Wenn Schüler sich im Internet bedienen…

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Wenn Schüler sich im Internet bedienen…

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Der Fall ist ein Klassiker und eignet sich meiner Meinung daher perfekt für eine Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH): Eine Schülerin findet im Internet ein Foto der spanischen Stadt Córdoba und fügt diese Aufnahme (sogar unter Angabe der Quelle) in ihr Referat ein. Später erscheint die Arbeit samt Foto auf der Webseite der Schule (Gesamtschule Waltrop). Der Berufsfotograf, der das Foto gemacht hat, klagt nicht nur auf Unterlassung und Schadenersatz, weil seine Urheberrechte verletzt wurden, sondern berechnet der Schule auch noch die üblichen Anwaltsgebühren. Ein (leider) ziemlich alltäglicher Vorgang.

Dürfen Schüler einfach so Inhalte aus dem Netz nutzen?; Rechte: Pixabay

Dürfen Schüler einfach so (=unentgeltlich) Inhalte aus dem Netz nutzen?

Am besten europaweit regeln

Der Bundesgerichtshof hat den Fall bereits verhandelt und ihn nun dem EuGH vorgelegt. Das ist gut so, denn solche Fälle regelt man am besten europaweit einheitlich. Klar, streng genommen hat die Schülerin die Urheberrechte verletzt – spätestens, als das Foto auch auf der Webseite erschienen ist. Nur: Wie herzlos muss man sein, eine Schule/Schülerin zu verklagen, anstatt froh und stolz zu sein, dass die eigene Arbeit dort wahrgenommen wird und zu sehen ist? Oder einfach darum zu bitten, das Foto wieder zu entfernen…

Doch das ist eine Charakterfrage und keine juristische. Der Jurist will wissen: Was geht und was geht nicht. Fakt ist: Schulen in Europa sind chronisch klamm. Das ist zweifellos ein politisches Armutszeugnis. Niemand käme aber auf die Idee zu verlangen, dass Stuhlhersteller Schulen ihre Stühle kostenlos zur Verfügung stellen oder dass Lehrer kostenlos unterrichten. Also sollten auch Urheber nicht leer ausgehen, wenn ihre Arbeit in Schulen genutzt wird. Jedenfalls nicht grundsätzlich. Allerdings sollten auch keine Honorare wie in der Wirtschaft erwartet werden.

Datenschutz bei Kindern und Jugendlichen; Rechte: WDR

Angeklickt: Datenschutz bei Kindern und Jugendlichen

Befreit die Schulen – und bezahlt die Rechteinhaber

Es gibt nun den Vorschlag, Schulen generell von der Verpflichtung freizustellen. Sie sollen beim Gebrauch von Texten, Videos, Fotos etc. keine Lizenz bezahlen müssen. Das geht in die richtige Richtung, denke ich. Besser und richtig fände ich allerdings, wenn für die Schulen in eine Art europäischen Kulturtopf eingezahlt wird – von den Staaten, selbstverständlich. Das Geld wird fair auf die Rechteinhaber verteilt (Autoren, Musiker, Fotografen). Dafür dürfen sich die Schulen frei bedienen – und müssen keine juristischen Konsequenzen befürchten. So hätten alle etwas davon.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat anders entschieden. Es gibt keine Ausnahmen beim Urheberrecht – auch nicht für Schulen. Daher ist vorher um Erlaubnis zu fragen und ggf. eine Lizenz zu zahlen. Das Gericht hat juristisch konsequent entschieden. Jetzt sollte die Politik ran – und das Recht neu regeln. Schließlich möchte man medienkompetente Kinder haben. Das Urheberrecht neu regeln, bitte!

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. Schülerin am

    “Dieses Beispiel zeigt aber gerade auch wieder einmal sehr schön die Medieninkompetenz der Lehrer.” … die Medieninkompetenz der Lehrer: Ein wunderbar generalisierendes Lehrer-Bashing. Sie haben offenbar im Unterricht nicht gelernt, wann man vorsichtig mit Verallgemeinerungen sein muss. Und, was noch viel wichtiger ist: warum das wichtig oder sinnvoll ist.

  2. ScroogeMcDuck am

    Dieses Beispiel zeigt aber gerade auch wieder einmal sehr schön die Medieninkompetenz der Lehrer.
    Denn das richtige Vorgehen hätte sein müssen, den Schülern an dieser Stelle gleich beizubringen, dass man eben nicht einfach irgendein Bild aus dem Internet verwenden kann und darf, jedenfalls nicht, wenn man es mit Außenwirkung präsentiert.
    Hier hätte man also gleich Einiges lehren können: Bildrecherche an sich, Recherche zu den den verschiedenen Lizenzen (was bedeutet welche Lizenz, was sind gemeinfreie Medien, wie finde ich diese), und vielleicht hätte man sogar im Vorfeld den Fotografen kontaktieren und nach den Konditionen fragen können.
    _Das_ wäre dann ein Schritt hin zu medienkompetenten Kindern gewesen!

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