#Techlash: Unilever will kein Geld mehr geben

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#Techlash: Unilever will kein Geld mehr geben

Kommentare zum Artikel: 6

Die goldenen Zeiten scheinen für Google und Facebook erst mal vorbei zu sein. Zumindest jene Zeiten, in denen die Onlinekonzerne machen konnten, was sie wollten – nicht nur ungestraft, sondern auch noch durch wirtschaftlichen Erfolg belohnt. In den USA knüpft sich der Senat Facebook vor, stochert im Sumpf und hält dem Unternehmen sein unverantwortliches Verhalten vor. Dann wenden sich diverse Ex-Mitarbeiter von Google, Facebook und Co. aus moralischen Gründen von ihren ehemaligen Arbeitgebern ab und erklären öffentlich: Social Media macht süchtig. Und nun: Sagt einer der mächtigsten Werbekunden, so geht’s nicht weiter.

Unilever ist einer der größten Online-Werber der Welt; Rechte: dpa/Picture Alliance

Unilever ist einer der größten Online-Werber der Welt

Acht Milliarden Dollar sind ein starkes Argument

Der Multikonzern Uniliver verteilt weltweit acht Milliarden Dollar Werbegelder – pro Jahr. Klar, dass Google und Facebook ein großes Stück vom Kuchen abbekommen. Doch nun hat Marketingvorstand Keith Weed gefordert, dass Google und Facebook ihre Sümpfe trocken legen müssen, bevor wieder Werbegelder fließen. CNN liegt eine Rede des Uniliver-Managers vor, die belegt, dass der Konzern entschlossen ist.

Wenn Politiker oder Datenschutzbeauftrage etwas fordern, schmunzeln Google, Facebook und Co. in der Regel nur. Es braucht schon die Power eines US-Senats, damit bei Facebook überhaupt mal die Alarmglocken klingeln. Doch wenn die Großen der Branche ihre Geldbörse zukneifen, ist es das Machtmittel schlechthin. Schließlich wird der ganze Zauber namens Social Media nur aus diesem einzigen Grund betrieben: Um an die Werbegelder der Großen zu kommen.

Sendereihe Angeklickt: Social Media macht abhängig und süchtig; Rechte: WDR

Sendereihe Angeklickt: Social Media macht abhängig und süchtig

Techlash: Kritik an Tech-Gigangen nimmt zu

Das macht zwar ein anderes gesellschaftliches Problem deutlich – die Macht des Kapitals und die Ohnmacht der Politik – aber es ist erfreulich, dass selbst die Werbetreibenden mittlerweile feststellen, dass es so nicht weitergehen kann. Unilever legt den Finger in die Wunde: Fake-News bedrohen die Demokratie, es gibt keinen ausreichenden Jugendschutz, die Gesellschaft wird durch die Inhalte gespalten und die Moral unterwandert. Außerdem ist alles, was schädlich ist für ein gedeihliches Zusammenleben (Hatespeech, Fake-News, Lügen, Beleidigungen…) gut für Facebook und Google. Weil solche Inhalte für große Aufmerksamkeit sorgen und damit den Umsatz erhöhen.

Entweder werde das Jahr 2018 “das Jahr des Techlash”, sagt Keith Weed, “in dem sich die Welt gegen die Tech-Giganten wendet” (was “Techlash” genannt wird, einen Begriff, den wir künftig häufiger hören werden), oder den Online-Riesen gelingt die Kehrtwende – und sie stellen das Vertrauen her, das so dringend nötig ist. Ob ihnen das gelingt, ist meiner Ansicht nach fraglich. Vor allem bei Facebook.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Vielen Dank für diesen instruktiven Artikel mit seinen überaus interessanten Nachrichten, Herr Schieb.
    Diese Nachrichten ergeben im Verein mit vorangegangenen eine brisante Mischung.
    Fassen wir kurz zusammen:
    – Immerhin Ex-Mitarbeiter asozialer Netzwerke, ausgestattet mit immensem Insider-Wissen, warnen öffentlich vor Suchtgefahr, nein, brisanter: Decken auf, daß die asozialen Netzwerke vorsätzlich und gezielt darauf hin arbeiten, Menschen in eine Suchtkrankheit zu treiben.
    – Kein Geringerer als der Weltkonzern Unilever legt als Nächster “den Finger in die Wunde”, wie Herr Schieb es zutreffend ausdrückt.
    Das Landgericht Berlin rügt Verletzungen des Datenschutzes durch das asoziale Netzwerk, dieses “Facebook”.
    Alles dieses gesellt sich zu den fundierten Warnungen eines Prof. Spitzer, eines Dr. med. Bert te Wildt, eines Prof. Alexander Markowetz, des Soziologen Harald Welzer und – und und…
    Als viel kleinere Lichter reihen sich P. Gedoehns, C.Z. und ich als Digitalistan-Kommentatoren dort ein.

    Also: Da müßten doch etlichen anderen Digitalistan-Artikel-Schreibern und Kommentatoren regelrecht die Ohren klingen, und auch sie müßten doch endlich aufwachen und eingestehen, daß ihre verharmlosende bis alles Digitale regelrecht zum neuen Gott bzw. anzubetenden Götzen erhebende Haltung, gepaart mit offener Verunglimpfung renommierter Wissenschaftler wie Spitzer falsch war und ist und sie gut daran täten, den Beispielen von z.B. P. Gedoehns und mir zu folgen, sich endlich vom Suchtphone zu befreien und den asozialen Netzwerken endlich den Rücken zu kehren – und ich wiederhole:
    Auch und gerade der öffentlich-rechtliche Sender WDR muß seine sog. “Accounts” bei allen asozialen Netzwerken löschen – das ist überfällig!

  2. Michael Altenkamp am

    Da frage ich doch dann einmal ganz kätzerisch warum denn ein öffentlich- rechtlicher Sender eine solche Privatwirtschaftliche Plattform zur Kommunikation nutzt. Eine Plattform die allzuoft mehr schadet als nutzt.
    mich@

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      @Michael Altenkamp:
      Danke! Wasser auf nicht nur meine Mühlen!
      (Auch wenn “ketzerisch” mit “e” geschrieben wird, denn es kommt von Ketzer und nicht von Katzer! https : / / www . duden . de / rechtschreibung / ketzerisch )

      • Michael Altenkamp am

        Danke für den wertvollen Tipp
        Aber gerade bei diesem Theama zeigt sich, wie
        wichtig es ist was ich schreibe und nicht wie.

  3. Und vom Landgericht Berlin haben sie auch etwas Feuer bekommen, u. a.:
    – Voreinstellungen im Privatsphäre-Bereich bedürfen einer informierten Einwilligung der Verbraucher.
    – Klausel zur Klarnamenpflicht ist UNZULÄSSIG.
    siehe dazu (inkl. Urteil):
    vzbv.de/pressemitteilung/facebook-verstoesst-gegen-deutsches-datenschutzrecht

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