Virtuelle Erlebnisse auf der re:publica

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Virtuelle Erlebnisse auf der re:publica

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Auf der re:publica in Berlin wird viel über die digitale Gesellschaft gesprochen. Auch, wie sich Inhalte und journalistische Formate verändern, um sich gegenüber Hochglanzvideos auf Netflix und Amazon bewähren zu können. Der WDR zeigt auf der re:publica gleich mit mehreren Angeboten, wohin die Reise geht. Zum Beispiel mit dem WDR Kopfkino: Hier setzen sich Besucher handelsübliche VR-Brillen auf und tauchen in virtuelle Welten ein. Dank WDR Kopfkino weiß ich jetzt – zumindest ansatzweise -, wie es ist, eine Sprungschanze herunter zu fahren. Atemberaubend – die Aussicht. Und ich weiß jetzt auch: Der Sprung an sich dauert gar nicht lange.

WDR Kopfkino: Virtuelle Welten laden ein; Rechtw: WDR/Schieb

WDR Kopfkino: Virtuelle Welten laden ein

Besuch in den 60er Jahren und Kriegskinder

Schön auch das interaktive VR-Programm, das mir ein typisches Wohnzimmer aus den 1960er Jahren präsentiert. Mit “Stern” und “Hörzu” auf dem Couch-Tisch. Im Fernseher läuft das WDR-Fernsehen von damals. Je nach Tageszeit das passende Programm, zum Beispiel “Spiel ohne Grenzen”, die Tagesschau oder der 7. Sinn. Großartig. Der Besucher kann sogar Informationen abfragen – ganz ohne Controller in der Hand. Einfach zwei Sekunden auf einen blinkenden Punkt schauen, schon “klickt” man ihn per Blick an. Und erfährt zum Beispiel mehr über Telefonapparate in den 60ern oder über das Leseverhalten damals.

Sehr gelungen finde ich auch das AR-Projekt Kriegskinder. Eine Augmented-Reality-Anwendung, die auf dem Tablet läuft. Die App zeigt eindrucksvoll, wie sich moderne Technologien wie Augmented Reality journalistisch nutzen lassen. In diesem Fall berichten drei Frauen, die als Kinder den Krieg erlebt haben – in Köln, London und Leningrad. Sie schildern packend und anschaulich, wie sich der Krieg für sie angefühlt hat. Dazu startet man die App, sucht sich einen Ort im Raum aus, in dem man sich gerade befindet, und stellt einen virtuellen Stuhl dort hin. Sofort erscheint die Zeitzeugin – sie sitzt einem quasi gegenüber. Wie ein Gast. Und berichtet.

https://vimeo.com/267744367

Ganz neue Art der Dokumentation

Das ist schon beeindruckend genug, weil man wirklich den Eindruck hat, als sitze man der Person gegenüber. Das ist etwas anderes als Fernsehen. Darüber hinaus gibt es aber auch visuelle Effekte: Berichtet eine Zeitzeugin von Schnee, schneit es im Raum. Erinnert sich eine Zeitzeugin an die drohenden Geräusche herannahender Flugzeuge, sieht man sie im Display – und sie fliegen über den eigenen Kopf hinweg. Das schafft zum einen eine ungewohnte Nähe zur Person, die da redet – und verschafft einem durch die Effekte auch noch den Eindruck, mittendrin zu sei. Eine ganz neue Art der Dokumentation. Ab September wird es die Zeitzeugen als WDR-App geben.

Dann gibt es auf der re:publica auch noch ein virtuelles Bergwerk zu bestaunen. Der Besucher setzt sich eine VR-Brille auf die Nase und fährt mit virtuellen Kollegen in die Tiefe. Dort soll der Besucher mit virtueller Hacke Kohle abbauen, diese einsammeln und vieles mehr. Es kommt zu bedrohlichen Situationen unter Tage – und der Besucher gerät ins Schwitzen. Denn der Boden unter einem wackelt, es bläst einem ein feuchter Geruch in die Nase und warm wird es auch noch. Ein Allround-VR-Erlebnis, das eher ein Event ist. Eine Dokumentation zum Erleben. Nicht in den eigenen vier Wänden, aber auf Ausstellungen, Messen oder in Museen.

Berlin, Paris, Terror: VR-Projekt des WDF; Rechte: WDR

Berlin, Paris, Terror: VR-Projekt des WDR

Last not least hat der WDR auch noch das Projekt Berlin – Paris – Terror vorgestellt. Auch hier zieht der Besucher eine FR-Brille auf. Die 360°-Dokumentationen “Berlin Terror” und “Paris Terror” berichten beispielhaft von zwei Ereignissen. Dabei geht es nicht um die Tatbeschreibung oder die Motive des Täters, sondern um die Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft der unmittelbar Betroffenen. Es wird von denen erzählt, die als erste Helfer vor Ort waren, die andere gerettet oder vor den Terroristen versteckt haben. Der Besucher ist mittendrin.

Nur einige Antworten auf die Frage, wie sich Inhalte in Zukunft präsentieren lassen.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Super Beitrag! Ich gehe auch davon aus dass die neue Präsentationsart von Filmen, Fotos oder sonstigen Medien ausschließlich über VR realisiert wird. Dadurch lässt sich die Umgebungen und die Stimmung der Kulisse viel besser auf den Benutzer übertragen und beziehen diesen viel besser in das Geschehen mit ein. Wir haben uns auch schon viel mit dem Thema beschäftigt und freuen uns auf weitere Fortschritte in dem Bereich.

    Viele Grüße
    Kevin
    360GradKamera.de

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