Wir haben heute keine Luca App für Dich!

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Wir haben heute keine Luca App für Dich!

Kommentare zum Artikel: 32

Eigentlich wollten sich Bund und Länder heute darüber verständigen, wie sich die Kontaktnachverfolgung mit einer App digitalisieren lässt. Doch die Entscheidung darüber wurde vertagt.

Ganz so, als hätten wir keine Zeit zu verlieren. Und damit sind wir auch schon mit mittendrin, im Problem: Schon seit Monaten liegen – teilweise wirklich gute – Lösungen vor, wie sich Kontakte in der Pandemie bei Bedarf nachverfolgen und lästige Papierlisten ersetzen lassen.

Wir erinnern uns: Im vergangenen Jahr mussten wir uns noch regelmäßig im Restaurant in Papierlisten eintragen.

Die Luca App macht es einfach, Cluster nachzuverfolgen; Rechte: WDR/Schieb

Sollte eigentlich heute starten: Die Luca App macht es einfach, Cluster nachzuverfolgen

Es gibt eine Reihe guter und tauglicher Apps

Apps wie Vida, Herein!, Darfichrein oder eben die Luca App machen das eleganter, schneller, einfacher und effizienter: Beim Hereinkommen einen QR-Code scannen, der am Eingang steht (oder am Tisch) – fertig. Alternative kann auch der Betreiber des Lokals – oder Geschäfts, Theaters, Clubs – die QR-Codes der Gäste scannen (um sicherzugehen, dass niemand den Registriervorgang „vergisst“).

Und wer seinen Tisch online reserviert, muss selbst das nicht, wenn die Daten wie von Zauberhand aus dem Reservierungssystem verarbeitet werden. Weiterer Vorteil: Die App bemerkt sogar, wenn ein Gast das Lokal wieder verlässt – und trägt das Ende der Verweildauer ein.

Anstatt in einer Liste auf Papier landen die Daten also – sorgfältig verschlüsselt – in einem System.

Es muss schnellstmöglich eine Lösung her

Es gibt eigentlich nur Vorteile: Die Daten sind verschlüsselt gespeichert – und niemand kann einfach so reinschauen. Das System löscht die Daten automatisch nach 3o Tagen (weiß man das von den Listen auf Papier?). Und vor allem: Wenn das Gesundheitsamt die Daten braucht, lassen sie sich blitzschnell abrufen. Alle, die es betrifft, werden informiert und müssen zustimmen. Doch es wird viel Zeit gespart.

Es wäre also wünschenswert, dass nun schnellstmöglich eine gute digitale Lösung an den Start geht. Am besten bundesweit einheitlich – damit die Bürger nicht jedes Mal überlegen müssen, ob sie die passende App dabei haben. Das würde die Sache verkomplizieren.

Es sei denn, es ist aus technischer Sicht völlig egal, welche App man zum Einchecken benutzt – und die Daten landen trotzdem zuverlässig beim Gesundheitsamt. Genau das fordert wirfuerdigitalisierung.de. Eine Initiative, die nachvollziehbar argumentiert: Es gibt diverse App-Lösungen – seit Monaten. Die Luca App ist keineswegs die Erste, die diese Funktion bietet.  Hat aber den Vorteil, mit Smudo von den Fanta4s einen prominenten Schirmherren zu haben, der das Thema in die Talk-Shows gehoben hat.

Darfichrein: Es gibt einige Alternativen zur Luca App; Rechte: WDR/Schieb

Darfichrein: Es gibt einige Alternativen zur Luca App

Politik agiert träge und ohne Weitsicht

Auf jeden Fall ist es Smudo gelungen, dass sich die Politik überhaupt für vorhandene Lösungen interessiert.

Ganz generell muss ich aber sagen: Ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, warum nicht schon vor Monaten damit begonnen wurde, geeignete Apps zu finden, einen Standard zu definieren – und die Gesundheitsämter entsprechend vorzubereiten und auszustatten.

Es zeigt sich mal wieder, dass die kleinen Unternehmen und Startups zeitnah gute Lösungen entwickeln, während die Politik bräsig entweder gar nichts tut oder Bedenken schiebt, anstatt Probleme zu erkennen und zu lösen.

https://vimeo.com/519936844

Angeklickt: So funktioniert die Luca App

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

32 Kommentare

  1. „Die App bemerkt sogar, wenn ein Gast das Lokal wieder verlässt …“

    Weiß jemand, wie das technisch geht?

    • Vermutlich über GPS-Informationen des Smartphones(?). Die Position eines Restaurants ist bekannt. Und wenn sich das Gerät für einen bestimmten Zeitraum – vllt. 5 – 10 Minuten (mehr als eine „Zigarettenlänge“ oder die Zeit, die man braucht, um das vergessene Portemonnaie aus dem Auto zu holen – mehr als z. B. 50 Meter entfernt, dürfte der Gast das Restaurant mit 99% Wahrscheinlichkeit verlassen haben.

    • @Jonas/Oliver: Suchen Sie auf der deutschen Wikipediaseite nach „Geofencing“. Dort ist es recht gut erklärt; mit Vor- und Nachteilen sowie weiterführenden Links (z.B. auf openpr).
      Wie schon mal an anderer Stelle geschrieben: “Geofencing” ist, aus Datenschutzsicht, der Super-GAU, aus Marketing- und Überwachungssicht, der Super-Segen; mit bald flächendeckendem 5G, mehr denn je. Taiwan setzt, im Rahmen der Quarantäneüberwachung, auf konsequentes (mit erheblichen Strafzahlungen verbunden) „Geofencing”; dort „electronic fence“ (elektronischer Zaun) genannt – das trifft es besser.

      • Bevor du hier sinnlos Ängste schürst, will ich mal darauf hinweisen, dass diese Funktion freiwillig ist, und sowohl in der App wie auch in den Geräteeinstellungen abgeschaltet werden kann. Man sollte dann nur daran denken, auch manuell wieder auszuchecken.

  2. Ich sehe es nicht ganz so positiv. Man stelle sich vor, die Regierung verordnet beim Gaststättenbesuch das Registrieren mit dieser App. Die Menschen, die vorher Prinz Eisenherz in die Papierliste geschrieben haben, kommen dann gar nicht mehr. Könnte also auch kontraproduktiv sein. Wer sagt denn überhaupt, dass Restaurants die Infektionsstätten Nr. 1 waren/sind? Nach mehreren Studien trifft die Pandemie überwiegend die Arbeiterklasse. Die, die ohne Home-Office täglich im überfüllten ÖPNV sitzen. Dort, wo viele Menschen eng zusammen sind, da wird infiziert. Im Restaurant gab es funktionierende Konzepte von Beginn an. Ich werde bei Verpflichtung wohl auch eher zu Hause essen.

    • Egal ob die Gastro ein wesentlicher Treiber der Infektionen ist, halte ich den Einsatz einer App für die sinnvollste Lösung. Auf Kunden wie ‚Prinz Eisenherz‘ kann man gerne verzichten, da deren Verhalten einfach unsozial ist.

    • Es geht wohl weniger darum, ob Gaststätten die „Infektonsstätte Nr. 1“ — sie sind eine potenzielle. Je nachdem, wie vorsichtig oder eben unvorsichtig manche Gäste und Personal verhalten. Und: Es IST vorgeschrieben, sich zu registrieren. Schon jetzt – und aus gutem Grund, wie ich finde. Der Ansteckungsherd ÖPNV ist in der Tat ein anderes Thema.

  3. Also nach meinem bisherigen Kenntnisstand ist aktuell doch tatsächlich die Anbindung bzw. Schnittstelle der ganzen Kontaktverfolgungs-Apps an das bzw. die (tlw. unterschiedlichen) Systeme der Gesundheitsämter das Problem oder etwa nicht?

    Un hier liegt doch der Hase im Pfeffer versteckt. Was meint Ihr denn, wie lange es wohl dauert, dass hier jedes Gesundheitsamt angebunden ist – vor allem, wenn man zuvor noch auf eine einheitliche Software der Gesundheitsämter (SORMAS) umstellen und dafür die entsprechende Online-Plattform intergrieren muss? Selbst, wenn es keinen weiteren technischen Abstimmungsbedarf und auch keine Ausschreibungspflichten gäbe dauerte die Umsetzung immer noch viel zu lang. Von daher hoffe ich, dass bis zu einer solchen landes- oder gar bundesweiter Umsetzung die Impfung die Pandemie bewältigt hat.

    Insoweit teile ich die Auffassung des Autors, dass man sich über die Nutzbarmachung und Anbindung dieser zum Teil bereits seit Frühjahr letzten Jahres bestehenden Rückverfolgungsapps an die „staatlichen“ Systeme bereits vor 9 Monaten hätte kümmern müssen und nicht erst jetzt. Jetzt kommt dies viel zu spät, insbesondere wenn man gerade noch hoffen darf, dass bis zum Sommer die Impfung die Pandemie weitgehend bewältigt hat.

  4. Hans Kaeten am

    Ich habe kein Smartphone; nur ein Mobiltelefon mit SMS. Wie komme ich dann ins Geschäft? Kann ich auf dem Gerät meiner Frau mit reinkommen?

    • Jeder hat heute ein Smartphone. Wer im Internet behauptet keines zu haben, will in Wahrheit nur eine hypothetische Was-wäre-wenn-Frage stellen, und darauf könnte man auch einfach anworten: Dann hast du halt Pech gehabt. Ein einfaches Smartphone kann sich jeder für 10 € bei eBay kaufen.

      • Quelle Bitcom, Februar 2021: Die Zahl der Smartphonenutzer ab 16 Jahren stieg im vergangenen Jahr um 3%-Punkte auf 79 Prozent. Das entspricht 56 Millionen Menschen.
        Also noch lange nicht jeder. Ich Pechvogel übrigens auch nicht. Bekam voriges Jahr eins zum Geburtstag geschenkt und hab‘ es eine Woche später in der Kleinanzeigenbucht wieder verbimmelt. ;-)

      • Barnstorff am

        Aber nicht alle Smartphons besitzen noch die Vorraussetzung um die App zu laden….Wenn das Smartphon in Ordnung ist und alles funktioniert, Telefonieren Whats App, Threema u.s.w. warum soll ich mir dann ein neues kaufen??? Wegen Luca…bestimmt nicht

  5. Die Argumentation stimmt.
    Nur meine Frage: können die Apps untereinander kommunizieren? Ziel muss ja eine flächendeckende Nutzung sein.
    Wenn ich einen Kaffee beim Bäcker trinke, anschließend in zwei Läden shoppen gehe, in der Eisdiele verweile und noch in den Buchladen gehe, kann ich nicht 5 Anwendungen nutzen. Sondern muss mit meiner installierten App mich problemlos erfassen können.
    Wäre das mit unterschiedlichen Apps möglich? Falls ja, gerne Vielfalt!

  6. Es dürfte fast völlig gleich sein, was in der Politik geschieht oder nicht geschieht, am Ende wird das Haar in der Suppe gesucht, gefunden und eine Lösung diskrediert.

    Man möchte eine App zur digitalen Erfassung der Kontaktdaten beim Geschäfts-/Restaurantbesuch und sagt unkompliziert die „Luka-App“ soll es sein.

    Sofort „Klüngel“, „Bevorzugung“, also muss eine Ausschreibung her. Die entsprechend dauert. Sämtliche Reglements, Gesetze und Fristen müssen bis zum Exzess beachtet werden.

    Dann eine Entscheidung, sofort bei vielen das „Geschmäckle“ na da hat der Staat seine Finger drin, nutze ich besser nicht. Sofort na die gewählte App ist aber schlecht, die andere App wäre viel besser. Das passiert übrigens auch wenn die andere App gewählt wird. Sofort von manchen „das ist aber schwierig verstehe ich nicht“. Sofort „die App läuft nicht mehr auf meinem 8 Jahren alten Smartphone was ist das den“.

    Ich könnte fortfahren, es gibt aber ein Muster. Das digital nicht viel passiert hat viele Gründe und jeder hat seinen Anteil daran, die Bevölkerung, nicht zu knapp die Medien und natürlich auch die Politiker.

    • Carsten Mohr am

      Heute ein Bericht hierzu in der Tageszeitung. Es gibt eine App, seit einem Jahr, von einem lokalen Anbieter. Kostenfrei und auch alle Daten verschlüsselt, mit Schnittstelle zu dieser Gesundheitsamtssoftware. Stichwort Interoperabilität, was Herr Schieb immer wieder richtigerweise fordert. Dann ist doch quasi egal, wer welche App nutzt. Im Falle der Infektion kann das Amt auf Daten nach Zustimmung des Nutzers zugreifen. Warum also zwingend eine einzige App? Es wäre doch die Chance, hier einem breiten Feld das Machen zu überlassen.

      • Denke viele haben das Internet oder Digitale noch nicht verstanden, die denken einfach analog.

        siehe u.a. lizenz für den Online Brockhaus für fast 3 Millionen Euro. Mann kann nur mit dem Kopf schütteln.

      • Stimmt, offene Schnittstellen können eine Lösung sein, vor allem wenn sie schon existieren.

        Müssen Sie erst geschaffen werden, dann können Standards, definierte Schnittstellen auch ein Schlachtfeld sein, welches Projekte auf unbestimmt verzögern.

  7. Deutschland – Verhinderungsland
    Nicht schwafeln, machen. Wir Deutschen müssen nicht immer das Rad neu erfinden wollen, es gibt es schon. Würde es sich bei diesem Punkt um die Erhöhung der Diäten handeln, gäbe es vermutlich keine Vertagung.

  8. Jörg Schieb am

    ich weiss nicht, ob der Satz diktiert wurde ;-), aber er ist schwer zu verstehen.

    Also KI weiss in der Tat, wer wen kennt etc. Die KI von Facebook, Twitter, Instagram, Amazon, Google. Wer diese Dienste nutzt, geht das Risiko ein. Für die hier genannten Apps gilt das nicht, denn sie stehen für ohnehin gegebene Dokumentationspflichten. Die Daten sind verschlüsselt gespeichert – und werden nach 30 Tagen gelöscht.

    • „Wer diese Dienste nutzt, geht das Risiko ein. Für die hier genannten Apps gilt das nicht…“
      Woher wissen Sie das? Die Luca-App, wie auch manch andere, ist nicht(!) open source. Reicht hier Smudos Ehrenwort oder durften Sie schon den Sourcecode checken?
      Ich will nicht in Abrede stellen, dass die App gut ist. Was mir aber gar nicht gefällt und dieser App meine Sympathie und mein Vetrauen nimmt, ist dieses Vorfeld-Gemauschel mit dem gewissen Promibonus: der prominente Smudo bei der prominenten „Anne Will“, mit voller Promotion und Rückendeckung durch den prominenten und beliebten Herrn Yogeshwar, schön im Kuschelkurs mit dem prominenten KA-Chef Braun. Warum saß da kein „Underdog“ und durfte seine App präsentieren? Und so lautet auch diese Blog-Meldung nicht etwa „…heute keine App…“, sondern „heute keine Luca App“. Damit sind die Mitbewerber auch hier quasi schon disqualifiziert!? Auch das gefällt mir gar nicht.
      Oder wie Markus Reuter (netzpolitik) es heute in seinem lesenswerten Kommentar formuliert: „…Es müssen alle davon profitieren, nicht nur irgendein Startup in Berlin, das es geschafft hat, einen deutschen Beastie Boy an Bord zu haben, der gegen Open Source pöbelt. …“. So ist es!
      Chancengleichheit? Offenbar Fehlanzeige! Passt aber irgendwie zu Löbel und Nüßlein … klüngel-lüngel-lüng. ;)

        • Manchmal ist es besser icht „Deutsch“ zu denken.
          Viele andere Länder nutzen ähnliche Systeme und es funktioniert.
          Wir lassen uns die Freiheit und nehmen und leben mit ganz ganz vielen Einschränkungen.
          Das nehmen wir hin.
          Warum nicht mit einer App?
          Hier in Deutschland wird nur geredet und gemeckert, Deutschland ist Meckerland Nr 1, Weltweit.
          Ich wünschte mir das Innovation wieder an erster Stelle steht.

          • Viele andere Länder nutzen das und es funktioniert? Nennen Sie mal bitte ein paar Beispiele!

  9. Da das Netz überwacht wird ist es Dank KI alle Kontakte lückenloß wer mit wem, wer kennt wen auch nach Jahren zu rekonstruiren, manche wohnen nur in meinem Auge…

    • Roland Wintergerst am

      Ja es scheint nichts mehr zu funktionieren
      Die Politik scheint einen TOTALSCHADEN zu haben. Denn was hier Passiert wird erhebliche Folgen zu haben.

  10. Jörg du hast vollkommen Recht,. Alles Neuland Politiker, nur diskutieren nicht handeln. Sind scheinbar alle noch in den 80er Jahren hängen geblieben unsere Neuland Politiker. Kein Wunder dass die regierenden Parteien immer mehr an Zustimmung verlieren bei so einer Politik. Ich bin sehr enttäuscht dass heute nichts entschieden wurde. Wertvolle Zeit vergeht ohne Entscheidung.

    • Carsten Mohr am

      Nein! I dem Moment, wo die Regierung einer Plattform den Vorzug giebt, ist doch schon der Korruptionsverdacht gegeben. Aktien steigen im Kurs, Vorteilnahme ist offensichtlich…

      • Carsten Mohr am

        Nein! In dem Moment, wo die Regierung einer Plattform den Vorzug gibt, ist doch schon der Korruptionsverdacht gegeben. Aktien steigen im Kurs, Vorteilnahme ist offensichtlich…

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