Upload-Filter: Sie kommen – teilweise zu Recht

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Upload-Filter: Sie kommen – teilweise zu Recht

Kommentare zum Artikel: 11

Heute hat das EU-Parlament das neue Urheberrecht für Europa auf den Weg gebracht. Die doch deutliche Zustimmung für die umstrittene Novelle kam überraschend, nachdem sich vor einigen Wochen noch erste Widerstände gezeigt haben. Klarer Punktsieg für die Lobbyarbeit der großen Verlage – eine Niederlage für Netzaktivisten, IT-Industrie und Onlinedienste. Das Leistungsschutzrecht (LSR), das in Deutschland nahezu wirkungslos ist (es erfolgen praktisch keine Zahlungen), kommt nun also für ganz Europa. Google und Co. müssen zahlen, wenn sie kurze Texte in ihren Diensten verwenden, womöglich sogar wenn nur Headlines verwendet werden.

Die EU-Kommission will Upload-Filter einführen; Rechte: dpa/Picture Alliance

Die EU-Kommission hat neues Urheberrecht beschlossen

EU-Kommission droht mit empfindlichen Strafen

Ein anderes Thema sind die befürchteten Upload-Filter. Sie sind zwar nicht ausdrücklich Bestandteil der Novelle, allerdings werden sie wohl benötigt, um den künftigen Anforderungen in Sachen Urheberrecht zu entsprechen. Onlinedienste wie YouTube, Facebook und Co. sollen haften für Urheberrechtsverstöße.

Nur wer schon beim Upload überprüft, ob Inhalte urheberrechtlich schützt sein könnten, kann konsequent Abmahnungen oder Lizenzabgaben verhindern. Das gilt für kleine wie für große Anbieter im Netz. Im Zweifel wird ganz sicher mehr geblockt als weniger. Motto: Lieber auf Nummer Sicher gehen. Das wird zweifellos dazu führen, dass weniger kreative Inhalte im Netz landen. Auch befürchten manche Zensur: Missbrauch der Filter.

Apropos Upload-Filter: Die EU-Kommission hat heute eine neue Initiative auf den Weg gebracht. Künftig sollen große Onlinedienste wie Google, Facebook, Instagram und Co. terroristische Inhalte innerhalb einer Stunde löschen. Gemeint sind damit vor allem Videos, die terroristische Taten glorifizieren oder zu Terror aufrufen. Verstoßen die Unternehmen gegen diese Anforderung, drohen Strafzahlungen bis zu 4% des weltweiten Jahresumsatzes. Man kann also von empfindlichen Strafen sprechen.


Die Tagesschau erklärt: So funktionieren Upload-Filter

Widerstand gegen terroristische Inhalte ist sinnvoll

Es gibt Netzaktivisten, die halten jede Art von Upload-Filter für schädlich bis gefährlich – weil sie, einmal eingeführt, auch zur Zensur verwendet werden könnten. Ich kann die Sorge(n) durchaus verstehen, denke aber, dass grundsätzlich eine Güterabwägung erforderlich ist.

Um mögliche Urheberrechtsverstöße zu verhindern, sind Upload-Filter meiner Ansicht nach ein zu schweres Geschütz. Aber eine geeignete und effektive Maßnahmen, um Terroristen keine Plattform zu bieten. Hier sind Filter nützlich. Es geht doch wirklich nicht an, dass Terroristen die großen Plattformen kostenlos und ungehindert zur PR missbrauchen können.

Das Urheberrecht muss allerdings nach wie vor modernisiert werden. Mit Rechten für Verbraucher zum Beispiel. Wäre ja auch denkbar.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Ich glaube für die Neue Welt-Ordnung sind diese Filter sehr gut zu gebrauchen. Man könnte zB “Chip in der rechten Hand” urheberrechtlich schützen oder das Wort “Bibel” oder Auszüge daraus und die Christen könnten ihre Mitmenschen nicht mehr warnen. So fallen die verdummten Meschen leichter auf die Machenschaften der Illuminaten herein und sind so leichte Opfer für ihre verderblichen Taten.

  2. Wie schnell eine Behörde etwas als “terroristisch” einstufen kann, sieht man aktuell in der Türkei. (Ja, ich weiß, kein EU-Staat) Und wenn man nach Ungarn und Polen blickt, ist es um die Rechtsstaatlichkeit auch nicht mehr gut bestellt.

    • Und was soll das bedeuten? Soll man tatenlos zusehen, wie so genannte “islamistische” Terroristen Enthauptungsvideos online stellen oder zum Mitmachen aufrufen? Ich denke: NEIN. Dagegen muss konsequent etwas unternommen werden.

      • Klaus Lohmann am

        “Konsequent” ist immer gut, funktioniert aber nicht, wenn es um so schwammige Begriffe wie “Glorifizierung” oder “Aufrufen” geht. Wie pervertiert solche “Konsequenzen” im Grenzbereich sein können, zeigt wohl eindrucksvoll die letztens ausgestrahlte Doku über philippinische Content-Moderatoren von Facebook, die ihrem unmenschlichen Diktator Duterte huldigen und dessen Vorstellungen von “Terror” in ihrer Filter-Arbeit unkritisch umsetzen. Dieser Version von “Filter” müssen wir heftig widersprechen und Automatismen in diesem Bereich allein schon aus weltanschaulicher Diversifikation von Moralvorstellungen im Ansatz verhindern!

  3. Ich frage mich, wie man das wirksam umsetzen möchte. Die großen Anbieter sitzen alle in den USA, und das ist halt nicht EU. D.h. die Verlage werden es schwer haben für die Zweitverwertung ihrer antiquierten Angebote nochmals Geld zu generieren. Sterben wird das sowieso, das zögert es nur noch etwas raus. Schliesslich fahren wir heute auch nicht mehr mit Pferdekutschen (wenn es nach Grünen geht wohl bald wieder :-) ) , genauso wird des Verschwenden von Papier für veraltete Informationen (aka Tageszeitung) auch aus unserer Welt verschwinden. Die Journalisten wären besser beraten sich komplett digital aufzustellen, das würde die Kosten senken und multimediale Inhalte sind das Mittel der Zeit. Hierfür würde ich gerne Geld ausgeben, aber für das Lesen von abgestandenen Kaffeesatz von Gestern? Nein Danke.

  4. Es sind doch bald wieder Europawahlen. Auf den EU-Servern wird in Kürze veröffentlicht, welche(r) Abgeordnete, von welcher Partei, wie abgestimmt hat. Wem die o. g. Entscheidung nicht passt (so, wie mir), der wählt den/die jeweiligen Abgeordnete(n) bzw. die jeweilige Partei einfach nicht mehr bzw. ab; natürlich auch im eigenen Land! Konsequenter Produktboykott der Befürworterunternehmen (Süddeutsche, Springer & Co.) sowie Mandatsentzug durch Abwahl; d a s ist die einzige Sprache, welche diese Kreise kapieren – ganz demokratisch und sogar ganz ohne radikale Mittel. ;)
    Und wer nun wirklich meint, dass auch nur ein einziger Terroranschlag durch einen Uploadfilter verhindert wird, dem sei selbstverständlich sein unerschütterlicher Glaube an Weihnachtsmann und Osterhasen auch weiterhin gegönnt.
    Davon abgesehen: das Web ist inzwischen mit soviel “kranker Schei*e” (Populismus, Porno, Propaganda, Reklame, Terror, Hetzern, Schwätzern = Influencern) unheilbar und ständig zunehmend vergiftet, sodass auch dieser EU-Eingriff mal wieder nur als blindaktionistischesTröpfchen auf dem heißen Stein verdampfen wird.
    Und: Ja – natürlich ist das Zensur; getarnt als Urheberrechtsnovelle!
    Wie auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Was hat es denn gebracht? Außer angsthasig-hektischer Zensur gar nichts; Fakenews/Desinformation und der sog. Populismus (aus allen politischen Richtungen) gedeihen hierzulande (und auch in dieser “ach so tollen” EU) besser, denn je zuvor.

  5. Immer ist es ein “Schutz gegen Terroristen”… Das ist quasi Ausrede #1. Ein Upload-Filter wird dagegen nichts nützen, wie auch? Wie will man das bitte prüfen? Nehmen wir mal an eine terroristische Vereinigung lädt ihre abscheulichen Videos hoch, die sind ja nicht alle gleich? Will man da jetzt Gesichtserkennung machen, einen Hash prüfen oder gänzlich Videos verbieten? Technisch überhaupt nicht machbar. Das ist so weit von der Realität entfernt, ich bin so enttäuscht von der EU…

    • In diesem Fall ist es etwas anderes. Es geht um Fotos/Videos, die von Behörden GEMELDET werden. Hier einen Hashcode zu erzeugen, ist denkbar simpel – und verhindert, hundertfach erneutes Hochladen. Sehr effektiv.

      • Olaf Scheufen am

        Nunja, dann wird halt ein Pixel geändert, und schon ist der Hashcode anders. D.h. bei exakten Hashcodes ist das Mittel technisch extrem leicht auszutricksen und nahezu unwirksam.

        Oder handelt es sich um einen nicht-eindeutigen Identifikator? In diesem Fall wäre ich mal an den technischen Spezifikationen interessiert. Z.B. wie groß der Anteil an Bild/Video Veränderungen sein muss, dass ein anderer Hashcode erzeugt wird. Aber auch hier wird es sehr einfache technische Mittel geben, den Algorithmus auszuhebeln.

        • Natürlich: Es wird Wege geben — aber dazu werden mehr Änderungen als ein Pixel nötig sein, so einfach ist es dann doch nicht. Wichtig ist aber, dass nicht ein und dasselbe Video tausendfach kopiert werden an – mühelos und schnell. Genau das ist in der Regel der Fall.

          • Klaus Lohmann am

            Und das Uploaden bzw. Verlinken von Originalen zwecks Dokumentation, Kunst, Satire, Bildung wird dann aufgrund welcher verfassungskonformer Gesetze verboten????

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