Warum mich Google Stadia enttäuscht hat

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Warum mich Google Stadia enttäuscht hat

Kommentare zum Artikel: 8

Ich habe keine Lust mehr auf Google Stadia. Drei Monate nach Start hat der Streamingdienst für Games seinen Reiz verloren.

Im November 2019 hatte Google den Dienst gestartet, um im Spielemarkt Fuß zu fassen: Gaming ganz ohne Konsole. Spiel online auswählen, kaufen und loslegen, ohne Download- oder Installationszeiten.

Klingt toll, funktioniert aber noch nicht

Das Versprechen: Ich kann ein technisch anspruchsvolles Spiel wie “Tomb Raider” auf meinem alten Notebook spielen, auf dem Handy oder dem Fernseher. Bisher sind dafür ein Controller und Google Chromecast für etwa 130 Euro nötig, später soll es ohne zusätzliche Technik gehen: Browser öffnen, Spiel anklicken, losspielen. Berechnet wird das Game auf den Hochleistungsservern von Google.

So hat Google den Streamingdienst 2019 präsentiert.

Die Idee finde ich großartig. Gerade im Vergleich zu Apple Arcade, dem zweiten Player, der sich seit vorigem Jahr in die Gamesbranche quetschen will. Apple gibt für fünf Euro Zugriff auf Dutzende Gaming-Apps. Das ist ein klassisches Geschäftsmodell, nicht besonders aufregend. Google aber versprach eine Revolution. Theoretisch jedenfalls.

Technisch aber scheitert die Revolution: Google empfiehlt eine 25 Mbit/s-Internetverbindung für Stadia, zuhause komme ich auf stabile 45 Mbit/s. Aber wenn ich mit Stadia spielen will, fangen die Probleme an.

Kein Spaß mit Lara Croft

Ich logge mich am Fernseher bei Stadia ein und starte “Rise of the Tomb Raider”, das Lara-Croft-Game von 2015. Sofort bin ich im Spiel, und es ist beeindruckend, wie unkompliziert das funktioniert. Doch sobald ich loslege, gibt es Tonaussetzer und meine Eingaben mit dem Controller kommen verzögert im Game an.

Vielleicht klingt das unproblematisch, doch zerstören diese Verzögerungen gerade bei schnellen Actionspielen das Spielgefühl komplett. Kurz: So macht mir Stadia keinen Spaß. Weder “Tomb Raider” noch andere Spiele wie etwa das Vorzeigespiel “Destiny 2”.

Hinzu kommt, dass das Spielangebot von Google Stadia überschaubar und teuer ist: Wer monatlich etwa zehn Euro zahlt, bekommt Spiele geschenkt – die es aber auch fast immer für PC und Konsolen für wenig Geld gibt. Der Rest muss zum Vollpreis gekauft werden.

Eine Szene aus dem Spiel "Spitlings". Bild: Massive Miniteam/ Handygames

Warum Google Stadia für Spieleentwickler interessant ist, erklärt Milan Pingel von Massive Miniteam. Sein Spiel “Spitlings” soll zuerst für Stadia erscheinen.

Es fehlen Stadia immer noch die exklusiven Spiele, Games, die es nur für Stadia-Kunden gibt. Ausnahmen gibt es wenige, und noch ist kein Muss-ich-unbedingt-spielen-Titel darunter. Das macht selbst Apple Arcade mit seinen oft simplen Handyspielen besser.

Google Stadia hat mich enttäuscht. Technisch und spielerisch passt das Angebot nicht. Google muss viel Energie und Geld in Stadia stecken, damit ein zufriedenstellendes Angebot entsteht. In ein paar Monaten schaue ich wieder rein. Vielleicht.

Über den Autor

Mit "Doom" fing es an; seitdem haben digitale Spiele Thomas Ruscher nicht mehr losgelassen. Wenn er nicht gerade selbst spielt, schreibt und spricht er über Battle Royale, Open Worlds, eSport, Roguelikes und alles, was sonst noch mit Games zu tun hat.

8 Kommentare

  1. Ich nutze stadia ebenfalls seit 19.11. und kann nur dringend den Kontakt zum support empfehlen. Erreichbar aus der App, per Twitter oder Discord. Mir haben sie damals binen 24h geantwortet. Ich hatte nie Tonaussetzer oder ähnliches. Habe allerdings auch ein besonderes Setup hier. Ports für stadia geforwarded und den Service priorisiert, feste IPs und ‘nen guten Router (Fritz!Box 6591). Ich habe durch diverse Geschenke bei stadia schon 15 Spiele in meiner Bibliothek. Auch Shadow of the Tombrider.

  2. Ich habe meinen Chromecast direkt per LAN angeschlossen und keine Probleme. Trotzdem habe ich das Abo jetzt erst einmal gekündigt – die Spiele haben mich oft nicht interessiert und meine gekauften Inhalte kann ich auch so weiterspielen.

  3. Ich kann den Inhalt und die Aussage des Artikels auch nicht bestätigen. Ich habe eine 100k Leitung und Stadia läuft tadellos über LAN. Wenn man Stadia über WLAN nutzen will, muss man schon optimale Voraussetzungen schaffen. Das fängt damit an, dass man wirklich 3 Balken als Empfang benötigt, Damit es zu keinem Paketverlust kommt. Also Router neben den TV zu Hause stellen oder Ethernetstecker besorgen, möglichst mit 5 Ghz Netz. Ich gehe stark davon aus, dass der Autor Stadia mit einer unzureichenden WLAN Verbindung genutzt hat, eventuell während die Ehefrau noch Netflix 4K schaut oder ein Download läuft. Ruckzuck ist die übrige Bandbreite zu gering. In einem 2 Personen Haushalt würde ich jedem raten eine 100k Leitung zu buchen, es sei denn es werden sonst keine Streamingdienste oder ähnliches verwendet.

  4. Sehr schlechter, einseitiger und nicht richtig recherchierter Artikel.
    Zitat: “Bisher sind dafür ein Controller und Google Chromecast für etwa 130 Euro nötig, später soll es ohne zusätzliche Technik gehen: Browser öffnen, Spiel anklicken, losspielen. ”

    –> Das ist so nicht korrekt, von Anfang an kann Stadia auch nur mittels Chrome Browser gespielt werden, ganz ohne Chromecast.

    Zu den geschilderten Verzögerungen:
    Ich selbst habe 50 Mbit und Stadia läuft tadellos. Selbstverständlich kann der Dienst auch nur gut laufen, wenn die eigene Internetverbindung genug hergibt. Sollte dies nicht so sein, liegt das aber am ISP und nicht an Stadia.
    Darüber hinaus liegt es auch selbst ab Nutzer, seinen Zugang/Rechner für Stadia zu optimieren (Ethernet nutzen oder zumindest 5 GhZ WLAN, Priorität am Router hochsetzen, parallele Datenfresser ausschalten usw.).

    So einfach, wie in diesem Artikel hier dargestellt wird, kann man die Schuld nicht Google in die Schuhe schieben.

    • Thomas Ruscher am

      Ja, es ist möglich, Stadia auch über den Browser zu spielen. Über die Anschaffung vom Controler- und Chromecast-Bundle für 130 Euro kommt man aber noch nicht herum. Zu den vorgeschlagenen Optimierungen: Es kann doch aber nicht sein, dass ein Dienst, der unkompliziertes Gaming verspricht und die Anschaffung von teurer Hardware überflüssig machen will, um so auch neue Zielgruppen zu erschließen, nur ordentlich funktioniert, wenn die Nutzer anfangen müssen, ihre Hardware zu optimieren. Es geht doch schließlich um “normale” User, nicht um Enthusiasten.

      (Sorry für die späte Antwort!)

      • Der Dienst möchte damit keine neue Zielgruppen erzielen. Stadia ist nach wie vor in einer geschlossenen Beta in die man sich mit 130,- € einkaufen kann. Außerdem kann ich ebenfalls die beschriebenen Probleme in keinster Weise nachvollziehen, es läuft seit dem ersten Tag über WLAN und über Lan perfekt.

        • Thomas Ruscher am

          Vielleicht fühlt sich Stadia wie eine geschlossene Beta an. Aber was Google auf der Seite, auf der ich Stadia kaufen kann und gekauft habe, verspricht, sind Dinge wie “Es gibt keinen Grund mehr, viel für die neueste Gaming‑Hardware auszugeben” oder “Leg direkt los”. Da ist kein Wort von Beta, Early Access o.ä. Daran muss sich das Produkt messen lassen.

  5. Karsten Rech am

    Ich spiele Destiny 2 daheim direkt am Router (Kabel, 200MBit) und habe dort weniger Lags als auf der PS4 Pro über wifi, über Wlan etwa gleich wie bei der Playstation.

    Nur zum testen habe ich gerade eine Session auf meinem Bürorechner gestartet. Internet über LTE mit locker 50ms Ping und ca. 20MBit – wobei da noch 4 weiter Meshrouter und eine Telefonanlage dran hängen plus einige Androidgeräte – und siehe da, man kann es immer noch spielen.

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