Unitymedia-Desaster: Auch Hersteller verantwortlich

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Unitymedia-Desaster: Auch Hersteller verantwortlich

Kommentare zum Artikel: 11

Unitymedia will als Hightech-Konzern wahrgenommen werden. Das Unternehmen liefert nicht nur Fernsehen und Radio, sondern auch Internetzugang und Telefon (per Voice over IP) per Kabel nach Hause. Auf ein solches Unternehmen verlässt man sich gerne.

Um so dramatischer ist die peinliche Pannenserie, die Unitymedia gerade hinlegt. Nach der vorab angekündigten Neuanordnung der Fernsehsender im NRW-Kabelnetz und dem unvermeidlichen Sendersuchlauf in jedem Fernsehgerät und Receiver im Haushalt ist bei einer nicht unerheblichen Zahl von Kunden (etwa 2% aller Haushalte) ein relevantes Problem aufgetreten: Die Privatsender waren weg.

Kabelnetzbetreiber Unitymedia will Router seiner Kunden für offene WLANs nutzen

Unitymedia kämpft mit peinlicher Riesenpanne: Sendersuchlauf wieder und wieder durchführen

Sendersuchlauf: Antiquierte Technologie

Ich verstehe jeden der Tausenden Kunden, die sich darüber ärgern, dass nach einem ohnehin mühsamen Senderneusuchlauf nicht nur alles im Gerät durcheinander gerät, sondern manche Sender sogar komplett verschwinden – oder als verschlüsselt identifiziert werden. Der Frust muss enorm sein.

Unitymedia hat das Problem mittlerweile erkannt und eine schon wieder Neuprogrammierung der Senderliste auf den Weg gebracht. Mit der Folge, dass erneut alle(!) Kunden, also nicht nur die Betroffenen, die Senderliste  laden und ihre Programmzuordnung vornehmen müssen. Kein Spaß, so etwas.

Nun sollte man allerdings nicht nur Unitymedia-Bashing betreiben. Klar, Unitymedia hätte definitiv besser testen müssen – man kennt die Installationen „da draußen“. Aber man muss auch sagen: Es ist halt ein Krampf, wenn analoge und digitale Technologie zusammenkommen, wenn immer mehr völlig überflüssige Sender verteilt werden wollen – und das in einer Gerätelandschaft, die mit „heterogen“ nur sehr unzureichend umschrieben ist. Es ist vielmehr ein Albtraum, wie schlecht die Welt der modernen Fernsehgeräte auf solche Situationen vorbereitet ist. Nämlich im Grunde gar nicht.

OLED-Fernseher auf der IFA 2017 in Berlin

OLED-Fernseher auf der IFA 2017 in Berlin

Auch Gerätehersteller haben versagt

Das Unitymedia-Desaster macht deutlich, welchen Stellenwert das Thema Usablity in der Unterhaltungsgeräteindustrie hat: KEINEN. Millionen Fernsehgeräte und Millionen Receiver gehen unterschiedlich vor, wenn es darum geht, einen Sendersuchlauf durchzuführen und die Programmplätze neu zu ordnen. Selbst als technisch visierter Mensch kann man verzweifeln, wenn man an einem vergleichsweise modernen Smart-TV die von Unitymedia angestoßene Neuzuordnung auf den Weg bringen soll. Als Nutzer mit weniger Kenntnissen auf einem älteren Gerät grenzt das Ganze an Folter.

Also sollte man nicht nur Unitymedia einen einschenken, die diese Sache eindeutig vermasselt haben, sondern auch den Herstellern, die in der Vergangenheit nicht in der Lage waren, vernünftige Lösungen für diese alltäglichen „Herausforderungen“ zu entwickeln und anzubieten. Auf der IFA sind solche Aspekte derzeit jedenfalls kein Thema. Da geht’s um OLED oder HDR, um flach oder super-flach – aber nicht um die Frage, wie alles easy in der Handhabung werden könnte. So gesehen wünscht man sich doch mal einen Steve Jobs in den Firmenzentralen Koreas, der seine Entwickler aufscheucht und sagt: Denkt alles neu. Es muss so einfach sein wie das iPhone. Mindestens.

Davon sind wir meilenweit entfernt.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Damit sind viele Nutzer überfordert. Fernsehtechniker haben bis weit in die nächste Woche hinein mehr als je zu tun. Die sind bis 22 Uhr und länger, auch am Samstag unterwegs. Mal sehen, wie die Betroffenen und die Verbraucherberatungen, mit den entstandenen Kosten umgehen.
    Der Hit war natürlich die 2. Umstellung.
    Die Probleme betreffen auch hochklassige geräte wie Metz und Co.

    • Ganz genau. Wir haben einen Metz Fernseher,3 Jahre alt und selbst der Techniker ist fast dran verzweifelt. WDR HD hat selbst er nicht hinbekommen.Aber 40 Euro waren nach fast 2 Std fällig.

  2. Herr Hase am

    Sendersuchlauf ist eine Qual.

    ABER:
    Dieser letzte Abschnitt ist eine einzige Schleichwerbung und unverschämt.
    Ist das vom WDR so abgesegnet, daß hier Korea-Bashing betrieben wird, also Samsung = böse und inkompetent, auf der anderen Seite Apple als Heiland?

    • Verstehe nicht. Korea-Bashing? Wenn man sich so umschaut auf der IFA, kann man sehen, dass die Mehrzahl der TV-Geräte heute in der Tat aus Korea kommen, nicht aus USA, nicht aus Europa. Und Steve Jobs als einen Mann zu erinnern, der die Dinge schon mal auf den Kopf und neu geordnet hat – vor allem in Sachen Usability – ist, denke ich, keine Schleichwerbung, sondern ein anerkanntes Fakt.

      • Herr Hase am

        Gerade diese Glorifizierung von Jobs ist doch die Werbung.

        Anerkannter Fakt?
        Usability : Kein Kartenslot, eigenes Bluetooth, das oft mit anderen Herstellern versagt, eigene Ladestecker, nur iTunes (kein Wechseldatenträger im BS).
        Stimmt das hat er super gemacht.

        Nicht, das ich keinen Respekt vor dem iPhone1 hätte, aber man muß die Kirche im Dorf lassen, was es vorher schon gab und was nicht.
        ..und die runden Ecken hat Apple auch nicht erfunden ;)

        • Na, das sind die hardwaretechnischen Hürden (fest verbauter Akku nicht erwähnt), die man zu Recht kritisieren kann. Mir geht es aber in dem Beitrag um Usability. Und die hat das iPhone aus meiner Sicht revolutioniert, ob es einem nun gefällt oder nicht. (Und auch schon mit Lisa, iMac etc.)

          • Herr Hase am

            Lisa ist doch wieder, wie das phone, eine Kombination bereits vorhandener Technik gewesen.
            GUI und Maus wurden von Xerox erfunden. Apple hat die Maus nur lizensiert.
            MacOS basiert auf Unix.

            So ist aber Nebensache. Mir ging es um den kaum zu erkennenden journalistischen Abstand. Jobs ist nunmal mit der Marke verbunden und eine Erwähnung in diesem Kontext ist Werbung.

            Ihr Artikel endet ja quasi mit der alten Werbeaussage von Apple:
            Think different denkt alles neu.

  3. Michael Bluhmm am

    Für alle, die noch die freien RTL- und SAT.1-Programme suchen:

    – Die „alte“ Senderliste von Dienstag beibehalten und auf USB speichern
    – manuellen(!) Sendersuchlauf für die Frequenz 394.000 kHz durchführen
    – die gefundenen 10 Sender an den gewohnten Platz schieben
    – die aktuelle Senderliste erneut auf USB speichern

    Sollten die Sender nicht auf dieser Frequenz liegen, dann wie folgt vorgehen:

    – Die „alte“ Senderliste von Dienstag beibehalten und auf USB speichern
    – automatischen Sendersuchlauf starten
    – einen der vermissten Sender suchen und die Signalinformation aufrufen
    – die angezeigte Frequenz notieren
    – die „alte“ Senderliste wieder laden
    – manuellen Suchlauf der notierten Frequenz starten
    – die gefundenen 10 Sender an den gewohnten Platz schieben
    – die aktuelle Senderliste erneut auf USB speichern

    • Vielen Dank für Anleitung!
      Genau das ist gemeint, wenn vom Stellenwert der Usability bei den Herstellern gesprochen wird.
      Klar habe ich mir auch den ChannelListEditor von Samsung herunter geladen und alle Programm so sortiert, wie ich es gewohnt bin.
      Aber das könnte ich meinem Vater nicht zumuten. Der schafft grad den Suchlauf zu starten und würde sich dann eine Liste schreiben, welche Nummer er in Zukunft für welches Programm zu wählen hat.
      In diesem Zusammenhang auf einen Pionier hinzuweisen, der uns alle gelehrt hat, dass Wischen nicht zwangsläufig etwas mit Saubermachen zu tun hat, halte ich für völlig legitim.

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