Gammel-Artikel in Wikipedia

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Gammel-Artikel in Wikipedia

Kommentare zum Artikel: 9

Mehr als 3.500 Artikel der deutschsprachigen Wikipedia sind angegammelt und tragen offiziell das Label “veraltet”. Tatsächlich werden es weit mehr sein, denn um zu erkennen, dass ein Artikel veraltet ist, muss der neue Stand ja erst einmal bekannt sein. Ein Beispiel: Die Kinokette Cinemaxx hat seit Dezember 2018 ein Kino mehr in Nordrhein-Westfalen und zwar in Hamm. Im Wikipedia-Artikel “Cinemaxx” ist das auch zwei Monate später noch nicht vermerkt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine geheime Information. Zum neuen Kino wurde eine Pressemitteilung herausgegeben und auch die lokalen Medien haben darüber berichtet.

Das neue Kino ist sicher nicht die wichtigste Information der Welt, aber gerade das ist das Problem: Die Wikipedia-Artikel zu den großen aktuellen Themen sind meistens auf einem guten Stand. Es sind oft kleinere Nischen-Themen, die vernachlässigt werden. Das zeigt der Blick auf die komplette Liste der als veraltet bekannten Artikel, darunter beispielsweise: Bahnhof Werdohl, das Dortmunder Musikmagazin Visions oder Nahverkehr in Gütersloh.

Wikipedia hat zu wenig Autoren

Wikipedia setzt als Autoren auf unbezahlte Freiwillige und deren Zahl ist stark rückläufig. 2009 waren es nach Recherchen der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” noch 13.000, heute sind es nur noch etwa halb so viele. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Artikel allein in den vergangenen vier Jahren verdreifacht. Die Autoren kommen zur Zeit einfach nicht mehr hinterher.

Also Finger weg von Wikipedia? Natürlich nicht. Für einen schnellen Überblick zu einem Thema ist die Plattform super. Sie darf aber keine richtige Recherche in Primärquellen ersetzen. Und das gilt natürlich auch für Infos von Alexa oder die Infokästen von Google – die speisen sich nämlich auch direkt aus Wikipedia.

WDR 2: Wikipedia: “Man kann nicht irgendwas reinschreiben”

Über den Autor

Elektronikbasteln hat David schon immer fasziniert. Nach BWL-Studium und WDR-Volontariat arbeitet er als Journalist für Fernseh- und Online-Redaktionen. Mit Stefan Domke hat er das Storytelling-Tool Pageflow erfunden, für das er 2014 einen Grimme Online Award bekam.

9 Kommentare

  1. Was ich schade finde, ist die schlichte Feststellung, dass trotz faktenbasierter Aufdeckung von tatsächlichen massiven Missständen in der Wikipedia weder in den Leitmedien noch in der Wikipedia das Thema diskutiert wird.

    Allenfalls werden die Überbringer der schlechten Nachricht als rechtsoffene, rechtsradikale oder antisemitische Verschwörungstheoretiker diffamiert.

    Dass die ca. 80 Manipulatoren der politischen Artikel in der Wikipedia mit radikalpolitischer Gesinnung in die Schranken verwiesen werden? Fehlanzeige! Diese Autoren bestimmen seit Jahren mittels Administratoren – Sichtergespannen das Geschehen im Pseudolexikon.

    Das Ergebnis kann man in Zahlen sehen. Zahllose ungerechtfertigte Benutzersperren gegen Nutzer, die in der Wikipedia zwar tadellos quellenbasiert und regelkonform arbeiten, aber Daten eintragen, die ungewünscht und unbequem sind.
    Frustrierte Autoren die gegen dogmatische Platzhirsche wie Berichtbestatter, Jonaster, JosFritz, Kopilot, Phi, Feliks und co. das Handtuch werfen verlassen in Scharen das Projekt.
    Die monatlich aktiven Benutzer sinken unaufhörlich. Vor zwei Jahren noch ca. 18.000 aktive Benutzer, jetzt noch zwischen 16.000 und 17.000 aktive Benutzer, je nach dem, welchen Monat man betrachtet. Tendenz: Kontinuierlich fallend.
    Gegenmaßnahmen: Naive Werbung so wie hier, die versucht, Ahnungslose als Wikipediaautoren zu gewinnen. Auch diese Neulinge werden sich angeekelt vom Projekt abwenden.
    Und die zahllosen veralteten Artikel werden in ihrer Zahl weiter steigen.

    Die bisherige Parole der tonangebenden Wikipedianer lautet aber dennoch: Weiter so!

    Erschreckend für mich: Auch der Journalist, der für diesen Artikel verantwortlich zeichnet hat sich allenfalls nur oberflächlich informiert, sonst sähe der Artikel anders aus.

    Wir werden sehen, wohin das führt.

  2. Viele der als veraltet gekennzeichneten Beispiele haben ein anderes Grundproblem: Es wurden Zukunftsplanungen eingetragen, deren baldiges Veralten schon beim Eintrag völlig klar war. Ein guter Autor lässt so etwas bleiben. Nicht alles, was gerade in der Zeitung, steht muss in Wikipedia eingetragen werden. Einen veralteten Text zu aktualisieren ist oft schwieriger als einen neuen Fakt in eine saubere Chronologie einzufügen.

  3. Was ich schade finde ist, dass weder hier noch anderswo, wo nun der FAZ-Artikel zitiert wird, darauf hingewiesen wird, dass die Leser ja Hand anlegen können und Fehler selbst beheben können, wenn sie ihnen auffallen. Das fehlende Cinemaxx-Kino ist schnell ergänzt (man muss sich nichtmal anmelden), eine Quelle gibt es offenbar auch.

    Statt nur zu beklagen, dass es immer weniger Wikipedia-Autoren gibt (die ehrenamtlich für das System ihre Freizeit opfern), könnte man viel gezielter darauf hinweisen, dass sich das Problem lösen lässt, wenn wieder mehr Leute mitmachen. Mit mehr Leuten, die ernsthaft Interesse habe, könnte man nicht nur den Autorenschwund kompensieren, sondern auch andere vielbeschworene Probleme angehen: Diversität, Diskussionsklima, Frauenanteil. Aber mit Schlagzeilen wie diesen verschärft man das Problem eher noch – Warum sollte ich nach 15 Jahren Wikipedia-Autorenarbeit dieses Hobby weiterverfolgen, wenn meine Arbeit hier als “Gammel-Artikel” abgetan wird?

    • David Ohrndorf am

      Hi Achim,
      ich hoffe, den Lesern hier wird durch den Hinweis auf die “Freiwilligen” klar, dass sie sich auch selbst beteiligen können. Im verlinkten Audio-Interview ist das auch ein Thema, wenn ich mich richtig erinnere. Die Beschreibung “Gammel-Artikel” klingt natürlich nicht schön, aber sie bezieht sich ja ausdrücklich auf die veralteten Beiträge, nicht auf die gepflegten Seiten.

  4. Wikipedia darf nie eine zitierte Quelle sein, da es Sekundär- oder Tertiärliteratur ist. Zitiert wird das Original – es sei denn man betreib Sekundär-/Tertiärquellenforschung in der Wikipedia.

    • David Ohrndorf am

      Ich sehe das ein bisschen differenzierter. Meiner Meinung nach sollte an der Schule der richtige Umgang mit Wikipedia erklärt werden. Sie einfach zu verteufeln ist ein bisschen unterkomplex :-)

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