Siebter Himmel für Stalker: PimEyes ist ein Staubsauger für Fotos

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Siebter Himmel für Stalker: PimEyes ist ein Staubsauger für Fotos

Kommentare zum Artikel: 10

Warum lächeln wir eigentlich noch, wenn wir fotografiert werden? Die Chance, dass eine Aufnahme mit uns im Bild irgendwo in den diversen Sozialen Netzwerken auftaucht und zur Bereicherung derselben beiträgt, ist extrem hoch.

Das Risiko für Missbrauch ebenfalls, wie der aktuelle Fall PimEyes aus Polen zeigt: Wer das Angebot von PimEyes aufsucht, kann ein Porträtfoto hochladen und nach anderen Fotos dieser Person suchen. Sekunden später erscheinen die Treffer…

PimEyes findet ein Gesicht auch in Gruppenfotos; Rechte: WDR/Schieb

PimEyes findet ein Gesicht auch in Gruppenfotos

PimEyes geht weit über Google hinaus

Das geht weit über die Bilder-Suchfunktion von Google hinaus. Denn PimEyes “saugt” im großen Stil Fotos aus allen nur denkbaren Quellen, vor allem aus dem Web und Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter und Youtube.

(Noch) erscheinen nicht Name und Wohnort auf dem Bildschirm, sondern es werden “nur” Quellen präsentiert, die ein Bild mit der Person zeigen. Aber das reicht meist schon, um innerhalb weniger Sekunden herauszufinden, um wen es sich handelt.

Anonymität wird abgeschafft

Die Datenschutzexperten von netzpolitik.org haben sich das genau angeschaut – und kommen zum Schluss: Die polnische Firma schafft gerade unsere Anonymität ab. Rund 900 Milionen Aufnahmen sollen laut PR-Texten von PimEyes bereits in den Datenbanken gespeichert sein.

Ein ähnlicher Datenskandal wie Anfang des Jahres bei Clearwiew AI. Da hat ein US-Unternehmen das Netz abgegrast, eine Gesichtserkennung darübergelegt und den Service unter anderem an die Polizei verkauft.

Mit der DSGVO wohl kaum vereinbar

Doch PimEyes sitzt in Polen. In der EU! Unvorstellbar, dass es mit der DSGVO vereinbar ist, hunderte Millionen Fotos aus dem Netz zu ziehen, miteinander zu verbinden und eine Gesichtserkennung darüber laufen zu lassen – für die Allgemeinheit!

Anders als Clearview AI bietet PimEyes diesen Service nämlich jedem an. Der siebte Himmel für Stalker: Foto machen – und PimEyes verrät, wer er oder sie ist. Herzlichen Glückwunsch!

Jedes Gesicht innerhalb von Sekunden auffindbar; Rechte: WDR/Schieb

Jedes Gesicht innerhalb von Sekunden auffindbar

Wo sind Algorithmen, die das verhindern?

Laut Recherchen von netzpolitik.org hat PimEyes nachjustiert, einige Formulierungen und auch Verfahrensweisen geändert. So kann man derzeit – zumindest offiziell – nur noch eine Webcam-Bild hochladen. Angeblich, damit man herausfindet, auf welchen Webseiten und Fotos man selbst zu sehen ist und auftaucht. Nur: Das ist kein Geschäftsmodell – das kauft dem Unternehmen doch niemand ab, dass es darum geht.

Markus Beckedahl von netzpolitik.org fragt völlig zu Recht: Wieso ist es eigentlich möglich, dass Facebook, Twitter, Instagram und Co. hunderte von Millionen Fotos “herausgeben”? Warum lassen sie es zu, dass einzelne Unternehmen zig Millionen Fotos “ziehen”, also laden? Es müsste doch Algorithmen geben, die das erkennen – und wirksam verhindern?

So funktioniert das Einsammeln von Fotos – und die Gesichtserkennung

Verantwortung liegt bei Plattformen

Hier liegt ganz klar auch eine Verantwortung bei den Plattformen. Auch sollte es möglich sein, dass Fotos sich automatisch auflösen nach einer Weile. Und dass sie ausschließlich im jeweiligen Netzwerk angeschaut werden dürfen.

Aber ganz klar muss auch die Politik reagieren: Niemand sollte im großen Stil Daten absaugen dürfen. Unter gar keinen Umständen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

10 Kommentare

  1. Jammert nicht, klagt!

    Datenschutz muss immer wieder verteidigt werden. Habe die Seite angeschrieben, mir zu garantieren, dass meine Bilder nicht genutzt werden. Wird wahrscheinlich nicht erfolgen. Dann geht das an die zuständige Landesdatenschutzbehörde. In NRW ist das LDI zuständig.

  2. Zur Aussage “Das ist kein Geschäftsmodell …”
    Die Suchmaschine an sich mag nur indirekt ein Geschäftsmodell sein.
    Über das Hochladen der Fotos, dem Anzeigen potentieller Treffer und dem Verhalten der Benutzer könnte aber eine KI von Bilderkennung menschlicher Gesichter zur Perfektion trainiert werden. Gratis von uns, in Millionen von Fällen.
    Eine wirklich, wirklich gute KI in diesem Bereich dürfte hunderte von Millionen, wenn nicht Milliarden von Euro wert sein.
    Sprich man muss nicht gleich sinistre Motive unterstellen, um ein funktionierendes Geschäftsmodell zu finden. Obgleich sinistre Motive auch nicht auszuschließen sind.

  3. Ekelhaft auch die vielen Nackt und Pornobilder die dort ungefiltert zu sehen sind. Hier wird anscheinend jegliche Seite die irgendein Bild hat gespidert. Habe auch viele Fotos gefunden die von Onlinelokalzeitungen von vor Ort sind. Die Personenerkennung ist teils heftig, habe Fotos genommen auf dem die Person schwierig zu erkennen ist – dasselbe foto wurde nicht gefunden, dafür andere welche erheblich früher entstanden sind. spuky! das war bisher mit google suche so nicht möglich.

  4. Habe dies gerade mal mit ein paar Fotos getestet.Erschreckend. Gespider ja relativ aktuell in 2020 (datum bei den jeweiligen Bildern sichtbar, Details zum Post nur über Pro-Version. Und Xing Profilfotos wurden auch gut gefunden.

  5. Habe seit Jahren verhindert, wenn möglich, das irgendwelche kleinen oder größen Bilder von meinem Gesicht ins Netz gelangen. Etliche Kollegen aus der IT verfahren auch so. Wir haben damals schon das negative Potenzial erkannt. Unseren Kinder und Frauen verbieten wir weitgehend auch, insbesondere, Gesichtsaufnahmen ins Netz zu stellen.

    Es versteht halt niemand das Fotos nicht nur für eingeschränkte Menschen verfügbar sind, jeder kann sie runterladen und woanders hochladen. Es gibt kein “Haltbarkeitsdatum” und ähnliches.

  6. > Hier liegt ganz klar auch eine Verantwortung bei den Plattformen. Auch sollte es möglich sein, dass Fotos sich automatisch auflösen nach einer Weile. Und dass sie ausschließlich im jeweiligen Netzwerk angeschaut werden dürfen.

    Wie soll sowas technisch möglich sein? Spätestens nachdem ein Screenshot von dem Bild angefertigt wurde, ist dieser eine komplett andere Datei und jegliche Form von DRM läuft ins Leere. Dafür dass Herr Schieb im Normalfall recht genau weiß, worüber er schreibt, halte ich diesen Ansatz für überaus naiv.

  7. Frank Druhm am

    1. Die heute noch ihr Lächeln ins Netz stellen, werden eines Tages um Hilfe rufen! Wer klärt nur Jugendliche darüber auf, wie sehr sie sich in -auch kriminelle – Abhängigkeiten begeben?
    2. Warum und WER setzt eigentlich die Datenschutzverordnung nicht sofort durch?

    Fazit: Der Umgang mit den Plattformen der IKT muss von Eltern (!!!), von allen an der Erziehung beteiligten Betreuern mahnend und helfend begleitet werden! Und der Missbrauch von Technik muss mit sehr streng bestraft werden.

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