Und plötzlich steht Trump ohne Twitter da …

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Und plötzlich steht Trump ohne Twitter da …

Kommentare zum Artikel: 12

Donald Trump kann nicht mehr twittern. Die Plattform hat dem Noch-Präsidenten nun endgültig und dauerhaft sein Konto gesperrt. Die offizielle Begründung: “Das Risiko für weitere Anstiftung zur Gewalt.” Die ausführliche Begründung liefert das kalifornische Unternehmen hier.

Schwer vorzustellen, ein Donald Trump so ganz ohne Twitter. Der vermeintlich “mächtigste Mann der Welt” hat über Twitter regiert. Gelobt. Gedisst. Wahlkampf und Politik gemacht. @realDonaldTrump – eine Art Dauersendung im Netz. Und das soll jetzt alles nicht mehr gehen. Auch Facebook, Snapchat, Tiktok wollen dem Ex-Präsidenten keine Plattform mehr bieten. “It’s time to deplatform Trump”, hat das Online-Magazin “The Verge” schon vor einigen Tagen gefordert.

Donald Trump hat Venezuale von der Adobe-Cloud abgeschnitten; Rechte: WDR/Schieb

Die Plattformen haben einen Anteil am Geschehen

To deplatform – die Plattform entziehen. Ein ganz neues Verb.

Offensichtlich haben die Mitarbeiter von Twitter den eigenen Anteil an den Ereignissen in Washington D.C. hinterfragt. Was grundsätzlich gut ist – denn dieser eigene Anteil ist nicht nur da, er ist natürlich unübersehbar. Die Mitarbeiter haben sich an Twitter-Chef Jack Dorsey gewandt und eine Sperrung regelrecht herbeigefleht.

Doch eins muss ich deutlich sagen: Es ist wohlfeil, Donald Trump jetzt auszusperren. Nun, wo quasi alles vorbei ist. Denn Donald Trump kann nicht mehr zurückschlagen. Hätten sich Twitter und Co. das für einigen Wochen oder Monaten getraut, wäre das respektabel gewesen. Jetzt ist es jämmerlich – fast schon ein Nachtreten (aber trotzdem hilfreich, keine Frage).

Welche Rolle haben die Sozialen Netzwerke gespielt? Rechte: WDR

WDR5 Töne, Texte, Bilder: Welche Rolle haben die Sozialen Netzwerke gespielt?

Donald Trump ist kein Einzelfall

Vor allem ist Donald Trump nun wahrlich nicht der einzige Mensch auf der Welt, der eine solche Sperrung verdient. Es gibt unzählige davon. Politiker in aller Welt, die lügen, hetzen, aufwiegeln.

Aber natürlich längst nicht nur Politiker. Auch das Reichstagsgebäude in Berlin wurde schon “gestürmt” – organisiert über Twitter, Telegram, Youtube. Was ist damit?

Es ist auch keine Lösung, den Plattformen ständig den schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben. Die machen ihren Job: Sie machen Umsatz. Je mehr, desto besser,

Es ist die Gesellschaft, die die Regeln vorgeben muss. Präziser: Die Politik. Wir brauchen einen intelligenten Umgang mit den Plattformen – sie sind nun mal da. Eine strikte Unterscheidung in öffentlich und nicht-öffentlich gibt es hier nicht mehr. Deswegen funktionieren alte Denkmuster und Regelwerke auch nicht.

Die Politik ist gefragt: Verbindliche Regeln für alle

Wir brauchen also glasklare Regeln für Plattformen ab einer bestimmten Größe. Am besten in ganz Europa einheitlich. Diese Regeln müssen dann ohne Wenn und Aber eingehalten werden. Ganz egal, welche “Community Guidelines” sich die “Plattformianer” im Silicon Valley auch ausdenken mögen.

Alles, was gegen diese Regeln verstößt, muss zeitnah entfernt werden. Um zu verhindern, dass weder Plattformen noch Regierungen entscheiden, was zensiert werden soll, könnte doch ein mit intelligenten und verantwortungsbewussten Menschen besetztes Gremium her. Das entscheidet in Zweifelsfällen – aber bitte schnell und verbindlich.

Nun ist auch dem Letzten klar: Es muss etwas passieren

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

12 Kommentare

  1. Fabian Scholz am

    Das Kommentare oder auch Accounts gesperrt werden, ist ja nicht erst seit Trump der Fall und es ist auch per se nicht schlecht oder falsch. Die Sperrung muss nur an klare Vorgaben, sowohl rechtlich als auch in Bezug auf die AGBs, geknüpft werden. Wer sich nicht an die Regeln hält oder sogar rechtlich relevante Verstöße begeht, der wird gesperrt – Punkt!

  2. Lieber WDR,
    ich habe schon öfters bei meinen Kommentaren (oder letztens bei einem anderen) erlebt, daß Kommentare nicht freigeschalten werden. Ich habe dabei weder Trump gelobt noch gegen ihn gehetzt. Ich habe einfach darauf hingewiesen, daß Zensur nicht so einfach ist. Wir sehen jetzt, daß die Trump-Anhänger nach der Blockade von Facebook/Twitter etc. zu Parler gewechselt sind. Erst hat Google/Apple die App aus dem Play-Store/Apple-Store entfernt, jetzt hat Amazon die Cloud-Nutzung abgestellt. Parler sucht jetzt einen neuen Cloud-Anbieter und wird sicherlich einen finden, denn in einem Land, wo fast die Hälte der Wähler Trump gewählt hat, ist seine Meinung nicht so exotisch (leider). Der nächste Eskalationsschritt könnte der Rückgriff auf E-Mail-Strukturen sein. Mit Delta-Chat gibt es beispielsweise ein Instant-Messaging-Netzwerk, daß ganz ohne zentrale Strukturen auskommt sondern nur E-Mail nutzt. Und Hotmail/Yahoo/Gmail können nicht anfangen den Trump-Anhänger einzeln ihre Mailkonten zu sperren, denn dafür sind es zu viele.

    Ich würde mich – liebe Redaktion – freuen – wenn sie den alten Kommentar noch mal prüfen könnten und dann freischalten.

  3. Anja Senk am

    Eine Erziehung zu einem mündigen Bürger, der selbst bestenfalls die Fertigkeit erworben hat, Quellen zu überprüfen, rational zu entscheiden und emotional reif zu agieren wird immer wichtiger. Der Platz dafür sind Elternhaus und Schule mit betreffendem Angebot. Ein kluger Kopf schützt vor vielen unheilvollen Einflüssen, und das auch ohne Reglementierung (die durchaus auch sinnvoll sein kann, aber eben als Ergänzung).

  4. Peter Wilde am

    Ok,ein Hetzer der übelsten Sorte weniger aber schon mindestens 4 Jahre zu spät. Twitter und Facebook geben diesen “Menschen “aus Geld Sucht erst die Bühne. Und nun schreit alles nach Kontrolle der (A)sozialen Netzwerke und Medien ! Frage : Was wäre denn wenn zb die Kontrolle ein absoluter Trump Fan usw. wäre? Hier bahnt sich die Verlogenheit seine eigene Geschichte um weitere desolaten Meinungen zu streuen, daraus folgt:niemand braucht Twitter und Konsorten, denn es gibt SZ,ZEIT-ONLINE,SPON,FAZ,ETC

  5. Wäre einerseits nett, wenn alles “belanglos” wäre auf den Plattformen, andererseits bekäme ich dann viele Dinge auch nicht “aus erster Hand” mit. Ich bin im asiatischen Raum “unterwegs” und bekomme da dann Dinge, z.B. bezüglich Hongkong, mit, die noch über das hinausgehen, was die Nachrichten zeigen.
    Prinzipiell bin ich aber auch für eine europaweite Regelung, die dann auch kontrolliert wird.
    Und man wird nie DIE neutralen Mitglieder für ein Gremium finden, aber vielleicht welche, die gemäßigt sind und sich ausreichend gegenseitig auf die Finger schauen.

  6. “… intelligenten und verantwortungsbewussten Menschen…”.
    Da fehlen mir noch die Adjektive “neutral” und “rational”. Und dann würde es mit der Idealbesetzung des Gremiums schon schwierig. Eine Kombination aus Mutter Teresa, Dalai Lama, Kofi Annan, Albert Schweitzer und Frank Zappa (für die Sichtweise der Freigeister), vielleicht? Bis auf den Dalai Lama, fast alle schon verstorben, ohne Aussicht auf adäquaten Nachwuchs, weder aus “Politik” noch aus Zivilgesellschaft. Und selbst bei Idealbesetzung, wäre das immer noch eine gefährliche Gratwanderung auf der Freiheit der Meinungsäußerung. Man kann den Menschen zwar strafrechtlich sowie mit dem x-ten, immer schärferen, NetzDG o.ä. das Mundwerk zukleben oder die tippenden Hände fesseln, aber die Köpfe wird man dadurch gewiss nicht erreichen können.
    Für den gesamtgesellschaftlichen Frieden wäre es ohnehin besser, diese “sozialen” Plattformen für jegliche politisch oder religiös motivierte Botschaften und Akteure gänzlich zu schließen. Lasst die “normalen” Leute dort lieber ihre Bildchen über ihre Kätzchen, Mahlzeiten, Urlaube oder Klamotten austauschen. Dafür und für ähnliche Alltagsbanalitäten (“Suuuuuper: Trinke frische Kamelmilch zu meinen Seetangkeksen!11”), waren die Plattformen ja ursprünglich auch mal gedacht und nicht für abstruse Revolutionen, politische Selbstdarsteller im Dauerwahlk(r)ampfmodus oder followergeile Schwätzer aller Art (und damit meine ich nicht nur Trump, der ist überübermorgen eh wieder vergessen).

    • Den Dalai Lama halte ich für ein schlechtes Beispiel. ;-) Wir wollen doch niemanden, der sich für heilig hält, solche Entscheidungen fällen lassen. :) Neutral im Sinne von nicht parteiisch sowie rational hatte ich mal unterstellt, aber ja: Das gehört zweifellos auch erwähnt.

      • Beim Dalai Lama, dachte ich auch mehr an dessen Transzendenz – weniger an dessen Sakrosanz. Wobei das eine, das andere nicht unbedingt ausschließt. ;-)

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