Tanzende Roboter: Der Trick mit der Vermenschlichung

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Tanzende Roboter: Der Trick mit der Vermenschlichung

Kommentare zum Artikel: 19

Das Video verbreitet sich aktuell wie ein Lauffeuer im Netz: Im Rhythmus von “Do you love me?” von The Countours tanzen einige Roboter in einer dafür freigeräumten Halle. Der Roboterhersteller Boston Dynamics lässt die Modelle Atlas, Handle und den Vierbeiner Spot gemeinsam rocken.

Roboter von Boston Dynamics tanzen; Rechte: WDR/Schieb

Verschiedene Robotertypen von Boston Dynamics tanzen

Sieht menschlich aus – ist aber nur ein Trick

Das sieht wirklich bezaubernd aus – das muss man zugeben. Es ist erstaunlich, wie agil die Maschinen mittlerweile sind. Denn wenig ist in Sachen Körperbeherrschung noch schwieriger als ein Tanz. Schnelle und symmetrische Bewegungen sind nötig, Gleichgewicht halten – und das auch noch alles im Takt der Musik und im Team. Wow!

Doch wir sollten einen Fehler nicht machen: die Roboter vermenschlichen. Sie machen das, was ihnen gesagt wird. Was Programme vorsehen. Die Maschinen beweisen eine unglaubliche Beweglichkeit, sicheren Stand, alles ist im Gleichgewicht. Das ist überzeugende Ingenieurskunst.

Aber wir wollen doch mal nicht vergessen, dass Boston Dynamics vor allem für das Militär produziert. Also Maschinen herstellt, die potenziell in den Krieg ziehen können. Mit Amüsement und Kunst hat das nichts zu tun.

Das Video, um das es geht: Verschiedene Robotermodelle tanzen in Rhyhtmus

Wir sollen die Roboter lieben

Das Video ist eine PR-Falle: Wir sollen entzückt sein. Wir sollen die Maschinen mögen. Ja – lieben sogar! Nicht umsonst gibt der Song “Do you love me?” den Takt vor. Und was könnte Boston Dynamics Besseres passieren, als dass wir anfangen, die Maschinen menschlich zu sehen? Die Logik: Wenn sie zu Musik tanzen, na dann können sie doch nur wie wir sein. Also: Im Grunde gut.

Sieht menschlich aus – ist aber nur ein Trick

Übrigens: Die KI (Künstliche Intelligenz) im Hintergrund, die unzählige Tanzvideos analysiert haben wird, um diese Choreografie hinzubekommen, ist keine echte Intelligenz. Es ist eine ausgebuffte und zweifellos sehr effektive Analyse-und-Reproduktions-Maschine. Niemals könnten die KI-bestückten Roboter Emotionen in ihre Bewegungen legen, weil sie eben keine Emotionen haben.

Deswegen sind sie auch nicht intelligent. Sie sind exzellente Nachahmer. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Für Boston Dynamics ist das wiederum optimal: Sie wollen Kampfmaschinen bauen und verkaufen. Und die sollten besser nicht kreativ sein. Sondern machen, was man ihnen sagt.

Wir sollten schlauer sein als die gemeinhin “KI” genannten Systeme – und den Trick durchschauen.

KI ist nicht kreativ, sondern simuliert Kreativität

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

19 Kommentare

  1. Auch die Aussage, dass die Roboter den Tanz durch eine KI aus Musikvideos/Tanzvideos gelernt haben zeigt, dass der Autor die technischen Zusammenhänge nicht versteht und fälschlicherweise verschiedene Konzepte zusammenwirft. Hier wurde mit 99% Sicherheit eine manuell vorgegebenen Choreographie nachgetanzt, die nicht durch eine KI gelernt wurde. Regelungstechnisch extrem beeindruckend, hat aber erstmal nichts mit KI zu tun.

  2. Margoyle am

    Ich weiss gar nicht, wo ich bei diesem als journalistischen Beitrag getarnten Haufen Unfugs anfangen soll. Also Versuche ich es mit einer Retourkutsche:

    Der Autor möchte mit seiner Wortwahl ein klares Feindbild skizzieren und mit seiner Polemik provozieren. Wir sollten schlauer sein, und diesen Trick durchschauen!

    • Ich finde es ebenfalls befremdlich, wie offenkundig “subtil” hier mit dem moralischen Zeigefinger gewedelt wird. Der Leser ist keine Maschine, er kann differenziert denken, daher braucht man ihm aber nicht gleich die ethische Komponente zart ins Gesicht zu brüllen. Sorry, geht für mich nicht.

  3. “Mittler zwischen Hirn und Händen MUSS das HERZ sein!” ((c) “Metropolis”, 1927). Word!
    “Do you love me?”.
    Nö, wer will schon einen hampelnden “Schraubensack” ((c) “Futureworld”, 1976) lieben? ;)
    Lasst Euch doch mal von ‘nem Robo-Hansel erzählen und vorschwärmen, was ein richtig guter Orgasmus ist oder wie ein saftiges, argentinisches Rindersteak wahre Gaumenfreuden bereitet. In beiden Fällen, plappert der nur eine Sammlung empirischer Erfolgsrezepte derer nach, die das tatsächlich erLEBT haben bzw. tatsächlich erLEBEN KÖNNEN. Ein kreativ komponierter High End-Haufen aus Edelstahl, Plastik und -zweifellos- sehr guter Kombination aus Software und Mechanik, wird das nie leisten können.
    Von daher, Herr Mohr, werden diese Dinger sich selbst und technogläubigen Anderen, sogar eines Tages ganz bestimmt vorzugaukeln wissen, eine “eigene Persönlichkeit” zu haben. Aber: von realen “Personen”, sind und bleiben diese herz- und hirnlosen “Wesen” allerdings immer so weit entfernt, wie etwa ein tumber Klumpen grauer Knetmasse von einem funkelnden Diamanten. ;)
    Frohes Neues @ all!

    • Carsten Mohr am

      Ich weiß, was Sie (Hardy) meinen. Eine Maschine kennt keinen Ekel. Folglich wäre für diese jeder Geschmack ein Faszinosum. Uns schützt Geschmack vor Schaden. Gammeliges Fleisch, giftige Pflanzen, mit Bakterien verseuchtes Wasser. Das alles fürchtet eine Maschine mit einem aus Leder ausgeschlagenem Magen nicht. Auch ist ein saftiges Steak, ein leckeres Stück Kuchen, ein Stück Schokolade mit einem Schluck Milcchkaffee ein kleines Sinneserlebnis nur für den Menschen. Da, und in vielem anderen, folgen einem die Maschinen nicht. Wie auch manch psychisch kranke Menschen oder Menschen, denen durch Alzheimer/Demenz und anderem die Persönlichkeit schrittweise genommen wird.
      Das Knetmasse durchaus liebenswerte Züge annehmen kann, haben wir früher bei den beiden Knetmännchen Friedrich & Friedrich aus “Luzie, der Schrecken der Straße” gesehen.
      Ebenfalls allen ein gesundes und frohes Neues

  4. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Kreativität nicht mehr Ähnlichkeit mit denen der KI ist als uns lieb ist. Nach allem was wir wissen funktioniert unser Gehirn und unser gesamter Körper nach Naturgesetzen, also entstehen auch von uns als Emotionen wahrgenommene Zustände durch das Zusammenspiel von äußeren Einflüssen (unsere Sensoren sind z.B. Augen, Ohren, Tastsinn, etc.) und komplizierter Körperchemie. Falls diese auch für den Kreativitätsprozess wichtig sind, ist dies also auch “nur” ein komplizierter neurologischer Vorgang, also im wesentlichen wie bei der KI ein deterministischer Prozess. Ich denke, dies ist uns als komplizierte “Maschine” nur nicht so bewusst.

    • Carsten Mohr am

      Richtig. Und da wir die Umwelt “erleben”, haben wir einen ganz anderen Erfahrungshorizont. Das werden Maschinen aber aufholen. Und eines Tages, man mag ja spinnen, haben Maschinen sowas wie eine eigene Persönlichkeit. Warum sollte der Mensch, der Affe, die Katze, der Igel, eine Maus, ein Schmetterling anders sein, gemessen an ihrem Gehirn und ihrem Lebensraum.

    • Es geht weniger um die Sensorik und die Fähigkeit darauf zu reagieren. Das haben Tiere ohne Zweifel auch. Tiere habe auch angeborene und erlernte Instinkte.

      Was den Mensch vom Tier unterscheidet, ist, dass er sich seiner Endlichkeit bewusst(!) ist. Das ist der wesentliche Unterschied. Eben diese Tatsache, die Sorge um sich selbst, seine Lieben und Angehörigen, die bewusste Kenntnis, dass Kranlheit den Tod näher bringt, ist das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Und das und nur das ist der Motor für Kreativität.

      Natürlich kann sog. KI “Verhalten” im weitesten Sinne erlernen und perfekt nachahmen. Aber Intelligenz setzt Kreativität voraus. Und das kann sog. KI niemals.

      • Carsten Mohr am

        “.die bewusste Kenntnis, dass Kranlheit den Tod näher bringt, ist das, was den Menschen vom Tier unterscheidet. Und das und nur das ist der Motor für Kreativität.”
        Das halte ich für völlig aus der Luft gegriffen. Kreativität ist das Ausprobieren der Möglichkeiten. Kognitive Fähigkeiten sind notwendig und bei vielen Tieren in erstaunlichem Umfang vorzufinden. Die Endlichkeit des Lebens ist Tieren bewußt, Stichwort Elefanten, die immer wieder über verstorbene Liebe trauern, wenn sie deren Überreste begegnen.
        Nein, das ist nicht der Motor. Motor ist der Überlebenstrieb, das Verschaffen von Vorteilen. Bilder malen in Höhlen ist keine Kunst, es ist Kommunikation und vielleicht auf eine Art, die rauhe Wirklichkeit zu bewältigen.

      • Thomas R. am

        Das ist wirklich vollkommen absurd. Sie müssen ja selbst merken das Nicht-Existenz aussagen (das kann KI niemals) ein verlorener Posten sind. Heutige Versuche KI zu bauen sind halt noch zu einfach gestrickt aber eine KI die Beispielsweise in einer virtuellen Welt aufs überleben trainiert wird könnte sehr wohl sowas wie einen Sinn für seine Endlichkeit entwickeln. Sie müsste halt ein wie auch immer geartetes Weltmodel besitzen.

        Die nächste Aussage “das und nur das” ist der Ursprung von Kreativität strotz ebenso von selbstsicherer Unkenntnis. Es ist schön das sie für sich diese Weisheit beansprucht haben aber falls Sie nicht einschätzen wie ihr Wissen so in den Stand der Wissenschaft passt behalten Sie es bitte für sich. Oder lernen Sie Ihre Aussagen mit der notwendigen Unsicherheit zu versehen.

        • Margoyle am

          Ich weiss gar nicht, wo ich bei diesem als journalistischen Beitrag getarnten Haufen Unfugs anfangen soll. Also Versuche ich es mit einer Retourkutsche:

          Der Autor möchte mit seiner Wortwahl ein klares Feindbild skizzieren und mit seiner Polemik provozieren. Wir sollten schlauer sein, und diesen Trick durchschauen!

  5. Carsten Mohr am

    Ich bin ein ausgesprochener Fan von humanoiden Robotern. Als Waffe sind sie eher untauglich, und werden es trotz der Suggestionen in SciFi-Filmen auch untauglich bleiben. Da sind Quadkopter und Amphibienfahrzeuge effizenter und deutlich besser geeignet.
    Humanoide können helfen, Maschinen das Leben von Mensch und Tier zu erfahren, in Messwerte gefaßt Erlebnisse abspeichern und so ein Equivalent zum Gefühl von Lebenwesen zu haben. Dazu ist eine hochgradig koordinierte Bewegung Schlüssel für Exosklette. Mit diesen könnten Gehbehinderte Menschen wieder natürlich laufen, oder es lassen sich natülriche Prothesen erstellen. Wenn man jetzt Projekte, wie die von Elan Musk zur Kopplung der Nevrensysteme mit elektronischen Elementen weiter verfolgt, so stehen dem Menschen einmal unvorstellbare Möglichkeiten der eigenen Regeneration zur Verfügung.
    Aber die Wege sind bis dahin noch lang. Ein Bekannter hat vor knapp 20 Jahren seine Doktorarbeit zum Thema Neuroprothesen und neurowissenschaftlicher
    Regenerationsforschung geschrieben.
    Bosten Dynamics gehört jetzt Hyundai, glaube ich. Ich weis nicht, ob das US-Millitär sowas “outsourcen” wird. Aber initiiert wurde Bosten Dynamics durch das US-Militär, soweit alles richtig.
    Ich sehe nur Chancen und die tanzenden Roboter machen Hoffnung auf eine stets lebenswerte Zukunft, gerade für körperlich benachteiligte Menschen.

    • Es ist zweifellos richtig, dass humanoide Roboter — oder auch andere sehr agile und bwegliche Roboter – eine große Hilfe sein können, etwa im Einsatz in unwegbarem oder gefährlichem Gelände. Das stelle ich auch nicht in Frage. Es ist aber wichtig, auch Grenzen zu ziehen – und die Maschinen nicht für menschlicher zu halten als sie sind. Und vor allem, sie nicht für kreativ zu halten.

    • das internet in den ursprüngen wurde auch vom militär verwendet / mitentwickelt.

      insofern: jede technologie kann für gut oder böse verwendet werden.

      • Das ist doch der Punkt. “Schwamm drüber” ist keine Haltung. Es ist wichtig, funktionalem von dysfunktionalem Einsatz zu unterscheiden. Und dafür braucht es – Kenntnis, Erkenntnis und Regeln.

        • Carsten Mohr am

          Sehr geehrter Herr Schieb,

          einiges verstehe ich nicht an Ihrer Argumentation. Boston Dynamics wurde 2013 von Google wegen schlechter bis garkeiner Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg für Laufroboter weiterverkauft. Wo greifen da Ihre Befürchtungen? Auch ist es keine Verharmlosung bzw. Verniedlichung der Roboter, es geht um technisches Knowhow in der Meß- und Regelrechnik. KI hilft hier allenfalls, aber in einer anderen Funktionsweise als der Böse Geist in der Maschine. Vielleicht verstehe ich Ihre angeführten Punkte zusehr als populistisch und irgendeinem, mir nicht unbedingt bekanntem Schema folgend. Kampfroboter, die Laufen, ist Science-Fiction bzw. wäre jederzeit möglich, aber sinnlos. Roboter in Kernkraftwerken oder bei atomaren Unfällen einzsetzen scheitert daran, dass die Elektronik schlichtweg nicht lange genug der Strahlung standhält. Und nur weil einer laufen kann, ist er nicht intelligent oder nicht. Ich verstehe, dass Sie mit Ihren Artikeln provozieren wollen, um den Gedankenaustausch anzuregen. Aber bleiben Sie doch auf dem Teppich oder untermauern Ihre Bedenken mit handfesten Argumenten. Sie sind Journalist. Das sollte, und ist Ihnen bislang ja auch immer, sehr gut gelungen.

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