WhatsAppe mir, wo Du bist!

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WhatsAppe mir, wo Du bist!

Kommentare zum Artikel: 9

WhatsApp ist wie ein Fluch: Fast jeder hat es – und die meisten fühlen sich auch zumindest ein bisschen unwohl damit. Schon allein deswegen, weil es zum Facebook-Imperium gehört, das in Sachen Datenschutz nicht gerade als Vorreiter gilt. Hüstel. Aber Bedenken werden gerne beiseite gewischt, schließlich braucht man den kostenlosen Messenger. Warum? Weil alle ihn nutzen. Milliarden Menschen weltweit. So entsteht Gruppenzwang.

WhatsApp ist der populärste Messenger überhaupt

Alle Freunde sehen, wo ich bin

Ein gutes Stichwort: Jetzt führt WhatsApp eine neue Funktion ein. Die Möglichkeit nämlich, seine Freunde über den aktuellen Standort zu informiere. Aber nicht nur über den wirklich aktuellen, also wo man sich gerade in diesem Augenblick, sondern live. Bewegt man sich, können es die Freunde sehen. Snapchat-User gähnen da, denn die kennen diese Funktion schon länger. Macht aber nicht, denn WhatsApp eine solche Funktion anbietet, ist es relevant. Plötzlich können Milliarden Menschen die Funktion nutzen – oder müssen sogar. Gruppenzwang und so.

Nutzer können also in Zukunft live verfolgen, wo sich die Freunde aufhalten. Das mag praktisch sein, etwa wenn sich mehrere Menschen verabreden und – etwa in der Innenstadt oder auf einem Konzert – leichter finden wollen. Man muss kein „Wo bist Du gerade?“ mehr ins Telefon brüllen. Es reicht ein Blick aufs Display. Doch es gibt natürlich auch Schattenseiten. Hat man auch wirklich sorgfältig genug geschaut, wen man mit seinem aktuellen Standort versorgen will? Geht die Livefunktion auch wirklich nach der vereinbarten Zeit wieder offline? Fragen über Fragen, die nicht nur Datenschützer beschäftigen.

Snapbot

Auch Snapchat verrät den Standort seiner Nutzer

Problem: Gruppenzwang

Wenn ein Unternehmen wie Facebook das mit Abstand wichtigste Kommunikationswerkzeug (WhatsApp) kontrolliert, hat das Vor- und Nachteile. Innovationen lassen sich schneller und leichter einführen. Idee? Prima: Umgesetzt. Eingeführt. Im Zeitalter von SMS und MMS mussten Hunderte von Providern die Ideen erst mal abnicken, dann umsetzen und schließlich berechnen. Das hat Monate, wenn nicht Jahre gedauert. Heute geht alles blitzschnell – aber eben auch undemokratisch. Bedenken spielen keine Rolle. Und weil alle dieselben Möglichkeiten haben, entsteht schnell Gruppenzwang.

Wer will sich schon zieren, wenn alle ihren Standort verraten? Wie sieht das aus? Wieder macht einer mit. Ein Schneeballeffekt entsteht. Neben den Datenschutzbedenken bei so einer Funktion sollte man darüber nachdenken, ob man wirklich alle – uns alle – mit dieser Art von Gruppenzwang konfrontieren möchte. Reicht es nicht schon, dass wir Smileys, Emoticons, Emojis, Sticker, Filter und wer weiß sonst noch was verwenden müssen, wenn wir als hipp gelten wollen? Kommt als nächstes die ständige Standortangabe?

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

9 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Den ganzen WhatsApp-Quatsch braucht man genausowenig wie überhaupt diese Smartphones:
    Die haben sich Profitgierige und Überwachungsfreaks ausgedacht, um immer mehr Teile der Bevölkerung(en!) abhängig und suchtkrank zu machen und sie immer mehr abzuzocken und einer immer totaler werdenden Kontrolle zu unterwerfen:
    Werft Eure Suchtphones weg und werdet wieder FREI – damit entzieht Ihr auch allen Abzockern und Überwachern wie z.b. den asozialen Netzwerken die Grundlage…

    • P. Gedoehns am

      Erneut stimme ich Ihnen zu 100% zu.
      Die Auswirkungen dieser Sucht kann man überall deutlich erkennen. Man sieht nur noch Menschen von 10 bis 70 Jahre, die angespannt auf ihre Display starren, als würden Leben und Tod von diesen Nachrichten abhängen.
      Allerdings geht es im weitesten Sinne schon um Leben und Tod, weil viele Autofahrer auch beim Fahren lesen und sogar schreiben. Auch die aktuell erhöhten Strafen scheinen kaum jemanden von der Sucht abzuhalten.

      Ein Suchtphone muss ich nicht wegwerfen, weil ich bis heute nie einen Grund für den Kauf eines derartigen Gerätes gefunden habe, wohl aber viele Gründe dagegen.

  2. Was sich 2017 geändert hat ist die Tatsache, dass es jetzt mit „Wire“ erstmals eine Alternative gibt die alles kann, und zwar viel mehr als Whatsapp. Alles komplett open source und von zwei Security Firmen zertifiziert. Ich denke die Zeit ist reif und ich habe soeben die ersten beiden Freunde migriert :-)

  3. Es ist doch schlimm, dass man „aus Gruppendruck“ bereit ist, seine Privatsphäre aufzugeben. Whatsapp sammelt sowieso schon all unsere Metadaten, wer weiss was mit den Standorten passiert. Man muss sich einfach einen Ruck geben und sich lösen. Schon wenn man das mit 1,2 Freunden tut erzielt es Wirkung. Alternativen gibt es genug (ich persönlich nutze Threema). Ich frage mich, wann die Leute einsehen, dass WA schon lange überholt wurde.

  4. WhatsApp ist nur Mittel zum Zweck, um Userdaten zu sammeln, profilbildend zu katalogisieren und maximalgewinnbringend an Werbetreibende zu verticken.
    Zuckerberg & Co. machen auch gar keinen Hehl daraus (vgl. AGB) – der User wird mithin zu nichts gezwungen und zieht somit völlig freiwillig blank!
    Ist das, was Sie als „Gruppenzwang“ bezeichnen, vielleicht nicht doch eher Charakterschwäche?
    Eine Riesenschweinerei bleibt allerdings der ungefragte „Diebstahl“ der Adressbuchkontakte durch WhatsApp: selbst Mobilfunknummern, die nicht mit WhatsApp/Facebookaccounts verknüpft sind, gelangen so in die Hände dieser Reklameparasiten!

  5. Wolfgang am

    Auf den Punkt getroffen!
    Ich habe „Wartsab“ auch nur installiert weil es mittlerweile mein Arbeitgeber! sogar voraussetzt! Nutze es ebenfalls mit einem Grummeln im Bauch. Wirklich gute Alternativen haben keine Chance; weil „Jeder Depp hat Whatsapp“.

    • Arbeitsrechts_Anwalt am

      Als Arbeitsrechtler sage ich Ihnen, daß eine solche Anordnung des Arbeitgebers mit ziemlicher Sicherheit rechtswidrig ist, da ihre Befolgung zur Möglichkeit der Totalüberwachung der Beschäftigten nach sich ziehen kann.
      Dies ist ein Verstoß gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das von unserer Verfassung durch Art. 2 Abs. 1 GG geschützt ist.
      Besteht ein Betriebsrat, so unterliegt eine solche Anweisung dem erzwingbaren Mitbestimmungsrecht des § 87 Abs. 1 BetrVG.
      Sie können sich dem Ansinnen des Arbeitgebers also mit guten Gründen verweigern, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen, und hätten dabei die Verfassung und übrigens auch das Bundesarbeitsgericht auf Ihrer Seite.

      • Danke sehr für den anwaltlichen Hinweis.
        Gerne werden diese Gesetze ‚vergessen‘ , auch seitens Whatsapp verliebter Betriebsratsmitglieder

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