineralischer Rohstoffe und Weltmarktführer bei erneuerbaren Energien.”.
    Selbstbetrug, Lobbyismus, Pseudo-Ökosiegel und Parolenpopulismus -“E-Mobilität ist die!11 Zukunft”- sind keine probaten Mittel, dem menschengemachten Umwelt- und Klimawandel auch nur annähernd entgegenzuwirken. Die Quittung folgt absehbar.

    • Auch der Verbrenner wird übrigens mit “Selbstbetrug, Lobbyismus, Parolenpopulismus” gepuscht. Je nachdem was man selbst so gerade gerne glauben mag wird den Publikationen von der einen oder anderen Seite Glauben geschenkt. Am Ende dürfte die Wahrheit wie üblich irgendwo in der Mitte liegen.

      Das einzige was wirklich hilft ist ziemlich konsequente Bescheidenheit. Doch hierzu sind, ich werfe einfach mal eine Zahl in den Raum, 99% der Menschen nicht bereit.

      Ich übrigens auch nicht, nicht das jemand glaubt das ich meine zu den 1% zu gehören.

  6. Insgesamt wäre eine längere Lebensdauer schon sinnvoll und von den Herstellern sollte verlangt werden, dass diese ihre Geräte mindestens 5 Jahre mit Updates versorgen oder die OpenSource-Community so unterstützen, dass AfterMarket-Betriebssysteme (z.B. LineageOS) problemlos betrieben werden können.
    Auf der Plus-Seite bei Smartphones/Tablets ist zu sehen, dass diese oftmals andere aufwändig produzierte Geräte unnötig machen, in denen sicherlich auch seltene Erden stecken, z.B. ersetzt ein Smartphone häufig Kompaktkameras oder MP3-Player, und Tablets oft auch einen PC.

  7. Am schlimmsten sind die Handys die fest verbaute Akkus haben. Man muss die dann entsorgen nur weil der Akku defekt ist.

    • SCHNUBBI am

      Dieser Tipp mit den gebrauchten Sachen ist so albern. Woher sollen denn die gebrauchten Waren kommen, wenn keiner mehr neu kauft?

      Das mag derzeit funktionieren, wo es sowieso kaum einer macht. Die Rechnung ist ja eigentlich ganz einfach, wenn 5 Mio. Menschen ein iPhone 50 haben wollen, dann ist es egal, ob das neu oder gebraucht hergestellt wird. Und die Herstellung gebrauchter Geräte wird vermutlich auch genauso viel Dampf erzeugen wie neue Geräte

      • Sehe es doch mal anders herum. Jeder der ein Smartphone möchte versucht ernsthaft ein gebrauchtes Gerät zu kaufen. Mit ein wenig Toleranz was die Leistungsdaten angeht. Wenn das nicht klappt, weil es kein Gerät gibt, dann beisst man in den süßen Apfel und kauft sich ein Neugerät.

        Und schon würde sich eine wunderschöne Balance einstellen.

        Doch ernsthaft, glaubst Du die Leute fangen aufgrund dieses Artikels an vernünftig zu handeln und das auch noch in größtem Ausmaß ???

        Es wird eher versucht mit seltsamsten Argumenten den Neukauf schönzureden. Wie z.B. “wenn ich das neueste Smartphone nicht kaufe woher kommen dann die Altgeräte”. Sehr amüsant, wenn es nicht so traurig wäre.

  8. Mein altes Smartphone war von 2014. Es unterstützt nur 3G. Daher war ich gezwungen, mir ein neues zuzulegen, hätte das alte aber lieber weiter genutzt. Und auch ein neues Tablet wurde dieses Jahr fällig, da das noch gut funktionierende keine Sicherheitsupdates mehr bekommt. So werden die Verbraucher leider von den Herstellern gezwungen, neue Geräte zu kaufen.

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