Was Kratzer in der Linse Facebook verraten

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Was Kratzer in der Linse Facebook verraten

Kommentare zum Artikel: 8

Wie machen die das nur – fragt sich manch einer, dem Facebook plötzlich einen längst aus den Augen verlorenen Ex-Kollegen, eine uralte Schulfreundin oder eine flüchtige Bekanntschaft aus der Kneipe aus dem Nachbarort vorschlägt. Es gibt keinen augenscheinlichen Link – trotzdem „sieht“ Facebook die Verbindung, sonst würde der Vorschlag nicht gemacht. Facebook kennt also nicht nur uns aus dem Effeff, sondern durchblickt offensichtlich auch unsere sozialen Verbindungen besser als wir selbst.

Jede Kameralinse hat individuelle Kratzer - die lassen sich erkennen; Rechte: Pixabay

Jede Kameralinse hat individuelle Kratzer – die lassen sich erkennen

Kleinste Unreinheiten in Fotos erkennen

Facebook nutzt Methoden, auf die man erst mal kommen muss. Beispiel: Fotos, die auf Facebook veröffentlicht werden. Laut einem Bericht des Tech-Blogs Gizmodo kann Facebook kleinste Kratzer auf der Fotolinse des Smartphones erkennen – selbst Staub reicht aus. Solche Kratzer oder Staubpartikel hinterlassen in den Fotos eine Art individuellen Fingerabdruck. Die Folge: Facebook kann erkennen, welche Fotos mit welcher Kamera gemacht wurden – und das kann äußerst aufschlussreich sein.

Sind Peter und Lisa mit derselben Kamera fotografiert worden – egal ob an komplett unterschiedlichen Orten und zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt -, besteht eine realistische Chance, dass sich die beiden kennen – und zwar über den Fotografen. Dieser Trick klappt zwar nicht immer, ist aber ein Hinweis, welche Tricks möglich sind. Es gibt noch viele, viele andere Hinweise auf engen oder losen Kontakt: Halten sich zwei Personen gleichzeitig am selben Ort auf? Besuchen sie regelmäßig – wenn auch nicht zeitgleich – dieselbe Bar? Oder den Sportverein? Selbst ob sich zwei Personen aktuell gegenübersitzen oder nebeneinander herlaufen, lässt sich durch Auswertung der Sensoren im Smartphone durchaus erkennen.

https://vimeo.com/248057554

Facebook sammelt alle Daten: Auch wo wir surfen – und nutzt die Erkenntnisse

Sitzen sich zwei User gerade gegenüber?

Es ist wirklich beängstigend. Zwar behauptet Facebook, keineswegs alle Methoden einzusetzen (etwa Gesichtserkennung) – doch gibt es viele technische Möglichkeiten. Welche Methoden Facebook und andere soziale Netzwerke nutzen, können wir nicht wissen. Doch die Tatsache, dass es solche Möglichkeiten überhaupt gibt, sollte Grund genug sein, über eine gesetzliche Regelung nachzudenken. Die Schnüffelmethoden klingen wie aus einem James-Bond-Film – sind aber real.

Wundern wir uns also besser nicht mehr, wenn Facebook uns mal wieder ferne Kontakte vorschlägt – erschrecken wir uns lieber.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

  1. Die Methode kann man prinzipiell mit der „Ballistik“ vergleichen, die einem Projektil und/oder einer Patronenhülse nahezu eindeutig die benutzte Schusswaffe zuordnen kann.
    Facebook bedient sich hier also kriminaltechnischer, sog. forensischer Methoden, die z. B. das FBI schon länger nutzt – sooo neu ist die Technik also nicht. ;)
    Siehe z. B.:
    archives.fbi.gov/archives/about-us/lab/forensic-science-communications/fsc/jan2009/research/2009_01_research01.htm
    Man kann sich, mit etwas Aufwand, dagegen wehren bzw. die Identifizierung erschweren:
    I) Manuell (mit jeder halbwegs gescheiten Bildbearbeitungssoftware):
    VOR dem Upload:
    1. Zeitstempel-/EXIF-Werte löschen bzw. manipulieren
    2. MEHRFACHES Bearbeiten/Abspeichern der Helligkeits- und Kontrastwerte
    oder
    II) Automatisiert, z. B. mit diesem Tool
    sourceforge.net/projects/prnudecompare

  2. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Unbedingte Zustimmung für alle drei Vorkommentierenden!!
    Ich bin erfreut zu lesen, daß P. Gedoehns und ich offenbar doch nicht die einzigen sind, die Smartphones + die asozialen Netwerke als das wahrnehmen, was sie eigentlich sind:
    SUCHT- und ÜBERWACHUNGSMITTEL, verziert mit Zückerchen, damit die Verführten es nicht merken – so wie Alkopops, bei denen das Suchtmittel Alkohol ebenfalls in Zucker versteckt wird.
    Wie P. Gedoehns hoffe auch ich natürlich, daß es bald und mehr AusteigerInnen geben wird, die begreifen, daß sie clean und abstinent besser leben – allein: Meine Wahrnehmungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Restaurants, mitten auf der Straße und in den Hörsälen, in denen ich meine Vorlesungen halte, lassen diese Hoffnung derzeit noch als nicht begründet erscheinen.
    Nach wie vor meine ich, daß Politik, Schulen und Medien und etwa die Stellen gegen Suchtgefahren hier Aufklärung betreiben müßten, und zwar genau so, wie das bezüglich der verstofftlichten Drogen Nikotin, Alkohol, Crystal Meth und Heroin auch geschieht: Ebenso wie diese braucht unsere Gesellschaft Smarthphones und asoziale Netzwerke ungefähr so nötig wie AIDS oder die Pest.
    Dem Aufklärungsauftrag kommt nur leider keine Institution nach.
    Stattdessen erscheinen die Institutionen ebenfalls wie besoffen von den Zückerchen, mit denen die Droge versetzt ist, und sogar der WDR, der wenigstens hin und wieder ein ganz kleines bißchen kritisch ist (Sucht-Alibi-Artikel…?), hat schändlicherweise immer noch einen Facebook-Account, und die Politik fordert ganz unverhohlen die Verdigititalisierung, sprich: das ANFIXEN, aller Schülerinnen und Schüler…. :-((

    • P. Gedoehns am

      Zitatanfang: SUCHT- und ÜBERWACHUNGSMITTEL, verziert mit Zückerchen, damit die Verführten es nicht merken – so wie Alkopops, bei denen das Suchtmittel Alkohol ebenfalls in Zucker versteckt wird. Zitatende

      Besser kann man es nicht ausdrücken, wenn sich Milliarden Menschen freiwillig ausspähen lassen und noch immer glauben, Facebook, Whatsapp, Smartphones sowie Smarthome-Baugruppen wären zu ihrer Bespaßung gedacht und um ihnen das Leben zu erleichtern.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Sorry, da war ich in der Zeile verrutscht:
        Meine Antwort auf IHREN Kommentar „P. Gedoehns am 04.02.2018 12:21“ findet sich versehentlich HIER:
        „SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am 05.02.2018 13:13“

  3. Raymond Kerrin Larum am

    Willkommen in der Welt die niemand will, in der aber zu wenige begreifen, dass nur ein Verzicht darauf, diese Welt ändern kann.

    • P. Gedoehns am

      100% Zustimmung!
      Leider ist es so, dass man von besonders erfolgreich manipulierten Menschen sogar mitleidig angeschaut wird, wenn man ihnen mitteilt, dass man kein Facebook, kein Whatsapp und kein Smartphone hat und dieses auch nicht haben will. Damit komme ich jedoch sehr gut klar.
      Erfreulicherweise ist aber auch zu erkennen, dass man teilweise beneidet wird, wenn man wie ich nicht in diese Digital-Sucht verfallen ist. Das lässt sich mit einem Raucher vergleichen, der gerne aufhören möchte, es aber nicht schafft und den Griff zu seiner ersten Zigarette bereut.
      Gott sei Dank gibt es immer wieder Menschen, die sich das Rauchen abgewöhnen. Ich hoffe, das geschieht bei der Digital-Sucht bald ähnlich.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Ich danke für den Zuspruch, den alle, welche noch die Wirklichkeit wahrnehmen (können) UND das auch äußern, sehr gut brauchen können.
        Aber allein einen solchen Satz zu äußern, bringt uns ja bereits den Vorwurf der Überheblichkeit ein; zudem tun sich die Abhängigen zusammen und zeigen mit den Fingern (sofern die mal gerade nicht mit dem Suchtphone beschäftigt sind, heißt das) auf UNS – genau so, wie Alkohlabhängige in Kneipen und auf Feten sich zusammentun und die Nichttrinkenden als „Spaßbremsen“ verunglimpfen – warum?
        Weil Süchtige immer andere Süchtige als Zech- oder eben: „Daddel-„-Kumpane brauchen, um die eigene Sucht nicht wahrnehmen zu müssen.
        Es ist hohe Zeit, daß sich Selbsthilfegruppen Anonymer Smartphoneabhängiger gründen – oder gibt es die gar schon? – , und daß sich der Widerstand gegen SUCHT und ÜBERWACHUNG nicht nur sporadisch in Blogs wie diesem äußert, sondern sich ORGANISIERT – man lese insoweit unbedingt die einschlägigen Bücher und besuche hilfreiche Seiten; hier die Liste der wichtigsten:

        BÜCHER (gemeint sind RICHTIGE Bücher aus sog. „Papier“!):
         Cachelin, Joël Luc, Offliner – Die Gegenkultur der Digitalisierung, Bern 2015
         Diefenbach, Sarah; Ullrich, Daniel, Digitale Depression – Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern, München 2016
         Evers-Wölk, Michaela; Opielka, Michael, Neue elektronische Medien und Suchtverhalten, Forschungsbefunde und politische Handlungsoptionen zur Mediensucht bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsene, Baden-Baden 2016
         Keen, Andrew, Das digitale Debakel – Warum das Internet gescheitert ist – und wie wir es retten können, München 2015-
         Markowetz, Alexander, Digitaler Burnout – Warum unsere permanente Smartphone- Nutzung gefährlich ist; Mitarbeit: Ann-Kathrin Schwarz u. Jan F. Wielpütz, München 2015
         Welzer, Harald, Die smarte Diktatur – Der Angriff auf unsere Freiheit, Frankfurt a.M. 2016
         Spitzer, Manfred, Cyberkrank! – Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert, München 2015
         te Wildt, Bert, Digital Junkies – Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder, München 2015

        LINKS:
         Fachverband Medienabhängigkeit e.V. (mit zahlreichen weiteren Literaturnachweisen und Verlinkungen)
         HSO e.V. – Hilfe zur Selbsthilfe bei Onlinesucht! (mit zahlreichen weiteren Literaturnachweisen und Verlinkungen)

  4. Kein Mensch braucht unbedingt Facebook!
    Aber Facebook braucht unbedingt (immer und noch mehr) sorglose Menschen, die nahezu jedes Marketingexperiment mit ihrer Persönlichkeit und ihren Daten zulassen.
    Und dieses Konzept funktioniert (immer noch und immer besser), was das Schlimmste daran ist!

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