Was weniger Text für ARD und ZDF bei Google bedeutet

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Was weniger Text für ARD und ZDF bei Google bedeutet

Kommentare zum Artikel: 7

Es sind jetzt schon Monate, und noch immer ringen die Bundesländer um einen neuen Rundfunkstaatsvertrag – und damit um den zukünftigen Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio. In der Diskussion geht es vor allem um die Onlineaktivitäten. Um den jahrelangen Streit darüber beizulegen, hatte zuletzt unter anderem der WDR die Textlänge pro Seite beschränktwas auch zu deutlicher Kritik führte.

Eine der zentralen Fragen lautet: Wie viel Text dürfen öffentlich-rechtliche Sender ins Netz stellen? Und ein Aspekt wurde dabei bisher kaum diskutiert: Weniger Text im Netz bedeutet auch eine schlechtere Position, wenn es um Suchmaschinen geht. Damit würden öffentlich-rechtliche Inhalte also weniger sichtbar.

Dazu muss man wissen, wie vor allem Google grundsätzlich arbeitet und seine Suchergebnisse sortiert: indem es über einen recht komplexen Algorithmus versucht, jede einzelne Webseite in ihre Einzelteile zu zerlegen. Dabei will Google unter anderem herausfinden, worum es inhaltlich geht und ob die Seite ihren Nutzerinnen und Nutzern auch eine gute Menge an relevanten Informationen liefert. Und bei genau dieser Prüfung spielt Text eine zentrale Rolle – denn je mehr davon vorhanden ist, desto größer ist auch die Datenbasis, um eine Seite bewerten zu können. Viele Suchmaschinenexperten sprechen dabei von einem Minimum von 300 Wörtern.

https://www.youtube.com/watch?v=pFYyUTCq1ws
Die Politik arbeitet an Reformen und will Programmauftrag und Online-Aktivitäten neu regeln: 2018 könnte ein entscheidendes Jahr für die Öffentlich-Rechtlichen werden.

Die Länge der Texte allein ist natürlich nicht der einzige Faktor – und auch nicht der wichtigste. Relevant für Google ist vor allem auch die Frage, wie oft eine Webseite im Netz verlinkt wird – schließlich spricht das für Relevanz. Und es gibt viele weitere Faktoren. Google arbeitet außerdem daran, auch andere Inhalte wie Videos oder Audios immer besser erkennen zu können – gegenüber klassischem Text steht die Entwicklung da aber noch zurück.

Ein Angebot mit Text und ergänzenden Fernseh- und Radioinhalten ist deshalb für Suchmaschinen wie Google erst einmal besser aufgestellt, als ein Angebot, das sich auf Videos und Audios konzentriert und dazu ein paar ergänzende Texte liefert. Ein Onlineangebot, wie es sich manche zurzeit für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstellen, wäre also auch ein weniger sichtbares Onlineangebot.

Auch dieser Faktor sollte bedacht werden, wenn es um die Zukunft von ARD, ZDF und Deutschlandradio im Netz geht. Schließlich haben die öffentlich-rechtlichen Medien laut Rundfunkstaatsvertrag den Auftrag, als „Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken“ und „allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft“ zu ermöglichen. Das alles geht auch nur, wenn die Öffentlichkeit, um die es hier geht, die Onlineangebote auch finden kann.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

7 Kommentare

  1. Clemens Ratte-Polle am

    Man sucht ja auch meist nach Text!
    Weniger Text bedeutet von daher sowieso weniger Treffer-Wahrscheinlichkeit.

    Letztens wieder festgestellt, wie wichtig ÖR-Internet ist, auf der Suche nach politischen Schlagworten, wo ich zum Glück Das Erste drunter fand mit harten Fakten, statt den anderen Treffern von Zeitungen, die allesamt reißerisch tendenziös und voll mit Werbung waren! :)

    Die ÖR haben keine Online-Werbung.
    Dieses Marktfeld wollen sich nicht nur die publizierenden Verlage vergolden, sondern erst recht die werbenden!
    Da stören die ÖR als „Werbeleertreffer“ (mein Medien-Neologismus-Copyright! ;) natürlich.

    Die ÖR müssten nun noch weiter gehen und jedes Wort in Videos und Audios 1 zu 1 darunter „abdrucken“, also suchfähig machen :)
    Dies wäre doch nach Rundfunkstaatsvertrag erst recht möglich.
    Und außerdem zum Link zur srt-Untertitel-Datei verlinken :)

  2. Wolf-Dieter Roth am

    Schon die Beschränkung auf 7 Tage macht das ÖRR-Angebot für eine webtypische Verlinkung und Suchmaschinen wertlos.

    Ich würde euch gerne vollwertige Websiten gönnen – solange ihr mir nicht mehr an die Wäsche und den Geldbeutel wollz, alle meine E-Mail-Accounts einkassieren und in meinem Namen und mit meiner Kreditkarte auf Amazon, Ebay etc. Zugriff haben wollt.

    Derartige Machtgelüste eurer Chefs (der normale Mitarbeiter kann nichts dafür) haben zu diesen für alle kontraproduktiven Einschränkungen geführt. Wenn man als Angestellter eines „normalen“ Verlags vom ÖRR als Teufel bekämpft wird, dann gehen die Chefs der Verlage ebenso brutal gegen die ÖRR vor.

    Leider gibt es wohl keinen Frieden, bis alle beide Seiten am Boden liegen. Und der Journalismus in der heutigen Form nicht mehr existiert.

    • Dennis Horn am

      @Wolf-Dieter Roth: Die Entscheidung über den Rundfunkbeitrag und die Frage, wie er erhoben wird, trifft nicht der öffentlich-rechtliche Rundfunk, sondern die Runde der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten.

      • Wolf-Dieter Roth am

        @Dennis Horn: Mit dem Rundfunkbeitrag habe ich kein Problem. Ich habe ja selbst erfahren, wie der Rundfunk in den USA ist und was wir am hiesigen ÖRR haben, bis man auch diesen Artikel offline klagte.
        Aber damit, mir einfach direkt alle Zugangsdaten und selbst privateste Dinge abphishen und konfiszieren zu wollen. Und mit der ganzen Häme und Bosheit von Eva-Maria Michel, Fritz Pleitgen und Dr. Adrian Fitkenscher sowie den beteiligten Richtern und Rechtsanwälten.
        Tröstet mich, daß nicht jeder den Fall kennt, obwohl er selbst in der Wikipedia steht, aber das wäre nie so fies verlaufen, wenn ich nicht (damals noch) bei einem Verlag angestellt gewesen wäre. So war ich der zu vernichtende Feind für diese Leute. Möchte nicht wissen, wie die erst mit Leuten umgehen, die dem ÖRR nicht wohlgesonnen sind…aber vor denen haben sie wohl Angst und behandeln sie anständig.

        • Dennis Horn am

          @Wolf-Dieter Roth: Oh, der Fall war mir in der Tat nicht bekannt. Ich würde dazu neigen, das Thema hier und Ihren Fall getrennt zu betrachten. Ich persönlich schätze Kolleginnen und Kollegen aus den Verlagen im Übrigen oft sehr.

          • Wolf-Dieter Roth am

            Nun, das, was man mit mir gemacht hat udn weshalb ich heute auch kaum mehr als Journalist arbeiten kann, weil jeder Angst hat, daß vertrauliche Dinge an mich vielleicht wieder per e.V. von Ihrem Sender eingesackt werden, zeigt eine extreme Einstellung: „wir sind hier die Götter, und Du hast uns nicht zu sagen, daß uns irgendwas – Dein Amazon-Paßwort, die sexuellen Wünsche Deiner Freundin, die Anweisungen Deines Chefs,… nichts angehen“.

            Will gar nicht weiter darauf eingehen, was da so alles gesagt wurde, aber es gibt da nicht mal ein Grundverständnis für die Welt, in der normale Menschen leben und die nicht gleichzeitig an ihrem Arbeitsplatz und zuhause sein können, um irgendwelche Abmahnschreiben entgegenzunehmen. („Dann müssen Sie halt jemand einstellen, der zuhause unsere Post entgegennnimmt“) – ja, diese Leute können sich wohl Gärtner, Köchin, Kindermädchen und Postbeauftragten leisten, aber doch kein normaler Arbeitnehmer!

            Es wurde dann auch von ÖRR-Mitarbeitern, die mir nicht einmal feindlich gesinnt sind (also nicht die drei obengenannten) gesagt, ich sei ein Gegner des ÖRR-Systems.

            So ein Blödsinn! Ich halte das ÖRR-System für das beste Rundfunksystem, das momentan existiert. Nur damit der Staat da nie wieder reinreden kann wie 1933 hat man den Chefs so umfassende Macht gegeben, daß nun niemand dort mehr eingreifen kann…

            Ich denke, das Verhältnis zwischen ÖRR- und Verlagsmitarbeitern war vor 2000 nie problematisch und ist auch heute noch meistens ok. Aber es werden da halt auch Mauern aufgebaut. Und solche Aktionen wie seinerzeit haben nicht nur dazu geführt, daß die KEF dann 350 Mio. für Online gestrichen hat, sondern daß halt die Verleger wirklich eine Gefahr sehen. Denn so machtbesessen wie manche ÖRR-Chefs ist sonst höchstens mal ein Leo Kirch gewesen. Der ist aber m.W. nicht auf einzelne Angestellte so losgegangen.

            Naja, ich mag es auch nicht weiter ausführen, ärger mich ja selbst viel zu sehr, und ist ja nur PR für die, die am Hebel sitzen. Solange ich so bei Ihnen schreibe und hier den Traffic steigere, statt für mich zu arbeiten und was zu verdienen oder mit meinen Freunden und Familie, gewinnen ja nur die. Aber ich will einfach nur daran erinnern, wer den Online-Krieg („Online-Offensive“ hieß es damals, und eine Offensive ist ein Angriffskrieg) angefangen hat. -> Die Verleger waren es nicht…

  3. Nicht unerheblich ist auch, mit welchen Suchbegriffen der Nachrichteninteressent die Suchmaschine „füttert“. Wer z B. auf google.de „skripal“ eingibt, findet den ersten ÖR-Treffer im unteren Drittel der Suchergebnisse von Seite 1.
    Wer, erweiternd, nach „skripal gift“ sucht, findet einen Tagesschaueintrag ganz oben in den Google-Schlagzeilen.
    J e d e r möchte doch auf Seite 1 gefunden werden – der Platz ist nun mal begrenzt … und hart umkämpft. Wer erst auf Ergebnisseite 3 erscheint, hat doch eigentlich schon verloren, zumindest im Newsbereich.
    Google ist (leider) immer noch die Suchmaschine Nr. 1 (mit bedenklicher Quasi-Monopol-Stellung), was freilich auch einem genialen Marketing (mit einer Vielzahl von bequemen „Gratis“-Cross-Over-Angeboten) zu verdanken ist, aber letztlich nur noch durch alternatives Nutzerverhalten (z. B. bei der Auswahl von Standardsuchmaschine, E-Mail-Dienst etc.) aufzuhalten ist bzw. wäre.

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