Vom Mythos „always on“

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Vom Mythos „always on“

Kommentare zum Artikel: 3

Smartphone in der Hand – und damit immer online? Mit stets rasanter Datengeschwindigkeit, ohne Mucken, ohne Murren und zu bezahlbaren Preisen? Das versprechen uns die glücklich wirkenden User auf Plakaten, in Anzeigen und Werbespots. Denn natürlich wollen Smartphone-Hersteller und Mobilfunkprovider, dass wir das Märchen glauben. Doch die Realität sieht ganz anders aus. In Wahrheit müssen schon eine Menge Voraussetzungen erfüllt sein, damit das mit dem Onlinegehen unterwegs nicht nur reibungslos, sondern auch zufriedenstellend funktioniert. Und diese Voraussetzungen sind eher selten erfüllt.

Geräte gehen online - nur geht das nicht immer; Rechte: Pixabay

Geräte gehen online – nur geht das nicht immer

WLAN da – und funktionstüchtig?

Beispiel: WLAN. Ist überhaupt ein WLAN in der Nähe – und ist es eins, in das man einfach so rein kann? Und falls man rein kann, ist es auch schnell genug? In der Deutschen Bahn zum Beispiel gibt es mittlerweile häufig kostenloses WLAN. Solange man im Bahnhof steht, funktioniert das auch. Doch kommt der Zug in Fahrt, was seinem Zweck entspricht, gerät der Datenstrom ins Stocken. Selbst für einfache Webseiten reicht es dann oft nicht, geschweige für Netflix im Zug. Videostreaming in der Bahn? Undenkbar.

Dafür kann man nicht der Bahn die Schuld geben, denn sie nutzt die Infrastruktur der Mobilfunkanbieter. Und die ist völlig unzureichend, nicht nur dort, wo Züge langfahren. In Ballungsgebieten gibt es zwar LTE und damit zumindest theoretisch ordentliche Übertragungsraten. Allerdings teilen wir uns die zur Verfügung stehende Bandbreite immer mit vielen anderen, die sich gleichzeitig mit einem Onlinewunsch in derselben Funkzelle aufhalten. Das Ergebnis: LTE wirkt wie angeschossen. Die Daten flitzen nicht, sie humpeln in unser Gerät. Videostreaming unterwegs? Denkbar, aber nur wenn die Mobilfunkzelle nicht überlastet ist.

Das WLAN ist ein bisschen unsicherer geworden; Rechtre: Pixabay

Flächendeckendes WLAN? In Deutschland Fehlanzeige

Dein Vertrag entscheidet, wie online Du bist

Natürlich braucht man auch noch einen guten Vertrag. Denn die günstigen Verträge bieten kein Turbo-LTE, nicht mal theoretisch. Und für alle Verträge gilt: Die Provider tun zwar so, als könnten wir sorglos und endlos surfen, doch in Wahrheit gibt es immer ein Kontingent. Ist das aufgebraucht, wird gedrosselt – auf in der Regel 64 KBit/Sekunde. Was so ist, als würde man seinen Sportwagen den Berg runterrollen. Es sei denn, jemand hat einen Spezialvertrag mit Telekom oder Vodafone geschlossen. Bei StreamOn und Vodafone Pass lassen sich einige Dienste grenzenlos nutzen. Dafür mit anderen Nachteilen, wie Ihr hier erfahrt.

Natürlich: Grundsätzlich ist es eine schöne Idee, mit Smartphone und Tablet unterwegs online gehen zu können. Und genau das ist es auch, was uns die Hersteller solcher Geräte und die Mobilfunkanbieter in ständiger Komplizenschaft suggerieren. So verkauft man halt. Nur hat das mit der Realität nicht viel zu tun. Unsere Luxusgeräte sind nicht ausgelastet, weil unsere Mobilfunknetze schwach auf der Brust sind. Viel zu schwach. Und weil wir an die Kosten denken müssen. Und ans Datenkontingent. Klingt nicht nach always on, finde ich.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Muscolino Giovanni am

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  2. Meine Erfahrung: abseits der großen Ballungszentren reicht es, das o2-Netz zu nutzen. Das beugt „always on“ vor und verschafft eine gute „work life balance“. Manchmal auch ohne das 2G Netz nutzen zu können.

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Wollen Sie hier allen Ernstes einem „Always-on-‚Leben‘ “ das Wort reden?!
    Genau so gut könnte der WDR hier offen Werbung für Heroin, Crystal Meth und Crack machen: Unverantwortlich!
    Es sollte doch mittlerweile wirklich hinlänglich bekannt sein, daß Smartphones Suchtmittel reinsten Wassers sind, und daß „Always on“ wirklich nur die am schlimmsten und am schwersten abhängigen Menschen sein wollen resp,, wegen Verlustes ihrer Steuerungsfähigkeit, müssen, so lange sie nicht abstinent werden.
    Statt auch noch zu monieren, daß man leider doch nicht überall und jederzeit sich das Suchtmittel zuführen kann, sollten die Digitalistan-AutorInnen lieber endlich Wege aus der Sucht und der Prävention aufzeigen…

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