Wie konnte das nur passieren? Trump ruiniert Twitter

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Wie konnte das nur passieren? Trump ruiniert Twitter

Kommentare zum Artikel: 7

Als Jack Dorsay, Noah Glass, Biz Stone und Evan Williams im Jahr 2006 ihrer Idee verfallen sind, einen Mikroblogging-Dienst an den Start zu bringen, den wir heute als Twitter kennen, war ihr heute wohl prominentester und umstrittenster User Donald Trump noch vor allem mit dem Bau von Hochhäusern und dem Scheffeln von möglicht viel Kohle beschäftigt.

Erste, alles andere als zarte Bande zur Welt der Medien hat der Immobilienmogul aber damals schon geknüpft: In der Sendung „The Apprentice„, in der Demütigungen zum Programm gehören, hat er effektvoll Leute geheuert und gefeuert. Und sich wohl (mitunter) den Ton angewöhnt, den wir heute alle in der Welt ertragen müssen.

US-Präsident Donald Trump nutzt die Schwächen vom Twitter gnadenlos aus

Erst Privatfernsehen, dann Twitter

Für so etwas ist das Privatfernsehen zweifellos eine gute Schule: Keine Moral, keine Werte, kommerzieller Erfolg ist alles – und wirklich alles steht zum Verkauf. Für Twitter könnte das zum Verderben werden, denn mittlerweile wütet Trump vor allem hier wie ein nicht enden wollender Orkan. Auch wenn Donald Trump jede Menge Aufmerksamkeit im Onlinedienst bekommt – so etwas ist einem Onlinedienst gewöhnlich eher Recht –, es ist halt auch peinlich, was auf Twitter los ist, seitdem Donald Trump den Zwitscherdienst als sein offizielles Sprachrohr erwählt hat.

Wir wissen freilich nicht, ob es wirklich Donald Trump himself ist, der unter @realDonaldTrump twittert – oder ob es seine Büchsenspanner sind. Im Endeffekt ist es auch egal. Twitter passt perfekt zu Trump: Einen Gedanken zu fassen, der größer ist als sein Ego, ist ohnehin eher unwahrscheinlich bei Trump. Und warum mit langen Worten aufhalten, wenn man sowieso keinen Widerspruch und keine Nachfragen duldet? Twitter ist also perfekt. Alles in 140 Zeichen gesagt. So ist es. Ich habe es gesagt. Punkt.

Stop! Falsch!Fakenews sind nicht mehr in den Griff zu kriegen

Twitter sollte @realDonaldTrump peinlich sein

Würde ich bei Twitter arbeiten, mir wäre es unendlich peinlich, das zu unterstützen. Aber nicht nur moralisch bringt Trump den Dienst in Bedrängnis, sondern auch technisch. Weil Trumps Pöbeleien derart viel Resonanz erzeugen, stößt der Dienst bei Trump-Tweets immer wieder an seine Leistungsgrenzen. Kommentare werden nicht korrekt zugeordnet und weitergeführt, was Twitter schon den Verdacht der Manipulation und Zensur eingebracht hat – was natürlich alles andere als gut für die Reputation ist.

Als Barack Obama sich vor seiner ersten Amtszeit geschickt der Sozialen Medien bediente, waren noch alle begeistert. Bei Donald Trump sind nun die meisten geschockt. Und manche fragen sich: Wie konnte das alles nur passieren? Ganz einfach: Blauäugigkeit. Wir gehen komischerweise allzu oft davon aus, dass Technologien nur das Beste in uns Menschen hervorbringen. Gute Ideen und schöne, sinnvolle Projekte sind immer wieder die Antriebskraft vieler Menschen, die Ideen haben und sie entwickeln.

Twittern kann man immer und überall

Turboeffekt für Dummheiten

Das Problem: Es kommt meist anders. Soziale Netzwerke zum Beispiel verstärken ausnahmslos alles, sozusagen vorurteilsfrei. Das Gute wie das Schlechte. Das Intelligente wie das Dumme. Es gibt definitiv mehr Dummheit und Belangloses als wirklich Schlaues – die Schlussfolgerung kann also jeder selbst ziehen: Soziale Medien sind der Turbogang für Dummheiten jeder Art. Und für Dreistigkeiten. Je steiler die These, je größer die Aufregung, je unwahrer oder unglaublicher, desto like. Das immerhin hat Donald Trump erkannt und macht Gebrauch davon. Intensiven Gebrauch.

Natürlich nicht nur er, sondern auch viele andere – aber das macht die Sache auch nicht besser. Vielleicht fragen sich die einstigen Gründer von Twitter heute, ob sie diese Entwicklung nicht hätten verhindern können. Man könnte aber zumindest daraus lernen – für die Zukunft. Und dann geht man künftig nicht mehr davon aus, dass schon alles „gut werden wird“.

Wie war noch der Spruch in dem Blockbuster The Italian Job: Ich traue jedem – nur nicht dem Teufel, der in jedem steckt. Das ist ein gutes Motto. Passt sogar in einen Tweet.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

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  2. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    „Trump ruiniert Twitter “ ?
    Ist mir egal, WER es tut – Hauptsache, es TUT jemand und Twitter ist hoffentlich bald pleite und verschwunden:
    Je weniger Suchtmittel und Überwachungsinstrumente desto besser.
    Der Anblick der immer weiter wachsenden Zahl der Suchtphone-Junkies und -zombies auf Straßen und Plätzen, in Restaurants und in Bahnen ist kaum mehr zu ertragen… :-((

    • Suchtfreier Smartphonenutzer am

      Ich hoffe auch, dass das Internet zusammenbricht!

      Dann sind Sie nämlich offline und ich muss Ihren Murks nicht mehr lesen.

      Wegen Leuten wie Ihnen ist das Digitale Deutschland eine Einöde, ein digitales Entwicklungsland, voll von Leuten, die an ihrem Wählscheibentelefon festhalten, weil die neue Technologie sie „verblödet“ und „süchtig“ macht, ohne die Vorteile zu sehen, die uns als Gesellschaft einen eklatanten Vorteil bringen. Klar muss man da Kompromisse machen, aber bei Starrer Politik und manchmal Inkompetenter Rechtsprechung (LG Köln/LG Hamburg bspw.) muss man sich nicht wundern, dass in Deutschland nichts voran geht.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        „Suchtfreier Smartphonenutzer“?:
        Beides zusammen gibt es nicht.

        „…weil die neue Technologie sie „verblödet“…“:
        Und Sie liefern mit Ihrer Antwort den Beweis dafür gleich mit…!

      • P. Gedoehns am

        Wo bitteschön ist Deutschland ein digitales Entwicklungsland? Das Gegenteil ist der Fall. Fortschritt ist ja okay, man sollte als Bürger aber neben dem ganzen Whatsapp und Twitterwahn auch noch mitbekommen, dass uns ein Großteil der Digitalisierung als toll und erstrebenswert „verkauft“ wird, obwohl es im Grunde um die Optimierung von Kontroll – und Überwachungsmechanismen aller Art geht und nicht zuletzt um dem Auffüllen diverser Ladenkassen.
        Ein Smartphone habe ich auch bewusst nicht, sondern nur ein normales Handy und natürlich ein Festnetztelefon mit Tasten und Display. Ich gönne mir den Luxus, auch häufiger nicht erreichbar zu sein und wisssen Sie was? Mich beneiden immer mehr Leute darum …

  3. NoTwitter am

    Ich kenn mich nicht aus mit Twitter, aber wäre es nicht schlauer Donald Duck (ähh Trump) auf Twitter einfach nicht zu folgen?
    Nur wer echo bekommt, nutzt auch diesen Kanal weiter.
    Also einfach verdursten lassen diese Laberbacke…

  4. Hey Jörg,
    ein netter, gut geschriebener Kommentar zu dem ganzen Wirbel.

    Deiner Meinung schließe ich mich an. Am Anfang einer jeden neuen Technologie werden tatsächlich die Vorzüge in den Himmel gelobt. Der „positive“ Glanz ist mittlerweile von Twitter abgeblättert – da kann man ja fast von „Glück“ sprechen, dass diese Art der schnellen, unzensierten Kommunikation hierzulange nicht allzu viel Anklang gefunden hat.

    Grüße aus Gelsenkirchen,
    Chris

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