Twitter probiert mal Durcheinander

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Twitter probiert mal Durcheinander

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Wie es mit Twitter weiter gehen soll, kann keiner so recht sagen. Vermutlich nicht mal jemand bei Twitter selbst – und das ist keine gute Nachricht. Immer wieder werden bei dem Kurznachrichten-Dienst neue Funktionen ausprobiert. Häufig völlig überraschend, ohne jede Ankündigung. Gerade experimentiert Twitter mit Timelines, die nicht wie sonst üblich chronologisch sortiert sind. Wie der Onlinedienst Motherboard berichtet, bekommen einige Twitter-User derzeit ihre Tweets durcheinander gewürfelt angezeigt. Es erscheinen also nicht mehr die aktuellsten Tweets ganz oben, sondern die, die Twitter für relevant hält.

Twitter Logo; Rechte: dpa/Picture Alliance

Sortierkriterien bislang unbekannt

Nach welchen Kriterien die Tweets ausgewählt, geordnet und sortiert werden, lässt sich noch nicht sagen. Vermutlich experimentiert Twitter selbst noch herum. Ziel wird sein, die Klickraten zu erhöhen – und damit die Relevanz von Twitter insgesamt. Denn wenn mehr geklickt wird, dann kann Twitter auch mehr verdienen. Die Sponsored Tweets werden sich dann gut verkaufen, wenn User sie häufig anklicken. Und je geübter sie im Anklicken sind, je mehr sie davon ausgehen, bei Twitter relevante Beiträge vorzufinden, um so besser fürs Geschäft.

Die Optimierung ist also alles andere als ein Selbstzweck. Twitter versucht, es dem Vorbild Facebook nachzumachen. Facebook hat schon vor Jahren den so genannten Edgerank eingeführt. Ein Mechanismus, der die Relevanz von Postings ermittelt und entscheidet, welche Postings in der Timeline eines Users erscheinen und welche nicht. Da spielen viele Faktoren eine Rolle, etwa ob Fotos oder Videos enthalten sind, wie stark die Interaktion in der Vergangenheit war, wie intensiv die Verbindung zwischen Sender und Empfänger ist und vieles andere mehr. Facebook hat also die Macht darüber zu entscheiden, was in der Timeline auftaucht. Bislang ist bei Twitter alles zu sehen – das könnte sich aber ändern.

Twitter Moments; Rechte; Twitter

Ziel: Höhere Klickraten

Twitter versucht derzeit ohnehin schon, Relevantes zu filtern und zu bündeln. In den USA geschieht das mit Twitter Moments: Der Nachrichtendienst sammelt bei aktuellen Ereignissen die wichtigsten Links und Tweets und präsentiert sie gebündelt. Auch wurden kürzlich die Fav-Sterne in Herzchen verwandelt, was kein rein kosmetischer Eingriff war, sondern die Interaktion offenbar tatsächlich erhöht hat. Vermutlich will Twitter erreichen, dass die Timeline relevantere Inhalte enthält und ernster genommen wird.

Noch sind die unchronologisch durcheinander gewirbelten Timelines nur bei wenigen Usern zu beobachten, da es noch eine Testphase ist. Aber das kann sich irgendwann ändern. Zu begrüßen ist es auf jeden Fall, dass Twitter neue Optionen ausprobiert. Eine nicht-chronologische Timeline sollte aber im Idealfall optional sein – kein Zwang. Genau das ist ja, was viele beim Facebook Edgerank stört. Es gibt kein Entrinnen. Man kann den Edgerank nicht einfach ausknipsen. Twitter sollte diesen Fehler nicht wiederholen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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