Warum der schlechte Breitbandausbau auch ein gesellschaftliches Problem ist

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Warum der schlechte Breitbandausbau auch ein gesellschaftliches Problem ist

Kommentare zum Artikel: 10

Es sind jetzt drei Jahre, in denen sich nicht sonderlich viel geändert hat. Vor drei Jahren haben wir für das WDR Fernsehen den schlechten Breitbandausbau bei uns im Westen dokumentiert. „Wie schnell surft NRW?“ hieß unsere Reportage, am Ende haben wir dem zuständigen Minister Garrelt Duin die Liste unserer Fälle übergeben. Und er wiederholte das Versprechen, bis 2018 kämen alle Haushalte mit 50 Mbit/s ins Netz. Das ist natürlich Quatsch; dieses Ziel wird bis Ende des Jahres niemals erreicht.

Zwei der Fälle aus unserer Reportage haben wir für die WDR Servicezeit in den vergangenen Wochen noch einmal besucht. Felix Stenmans aus Kevelaer-Kervenheim zum Beispiel: Er brauchte bis vor ein paar Tagen nervige 20 Minuten dafür, eine einzige PDF-Datei runterzuladen. Jetzt hat ein Glasfaseranbieter das Wohngebiet in seinem Dorf mit Breitbandanschlüssen versorgt – ein Dorf, das von den anderen Telekommunikationsanbietern bisher vernachlässigt wurde. Stenmans kommt statt mit bisher 384 Kbit/s jetzt mit 500 Mbit/s ins Netz – weit über tausendmal so schnell.

Viele andere Fälle aus unserer Reportage hatten nicht so viel Glück. Wir haben 2015 schon eine Familie dabei begleitet, die den Glasfaseranschluss an ihren Gutshof im Münsterland in Eigenregie gelegt hat – inklusive der dazugehörigen Baggerarbeiten. Vergangene Woche haben wir Cornelia Althaus in Bad Laasphe besucht, die jetzt vor lauter Verzweiflung vergleichsweise teuer per Satellit ins Netz geht: 500 Euro für die Technik und rund 20 Euro im Monat für sechs Mbit/s. Das ist zwar 20-mal so schnell wie ihr Internetzugang bisher – von einem wirklich zukunftsfähigen Internetanschluss aber natürlich noch immer meilenweit entfernt.

Satellitenschüsseln

Cornelia Althaus aus Bad Laasphe geht per Satellit ins Netz – die Schüssel an der Rückseite ihres Hauses liefert ihr eine Geschwindigkeit von 6 Mbit/s.

Was mich im Gespräch mit Cornelia Althaus nachdenklich gemacht hat: Sie hat kaum über Technik und konkrete Geschwindigkeiten gesprochen. Sie hat ganz andere Dinge gesagt: dass sie jetzt „endlich wieder am Leben teilhaben kann“ – und damit meint sie nicht allein ihr Berufsleben als Buchhalterin. Sie meint ganz andere Dinge: online einkaufen, mit Freunden kommunizieren, Mediatheken nutzen.

Es ist so wichtig, dass der Breitbandausbau zügig vorangeht. Es ist so wichtig, dass dafür nicht weiter die alten Kupferleitungen ausgepresst werden. Und es ist so wichtig, dass ein Bewusstsein dafür entsteht, dass der schlechte Breitbandausbau nicht nur ein technisches oder wirtschaftliches oder rein persönliches Problem mancher Leute ist, die gerne möglichst viele Videos in HD streamen möchten. Der schlechte Breitbandausbau ist auch ein gesellschaftliches Problem – denn wer das Gefühl hat, nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, der wird unzufrieden.

Die Politik wird ihr Versprechen, bis 2018 alle Haushalte mit mindestens 50 Mbit/s ans Internet anzuschließen, nicht einhalten. Und spricht nun im aktuellen Koalitionsvertrag schon von Gigabit-Netzen: „Wir gestalten den Weg in die Gigabit-Gesellschaft mit höchster Priorität“, heißt es da. „Deshalb wollen wir den flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis 2025 erreichen.“ Und ich bleibe skeptisch.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

10 Kommentare

  1. Es kann immer schneller höher weiter gehen. Ich bin ganz zufrieden mit dem Ausbau in Deutschland. Aktuell bin ich auf den Kanarischen Inseln und froh wenn ich überhaupt mal einigermaßen zügig im Netz unterwegs sein kann. Es gibt hier Städte in denen GPRS Geschwindigkeit normal ist.

  2. Karl-Egon am

    Nebenbei bemerkt: die wenigsten deutschen sog. „Speedtests“ sind aussagekräftig, weil providerintern der traffic zu solchen Seiten bevorzugt wird, um insgesamt eine bessere Internet-Performance vorzutäuschen.

  3. Karl-Egon am

    Das ist kein „gesellschaftliches Problem“. Das ist Politikversagen auf ganzer Linie, sonst nichts! Wie von Schafen wird alle vier Jahre wieder eine asoziale (im Wortsinn=gemeinschaftsschädigend!) Kaste gewählt, die nur noch aus Zauderer, sich-selbst-in-dieTasche-steckern und Kopf-in-den-Sand-steckern besteht. Das betrifft mittlerweile sooo viele Dinge, das man sich echt fragt, warum das alles hier noch funktioniert und vor allem: wo die >50% von meinem Gehalt landen, die ich als Steuer abgeben muss. Mieses Internet allüberall, marode Straßen, kaputte Autobahnbrücken, maroder ÖPNV, mies bezahlte Erzieherinnern, Hartzer, die man finanziell erst übertrifft, wenn man mehr als ca. 1800€ Brutto im Monat verdient – dieses Land geht vor die Hunde, und das ist linkspolitisch so gewollt!

    • Dennis Horn am

      @Karl-Egon: Bitte beachten Sie doch unsere Blogregeln und bleiben Sie beim Thema des Beitrags. Danke.

  4. Dennis Horn am

    @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG: Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Um für alle Nutzerinnen und Nutzer eine fruchtbare Diskussion zu gewährleisten, sind ständige Wiederholungen des gleichen Inhalts bei uns unerwünscht; wir haben Ihren Kommentar deshalb gelöscht.

  5. Jörg Müller am

    Solange die Politik allein auf den Markt setzt wird das sowieso nichts.
    Die Politik benutzt das Thema vor allem als Vehikel für Wahlversprechen, aber ein echtes Problembewusstsein fehlt.
    Das Problem Breitbandausbau ist vor allem anderen ein Problem der fehlenden Infrastruktur. Die Anbieter reißen sich nicht um den Ausbau dieser Infrastruktur sondern allenfalls um die Kunden. Die meisten Kunden sind aber auf die Vorleistung der Telekom angewiesen und die macht es anderen schwer ihr auf dem Gebiet Konkurrenz zu machen. Solange sich keine Konkurrenz zeigt muss die Telekom nicht ausbauen und tut das auch nicht. Und wenn doch, dann rollt sie ihr Vectoring aus und verhindert so, dass es in einem Gebiet genug abwanderungswillige Kunden für die Konkurrenz gibt.
    Das führt dazu, dass ein Ausbau mit Glasfaser bis in die Häuser durch andere Anbieter nicht stattfindet. Die Telekom manifestiert damit ihr Quasimonopol. Der Markt, auf den die Politik setzt, funktioniert nicht.
    Eigentlich ist es ja auch nicht sinnvoll, dass die notwendige Infrastruktur von verschiedenen Anbietern parallel bereitgestellt wird. Um Strom oder Wasser von verschiedenen Anbietern bekommen zu können benötigt man ja auch nicht pro Anbieter eine eigene Infrastruktur.
    Die Fördermittel wirken deshalb nicht, weil man von einem Eigenbau ausgeht, der nicht stattfindet, und glaubt nur da fördern zu müssen, wo das nicht wirtschaftlich ist.
    Die Telekom hat aber eine ganz eigene Definition von wirtschaftlich und die bezieht sich nicht nur auf ländliche Nieschen. Wirtschaftlich ist für die Telekom der Ausbau nur dort, wo sie sonst Kunden verlieren würde.
    Würde der Staat stattdessen direkt in den Ausbau der Infrastruktur investieren oder den Städten das Geld dafür zur Verfügung stellen, dann entstünde die nötige Infrastruktur überall dort wo das von der Gesellschaft gefordert wird. Und auch die Qualität des Ausbau hätte eine langfristigere Ausrichtung. Die entstehenden Netze könnten dann den Anbietern zur Verfügung gestellt werden. So könnte man auch Bestrebungen zur Aushöhlung der Netzneutralität entgegenwirken.

    • Sven Kröger am

      Die Monopolstellung der Telekom ist das größte Problem, leider wird das von der Lobby-Politik nicht angegangen. „Würde der Staat stattdessen direkt in den Ausbau der Infrastruktur investieren…“ – das ist der Ansatz. Doch so lange die Telekom als quasi halbstaatliches Konstrukt mit gegenläufigen Eigeninteressen dazwischen steht, wird alles blockiert.

      Der Zugang zu schnellem Internet muss ein einklagbares Grundrecht sein. Wir leben im Jahr 2018. Aber wie soll das was werden mit den Politikern, für die das alles Neuland ist?

  6. Markus Beschorner am

    Bericht „Warum der schlechte Breitbandausbau auch ein gesellschaftliches Problem ist“
    In den Medien wird immer wieder der vernachlässigte Ausbau insbesondere im ländlichen Bereich mit schnellem Internet angeprangert. Ich wohne in einem südlichen Vorort von Dortmund. (immerhin die 8. größte Stadt in Deutschland) Hier tröpfelt das Internet bei meinem 16 Mbit Vertrag nach Zwangsumstellung auf VOIP Telefonie mit DSL im Februar 2018 stark schwankend mit maximal 8 Mbit Download Geschwindigkeit. Mehr ist weder bei der Telekom noch bei meinem derzeitigen Provider 1&1 nicht möglich. Immerhin wurde in der lokalen Presse der Glasfaserausbau in benachteiligten Vororten von kommunaler Seite in Aussicht gestellt, allerdings lediglich der Verbau in der Strasse, der Hausanschluss müsse privat erfolgen. Gerade in Dortmund gibt es scheinbar auch von der kommunalen Politik bevorzugte Gebiete, die entsprechend auch bei einem weiterem Ausbau bevorzugt behandelt werden. Kommerzielle Anbieter haben an einem weiteren Ausbau nur Interesse wenn später auch die Kasse klingelt oder wenn es sich um priorisierte Wohngebiete handelt? Ich denke, dass es in anderen Großstädten gerade in den Vororten auch nicht anders aussieht. Es sind nicht nur die ländlichen Gebiete die unterversorgt sind. Internet über Breitbandkabel gibt es in meinem Wohnumfeld ebenso wenig.
    Das sollte bei weiterer aktueller Berichterstattung Berücksichtigung finden
    Gruß M.B

  7. Hans Wiegand am

    Wollte mein Internet Geschwindigkeit testen.
    Geht ja sooooo einfach!!!!!
    Aussee das Video war gar nichts!!!
    Von wegen PLZ eingeben usw!!

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