USA: Wahlkampf mit Propaganda-Bots gefährdet Demokratie

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USA: Wahlkampf mit Propaganda-Bots gefährdet Demokratie

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Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-Hye verdankt ihre Wiederwahl einer besonderen Sorte Software. Der Kreml setzt diese Software massiv im Ukraine-Konflikt ein. Die Rede ist von sogenannten Propaganda-Bots.
„Das sind Computerprogramme, die sinnvolle Texte schreiben und Diskussionen in sozialen Netzwerken führen können“, erläutert der Sprachwissenschaftler Joachim Scharloth.

Er hat mehrere solcher Propaganda-Bots an der Technischen Universität Dresden entwickelt, um zu zeigen, wie die Software funktioniert. Diese Propaganda-Maschinen werden auf Twitter und Facebook eingesetzt und können Nachrichten weiterverbreiten, kommentieren und auf Kritik reagieren.

Die Nase vorn bei der Entwicklung solcher Propaganda-Bots hat aber das amerikanische Verteidigungsministerium. Die US-Militärs haben solche Einflüsterungssoftware seit sieben Jahren erfolgreich entwickelt und eingesetzt.

Donald Trump ist Herrscher über vier Millionen Propaganda-Roboter

Seit das amerikanische Cyber Command die ersten Propaganda-Bots im Jahr 2009 auf Twitter freisetzte, verpesten sie als Social Bots regelrecht das Netz und sind zum festen Bestandteil eines jeden Propagandafeldzuges der Militärs geworden.
Jetzt aber könnten die Propaganda-Bots zu ersten Mal die amerikanische Präsidentschaftswahl entscheiden. Denn deren Ausgang hängt wesentlich davon ab, wie stark der Kandidat oder die Kandidatin ihre Anhänger über Social Media, also Facebook, Twitter & Co. mobilisieren kann.
Und da haben die Wahlkampfverantwortlichen von Donald Trump schon vor eineinhalb Jahren massiv mit dem Aufbau eines ganzen Netzwerks von Propaganda-Robotern begonnen. Inzwischen gehen zum Beispiel die Analysten der Kommunikationsagentur eZanga von knapp vier Millionen Propaganda-Bots im Dienste des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump aus.ruffini
Der Politikberater Patrick Ruffini hat nahezu 500 Propaganda-Bots von Donald Trump ausfindig gemacht, die Twitter daraufhin gelöscht hat.

Die Demokraten haben die sozialen Netze zwar schon sehr früh als wahkampfentscheidend eingestuft, das Thema Propaganda-Bots aber lange Zeit regelrecht verschlafen. Erst seit dem Frühjahr 2016 hat das Team von Hillary Clinton in Sachen Propaganda-Roboter im Netz massiv nachgerüstet.

TV-Debatten werden von Propaganda-Bots beherrscht

Die Konsequenzen dieses Propaganda-Bot-Krieges ließen sich während der Fernsehdebatten von Hillary Clinton und Donald Trump hervorragend beobachten. Die letzte Debatte lief gerade mal drei Minuten, da waren bereits mehr als 30.000 Tweets zu den beiden Präsidentschaftskandidaten zu lesen.
Das Team von Donald Trump schoss zu Beginn der Sendung Tweets über das Sexualverhalten des Gatten der Präsidentschaftskandidatin ab. Innerhalb von Sekunden wurden die einige hunderttausendmal von Propaganda-Bots retweeted und kommentiert.
Das löste eine hitzige Diskussion vor allen Dingen auf Twitter und in der darauffolgenden Woche auf mehreren politischen Blogs aus. Die politische Diskussion verkam zur regelrechten Roboter-Debatte, bei der die am heftigsten propagierten Themen von Propaganda-Bots gesetzt und weitergedreht wurden.
Dabei nutzen sowohl Donald Trump als auch Hillary Clinton bewährte Propaganda-Technik, die ursprünglich vom amerikanischen Verteidigungsministerium entwickelt worden ist. Einfache Bots retweeten nur Kurznachrichten und sorgen dafür, dass eine Botschaft innerhalb von Sekunden mehr als 100.000 mal im Netz verbreitet wird. Komplexere Bots arbeiten im Verbund.

Bots werden zu Wahlautomaten

Eine Software analysiert die Twitter-Kurznachrichten des oder der gegnerischen Präsidentschaftskandidaten auf der semantischen Ebene. Eine zweite Software entwirft gemäß der vorgegebenen Propaganda-Richtlinie eine Antwort, und die dritte Software sorgt für die möglichst weite Verbreitung dieser Antwort.
Das IT-Magazin „Wired“ stellte bereits fest: „Bots automatisieren die Präsidentschaftswahl“. Und diese Automatisierung gefährdet nach Meinung nicht weniger politischer Kommentatoren die Meinungsfreiheit und letztlich die Demokratie.
Es drohe die Gefahr, dass der Kandidat mit den besseren Algorithmen und der größeren Zahl an Propaganda-Bots die Präsidentschaftswahl gewinne, warnte der amerikanische Soziologe Philip Howard.
Vor allen Dingen in den liberalen Ostküstenstaaten hat eine intensive Diskussion über die Gefahren von Propaganda-Bots im Wahlkampf eingesetzt. Die Kommentatoren befürchten mehrheitlich, dass nicht mehr Politiker mit ihren Argumenten über die Deutungshoheit an den Stammtischen und auf politischen Parties verfügen, sondern derjenige, der die meisten Propaganda-Bots installiert hat.

Über den Autor

Peter Welchering arbeit seit 1983 für Radio, Fernsehen und Print (u.a. Deutschlandradio, ZDF, verschiedene ARD-Sender, FAZ) und hat verschiedene Lehraufträge an Journalistenschulen in Deutschland und anderen Ländern. Online ist Welchering seit 1983.

3 Kommentare

  1. ronny m. am

    maschinengestützte meinungsbeeinflussung schei t mir kriminell. sollten die wahlen auf diese art und weise manipuliert werden können macht es demokratische wahlen unglaubwürdig und es beflügelt die unlust und den vertrauensverlust der bürger um so mehr je mehr die bürger darüber erfahren. aber sie sollten es erfahren und die politischen volksvertreter sollten es schon im vorfeld unterbinden damit es wieder ehrliche wahlen gibt.

  2. Tut uns der 1Live Freundeskreis und Digitalistan
    Auch mit dieser Software verarschen?
    Man sollte sich auf seinen eigenen sprachlichen und mündlichen Gebrauch verlassen können ansonsten
    Sind wir in Zukunft von einem Roboter abhängig.
    Und wenn die eines Tages keinen Bock mehr haben uns zu belehren?Dann sind wir die dummen.

  3. Klaus Lohmann am

    Man kann die allermeisten Bots auf dieser Ebene dadurch zweifelsfrei identifizieren, dass sie ihre „Muttersprache“ beherrschen, während der größte Teil der Bio-Netzuser noch nicht mal unfallfrei „Guten Tag“ schreiben kann.

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