Think Big: WLAN für Deutschland

https://blog.wdr.de/digitalistan/think-big-wlan-fuer-deutschland/

Think Big: WLAN für Deutschland

Kommentare zum Artikel: 15

Jetzt hat der BGH entschieden: Ja, Unitymedia darf seinen Kunden – unter bestimmten Umständen! – zumuten, dass ihre WLAN-Router für die öffentliche Nutzung freigeschaltet werden. Keine Entscheidung im Sinne der Verbraucherschützer, aber eine im Sinne einer besseren WLAN-Abdeckung. Die BGH-Richter haben aber nicht über Sinn oder Unsinn dieser Idee entschieden (WLAN für alle), sondern darüber, ob es juristisch eine “zumutbare Belästigung” darstellt, wenn der Provider die von ihm zur Verfügung gestellte und beim Kunden aufgestellte Hardware (hier: den WLAN-Router) auch für andere Zwecke nutzt als nur für den Kunden selbst.

WLAN für alle: Unitymedia will seine Router öffnen; Rechte: WDR/Schieb

WLAN für alle: Unitymedia will seine Router öffnen

Zustimmung vorausgesetzt – das ist nie ein cleveres Modell

Unitymedia – immerhin einer der größten Netzanbieter in Deutschland – will seinen Kunden in Deutschland möglichst flächendeckend WLAN anbieten. Darum hat Unitymedia auf den bei seinen Kunden aufgestellten Routern einen zweiten, vom privaten Netz abgetrennten, öffentlichen Zugang eingerichtet. Wichtig zu wissen: Kunden müssen nicht mit weniger Bandbreite auskommen und auch nicht befürchten, dass Fremde in ihr Heimnetz eindringen. Alles strikt getrennt.

Dennoch: Nicht jedem gefällt der Gedanke, den in der eigenen Wohnung stehenden Router für die Allgemeinheit nutzbar zu machen. Das muss man akzeptieren. Wer das als Unitymedia-Kunde nicht will, muss – und kann! – widersprechen. Anderenfalls unterstellt Unitymedia Zustimmung. Um es deutlich zu sagen: Diese Art von Unitymedia mit den eigenen Kunden umzugehen, ist sehr unglücklich.

https://vimeo.com/332401454

Im Grunde eine gute Idee – aber bitte mal weiterdenken!

Wie wär’s mal mit Think Big: WLAN für Deutschland

Viel besser wäre es, wenn man die Sache größer denken würde. Wenn alle Provider mitmachen würden – und so möglichst viele Kunden ihren WLAN-Hotspot zur Verfügung stellen.

Das wäre doch mal ein Projekt: Flächendeckendes WLAN überall in Deutschland. Für alle. Die Regierung könnte das fördern. Mit Steuermitteln. Und indem sie die rechtlichen Rahmenbedingungen schafft. Die Provider könnten zur Zusammenarbeit motiviert, ja vielleicht sogar verpflichtet werden. Dann würden Unitymedia, Telekom und Co. keine Insellösungen mehr aufbauen, von denen dann immer nur die jeweils eigenen Kunden etwas haben.

Das würde uns schlagartig ein solides WLAN-Netz in Deutschland bringen. Wie wäre das, liebe Politiker in Berlin?

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

15 Kommentare

  1. @„Zustimmung vorausgesetzt – das ist nie ein cleveres Modell“
    Das kann ich unterschreiben und packe noch 3 Ausrufungszeichen dahinter. Daher halte ich das für ein Fehlurteil. „Vorher Fragen“ sollte für alle Bereiche gelten.

    Ich habe kein Unitymedia, kein WLAN und keinen Router. Trotzdem bin ich betroffen weil Parkplätze von Surfern vor dem Haus blockiert werden; offenbar haben Nachbarn nicht widersprochen. Ein WLAN ist immer angreifbar, bei Sicherheitslücken, dummen Fehlern oder bei Leichtsinn; daher bin ich wortwörlich online – am Ethernet-Kabel. Außerdem klaut Funk Geschwindigkeit, schon ohne uneingeladene Nutzer. Mit PPPoE habe ich auch keinen angreifbaren Router, nur ein ADSL-Modem; die Linux-Probleme bei Dual-Stack (IPV4, IPV6) konnte ich lösen. Mein lokaler Provider macht solche Extratouren jedenfalls nicht.

    Ich „think zwar nicht big“ aber mit mehr freien WLAN könnte ich mich anfreunden. Das muss nicht unbedingt flächendeckend sein aber unbedingt freiwillig nach vorherigen Fragen, wenn öffentliche Gebäude das nicht abdecken können. Spricht eigentlich noch jemand über Elektro-Smog?

    • Haben Sie den bereitgestellten Router zum vollen Preis erworben oder haben Sie die Vergünstigungen gerne mitgenommen?

    • P. Gedoehns am

      Sicherlich wird man die Sendeleistung auf dem Stromzähler finden, nur würde ich mir viel mehr Sorgen um die WLAN-Strahlung machen. Das sind Frequenzen im Mikrowellenbereich, die laut Studien einen Einfluss auf Menschen haben. Leider versucht man diese Studien als Unfug abzuwerten, weil sie der Mobilfunkindustrie nicht gerade nützlich sind. Deshalb nutze ich meinen Router nur per Kabel, also ohne hochfrequente Strahlung.
      Die Vorgehensweise von Unitymedia wäre für mich ein sofortiger Kündigungsgrund. Meinen Internetzugang stelle ich nicht für andere zur Verfügung. Wer Internet nutzen will, soll es in seinem Namen und auf seine Kosten tun. Wer sich mit WLAN bestrahlen lassen will, möge auch das tun.

  2. DasHeimnetzwerkDe am

    Zitat ” Kunden müssen nicht mit weniger Bandbreite auskommen ”

    Inkorrekt !!!, die Ressource Funk-Bandbreite für WLAN ist endlich. Der Kunde hat zwar keinen Anspruch darauf, da die Ressource für die WLAN-Frequenzbänder Allgemeingut ist, doch HotSpots wie die von UnityMedia erhöhen die Konkurrenz um diese Ressource.

    Jetzt kommt der Spruch “kann man doch deaktivieren”. Viele kennen sich aber nicht mit Heimnetzwerken aus und wollen sich damit auch nicht auskennen müssen. Wer mag kann es ja aktivieren, so sollte es funktionieren.

    Jetzt mag man Argumentieren nutzt doch eh kaum einer und macht sich nicht wirklich bemerkbar.
    Wenn es eh kaum einer nutzt, dann muss man es auch nicht anbieten.
    Und wer den Zugriffskontrollmechanismus von WLAN kennt, sowie andere Effekte wie das “hidden node” Problem, die knappe Anzahl an verfügbaren Kanälen, der wird in städtischen Gebieten, mit zahlreichen WLANs, auch schon vorsichtiger mit der Aussage “ist vernachlässigbar”.

    Ganz übel ist, dass es ja nicht nur das eigene Heimnetzwerk trifft, sondern auch das des Nachbarn im Empfangsbereich der Hotspots. Diesen wird die Entscheidung zur Gänze genommen.

  3. Ich halte es für eine Frage der Zeit, bis jemand den Weg vom öffentlichen Netz durch den Router ins private Netz findet – und ausnutzt. Nicht möglich wäre es nur dann, wenn beide Router – der öffentliche und der private – auf unterschiedlicher Hard. und Systemsoftware aufsetzen würden, quasi zwei getrennte Router in einem Gehäuse. Ich wüßte auch gerne, wie vermieden werden soll, daß dem zahlenden Kunden Bandbreite verlorengeht. Als Kunde würde ich vehement widersprechen, und mir entweder einen anderen Anbieter suchen, der das nicht macht, oder zumindest einen anderen Router, der das nicht kann.

  4. Thorsten am

    Deutschlandweites WLAN wird wahrscheinlich mit dem Totschlag-Argument “Arbeitsplätze” abgeschmettert. Den Handy-Netzbetreibern würde vermutlich so mancher Vertrag mit 10GB “Flatrate” verloren gehen.

  5. Kolja Opitz am

    Die Paranoia, für alles verantwortlich gemacht zu werden, und dem daraus abgeleiteten Fazit, grundsätzlich gegen alles zu sein, scheint ein in Deutschland weit verbreiteteres Kulturgut zu sein. Mit dieser Grundeinstellung hat sich eine verheerende Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit breitgemacht, die uns im Vergleich zu anderen Ländern immer weiter ins Hintertreffen gelangen lässt. Die Nörgel-, Kritik- und Klagementalität vieler Deutscher (“Ich bin gegen alles”) nebst dem betriebenen Genderwahn stellt sich im globalen Wettbewerb als massiver Standortnachteil dar. Gut wenn es da noch Richter gibt, die Abwägen können und sich nicht von einem “konservativen Mainstream” leiten lassen.

    • Die Störerhaftung ist zwar abgeschafft, aber man ist gerade auf dem besten Wege, diese (quasi “von hinten durch die Brust ins Auge”) wieder einzuführen.
      Ich empfehle zur Lektüre:
      verfassungsblog.de/strafrecht-in-der-finsternis-zu-dem-vorhaben-eines-darknet-tatbestands
      Insofern, sind die Bedenken im Kommentar “Flipper” vielleicht sogar berechtigt und die im Kommentar “Frank” vielleicht ein wenig zu blauäugig.
      Ihre beschriebene “Paranoia” liegt weniger am User, als am Gesetzgeber selbst. Der beschriebene “Standortnachteil” ist das logische Ergebnis, wenn Lobbyisten bzw. politische Organe, Blockadehaltungen salonfähig machen (z. B. Diesel!) und auch, weil technische Trends ganz einfach verschlafen wurden oder aber auch, weil gewisse “Hau-Ruck-Entscheidungen” perspektivisch eine Wirtschaft lähmen (z. B. Industrienation ohne Atomstrom!).

    • DasHeimnetzwerkDe am

      Gerade weil ich Progressiv denke und den Fortschritt bejahe, will ich das WLAN gut und leistungsfähig funktioniert.
      Das wird umso besser sichergestellt je bewusster ich mit der knappen Ressource Funk umgehe und eben nicht pauschal überall WLAN Funkzellen aktiviere.
      Somit ist meiner Meinung nach das Urteil eher ein Zeugnis von wenig technischem Sachverstand und mündet in Behinderung einer sonst so nützlichen Technologie

    • Da gebe ich Ihnen zu 100% Recht, denn die unkritische Verweigerungshaltung hat sich bei uns so festgesetzt, dass nur noch wenige bereit sind, sich objektiv über neue Möglichkeiten und Innovationen zu informieren. Halbwahrheiten und vermeintliche Horrorszenarien werden ungefiltert übernommen und zur Wahrheit deklariert. Neue Entwicklungen sollen nicht unkritisch aus dem Marketingmaterial der Unternehmen übernommen werden, aber ein wenig Offenheit über mögliche positive Veränderungen zuzulassen und nicht gleich alles ungeprüft zu verteufeln würde uns ein großes Stück weiterbringen.

  6. Die Störerhaftung wurde abgeschafft. Deswegen gibt es keinen Grund mehr, ein zweites Netz nicht für andere freizugeben. Ich habe auf meinem Router ein offenes Gastnetz eingerichtet und in die Karte für freies WLAN eingetragen. Meine Bandbreite ist groß genug, das stört mich nicht. Wenn es alle machen würden, wären wir nicht mehr auf teures mobiles Netz mit schlechter Abdeckung angewiesen.

  7. Und der Gangster, der sich über den Hotspot, der in meiner(!) Wohnung steht, einwählt und z. B. darüber kinderpornografisches Material verbreitet, sich über illegale Beschaffung von Schusswaffen informiert oder mit seinen Kumpels “staatsfeindliche” Gedanken austauscht und sich dann unauffindbar wieder aus dem Staub macht, wird mir im Nachgang garantiert (!?) keine online oder physische Hausdurchsuchung oder sonstige Verdachtsmomente (siehe Polizeiaufgabengesetze) bescheren, nicht wahr? Da werden die verfassungsschützenden und strafverfolgenden Behörden künftig sicher sämtliche “Fünfe gerade sein lassen”, gell? ;-)
    Nein, Danke! Absolut “Null Bock” auf diese Art von “Think Big”!

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