Weshalb wir Mark Zuckerberg nicht trauen können

https://blog.wdr.de/digitalistan/weshalb-wir-mark-zuckerberg-nicht-trauen-koennen/

Weshalb wir Mark Zuckerberg nicht trauen können

Kommentare zum Artikel: 18

Facebook ist der Ort, an dem man leicht jede Scham verliert. Wo Anstand keine Rolle spielt. Wo es nur um ein Sache geht: zu kommunizieren – egal, ob es anderen schadet. Wissen wir eigentlich alles nur zu gut – und stecken unsere Nase trotzdem immer wieder bei Facebook rein. Doch kaum jemand betreibt den Wahnsinn derart rigoros – und das ist dann schon wieder konsequent – wie Mark Zuckerberg selbst. Der Facebook-Chef ist nun zum zweiten Mal Vater geworden und hat – wieder einmal, wie schon bei seinem ersten Kind – ein Bild und ein paar als rührend gedachte Worte veröffentlicht. Eine Art öffentliche Geburtsanzeige im „Fratzenbuch“, wie Kritiker gerne sagen.

Posted by Mark Zuckerberg on Montag, 28. August 2017

Geburtsanzeige auf Facebook

Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan sind also zum zweiten Mal Eltern geworden. Schön für sie. Aber muss man sich mitfreuen? Wohl kaum. Wie die nun vierköpfige Familie aussieht, mit der neugeborenen Tochter namens August („Die Erhabene“), können wir dort alle sehen. Stellt sich allerdings die Frage: warum? Klar: Wir sind ja befreundet. Auf Facebook sind alle mit Mark Zuckerberg „befreundet“. Ganz automatisch. Ein paar warme Worte, dass August es gut haben soll, dass sie nicht so schnell groß werden soll etc. gibt es auch noch. Was Eltern so normalerweise denken und tun – nur in der Regel deutlich diskreter. In einem Rahmen, der angemessen ist.

Mark Zuckerberg und seine Frau wählen den öffentlichsten Weg, den es gibt: Facebook. Sie missbrauchen ihr Kind. Erst wenige Stunden alt, wird es bereits ungeniert für Marketingszwecke genutzt. Das schutzlose Kind kann sich nicht wehren. Die Eltern entscheiden – und machen einen riesigen Fehler. Das Interesse, für Facebook die Werbetrommel zu rühren, ist offensichtlich ungleich größer als ihre Fürsorge für den Nachwuchs.

Meiner Ansicht nach hat das Foto rein gar nichts auf Facebook verloren. Schon gar nicht in Kombination mit den geschwurbelten Worten für eine bessere Welt: Die Zuckerbergs wünschen sich, dass ihre Kinder in einer Welt „mit besserer Ausbildung, weniger Krankheiten, stärkeren Gemeinschaften und größerer Gleichheit“ aufwachsen. Esoterisches Gequatsche wie auf einem Schönheitswettbewerb. Sie wollen natürlich unterschwellig sagen: Seht her, wir sind eine ganz normale Familie, wir wollen wie Ihr, dass die Welt besser wird. Mit Facebook – natürlich. Guter Witz.

Facebook-LöschzentrumKämpfer für eine bessere Welt? Das ist Facebook wohl ganz sicher nicht

Eine obszöne Methode

Wie absurd. Ausgerechnet Mark Zuckerberg will die Welt besser machen. Der Mann, der Facebook erschaffen hat. Der dafür sorgt, dass im Eiltempo die Privatsphäre verloren geht, dass sich Narzissmus ausbreiten kann, dass folgenlos gepöbelt, gelogen und gehetzt werden kann. Weltweit. Der sich gegen jede Verantwortung wehrt, so lange es nur möglich ist. Und dieser Mark Zuckerberg will mir erzählen, er setze sich für eine bessere Welt ein? Und damit ich ihm das abkaufe, hält er mir seine neugeborene Tochter unter die Nase? Das ist obszön. Es ist abstoßend. Widerlich. Es ist unmoralisch und dient ausschließlich dem Kommerz.

Kann man jemandem trauen, der seine eigenen Kinder derart schamlos verrät? Der sie nicht beschützt, sondern für die eigenen Zwecke einsetzt? Kann man wohl nicht, denn jemand, dem die Interessen seiner Kinder Wurscht sind, den kümmern auch nicht die Interessen seiner User – oder Kunden. So gesehen eine ehrliche Sache, diese Geburtsanzeige.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

18 Kommentare

  1. Ich hab mal ne Morddrohung bekommen und hab das Profil dann gemeldet. Ich bekam nur als Antwort, dass das Profil ok ist, obwohl es mehr als offensichtlich ein Fakeprofil ist. Es besteht bis heute. Dafür wurde mein Profil gesperrt, weil ich nicht mit meinem richtigen Namen registriert war und keine Personalausweiskopie hinschicken wollte. Der Morddroher wusste meinen richtigen Namen sehr wohl, er hatte mich ja auch mit diesem bei der Drohung in Fratzenbuch angeredet.

  2. Ich hab mal ne Morddrohung bekommen und hab das Profil dann gemeldet. Ich bekam nur als Antwort, dass das Profil ok ist, obwohl es mehr offensichtlich ein Fakeprofil ist. Es besteht bis heute. Dafür wurde mein Profil gesperrt, weil ich nicht mit meinem richtigen Namen registriert war und keine Personalausweiskopie hinschicken wollte. Der Morddroher wusste meinen richtigen Namen sehr wohl, er hatte mich ja auch mit diesem bei der Drohung in Fratzenbuch angeredet.

  3. I’m so sorry, I’m not a Facebook user. Aber schön, dass die User anfangen nachzudenken und dass sogar das Wörtchen „asozial“ benutzt wird. Merkt ihr langsam, wie klebrig dieser Berg ist? Hat was von Sekundenkleber ;)
    Danke für Ihren Beitrag, Herr Schieb, aber er dürfte für viele zu spät kommen. Trotzdem….weiterhin viel Spass beim asocializing ;)

  4. Harald Rosanowski am

    Vor wenigen Tagen sah ich erstmals auf einer Werbewand folgende Werbung von Facebook: „Sie stellen ein Bild ihrer Kinder auf Facebook ein und die ganze Welt sieht es. Mache Facebook zu deinem persönlichen Facebook – Familie.“ Ich bin nicht sicher, ob ich es wortgetreu aber jedenfalls ist es inhaltlich wiedergegeben.
    Da stellt sich Facebook wieder einmal als Bewahrer von Ehrlichem/Gutem mit dieser Empfehlung hin. Mag sein, dass dieser Hinweis auch etwas Gutes hat. Für mich ist es aber wieder nur ein weiterer Schritt, um zu umfassenden Informationen zu kommen. Facebook weiß also dann bald, wer alles zur Familie gehört. Und das ist für einige sicherlich interessant- zB Gestaltung von Werbung.

  5. Ulrike Kaiser am

    Genau – ich kann Jörg Schieb nur zustimmen!

    Aber unbedingt auch anderen Kommentaren hier:
    warum werde ich ansonsten im WDR überall mit Facebook-Ergüssen zugemüllt???

  6. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Wußten Sie schon?
    Niemand ist gezwungen, dieses asoziale Netzwerk zu nutzen!
    Und es kommt noch besser:
    Man kann seinen „Account“ stillegen-löschen-nicht-mehr-nutzen – und man bleibt am Leben!
    Nicht sehen wollen und/oder können das freilich die immer mehr werdenden Suchtkranken – denen muß man – wie AlkoholikerInnen – Ausstiegs-, Therapie- und Abstinenzmöglichkeiten bieten wie dies z.B. die Medienambulanz an der Uniklinik Bochum des Dr. Bert te Wildt tut.
    Im Übrigen schließe ich mich der Kritik meiner Vorredner an, die zu Recht bemängeln, daß ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der WDR allen Ernstes selbst Mitglied des asozialen Netzwerks ist und obendrein versucht, alle Zuschauenden anzufixen… :-(

      • Kann dem nur zustimmen. Alle öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland sollten ihre Mitmach- und Informationsmöglichkeiten nur außerhalb der (a)sozialen Netzwerke anbieten. Sonst schließen sie einen großen Teil ihrer Finanziers einfach aus. Das kann wohl kaum in Ordnung sein?!

  7. Der WDR hat immer mehr seine Kommentarmöglichkeiten, die oft als Ergänzung am Ende von vielen seiner Seiten erschienen waren, auf Facebook verlegt – schade. Denn ich habe mich früher hin und wieder gern dran beteiligt – will mir jetzt aber deswegen keinen Facebook-Account, den ich grundsätzlich nicht haben will, einrichten…

  8. Ein kluger Kommentar aus diesem Blog – selten genug zu lesen. Da fragt man sich nur, wieso der Betreiber dieses Blogs ständig nervende Werbung in seinen Nachrichtensendungen für Facebook macht und dort selbst präsent ist, anstatt die eigene Web-Präsenz zu perfektionieren (z.B. endlich mal den Flashplayer verbannen und die Qualität der Mediathek verbessern!)…

    • Natürlich ein erwartbarer und berechtigter Einwand. Ich mache mir auch so meine Gedanken um den richtigen Umgang. Nicht immer ist Komplettverzicht der einzig mögliche Weg. Aber er ist zu überdenken!

  9. Zuckerberg wunderte sich selbst über das kindlich-naive Vertrauen der Facebook-Nutzer und bezeichnete diese als „d u m b f u c k s“ – was dem deutschen Schimpfwort „Vollidioten“ entspricht)!
    Dazu folgender Chatausschnitt zwischen Zuckerberg und einem Bekannten aus den Anfängen von Facebook:
    (Quelle: Vargas, Jose A./ „The Face of Facebook“ / THE NEW YORKER / 20.09.2010)
    [Zitat]
    „…
    Zuck: Yeah so if you ever need info about anyone at Harvard
    Zuck: Just ask.
    Zuck: I have over 4,000 emails, pictures, addresses, SNS
    [Redacted Friend’s Name]: What? How’d you manage that one?
    Zuck: People just submitted it.
    Zuck: I don’t know why.
    Zuck: They „trust me“
    Zuck: D u m b f u c k s.“
    …“
    Ich bin heilfroh, dass ich mich dem „sozialen“ Netzwerk dieser zweifelhaften Person nie offenbart habe! Das Spielfeld (dieses angeblich alternativlos-unverzichtbaren „Kommunikationsmittels“ eines transatlantischen Wunderkindes) überlasse ich daher gerne den zuckerbergschen Jüngern, also seinen „dumb fucks“. ;)

    P. S. Schon im Welchering-Beitrag vom 28.10.16 („Falsche Freunde von Facebook“) gab ich den o. g. Kommentar dazu ab, der auch zu Ihrem Artikel, Herr Schieb, passt.

  10. bred&games am

    Ich habe kein FB und auch keinen anderen Messenger! Und dies bleibt auch so! Noch nutze Ich twitter, um auch Nachrichten von Non-Mainstream-Media zu verfolgen!
    Leute, macht Fratzbook und wattap zu.
    Exit!

  11. Konsequent wäre es , Herr Schieb, wenn Sie Facebook verlassen würden.
    Das geht natürlich nicht. Aus berufliche Gründen müssen Sie dort verweilen. Wie fordern Sie die Zuschauer in Ihrem Beitrag der Aktuellen Stunde auf : “ Besuchen sie uns auf FB und diskutieren sie mit. “
    So gesehen ist Ihre Kritik richtig und angebracht aber es können keine persönlichen Konsequenzen gezogen werden.

    • Wie ich schon schrieb: Das ist eine mögliche Konsequenz. Jetzt geht es erst mal darum, klarzumachen, welche Menschen die Regeln in FB vorgeben – und wie sie ticken.

  12. Ralf Meiser am

    Mark Zuckerberg … der dafür sorgt, dass im Eiltempo die Privatsphäre verloren geht, dass sich Narzissmus ausbreiten kann, dass folgenlos gepöbelt, gelogen und gehetzt werden kann.
    Was soll das denn?
    ER sorgt dafür??? Oder vielleicht doch eher die Menschen, die Facebook benutzen?

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top