Wenn Roboter menschlich werden

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Wenn Roboter menschlich werden

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Roboter, die unermüdlich in Werkhallen ackern kennt man überall auf der Welt. Aber Roboter im direkten Kontakt mit Menschen, sogar im Pflegebereich, im Krankenhaus, im Altersheim: So etwas habe ich zuerst im technikbegeisterten Japan gesehen. Das aber schon vor Jahren.

In Japan haben sich Ingenieure früher als anderswo getraut, Roboter soziale Aufgaben übernehmen zu lassen. Der Grund dafür ist ein ganz praktischer: Die japanische Bevölkerung altert schneller und dramatischer als hierzulande. In Japan ist der Druck deutlich höher, im Pflegebereich effizienter zu arbeiten.

Roboter auf der Spielwarenmesse: Der hier wird nicht selbst zusammengebaut

Roboter im Pflegebereich

In Japan heben deshalb schon lange Roboter Patienten aus dem Bett, sie helfen Menschen beim Gehen, bringen Essen und Getränke, sie erkennen zuverlässig medizinische Notfälle und helfen dem Pflegepersonal bei schwierigen Aufgaben.

Damit das funktioniert, damit die Menschen die Maschinen in ihrer Nähe akzeptieren, haben sich die Entwickler in Japan sehr früh mit der Frage beschäftigt, wie diese Roboter mit den Menschen kommunizieren können. Wie so etwas wie ein Vertrauensverhältnis entstehen kann. Viele Roboter im Pflegebereich sehen deshalb humanoid aus, teilweise sogar mit menschlichem Antlitz, Gesicht. Viele Pflege-Roboter können lächeln – und erkennen die Mimik ihres Gegenübers.

Humanoid aussehende Roboter kommunizieren direkt mit uns

Human Robot Interaction (HRI)

Daraus ist eine eigene Disziplin geworden, die sich „Human Robot Interaction“ nennt. Hier stellt man sich wichtige Fragen. Wie zum Beispiel müssen sich Roboter bewegen, in welchem Tempo, damit wir Menschen die Roboter nicht als Bedrohung wahrnehmen, sondern als angenehm? Es macht halt einen Unterschied, ob ein Glas blitzschnell oder in einem angemessenen Tempo angereicht wird. Die in Japan gesammelten Erfahrungen werden mittlerweile weltweit geschätzt und genutzt, um die Akzeptanz von Robotern im Alltag zu erhöhen.

Der Roboter-Trend schwappt mittlerweile auch zu uns nach Europa. Das Assistenzroboter „Pepper“ zum Beispiel, der darauf spezialisiert ist, Menschen und deren Gestik und Mimik zu analysieren, wird acht Monate nach der Markteinführung in Japan nun auch bei uns in Europa eingesetzt.

Er soll bei der französischen Bahn SNCF mit Kunden sprechen, in der Supermarktkette Carrefour Fragen beantworten und auf Kreuzfahrtschiffen zum Einsatz kommen. Pepper ist ein nur 1,20 Meter großer Kommunikations-Roboter, der 20 Sprachen spricht und auf Emotionen reagieren kann: Er berät, weist den Weg, beantwortet Fragen. Es hat etwas von Science-fiction, ist aber längst Realität. Rund 10.000 Pepper-Modelle sind bereits im Einsatz.

Dieser Roboter tanzt und hat flotte Sprüche auf Lager

Soziale Folgen durch Robotereinsatz

Dass Roboter in Zukunft immer mehr Arbeiten übernehmen, gilt aus ausgemacht – und stellt durchaus ein Problem dar. Spätestens dann, wenn Roboter günstiger sind als die menschliche Arbeitskraft. Die damit verbundenen sozialen Probleme sind vorhersehbar. Selbst Tech-Gurus wie Bill Gates oder Tesla-Chef Elon Musk warnen vor den möglichen Folgen.

Bill Gates hat vor kurzem eine Roboter-Steuer angeregt, um für den nötigen sozialen Ausgleich zu sorgen. Musk verlangt ein bedingungsloses Grundeinkommen. Zwei Menschen, die wissen, wie sehr Technologie die Welt verändern können, in der wir leben. Wir sollten ihre Warnungen ernst nehmen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Vielleicht darf man einmal daran erinnern, daß die vielgeschmähte SPD bereits in den 70er Jahren eine „Maschinensteuer“ gefordert hatte, mit der die Ersetzung von Menschen durch Maschinen ausgeglichen werden sollte.
    Insofern ist Bill Gates‘ „Robotersteuer“ schon fast ein alter Hut.
    Daß die SPD – wiewohl an der Regierung – die Maschinensteuer nicht durchsetzen konnte, dürfte wohl am – wieder einmal – erfolgreichen Widerstand der Wirtschaft gelegen haben.
    Womöglich droht heute Ähnliches, also müssen wir aufpassen, sonst stecken wieder die Wenigen alles Geld, das allen zusteht, in die eigenen Taschen.
    Allerdings fragt man sich natürlich auch, wer den all‘ die von Robotern produzierten und erbrachten Produkte und Dienstleistungen gegen BEZAHLUNG in Anspruch nehmen soll, wenn alle potentiellen KundInnen ja dadurch Arbeit und Verdienst verloren haben werden….
    Um unsere Menschlichkeit zu bewahren, sollten wir Menschen vieles in der eigenen Hand behalten und Abgegebenes zurückholen, statt daß soo viele von uns sich soo dermaßen der regelrechten Vergottung alles Digitalen anheimzugeben, daß sie darüber blind und taub gegenüber dem werden, was sie da selbst heraufbeschwören..
    Martin Buber hat sogar schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts vor der Metamorphose des Menschen zum „Maschinenmenschen“ gewarnt:
    Wie – leider! :-( – überhaus hellsichtig…

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