US-Präsident Biden droht Cyberangreifern

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US-Präsident Biden droht Cyberangreifern

Kommentare zum Artikel: 15

US-Präsidenten haben ein Faible für große Gesten. In diesem Punkt unterscheidet sich Joe Biden kein bisschen von seinen Vorgängern. Bei einem Besuch der Geheimdienstkoordination (ODNI) hat Biden nun Worte gesprochen, die wie eine Drohung wirken – und vermutlich auch so gemeint waren.

„Wenn wir in einem Krieg, einem echten Krieg mit einer Großmacht enden, dann als Folge eines Cyberangriffs von großer Tragweite“, warnte er. Und meinte damit vor allem China und Russland, von deren Grund und Boden zuletzt auffällig viele Cyberangriffe ausgingen – und immer noch ausgehen.

Die Zahl der Cyberangriffe steigt exponenziell; Rechte: WDR/Schieb

Die Zahl der Cyberangriffe steigt exponenziel – vor allem mit Ransomware

Cyberangriffe: Eskalation vermeiden

Joe Biden hat zweifellos Recht: Nach der Logik der Eskalation ist ein „echter Krieg“ – wie Biden es nennt – als Konsequenz auf besonders zahlreiche und/oder aggressive Hackattacken alles andere als ausgeschlossen. Das wissen wir – dank Hollywood – spätestens seit „War Games„.

In der Tat nehmen die Cyberangriffe auf Unternehmen, Institutionen, Behörden, Einrichtungen und Regierungen in den letzten Monaten dramatisch und besorgniserregend zu – insbesondere Ransomware-Angriffe. Viele dieser Angriffe scheinen von Russland oder ehemals russischen Gebieten auszugehen – und die russische Regierung unternimmt nichts dagegen (weil sie selbst vor solchen Angriffen verschont bleibt).

USA ist keineswegs nur Opfer

Allerdings stellt Joe Biden die USA (und die westliche Welt) hier ausschließlich als Opfer dar. Als argloses Ziel von Cyberangriffen. Dabei sind die USA in dieser Hinsicht  alles andere als kleinlich. Nur, weil wir nicht mehr über die Snowden-Affäre sprechen, heißt es nicht, dass US-Behörden plötzlich damit aufgehört haben, die ganze Welt zu belauschen und zu bespitzeln. Mit-Wattebäuschchen-werfen ist das auch nicht – es ist auch eine Form von Cyberangriff.

Mich stört die aggressive Rhetorik des Präsidenten. Denn sie führt nur dazu, dass sich Fronten verhärten und Häufigkeit sowie Qualität der Angriffe zunehmen.

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Ziel sollte sein: Ächtung von Cyberangriffen

Viel wichtiger und zielführender wäre es, sich einen Weg zu überlegen, wie sich solche Angriffe künftig verhindern lassen. Zum Beispiel durch eine weltweite Ächtung solcher Angriffe – verbunden mit der Verpflichtung, solche Cyberangriffe konsequent juristisch zu verfolgen.

Denn Cyberangriffe können Menschenleben kosten, etwa wenn Kliniken durch Ransomware lahmgelegt werden. Das ist längst eine Form von Krieg.

Aber dann müssten natürlich auch die USA Kompromisse machen und Aktivitäten einstellen, etwa Lauschaktionen und Cyberspionage.

Es wird Zeit, dass sich auch die EU in dieser Sache positioniert. Denn auch wir in der EU sind unentwegt Ziel von Cyberangriffen – und sollten nicht zur eine Haltung dazu entwickeln, sondern uns auch besser schützen.

Auch in Deutschland nehmen die Angriffe dramatisch zu – aber Behörden sind orientierungslos

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

15 Kommentare

  1. Da hat mir Trump besser gefallen, er war ja dann doch nicht so ein Kriegstreiber wie sich das jetzt bei Biden herausstellt und eher dem Frieden und der Versöhnug verpflichtet.
    Wie ich das von einem Präsidenten erwarte.

    • „dem Frieden und der Versöhnug verpflichtet“?
      Für Trump ist das eher ein schlechtes Geschäft aber egal, es bleibt zweitrangig warum man lieber einem Krieg aus dem Wege geht.

  2. Ulli Zauner am

    @Florian, Sie haben NICHTS verstanden, man kann nicht jeden Konflikt mit Reden friedlich lösen. Ihre pazifistische Überzeugung in allen Ehren, aber Sie sind weltfremd!

    • Weltfremd? Nö, bin nur ein Weltfreund.
      Nein, man kann gewiss nicht jeden Konflikt nur mit Reden lösen. Aber Ihr
      „…. auch wenn das Endergebnis gleichfalls DAS TOTALE ENDE bedeuten könnte.“
      kann und darf -unter Zivilisierten im dritten Jahrtausend- definitiv niemals! eine Option sein!
      Es sei denn, man ist ein ausgewiesener Misanthrop, hasst sich abgrundtief selbst oder ist einfach nur kriegsg e i l. … Soweit reicht mein Verstand gerade noch. Ihrer hoffentlich auch! ;)

      • Carsten Mohr am

        Also, ich denke an dieser Stelle mal, dass Abschreckung wirklich stets die bessere Alternative ist. Abschreckung heißt nicht, dass es zum Einsatz kommt. Aber könnte. Darin liegt ja der Sinn der Abschreckung. Ansonsten sollte bzw. muß man auf „Augenhöhe“ kommen und vielleicht ebenfalls vergleichbare Cyber-Angriffe (ich mag das Wort nicht unbedingt) durchführen können.
        Vernunft ist einem wie Putin nur begrenzt zuzuschreiben. Die pure Hoffnung auf einen zivilisierten Umgang beiderseitig zieht nicht und ist leider keine Option. Druck muß entstehen, Druck muß spürbar sein und dann kann eine Kanalisation der beiderseitigen Interessen erfolgen.

      • Ulli Zauner am

        Irgendwie erinnert mich Ihre Haltung an den alten Spruch … und willst Du nicht mein Bruder sein … Eine typische Haltung um Menschen zu diskriminieren, die eine andere Sichweise als Sie haben.

        • Carsten Mohr am

          Es ist eine lebhafte (von Ideologien geführte???) Diskussion. Das gefällt mir, kommen doch viele Aspekte auf den Tisch. Vielleicht gibt es ja nicht die(!) eine Wahrheit, sondern eine in vielen Nuancen.
          @Ulli und @Florian, weiter so :-)

        • @Ulli Zauner:
          Mit der mir, fälschlicherweise, vorgeworfenen Haltung („willst Du nicht mein Bruder sein…“) diskriminiert man Menschen nicht, sondern eliminiert dieselben. Also etwa so, wie im Ihrerseits geforderten „militärischen Präventivschlag“, ggf. bis hin zum Ihrerseits einzukalkulierenden „totalen Ende“. Das ist mir viel zu radikal und letztlich zu primitiv. Mir geht es vielmehr um die (mich!) beängstigende, auch Ihrerseits geäußerte, Leichtfertigkeit, mit der „bewaffnete Konflikte“ (so heißen Kriege jetzt, gemäß Genfer Konvention) als probate Konfliktlösung ins Spiel gebracht werden – („willst Du nicht mein Bruder sein…“).
          Erinnern Sie sich noch an das -nachträglich, als völkerrechtswidrig! eingestufte- Bombardement auf syrische Chemieanlagen vor über zwei Jahren, aufgrund angeblicher „Beweise“, die May und Macron aber bis heute nicht vorgelegt haben? Das war auch so ein Präventivschlag, sogar mit EU-Rückendeckung. Was hat er ganz konkret gebracht? Oder was hat Sarkozys Bombardement (mit „Nachbomben“ durch die USA) auf Libyen konkret erreicht? Aus beiden Fällen resultierten und eskalierten nur Chaos, Leid, Flucht und Terror.
          Bitte beantworten Sie mir nur diese eine Frage: Welche künftige Lebensqualität erwarten und versprechen Sie sich (und sofern Sie welche haben, Ihren Nachkommen) denn nach einem „totalen Ende“?

          @Carsten Mohr:
          (Politische) Ideologien sollten Demokratien nicht vereinnahmen. (Wunschdenken!?) ;)
          … und Danke für Ihre Antwort um 10:25 Uhr: vgl. allein die chinesischen Direktinvestitionen in Afrika. Da bin ich ganz bei Ihnen. Das wird noch richtig spannend.

          • Ulli Zauner am

            Verehrter Florian,

            ich sehe mich nicht in der Lage Ihrer rot-grünen Überzeugung Folge zu leisten und ich verbitte mir kindische Unterstellungen. Ende der Diskussion.

          • Na gut. So kann man auch einer simplen Frage ausweichen, deren Thema man selbst ins Spiel gebracht hat. Ziemlich schwach! Aber wie Sie meinen, auch wenn Sie sich bzgl. meiner attestierten „Überzeugung“ erheblich irren. „Rot-grün“! Wird das nicht üblicherweise in gewissen Kreisen als Diskriminierung, die Sie mir oben ja auch vorwerfen, bzw. als Totschlagargument gegen andere gewisse Kreise verwendet?
            Gehaben Sie sich auch wohl – es war mir eine Ehre, Herr Zauner. Gerne wieder; jederzeit. ;)
            – out –

  3. Ulli Zauner am

    Die Cyberangriffe werden immer dreister und wenn nicht massiv gegengesteuert wird, ist das Ende durch diese Art der asymetrischen Kriegsführung für die westlichen Industriestaaten absolut absehbar. Ein militärischer Präventivschlag ist daher durchaus verständlich, auch wenn das Endergebnis gleichfalls das totale Ende bedeuten könnte. Eine kleine Chance auf friedlichen Ausgang besteht nur durch glaubhafte Drohung einer entschlossenen Gegenmaßnahme ohne jeglichen Kompromiß. Ich stimme Biden uneingeschränkt zu.
    Putin und Xi Jinping sollten nun überlegen ob es das Risiko wert ist.

    • Steht JB nicht ganz oben auf der Heilsbringerliste der liberalen und medialen Friedenstauben? Dass es nach einem realen Gegenschlag gen China/Russland auf einen virtuellen Angriff, weltweit nur noch Verlierer (aka die Menscheit) geben wird, dürfte selbst äußerst schlichten Gemütern, wie SpongeBob und Patrick, einleuchten.
      Möge der Ernstfall nie eintreten, zumal man sich heute schon an den fünf Fingern abzählen kann, welche Länder dem Kriegsaufruf beipflichten und folgen werden. Hätte aber auch was „Gutes“: das Klimaproblem hätte sich damit endgültig erledigt.
      „Ein militärischer Präventivschlag ist daher durchaus verständlich, auch wenn das Endergebnis gleichfalls das totale Ende bedeuten könnte.“
      Sprach der Transatlantiker, was? Auweia. Demnach, also lieber Bombe druff, alle vernichtet und Weltuntergang, anstatt Gespräche, „Ächtung“ (vgl.Schieb), Diplomatie und noch härtere Sanktionen? Schon jemals einen Millimeter über den Tellerrand geblickt und darüber nachgedacht, welches Land, als wichtigstes NATO-Nachschub-Depot für Ostkonflikte, zuvorderst zur Zielscheibe würde? Kann nicht Ihr Ernst sein!?
      Filmtipp für Kriegsfetischisten, Erstschlagfanatiker und „uneingeschränkte Zustimmer“: „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ (Kubrick, 1964).

      • Carsten Mohr am

        Nun, die 60er Jahre kann man mit Heute nicht vergleichen. Die Sowjetunion war eine andere und ganz anders bewaffnet und ganz anders politisch „drauf“. Und der Westen fühlte sich im Grunde als Befreier berufen und neigte zu Übersprüngen.
        Heute ist der ehemalige Feind kein Klassenfeind mehr, denn der einzelne Sowjetbürger ist uns näher als man denkt (im Geiste und im Herzen). Es sind Autokraten, die heikle Spiele spielen und im Grunde nur den totalen Kollaps ihrer Regierung (nicht der Bevölkerung, die geht nicht pleite) riskieren und im Winden unter den letzten Atemzügen zu solchen Übersprungshandlungen wie mit dem Film angedeutet neigen.

        • Nun, Herr Mohr. Ich denke, da sind Sie ein wenig auf dem Holzweg und empfehle Ihnen deshalb z.B. einen recht gut analysierenden und aufschlussreichen Artikel aus dem Merkur zur Lektüre:
          „Globale Vorherrschaft: Bei dem Konflikt zwischen den USA und China geht es doch um Ideologie“ vom 23.7.21.
          Der Autor, Andrei Lungu, fasst es dort u.a. zusammen:
          „All dies führt nicht nur zu einer Konfrontation zwischen den USA und der VR China, sondern – wie im ursprünglichen Kalten Krieg – zu einer zwischen der demokratischen Welt und der VR China, vielleicht an der Seite ihrer zumeist autoritären Verbündeten wie Russland. […] Nur weil sie anders aussehen als im Kalten Krieg, heißt das nicht, dass Ideologien tot sind. Ideologien haben die Zügel in der Hand. Halten Sie sich gut fest.“.
          P.S. Zum Kubrick-Film: Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen? Lässt sich .B. im „Archive“ leicht finden und sogar im Original downloaden. (Die Wikipedia-Zusammenfassung des Films ist sehr lückenhaft, vielmehr untauglich.) Achten Sie ggf. besonders darauf, wie! die Eskalation entsteht, sich zum Unvermeidbaren/Fatalen entwickelt und dennoch gewieft von den politischen Entscheidern gerechtfertigt wird. Darum geht es mir, weil das heute kaum anders zu sein scheint, wenn man JBs aktuelle Drohungen im Hinterkopf hat. Das ist auch unabhängig vom „cineastischen Mief“ der 60er, der den Film (aus heutiger Sicht) gelegentlich umnebeln mag, an dessen Kernbotschaft aber nichts ändert. ;)

          • Carsten Mohr am

            Holzwege sind, wenn man sich in Urwäldern und/oder sumpfigen Gebieten (auch thematisch) bewegt, kein so schlechter Weg. Das nur nebenbei ;-)
            „Die höchsten Kerninteressen der VR China…(sind)… die Sicherung des geführten politischen Systems.“
            An dieser Aussage habe ich nicht gerüttelt. Denn es hat mit dem Volk wenig zu tun, außer man bekommt es hinreichend mobilisiert und unter die Knute gedrückt. Macht ist jedem einzelnen, der sie inne hat, ein sehr hohes und wichtiges Gut. Es hebt ihn ab von anderen, hebt einen über andere. Auch wenn es wie bei der KPCh ein Zentral komitee mit rund 200 Leuten hier gemeinsam handelnd ihre Macht erhalten wollen. Es geht keinem um Landgewinne, wobei ich bei China grundsätzlich dies nicht unterstreichen würde, haben sie doch weite Landesteile (ich meine gelesen zu haben, über 70% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche) derart verseucht, dass eine Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet ist. Und die sollte man versorgen, sonst helfen einem 90 Millionen Parteimitglieder (Wikipedia) bei 1,4 Mrd. Einwohnenr auch nicht weiter, auch wenn die Quote 1:15 wäre. Alle Welt exportiert Nahrungsmittel nach China, und um das zu bezahlen, muß China selbst was „bieten“. Als Billiglohnland zum einen und durch Ausbeute der Natur.
            Diese Probleme alle kann aber weder China noch die USA nich die Russen noch die anderen A-Bomben-Versicherten mit dem Abwurf einer solchen beeinflussen.
            Somit sind es einzelne (Machtgruppen), die die Welt ins Chaos stürzen würden, nur wegen des Chaos.
            Putin will auch nur seine Macht erhalten. Und muß gerade soviel für sein Volk tun, dass es nicht komplett sich gegen ihn aufwiegeln läßt. Sie (die Machtinhaber) genießen ihre Macht. So wie sich unsereins gut fühlt, trotz der Macht zum Totschlag der Fliege zu haben diese nicht angewendet zu haben und sich als Tierfreund fühlt. Ein erhabenes Gefühl…nicht wahr?
            Afrika wird auch kommen. Warten wir es nur ab, welche Gruppen sich da noch zusammentun werden.

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