Vero, das soziale Instagram?

https://blog.wdr.de/digitalistan/vero-das-soziale-instagram/

Vero, das soziale Instagram?

Kommentare zum Artikel: 2

Warum sind sogenannte „soziale Netzwerke“ eigentlich so erfolgreich? Weil sie tiefe Bedürfnisse der Menschen befriedigen. Das Bedürfnis nach Kontakt, nach Anerkennung, nach Austausch. Die Grundidee von Facebook, Instagram und Co. ist deshalb gar nicht mal verkehrt – sie wurde und wird allerdings von den Betreibern pervertiert. Weil sich damit so leicht Geld verdienen lässt. Stellen wir uns also ein soziales Netzwerk vor, das Kontakt, Anerkennung und Austausch anbietet, ohne Krebsgeschwüre wie Werbung, Tracking und Datenmissbrauch – klingt nicht schlecht.

Die Vero App setzt auf Kultur und verzichtet komplett auf Werbung; Rechte: WDR/Schieb

Die Vero App setzt auf Kultur und verzichtet komplett auf Werbung

Ohne Werbegetöse und Tracking-Horror

Genau das will das neue soziale Netzwerk Vero sein. Vero bedeutet „Wahrheit“ – so ziemlich das Gegenteil von Fake-News auf Facebook oder hochgeföhntem Leben auf Instagram. Die Macher von Vero versprechen ein Netzwerk, das komplett auf Werbung verzichtet – und deshalb auch keine Algorithmen braucht, um aus den Usern jedes Tröpfchen Datensaft zu pressen. Anonymität ist cool. Niemand muss sich Sorgen machen, von Vero auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden.

Ich erwähne das als erstes, weil es in meinen Augen besonders wichtig ist. Die erste Million User bekommen Vero kostenlos – dauerhaft, so steht es im Manifest. Später wird Vero eine Gebühr kosten. Das ist aber allemal besser, als auf Facebook, Twitter oder Instagram seine Seele zu verkaufen. Viele Künstler sind schon da. Sie zeigen Bilder, Kunstwerke, Orte – und sich. Schwerpunkt sind Fotos und Videos, so ähnlich wie bei Instagram. Die App bietet eine äußerst schicke und angenehm aufgeräumte Oberfläche.

https://www.youtube.com/watch?v=LdJ-wl0l-Hk&ab_channel=Vero

Imagefilm der Vero-App: Das steckt als Konzept dahinter

Mehr Kultur: Filme, Musik, Bücher und Links teilen

Vero wirkt auf den ersten Blick tatsächlich wie eine Art Instagram. Doch schnell entdeckt man die Unterschiede. So können User nicht nur Fotos oder Videos teilen, die sich natürlich bearbeiten lassen, sondern auch Musik, Orte, Bücher, Filme oder Links. Kultur spielt also eine größere Rolle als bei den etablierten Netzwerken. Was heißt größere Rolle: Kultur spielt überhaupt mal eine Rolle. Allein das ist schon charmant.

Natürlich gibt es Werkzeuge, um Freunde und Follower in Kategorien zu unterteilen: Enge Freunde, Bekannte, Kollegen, Sportkameraden – hier hat jeder User freie Hand. Und kann so entscheiden, wer was sehen und lesen darf. Das kennt man ja und das ist bei Vero nicht anders. Wenn die Vero-Macher ihr Konzept strikt durchhalten und frei von kommerziellen Einflüssen halten, könnte sich Vero zu einer sehr interessanten Alternative entwickeln.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Vielen Dank, Herr Schieb, daß Sie die sogenannten „sozialen Netzwerke“ auch tatsächlich „sogenannt“ nennen und in Anführungszeichen setzen.
    Ich gehe noch einen Schritt weiter und sage:
    Es gibt überhaupt keine „sozialen“ Netzwerke, sondern nur ASOZIALE:
    Ob mit oder ohne Werbung:
    Sie treiben insbesondere Kinder und Jugendliche in eine gefährliche SUCHTKRANKHEIT (s. statt vieler die jüngste DAK-Studie), leisten Cybermobbing bis zum Suizid der Opfer Vorschub und gefährden mit Falschmeldungen, Hetze, Haß und Überwachung Demokratie und Rechtsstaat.
    Das ist mit Sicherheit auch bei „Vero“ nicht anders, da alle asozialen Netzwerke dieselbe Grundstruktur haben.
    Gegen diese Pest würde nur Boykott und Abstinenz helfen – was aber Krankheitseinsicht bei einer genügend großen Zahl der Suchtkranken voraussetzt, und an der fehlt es bis jetzt leider, dies zumal da die Lockungen besonders für Jüngere so funktionieren wie bei den mit Zucker versetzten Alkopops…

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top