Tesla und andere boykottieren Facebook

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Tesla und andere boykottieren Facebook

Kommentare zum Artikel: 7

Ich habe es immer gesagt: So richtig ernst wird es für Facebook erst dann, wenn die Werbekunden ausbleiben. Wenn sie – aus guten Gründen! – im Umfeld von Facebook keine Werbung mehr schalten wollen. Eins muss ohnehin klar sein: Wer dort Werbung schaltet, unterstützt das System – stärker als die User. Der User hat kaum Macht. Er kann wegbleiben, ja. Aber damit ändert sich nicht viel. Wer im großen Stil Werbung schaltet, der füttert den Riesen.

Mark Zuckerberg hat den Bogen überspannt; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg hat den Bogen überspannt

Ohne Werbung ist Facebook weg

Vor einigen Wochen schon hat Unilever angekündigt, seine Werbebudgets bei Facebook und Co. zu reduzieren. Wegen Fake News und weil die Netzwerke der Gesellschaft eher schadeten als nutzten. Nun, nach dem Cambridge-Analytica-Skandal und den schwachen Reaktionen von Mark Zuckerberg darauf, ziehen noch ganz andere Unternehmen Konsequenzen. Einige kehren dem weltgrößten Online-Netzwerk zumindest zeitweise den Rücken. So gingen jetzt die Facebook-Seiten von Tesla und von der Raumfahrt-Firma SpaceX vom Netz (gehört auch Elon Musk).

Kein Einzelfall. Wirklich problematisch ist es für Facebook aber, wenn weniger oder keine Werbung geschaltet wird. So hat auch die Mozilla Foundation, der wir den Web-Browsers Firefox zu verdanken haben, angekündigt, keine Werbung mehr auf Facebook zu platzieren. Erst müsse das Netzwerk seine Datenschutz-Einstellungen verbessern, bevor die Werbung wiederkommt. Auch der Hersteller smarter Lautsprecher Sonos stoppt für eine Woche die Online-Werbung bei Facebook und Instagram, aber auch bei Google und Twitter.

Angeklickt: Facebook und der Analytica-Skandal; Rechte: WDR/Schieb

Angeklickt: Facebook und der Analytica-Skandal

Vertrauensverlust im großen Stil

Wumm. Voll auf die Zwölf. So etwas hat Signalwirkung – und ist so ziemlich das Einzige, was Unternehmen wie Facebook beeindruckt. Facebook hat keine anderen Einnahmequellen als Werbung. Wenn sich hier im großen Stil die Kunden abwenden, hat das enorme Auswirkungen. Zwar werden die Werbeplätze dann immer noch verkauft, aber eben deutlich günstiger. Das hat enorme wirtschaftliche Auswirkungen.

Auch die Nutzer diskutieren, ob sie Facebook nicht besser verlassen sollen. Unter dem Hashtag #DeleteFacebook formiert sich Widerstand. Selbst WhatsApp-Mitgründer Brian Acton, der seine Messaging-App für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft hat, will jetzt mit Facebook nichts mehr zu tun haben. Wenn er das ernst meinen würde, sollte er allerdings seine 22 Milliarden Dollar spenden! Die meisten User sind noch eher zurückhaltend. Aus verständlichen Gründen: Ist man erst einmal vernetzt, ist man auch abhängig. Das ist ehemaligen Mitarbeitern zufolge von Facebook sogar gewollt.

Facebook bekommt also gerade Druck von allen Seiten: Aus der Politik, von den Werbekunden und durch die User. So ist das halt, wenn man jahrelang nur an sich denkt. Es rächt sich.

https://vimeo.com/261094792

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Nein ich werde nicht abstinent. Oder soll ich das Internet und den Strom gleich mit abschaffen? Nur weil neue Technologie missbraucht wird, ist sie deswegen noch lange nicht schlecht. Ehrlich gesagt, FB ist geil, weil ich da alle Freunde schnell greifbar habe. Und weil ich manch tolle Veranstaltung mit bekomme, die meine Freunde dort besuchen und somit bewerben. Viele davon nicht im Mainstream und schon deswegen ist es sehr wünschenswert. Der Missbrauch den FB mit uns Nutzern und unseren Daten betreibt, war mir schon lange vor dem Skandal ein Dorn im Auge. Habe auch schon mehrfach wo anders hin gewechselt. Leider sind die Alternativen entweder nicht brauchbar, oder es scheitert eben daran, dass man dort alleine ist. Zwei Fragen stellen sich mir: 1. Was für eine Organisation könnte eine FB-Alternative anbieten? Mozilla z.B.? Eine Stiftung fände ich angebracht. 2. Wie kann man ein Momentum erzeugen, so dass die Menschen dort auch hin gehen. An Frage zwei sind schon ganze Generationen von Firemengründern gescheitert, und sogar Größen wie Google sind daran gescheitert. Ich halte es für eine Herkulesaufgabe und der es schafft bekommt von mir den Herkules-Orden ersten Ranges. Ob ich das noch erleben darf?

  2. Ich muss meinen Vorredner im Prinzip beipflichten. Natürlich müssen auch öffentliche Instanzen Ihrer Pflicht zum Schutz nachkommen, aber das ist nicht sehr motivierend, wenn es dem sogenannten mündigen Bürger und Wähler doch offensichtlich ziemlich Schnuppe ist, wenn es drauf ankommt. Viel zu bequem hängt man im System drin und Abhängigkeitsverhältnisse gibt es nicht nur im Job, sondern auch privat-gibt nur niemand zu. Das läuft doch alles viel subtiler. Und Geiz ist immer noch geil. Genau das wissen die Datenkraken.
    Zurückdrehen und Totalverweigerung ist womöglich zu radikal-denn es gibt ja durchaus sinnvolle Seiten an der Technik. Aber man muss richtig mit ihnen umgehen. Deshalb sollten die Dinge u.a. wieder Geld kosten. Nicht viel, aber so dass sie wieder einen Wert bekommen und man Relevantes von Irrelevantem besser trennt. Dann wird die Informationsflut auch weniger. Nicht jeder Impuls wird dann unreflektiert rausgehauen und andere damit nicht belästigt oder genötigt zu reagieren.
    Und wenn ich bezahle, habe ich womöglich auch mehr Rechte und mehr Einfluß. (Meine Frikadelle kauf ich auch nicht über Werbung oder indirekt mit meinen Daten, sondern immer noch mit Geld-Gott sei dank. Das ist mir auch das Metzger Handwerk wert!)
    Dann gibt es vielleicht eine Chance aus asozialen Medien wieder mehr gesellschaftlich nützliche Medien zu werden. Analog funktioniert das ja auch: Ich musste früher im Supermarkt immer die Einkaufswagen wieder zusammensuchen und ordentlich ineinander schieben, die die Kunden nach Gebrauch einfach achtlos weggeschubst haben. Seit man 1 DM/EUR Pfand zur Nutzung hinterlegen muss, können die Kunden das auf einmal auch selbst ganz diszipliniert. Geht sogar nur mit Plastik-Chip. Das sagt eigentlich alles.

  3. Karl-Egon am

    Und der WDR macht weiter fleißig Werbung für dieses kriminelle Unternehmen. Gerade, nach den Nachrichten auf WDR2 gleich in der ersten Minute viermal das Wort. Facebook, Facebook, Facebook, Facebook. Gebührenfinanzierte Werbung für ein amerikanisches Datenabgreif-Unternehmen.

  4. so lange der WDR und andere ständig in jeder Sendung noch Werbung für FB und Co machen wird sich nichts ändern. Schaltet FB und Co ab. Die Zuschauer können sich über eure Webseiten usw melden und Kommentare schreiben.

  5. Also, selbst wenn die Hälfte der User weggeht – was illusorisch ist — verdient Facebook immer noch prächtig. Eine solche Abwanderung würde auch ewig dauern. Wenn aber Werbekunden abhauen oder ihre Budgets kürzen oder Forderungen stellen, hat das einen unmittelbaren Einfluss, da können Sie sicher sein! :)

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Es tut mir leid, aber auch dem möchte ich widersprechen:
      Wieso soll es denn von vornherein “illusorisch” sein, daß die Hälfte der User (und: Userinnen!) weggeht: Immerhin gibt es ja z.B. inzwischen eine Mehrheit der Deutschen, die nicht raucht!
      Außerdem negieren Sie m.E. den unmittelbare Zusammenhang zwischen der werbenden zahlenden Kundschaft aller Medien hier und denen, die diese erreichen wollen, dort:
      Warum soll ich als werbendes Unternehmen weiter zahlen, wenn ich weiß oder befürchten muß, daß die Zahl derer, die ich mit der Werbung für meine Produkte oder Dienstleistungen erreichen will, schrumpft?
      M.E. unterschätzen Sie die Macht von uns Verbraucherinnen und Verbrauchern.
      Außerdem finde ich die aus Ihren Worten hervorscheinende Resignation und Mutlosigkeit: “Wir als einzelne können gegen die da oben ja doch nichts ausrichten.” sehr schade:
      So lange wir noch in einer echten Marktwirtschaft UND in einer Demokratie leben, sind WIR die EINZIGEN, die etwas ausrichten können – WER DENN SONST?!
      Außerdem wissen Sie doch sicher:
      1. Wer will, findet WEGE – wer nicht will, findet Gründe.
      2. Wer kämpft, KANN verlieren – wer NICHT kämpft, HAT schon verloren…

  6. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    “Der User hat kaum Macht. Er kann wegbleiben, ja. Aber damit ändert sich nicht viel.”
    DAS STIMMT NICHT, und hier muß Herrn Schieb ENERGISCH WIDERSPROCHEN werden!
    Ein System wie Facebook muß notwendig kollabieren, wenn ihm nur eine genügend große Zahl derjenigen abhanden kommte, für deren Erreichbarkeit die Werbekundschaft doch gerade zahlt!
    Als ist das GEGENTEIL der Fall: GERADE, ja: NUR “der User” (übrigens, schon gewußt: Es gibt auch FRAUEN, die FB nutzen!) hat die Macht: WER DENN SONST?!
    Keine User = keine Werbe-Opfer = Interesse der zahlenden Werbenden erlischt.
    Daher erneuere ich meine Forderung: Verlasst und boykottiert FB und alle anderen asozialen Netzwerke und werdet ABSTINENT!
    Findet zu menschlichen Formen der Kommunikation zurück, die obendrein Überwachung, Kontrolle und Mißbrauch als schiere Werbe-Objekte und -opfer beenden!

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