Übernehmt Verantwortung, Spielefirmen!

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Übernehmt Verantwortung, Spielefirmen!

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Blizzard hat versucht, Verantwortung zu nehmen. Und das ging gehörig schief. Vor etwa einem Monat hatte der Games-Konzern hinter “World of Warcraft” einen E-Sportler abgestraft: Chung Ng Wai, einer der 50 besten Spieler von Blizzards digitalem Kartenspiel “Hearthstone”, hatte sich öffentlich in einem Turnier mit den Demonstranten in Hongkong solidarisiert.

Blizzard reagierte prompt, verwies auf die strenge “Keine Politik in unseren Turnieren”-Regel und sperrte Chung Ng Wai für ein Jahr. Mutmaßlich um es sich mit dem chinesischen Markt nicht zu verderben – und ist dabei massiv übers Ziel hinausgeschossen.

Nun hat sich Blizzards Präsident J. Allen Brack für dieses, wie er sagt, vorschnelle Verhalten entschuldigt. Das sei nicht, wofür Blizzard stünde, man wolle Menschen auf der ganzen Welt zusammenbringen. Nicht trennen. Und: Die Sperre von Chung Ng Wai bleibt bestehen. Das zeigt, wie hilflos die Anbieter von Games und Game-Plattformen sich gegenüber politischem Aktivismus sehen.

Spiele werden politisch

Klar ist: Am liebsten hätten die meisten von ihnen überhaupt nichts mit Politik zu tun. Doch Spieleentwickler müssen heute die Verantwortung übernehmen. Denn was in ihren Spielen passiert, bleibt nicht in diesen Spielen.

Eine Szene aus dem Spiel "Orwell: Ignorance is Strenght". (Osmotic Studios)

Wie Politik in Spielen auftauchen kann.

Wenn Frauen in Blizzards Actionspiel Overwatch belästigt und beschimpft werden, dann muss das Unternehmen die Täter konsequent sperren. Jeder Gamer muss sofort wissen, dass er für sexistische und rassistische Kommentare abgestraft wird.

Wenn Rechtsextreme sich in Steam-Foren zusammentun und rassistische Propaganda verbreiten, Hakenkreuze als Profilbilder benutzen oder durch Weltkriegsshooter rennen und „Heil Hitler“ krakeelen, müssen Steam und der Hersteller des Shooters reagieren und solche Spieler rausschmeißen und anzeigen. Und sie müssen die Foren moderieren; sie müssen wissen, was in ihnen abgeht.

Wenn ein Neonazi die Streaming-Plattform Twitch auswählt, um seinen Anschlag dort live zu dokumentieren, dann muss Twitch es unmöglich machen, dass die Plattform für so etwas genutzt  wird. Dann müssen die Hürden höher werden, dort zu streamen.

Wenn ein Spieler aber in einer Interviewsituation sich politisch, legal und ohne Beleidigungen äußert, muss das erlaubt sein.

Blizzard hat übertrieben

Das bedarf Fingerspitzengefühl, aber es muss sein: Es ist die Pflicht der Spielefirmen und Plattformbetreiber, für eine saubere Umgebung zu sorgen, ohne Hass, ohne Aufrufe zur Gewalt, ohne Propaganda von Verfassungsfeinden. Übernehmt Verantwortung, Spielefirmen!

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

2 Kommentare

  1. Ich stimme zu, kann es mir aber nicht verkneifen, hinzuzufügen “Übernehmt Verantwortung Eltern!” Das Thema ‘Verantwortung’ ist eines der wichtigsten unserer Zeit und betrifft alle Bereiche: Wirtschaft, Politik, Schule, Zuhause, etc.

    • Thomas Ruscher am

      Absolut! Wobei das ein Thema ist, dass nicht nur Kinder und Jugendliche betrifft. Gerade auch Erwachsene und Menschen, die es besser wissen sollten. Da ist der elterliche Einfluss ja inzwischen weitgehend nicht mehr vorhanden. Und tatsächlich ist irgendein Forum in Steam zum Beispiel kein besonders offensichtlicher Ort; ich kann gut verstehen, dass viele Eltern dort keinen Zugang mehr zu haben.

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