Warum schaut keiner auf Amazon?

https://blog.wdr.de/digitalistan/warum-schaut-keiner-auf-amazon/

Warum schaut keiner auf Amazon?

Kommentare zum Artikel: 7

Alle richten ihren Fokus derzeit auf Facebook. Aus gutem Grund, denn der gesellschaftliche Einfluss von Facebook ist zweifellos enorm. Außerdem gibt es derzeit eine Menge Baustellen bei Facebook: Mangelnde Privatsphäre, Hatespeech, Wahlmanipulation, Suchtgefahr, manipulative Werbung und vieles andere mehr. Alles wichtige Themen. Doch ein gefährlicher Player am Markt bekommt dadurch nicht die nötige Aufmerksamkeit: Amazon.

Amzon-Gründer Jeff Bezos plant womöglich einen eigenen Messenger; Rechte: dpa/Picture Alliance

Amazon-Gründer Jeff Bezos mittlerweile der reichste Mensch der Welt

Schädlicher Einfluss auf die Gesellschaft

Bei Amazon einkaufen ist zweifellos bequem. Doch wer einen Moment innehält und nachdenkt, der erkennt: Amazon hat einen mindestens so großen und vor allem schädlichen Einfluss auf unsere Gesellschaft wie Facebook – bleibt aber weitgehend von Kritik verschont. Bestenfalls, wenn die Amazon-Mitarbeiter mal (wieder) streiken und ihre schlechte Bezahlung beklagen, schauen wir für kurze Zeit auf Amazon. Dabei hat Amazon jede Menge schädlicher Entwicklungen in Gang gebracht – und keinen juckt es.

Nicht umsonst ist Amazon-Chef Jeff Bezos mittlerweile der reichste Mann der Welt. 150 Milliarden Dollar Privatvermögen. Das ist obszön. Er verdankt seinen Reichtum dem steilen Wachstum seines Unternehmens, das in immer mehr Bereiche vordringt. Die jüngsten Umsatz- und Ertragszahlen waren mal wieder phänomenal. Ein erneuter Rekordgewinn – und damit ist Amazon nach Apple das wertvollste Unternehmen der Welt.

Sehenswerte ARD-Dokumentation; Rechte: WDR

Sehenswerte ARD-Dokumentation

Jeff Bezos wird immer reicher

Doch wie erreicht Amazon das? Es ist wohl unbestreitbar, dass Amazon unzählige Buchläden, CD-Shops, Videotheken und andere Ladenlokale auf dem Gewissen hat. Sie sind einfach verschwunden – und mit ihnen die Arbeitsplätze. Aber auch die Kultur hat sich verändert: Wer online einkauft, unterhält sich nicht mit anderen Menschen. Wer bei Amazon auf „Bestellen“ klickt, lässt sich die Waren von Menschen nach Hause bringen, die kaum etwas verdienen. So etwas verändert die Gesellschaft. Die ARD-Reportage Das System Amazon gibt eindrucksvolle Einblicke.

Und einer verdient daran: Jeff Bezos. Der Löwenanteil von Amazons Gewinnen kommt mittlerweile nicht aus dem direkten Versand, sondern aus Gebühren und anderen Quellen. Amazon verdient mit seinem Cloud-Geschäft. Mit Werbung auf Amazon. Und mit Gebühren, weil immer mehr Händler auf Amazon ihre Waren feilbieten. Die meisten Händler sind heute nämlich regelrecht gezwungen, ihre Waren (auch) auf Amazon anzubieten – und müssen dafür ordentliche Summen bezahlen.

So ist das, wenn man ein Quasi-Monopol besitzt. Man profitiert, wächst, verdient. Bedenkt man dann noch, dass Amazon kaum bis keine Steuern zahlt, könnte (und sollte man) ärgerlich werden. Es geht nicht an, dass ein Unternehmen im großen Stil die Infrastruktur verändert, ja zerstört – und alle Gewinne für sich behält. Das ist schlichtweg unanständig.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Manfred Vandersee am

    Amazon ist im wesentlichen so erfolgreich, weil es eines der wenigen Verkaufsportale ist, dessen Technik reibungslos funktioniert. Die gute Technik und die Verkaufsabwicklung ist absolut konkurrenzlos. Das Webportal funktioniert, die Ware kommt sehr schnell und selten gibt es Fehler in der ganzen Verkaufsabwicklung. Wenn dann doch mal ein Fehler passiert, ist Amazon recht kulant mit der Retourierung. Kaum ein anderes Online Verkaufsportal versucht es, in Sachen Technik mit Amazon mitzuhalten. Die Kundschaft wird so verärgert und geht dann zum Anbieter, der den Online Handel mit weitem Abstand eben am allerbesten versteht.

  2. >>Privatvermögen. Das ist obszön.<>und alle Gewinne für sich behält. Das ist schlichtweg unanständig.<<.
    Ist schon erschreckend, wie mit unseren Rundfunkgebühren Linke Propaganda finanziert wird. Jeff Bezos macht genau das, was jeder anständige Mensch macht – Er strebt nach Erfolg. Würde ich genau so machen. Das Problem ist nicht Amazon, das Problem ist, daß es keine Wettbewerber gibt, die Amazon Marktanteile abjagen. Wenn man die Preise in anderen Internetshops sieht, wird klar, warum es keine Kunkurrenz gibt. Die anderen sind einfach zu teuer. Würden die anderen Internetshops die Preise nur etwas senken, dann hätten wir auch die Möglichkeit dort einzukaufen.

    • Wie praktisch, wenn es Schubladen wie „links“ oder „rechts“ gibt — und je nach eigener Position alles andere automatisch disqualifiziert ist. Ich finde 150 Mrd Dollar Privatvermögen obszön – erst recht, wenn man bedenkt, wie gewaltig die gesellschaftlichen Umwälzungen sind, die damit einher gehen. Wem das egal ist, der hat davon vermutlich eher profitiert – und fühlt sich nicht so leicht verantwortlich für irgendwas. Survival of the fittest.

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Man kann es nur immer und immer wieder wiederholen: Ausbeutungsfirmen werden nicht von selbst groß – es sind immer WIR, die sog. „Kundschaft“, die sie mächtig machen.
    Folglich müssen sich alle, die bei Amazon „Accounts“ unterhalten oder/und dort einkaufen, an die eigene Nase packen.
    Das einzige, was hilft, sind also: ABSTINENZ & BOYKOTT!
    Wer das nicht tut und so meist aus schierer Faulheit und Bequemlichkeit zur übelsten Ausbeutung von Menschen ebenso Beihilfe leistet wie zu immer noch mehr Autoverkehr – die und der machen sich MITSCHULDIG an den von Jörg Schieb zu recht beklagten Zuständen-
    abgesehen davon, daß er und sie sich freiwillig auch noch sämtlichen Totalüberwachungspraktiken und Manipulationen ausliefern…: SCHÄMT EUCH!

  4. Shopping! am

    Mit Amazon ist das so eine Sache. Ich bekomme dort Sachen, die ich sonst nirgendwo bekomme. (Was natürlich auch bedeutet, ich gebe dort Geld aus, das ich sonst nicht ausgeben würde.) Und ich bekomme Alles nach Hause. Für das Aussterben meiner geliebten Platten- und Bücherläden mache ich aber eher Mediamarkt/Saturn bzw. Thalia verantwortlich als Amazon.
    Die Steuerfrage ist eine Sache der Globalisierung und der entsprechenden Schlupflöcher. Da fehlt schlicht der Wille etwas daran zu ändern. Amazon kann man das kaum vorwerfen. Die Anderen machen es ja auch.
    Der Marketplace ist natürlich schon eine unmittelbare Auswirkung des Monopols. Eine Lösung dafür dürfte schwer zu finden sein.

  5. K. Leinvieh am

    Was ich nicht verstehe.
    Gerade im persönlichen Bereich treffe ich immer mal wieder auf Ältere, die sich beschweren, „Eisen Karl“ ist weg, der nette Fernseherladen ist weg, früher war alles besser.
    Und ausgerechnet diese Leute sind dann stolz, wenn sie was günstig bei Amazon gefunden haben.
    Anders herum „bescheißt“ Klempner Karl auch die Leute, indem er für Entfernen einer scheppernden Münze aus der Waschmaschinenwanne 70 Euro abknöpft und der „nette Fernseherladen“ den Schwiegereltern ein 4 Jahre altes Auslaufmodell extrem überteuert andreht, was ungefähr Amazonpreis+80% ausmacht.
    Da fragt man sich wer der Böse ist.

    Aber nebenbei:
    Herr Schieb, ich hoffe Sie haben ihre Steuern gezahlt.
    Hier eine Neidkampagne über Reichtum und Steuern zu betreiben ist schäbig.
    Warum haben Sie kein Amazon erfunden, oder warum haben Otto und Quelle das Internet verschlafen.
    Da sollten Sie lieber einen Sommerlochsartikel über Winterkorns Steuern und Dieselelektronik schreiben.

    • Sie sind also der Meinung, es sei besser, wenn einer im großen Stil bescheisst und Milliardenbeträge anhäuft – anstatt zigtausende in aller Welt, die damit zigtausende von Familien ernähren? Mal ganz abgesehen davon, dass ich Ihnen nicht zustimmen möchte, was Ihr doch sehr generelles Urteil über die Ehrlichkeit von Handwekern betrifft. DIe von Ihnen skiziierten Handwerter reparieren wenigstens. Schicken Sie mal die online gekaufte Waschmaschine per Post zur Reparatur zurück…

      Ich kann SIe beruhigen: Ich bin völlig neidrei, das kann ich wohl mit Fug und Recht sagen. Ein Vermögen von 150 Milliarden Dollar halte ich für obszön. Generell. Das kann niemals „ehrlich“ verdient sein, das kann immer nur das Ergebnis von Ausbeutung sein, Ressourcen oder Menschen – meistens beides. Und ja: Ich zahle Steuern. So wie das fast jeder Freiberufler/Angestellte macht. Das Privileg, Geld so lange hin und her zu schieben, bis keine Steuern mehr gezahlt werden müssen, haben – nahezu – nur Unternehmen. Wenn Sie das für richtig halten…. Ich halte es nicht für richtig. Im Gegenteil. Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern mit einem Sinn für Gerechtigkeit. Vkelleicht hier mal nachschlagen:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechtigkeit

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top