“The Ship”: Wie sieht das “digitalste Bürogebäude Deutschlands” aus?

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“The Ship”: Wie sieht das “digitalste Bürogebäude Deutschlands” aus?

Kommentare zum Artikel: 5

Beim Scrollen durch meinen Facebook-Feed fällt mir der Werbe-Clip zu “The Ship” auf. Offene Räume und Startup-Chique: Auf 13.749 Quadratmetern Fläche soll das “digitalste Bürogebäude Deutschlands” entstehen. Nur ein Werbeslogan?

https://www.youtube.com/watch?v=IPEOZPBmz1U

 

Ich treffe mich mit “Fond Of”-Gründer Oliver Steinki. Seine Firma ist Bauherr des Projekts, das Beratungsunternehmen “Drees & Sommer” übernimmt die Bauplanung.

Erste Erkenntnis: Bei “The Ship” in Ehrenfeld heißt Digitalisierung auch “back to basic needs”. Bei einer Mitarbeiterumfrage im Sommer 2016 spielten vor allem die Themen Schall, Klima und Licht eine große Rolle, erzählt Steinki.

Konkret sollen zum Beispiel tausende Sensoren die Beleuchtung steuern – je nachdem, wie hell es draußen ist. Abhängig von der Anzahl der Personen in einem Raum wird auch die Sauerstoffzufuhr automatisch gesteuert.

Ein weiteres Feature: Keyless Go. Sensoren im Schließzylinder der Türen registrieren automatisch, sobald sich ein Smartphone mit der “The Ship”-App nähert. So können Mitarbeiter auch schlüssellos das Gebäude und die für sie freigeschalteten Bereiche betreten.

Auf einer Heatmap in der App soll man zum Beispiel auch vor dem Mittagessen schnell nachschauen können, wie voll die Kantine gerade ist. Das alles passiere anonymisiert, versichert Steinki. Es seien keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich.

Nirgendwo neuere Features

Aktuell seien in keinem anderen Gebäude neuere digitale Features geplant, so Steinki – daher auch der Claim mit dem “digitalsten Bürogebäude Deutschlands”. Eine unabhängige Auflistung hierzu finde ich allerdings nicht.

Einzelne Punkte der Features wie “BYOD” (=”bring your own device”) sind durchaus auch kritisch zu betrachten. Denn das eigene Smartphone oder Laptop als Arbeitsgerät zu benutzen, kann für Arbeitnehmer auch Nachteile bedeuten. “Offenheit zu gewähren ist erstmal toll”, sagt mein Bekannter Frank Eilers, Macher des Podcasts “Arbeitsphilosophen”. Auf der Kehrseite der Medaille stehe die Datensicherheit, für die die Verantwortung zum Teil auf die Mitarbeiter ausgegliedert werde.

Insgesamt gefällt mir das geplante Projekt. Steinki scheint ein unaufgeregter und fairer Arbeitgeber zu sein, der interessiert daran ist, ein Flagschiff für die Startup-Szene in NRW zu bauen. Der Erstbezug ist für das erste Quartal 2020 geplant. Dann werde ich mir anschauen, wie der Arbeitsalltag in “The Ship” aussieht.

Über den Autor

Ildiko Holderer ist freie Journalistin beim WDR, Digital Native (Jahrgang 1993) und generell für mehr Transparenz im Journalismus. Sie beschäftigt sich vor allem mit Plattformen und Wissenschaftsthemen. Seit ihrem Volontariat beim WDR 2013/14 lebt sie in Köln. Ihre Recherchen veröffentlicht sie bei WDR.de, in Form von (Insta-)Stories, Social Videos – und im Radio.

5 Kommentare

  1. Hört sich richtig cool an! Und ja, die Themen “Schall, Klima und Licht ” sind an erster Stelle zu nennen. Wir arbeiten in einer Unit mit maximal 20 Personen. Da sind einzelne Gespräche und Telefonate schon stören, wenn man sich konzentrieren muss. So gesehen gehören auch viele ‘analoge’ Themen dazu, damit alles digital funktioniert: Zusammenziehen von möglichst gleichartigen Tätigkeiten, bereitstellen von Think-Tanks für die konzentrierte Arbeit. Und nicht zuletzt Bereiche wie Tee/Kaffe Küchen, wo man sich auch mal ungezwungen unterhalten kann, weil da niemand gestört wird. Licht auch ein sehr schweres Thema, da jeder Mitarbeiter ein anderes Empfinden hat und die genormten Werte (ich glaub 500 Lumen) dem einen noch zu dunkel sind, dem nächsten aber schon zu hell. Und aus welcher Richtung kommt das Licht? Brillenträger oder nicht? Alles Deteils, die klein aber sehr wichtig sind für eine Akzeptanz des ganzen.
    Und wenn ich dann auch nicht darauf achten muss alles vor mir mit einer Karte oder dergl. zu öffnen, weil es einfach automatisch schon passiert – super Sache das!

  2. Allein schon der Name erinnert mich an die Dreckschleuder “Mein Schiff”.
    Was ist bei einem kompletten Stromausfall? Kommt dann kein Sauerstoff mehr in Gebäude und öffnet sich dann noch eine Tür? Dann kann man von The Ship einen Horrofilm drehen…

    • Ildiko Holderer am

      Hallo jupp,
      spannende Frage mit dem Stromausfall – die habe ich mal an den Bauherren weitergeleitet. Das hier ist die Antwort von “Fond of”: “Unabhängig von der Digitalisierung funktioniert das Gebäude autark. Die Digitalisierung ist als add-on zu betrachten. Ist sie gestört, gibt es gemäß der Richtlinien für Gebäude keine Einschränkungen der Funktionalitäten wie beispielsweise das Öffnen von Fenstern und Türen.” Heißt also: Es ist nicht erlaubt, das Öffnen von Fenstern und Türen einzuschränken und nur digital möglich zu machen.
      Beste Grüße!

    • Hm, bezüglich Ihres Kommentars kommt mir der Gedanke wie es denn mit der Energiebilanz aussieht? Verglichen mit einem analogen aber zeitgemäßen Gebäude (z.B. keine Unterschiede bezüglich Dämmung).

      All die Sensoren, das notwendige Netzwerk dahinter, die Verarbeitung der Daten, bis hin zur notwendigen Überwachung, auch aus der Entfernung dürften die ein oder andere Kilowattstunde, wenn nicht gar Megawattstunde an Strom verbrauchen.

      Evtl. stehen dem aber auch Einsparungen gegenüber.

  3. Off_Leiner am

    Absolut GRUSELIG! Mich FRÖSTELT es schon beim schieren Lesen…!
    George Orwells und Aldous Huxleys Horror-Visionen waren ja NICHTS gegen das, was heute dann wirklich passiert…

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